Review: Theo Parrish – DJ-Kicks: Detroit Forward [!K7 Records]

Review: Theo Parrish – DJ-Kicks: Detroit Forward [!K7 Records]

Allgemein. 2. November 2022 | / 5,0

Geschrieben von:
Tim Tschentscher

Mixe sollen das Wesen des Club-DJs vergegenständlichen, zwischen Obskuritäten und Hits ellenbogig gratwandern. Wer könnte das besser als Pionierproduzent Theo Parrish? Unter dem Leitbild 'Detroit Forward' kredenzt der Motor-City-Adoptivsohn seine Version der renommierten Compilation-Reihe 'DJ-Kicks'. Forward meint dabei vor allem, eher unbekannten Namen der Detroiter Szene einen verdienten Anschub zu geben. Theoretisch klingt das erst mal vielversprechend. Spoiler: Phasenweise wirkt der Eklektizismus etwas ermüdend, weil nicht die nötige Fahrt aufkommt. Irgendwie ist das aber auch völlig okay.

Natürlich erwartet man von Meister Parrish nicht weniger als ein kleines Kunstwerk. Mit über 25 Jahren internationaler DJ-Erfahrung ist der Musiker ein idealer Kandidat für die fast genauso lang existierende Mix-Serie 'DJ-Kicks'. Dass das Mix-Format aber nicht laufend neu erfunden werden kann, dürfte ebenso klar sein. Zumindest handwerklich ist Parrishs Zusammenstellung kein sonderliches Abgebrenne. Wer die Kicks in der Continuous-Spur hört, mag stutzen. Selten greifen die Stücke wirklich ineinander oder komplementieren sich. Parrish fungiert hier eher als Kurator denn als DJ. 18 exklusive Tracks wurden eingesammelt. Nummer 19, die Synth-Key-Repetition 'Real Deal', stammt von Parrish selbst und ist in Kollaboration mit Duminie DePorres bereits im August auf der Digital EP 'Cornbread & Cowrie Shells For Bertha' erschienen.

An sich funktioniert das Konzept aber gar nicht schlecht. Parrish bedient sich genre-stilistisch gewohnt frei zwischen Soul, Down- und Broken Beat, Hip-Hop bis hin zu House und Reggae-Dub. Fragmentarisch startet der Mix mit warmen Soul-Grooves auf 'Pressure'. In drei Stufen baut sich der Track von der gejammten Melodieidee an der Gitarre zum theoretisch fertig gemixten Song auf. Über genügsam angewärmte After-Work-Breaks in 'When The Sun Falls' kommt Specter auf 'The Upper Room' in balearic-dubbige Fahrt. Deep und funky geht es auf 'Moonlite' bei Ian Fink zu, das sich dank starkem Drum-Solo auch mühelos in ein Jazz-Set einbauen ließe. John C & Meftah channeln auf 'Full' den inneren Jonwayne.

Relativ schnell wird dabei aber auch deutlich, wie humorlos die Stücke aneinandergereiht sind. Ein Problem hat der Mix daher mit der Anrichtung. Das Pacing lässt zwischendurch immer mal wieder den nötigen Hörfluss vermissen. Definitive Anspieltipps wie Jon Dixons 'Wind Drifts' oder der Chick-Corea-Flip 'Flash Spain' fehlen zudem leider auf der LP-Version.

Darüber hinaus lohnt es sich aber, mal durch die Discogs-Einträge der gefeatureten Künstler*innen durchzuklicken. Dem mit drei Stücken prominent platzierten De’Sean Jones, eigentlicher Jazzsaxofonist, könnte man durchaus auch eine Zweitkarriere als House-Produzent zutrauen. Ohne Frage verdient es die manchmal etwas vergessene Kulturszene Detroits, stärker gefördert zu werden. Parrishs ausgewählte Kicks sind mellow und deep, in der Regel tanzbar und oft universal einsetzbar. Egal ob vielleicht etwas holprig inszeniert, mixen will man sie ja ohnehin meistens selbst.

’DJ-Kicks: Detroit Forward’ ist am 28.10.2022 auf !K7 Records erschienen.

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