Test: Native Instruments Kontrol S8

Test: Native Instruments Kontrol S8

Tests 15. Dezember 2014

Vor seinem Erscheinen hat er massiv Wellen geschlagen, aktuell ist es recht ruhig um ihn, den TRAKTOR KONTROL S8. Grund genug der Frage nachzuspüren, ob der S8 wirklich ein "Game Changer" ist. Im Folgenden Eindrücke und eine Einschätzung. Der S8 soll vor allem die experimentellere Art des DJing auf das nächste Level hieven und dem Nutzer das Live-Remixing, Re-Arranging sowie Einbringung eigener Klangsequenzen erleichtern. Dazu bediente Native Instruments sich aller ihrer bisher veröffentlichten (DJ-)Module und packte sie mehr oder weniger fusioniert & kombiniert in ein gemeinsames Gehäuse.

Traktor Kontrol S8 Draufsicht

Der Kontrol S8 ist in seiner Dimension in etwa vergleichbar mit einem Setup aus Vierkanalmixer samt zweier Traktor Kontrol X1 bzw. ähnlicher Controller, sowohl von der Breite als auch auch von der Tiefe her. Dies hat zur Folge, dass Transport und benötigte Aufstellfläche eine noch größere Herausforderung darstellen, als es bisher ein S4 tat. Allerdings hat man mit dem S8 dann auch tatsächlich genau das soeben zum Größenvergleich genannte Setup auf dem Tisch stehen, also einen eigenständigen Vierkanalmixer samt zweier Deck-Controller sowie einer integrierten Soundkarte mit Timecodefunktionalität für die hauseigene Software Traktor Scratch Pro 2. Diese gehört bereits zum Lieferumfang.

Neben den fehlenden Jogwheels sind es wohl sicher die Displays, die einem als erstes ins Auge stechen. Derer gibt es zwei Stück, je eins für die beiden linken bzw. rechten Decks. Dort lassen sich im Betrieb mit Traktor, und zwar nur damit, alle möglichen Informationen der Decks ablesen. Da der S8 diese Infos scheinbar direkt vom Software-Kernel erhält bzw. von dort ausliest, müssen beispielsweise die Zoomstufe der Waveform am Rechner und beim S8 nicht identisch sein. Auch die Darstellungsgröße der Decks in der Software hat keinen Einfluß auf die Abbildung beim S8.

Traktor Kontrol S8 WaveformEin kleiner Wehrmutstropfen ist, daß der S8 die Waveform nur einfarbig blau und nicht spektral anzeigt. An den technischen Voraussetzungen der Displays kann es nicht liegen, denn diese sind absolut multicolor-tauglich, was man z.B. beim Anzeigen eines Remix-Sets sehen kann. Somit könnte es eher an der doch nicht ungeringen Datenmenge und deren Verarbeitung liegen, dass dies nicht von Seiten des Herstellers umgesetzt wurde.

Ansonsten sind die Displays wirklich sehr gelungen. Sie lassen sich stets problemlos bezüglich Kontrast, Blickwinkel sowie Helligkeit ablesen und geben Feedback zu allen erdenklichen Eventualitäten. Man erkennt die Looplänge und gesetzte (de-) aktivierte Loops auf den Waveforms, Hotcues oder Slices (Freeze Mode), die aktuell gewählten Effekte samt Auswahlliste oder aber man nutzt sie zum Browsen durch die Kollektion. Letzteres geschieht samt Cover-Anzeige und auch mit der Option, die aktuelle Playliste zu switchen, welche dann wiederum für beide Displays bzw. Deck-Seiten auf dem S8 gleichermaßen gilt. Man kann also nicht auf unterschiedliche Crates zurückgreifen, wie sich das vielleicht manch einer wünschen würde. Da es diese Option jedoch auch noch nicht in der Software selbst gibt, sollte nach (eventuell kommender) Implementierung eines solchen  Features dieses sich auch mit direkt am S8 umsetzen und nutzen lassen.

Direkt unter den beiden Displays findet man dann auch schon die wohl zweitauffälligste Neuerung, nämlich die multikoloren Performance-Pads samt vier kurzen Linefadern und berührungsempfindlichen Endlosdrehreglern. Derer gibt es beim S8 eine ganze Menge, unter anderem die bereits erwähnten, aber auch die Encoder der beiden Effekteinheiten oder die Browse-Knobs und die Regler für Looplängeneinstellung sind touchsensitive. Dies hat zur Folge, dass ein bloßes Berühren des Reglers genügt, damit das Display sofort entsprechende Informationen zum aktuell eingestellten Zustand der jeweiligen Funktion offenbart, die ansonsten im unberührten Zustand ausgeblendet sind.

Mit den Pads lassen sich nicht nur die Zellen der Remix-Decks steuern (und zwar wirklich alle; mit den "Zoom"-Tasten für die Waveform kann im Remixdeck zu den anderen Zellen geblättert werden, analog zum Encoder am Kontrol F1), sondern je nach aktiviertem Performance-Modus erfüllen sie auch diverse andere Funktionen, wie etwa Hotcue-Steuerung, Loopen, Beatjumps oder das Anspielen der einzelnen Slices im Freeze-Modus. Alles in allem machen die Pads eine wirklich gute Figur und ermöglichen ein schnelles, zielgerichtetes und vor allem auch ergonomisches Arbeiten mit den unterschiedlichen Funktionen "Hotcue", "Loop", "Freeze" oder "Remix".

Die Schieberegler hingegen sind ausschließlich für die Lautstärkejustierung der jeweiligen Remixdeck-Slots vorgesehen. Heißt im Umkehrschluß: wenn man kein Deck im Remixdeck-Modus betreibt, haben die Regler keine Funktion (im Standard-Mapping) und nehmen eigentlich nur Platz weg. Anders verhält es sich da schon mit den Drehreglern über den Fadern, direkt unterhalb der Displays. Denn diese sind multifunktional und steuern zusammen mit den darunterliegenden Buttons neben Pitch, FX Send und Filter der Remix-Slots auch die Effekteinheiten 3 und 4.

Im Mittelsegment findet sich ein sehr aufgeräumter und übersichtlicher Mixerpart mit vier Kanalzügen, die neben einem Dreiband-EQ auch ein Filterpoti, einen dedizierten Gainregler und zwei Effektrouting-Tasten, sowie einen Button für den Audio-Thru bzw. Live-Input Modus besitzen. In Verwendung des S8 mit Traktor können Filter & Equalizer auf eine beliebige der zur Verfügung stehenden Varianten eingestellt werden. Nutzt man den S8 hingegen als eigenständigen Mixer ohne Software, muss man mit der Einstellung Z-ISO vorlieb nehmen, die auch beim Traktor Kontrol Z2 Verwendung findet.

Die Fader an sich bieten einen schönen Widerstand und laufen geschmeidig in ihrer Führungsbahn, ohne zu haken und ohne nennenswertes Spiel. Etwas leichtgängiger als die Linefader ist der Crossfader, dessen Überblendverhalten hardwareseitig über einen Drehregler justiert werden kann. Jedem Kanal steht eine eigene Aussteuerungsanzeige zur Verfügung, die sich neben den EQ-Potis befindet.

Traktor Kontrol S8 Setup SoftwareDas Setup Kontrol S8 plus Traktor Pro 2 läuft erwartungsgemäß rund und bietet ein Plug'n'Play Erlebnis mit diversen Personalisierungsoptionen über die Software-Preferences. Am wohlsten und ergonomischsten fühlt es sich an, wenn man die Kombination 2 Track-Decks & 2 Remix-Decks wählt, denn hierfür scheint die Konsole zu 100 % gemacht zu sein. Alle Decks lassen sich dabei mit den wohl wenigsten Deckswitches annähernd vollumfänglich bedienen und auch die Displays bieten hierfür ausreichend Platz, um alle essentiellen Infos zeitgleich darstellen zu können. Mit der bereits schon erwähnten Prämisse einer entsprechenden Vorbereitung seiner Musiksammlung - Gridden & setzen wichtiger HotCues - wird man auch zu keiner Zeit ein Jogwheel vermissen und freut sich dagegen umso mehr über den freigewordenen und anderweitig nutzbaren Platz. Zu größten Teilen ist das Layout der Konsole quasi selbsterklärend und man gelangt per Try&Error fast immer ans gewünschte Ziel.

Die Konsole besitzt vier analoge Eingänge, die sich mit wahlweise Plattenspieler oder CD-Player bzw. anderen line-fähigen Eingangsquellen bestücken lassen. Nun kann man diese externen Gerätschaften nicht nur dazu benutzen, ein Timecode-Signal an die Software zu senden, sondern sie können auch im Standalone-Betrieb völlig ohne Software zusammengemischt werden. Sobald man bei laufender Software auf den runden Button mit dem Traktor-Logo unterhalb der Gain-Regler drückt oder die Verbindung zur Software komplett kappt, reagieren die Regler im eigenständigen Betrieb und steuern direkt die ein- und ausgehenden Audiosignale.

Fazit

NI's Traktor Kontrol S8 ist aktuell auf jeden Fall State of the art, was Traktor Pro angeht. Mehr geht derzeit nicht, jedenfalls nicht mit einem einzelnen Gerät. Der User eines S8 bekommt in der Tat die ultimative Allzweckwaffe in die Hand, sofern er sich auf die Strategie des Herstellers einlässt oder diese sich mit der eigenen deckt. Anders gesagt: will man seine Tracks nicht oder nicht immer entsprechend vorbereiten, will man die Remix-Decks eher weniger bis garnicht einsetzen oder möchte man sowieso viel lieber mit einer anderen Software arbeiten, dann sollte man sich das mit dem Kauf noch einmal gut überlegen. Ist man hingegen sowieso schon die ganze Zeit dabei, seine Tracks zu gridden und nutzt die Remixdecks schon fast häufiger als die Trackdecks, ja dann heißt es zuschlagen. Hierfür bietet der S8 nämlich wirklich die ideale Lösung und bringt mit den Displays sowie der Performance-Sektion zwei Neuerungen, die die Ergonomie und das kreative Arbeiten mit der Konsole spürbar fördern.

Preis: 1149 EUR
Mehr Informationen auf der NI-Website.

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