Reportage: Techno als Gruppentherapie – Moldaus junge Generation

Reportage: Techno als Gruppentherapie – Moldaus junge Generation

Features. 30. April 2023 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Dawid Romanowski

Die junge Techno-Community Moldaus probt im Angesicht des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und seiner Auswirkungen auf das kleine Nachbarland den Spagat zwischen der Flucht in den Hedonismus und der Solidarität mit den ukrainischen Geflüchteten im Land.

Grellgrüne Strobolichter flackern durch den Raum, der Bass dröhnt mit 160 bpm durch die Boxen – in einem schummrigen Kellergewölbe tanzt sich die Menge in Ekstase, während man im Nebenraum ein Geburtstagsständchen singt und das Thekenpersonal kostenlose Häppchen verteilt. Nur wenige hundert Meter abseits des Bulevardul Ștefan cel Mare, der zentralen Verkehrsader der moldauischen Hauptstadt Chișinău mit seinen klassizistischen Bauten, befindet sich das Pro Sănătate, ein auf den ersten Blick unscheinbares Lokal. Unterhalb einer Schönheitsklinik gelegen, schlägt hier das Herz der Chișinăuer Undergroundszene. Tagsüber eine Kantine, die mit günstigen Businesslunch-Angeboten aufwartet, nachts eine Mischung aus Bar und Club: Klein, familiär und informell, niedrige Decken und schlecht schließende Toilettentüren inklusive. Betrieben wird der Laden von einem palästinensischen Einwanderer, der vor 30 Jahren in die Republik Moldau kam, um zu studieren.

Seit 2018 ist das Pro Sănătate eine Oase der Gegenkultur, in einem zutiefst konservativen Land, in dem das Nachtleben von Popmusik, Karaoke-Bars und EDM-Musik von der Stange geprägt ist. Ein Ort, der Raum bietet für musikalische Vielfalt und Experimente. Egal ob Ravepartys, avantgardistische Soundcollagen, Rap oder Grind-Metal-Konzerte – das Pro Sănătate ist für alles und alle offen. Für die kleine, aber umtriebige Techno-Community des Landes ist das Lokal immens wichtig, denn viele Alternativen als Veranstaltungsorte gibt es nicht. Mangels einer etablierten kommerziellen Clublandschaft und professioneller Bookingagenturen ist die Szene dazu gezwungen, ihre Partys in Eigenregie zu schmeißen.

Hinter dem DJ-Pult stehen an diesem Wochenende die Mitglieder von Podval, einem Techno-Kollektiv, das sich Anfang 2022 zusammenfand. Ihre Partys sind mittlerweile eine feste Größe im Chișinăuer Nachtleben. Die Sets strotzen vor Energie, die Stimmung ist euphorisch. Musikalisch ist alles erlaubt, Hauptsache die bpm-Zahl ist hoch und die Bassdrum auf Krawall gebürstet. "Wir sind eine Gruppe von Freunden, die einfach angefangen hat Partys zu organisieren, weil uns in der Stadt zu langweilig war. Wir hatten das dringende Bedürfnis, unsere Ärsche zu bewegen, zu Musik, die uns gefällt. Dabei scheren wir uns nicht um Genregrenzen. Die Szene hier ist relativ neu, daher gibt es keine Erwartungshaltungen. Du kannst dich ausprobieren und auch Mal Hardtechno mit Klassik oder Pop mischen.

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Es gibt nichts, was nicht geht", erklärt Octavian, der seit den Anfangstagen des Kollektivs mit an Bord ist. Etwa zweimal im Monat stellen er und seine Mitstreiter:innen Veranstaltungen auf die Beine, oft im Pro Sănătate. Im Sommer organisieren sie Raves in den Wäldern vor den Toren der Stadt. Von den Eintrittsgeldern, die sie erheben, decken sie die laufenden Kosten für Technik und Equipment. Auf Profit ist hier niemand aus. Das Kollektiv lebt von dem Engagement und der Begeisterungsfähigkeit seiner Mitglieder. Alle sind Anfang zwanzig bis Anfang dreißig. In einer Stadt, in der es nicht viele Möglichkeiten gibt, um zu Techno zu feiern und in die sich kaum einmal ein internationaler Act verirrt, schafft sich Podval eigene Freiräume, in denen sich die Jugend des Landes ausleben und den Alltagssorgen entfliehen kann.

Von denen gibt es in der Republik Moldau, einem kulturell und politisch zutiefst gespaltenen Land, gefangen zwischen Moskaus langem Arm und einer langsamen, aber fortschreitenden Annäherung an die EU, mehr als genug. Vor allem seitdem Russland die Ukraine, Moldaus direkten Nachbarn, angegriffen hat. Von Chișinău bis zur ukrainischen Grenze sind es nur knapp 70 Kilometer. Bis nach Odessa sind es von der Hauptstadt mit dem Auto knapp dreieinhalb Stunden. ​​Das kleine Land mit seinen rund 2,6 Millionen Einwohner:innen liegt so nah an den Zielen russischer Angriffe wie kein anderer europäischer Staat. Immer wieder fliegen Russlands Raketen von der Krim durch moldauischen Luftraum. Auch Trümmerteile der von der ukrainischen Flugabwehr abgeschossenen russischen Raketen landen in Moldau, insbesondere im Norden.

Eingequetscht zwischen Rumänien und der Ukraine, fürchten viele Menschen in der kleinen Republik, dass sie bald Russlands neues Angriffsziel werden könnten. Der Kreml droht unverhohlen der pro-europäischen Regierung und bezeichnet das Land als nächstes "anti-russisches" Projekt. Die Behörden nehmen die Gefahr ernst. Erst Anfang Februar schätzte der Geheimdienst das Risiko einer russischen Invasion als sehr hoch ein. Zudem hat Moldau gemessen an der Einwohnerzahl mehr Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen als jeder andere Staat. Rund 500.000 sind in den ersten Monaten des Krieges eingereist.

Die Geburt von Podval und das Aufblühen der lokalen Technoszene fielen zusammen mit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Seitdem der Krieg tobt, sind die Raves in Chișinău für die Jugend Wochenende für Wochenende eine Art Ventil geworden, um mit der permanent über dem Land schwebenden Bedrohung fertig zu werden. Sasha, Anfang 20, der unter dem Pseudonym Doesnthaveanameyet auf Podval Partys auflegt, ist nach draußen gegangen, um auf der Straße vor dem Pro Sănătate nach zwei schweißtreibenden Stunden etwas frische Luft zu schnappen.

Sein Set ist gerade zu Ende gegangen. Neben ihm stehen Lera alias Lerica, eine junge Frau in stylischer Sonnenbrille und neonpinker Daunenjacke, die in ein paar Stunden als Letzte auflegen wird, und Florin, auch er ein Gründungsmitglied von Podval. "Wir haben fast drei Jahre Pandemie hinter uns. Das war eine bleierne Zeit, in der so gut wie gar nichts ging. Wir wollten unbedingt etwas auf die Beine stellen und feiern.

Dann kam der Krieg in der Ukraine und wir haben lange darüber diskutiert, ob es okay ist, zu tanzen und Spaß zu haben, während ein paar Kilometer weiter tagtäglich Menschen sterben", erklärt Lera. "Aber diese ständige Beschäftigung mit dem Krieg, diese Angst, sich darüber Gedanken zu machen, ob auch wir angegriffen werden, ermüdet einen. Und Techno hilft dir, dich zu erholen und all das Negative zu verdrängen", ergänzt Sasha.

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Die Partys wirken wie eine Art Gruppentherapie. Auch für viele der Geflüchteten aus der Ukraine seien sie eine Möglichkeit gewesen, Kraft zu tanken und ihre oft traumatischen Erlebnisse wenigstens für ein paar Stunden auszublenden. Einige der Neuankömmlinge sind mittlerweile Stammgäste und fester Bestandteil der Szene. Eskapismus sei eh von jeher schon ein zentrales Element von Techno gewesen, egal in welchem Kontext. "Seit Kriegsbeginn ist die Nachfrage nach Partys noch stärker als zuvor. Alle wollten abschalten, das ist bis heute so geblieben. Wir feiern weiter. Wer weiß, morgen oder übermorgen könnte es auch hier Krieg geben. Ich will feiern. Ich will leben", betont Florin.

Doch trotz der vermeintlichen Realitätsflucht auf dem Dancefloor nimmt hier jeder den Krieg und seine Folgen ernst. Die Techno-Community zeigte sich von Beginn an solidarisch mit dem Nachbarland. Auch die Mitglieder von Podval halfen als Freiwillige mit, Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs für ukrainische Geflüchtete zu sammeln. Im Umfeld der lokalen Technoszene entstanden mehrere Initiativen, die sich um Menschen aus der Ukraine kümmern. Die Szene veranstaltete zahlreiche Community-Events zur Unterstützung der Geflüchteten, darunter auch kostenlose Mixing-Workshops für ukrainische Frauen und Mädchen, die zwei lokale DJs, Ceai de Lalele und DJ Borș, in Zusammenarbeit mit der NGO Moldova for Peace anbieten.

"Wir verfolgen einen integrativen Ansatz und wollen den geflüchteten Frauen neue Fähigkeiten beibringen, damit sie kreativ sein und sich ausprobieren können. Unser Ziel ist es, durch die Musik eine Gemeinschaft zu schaffen. Auch lokale Frauen sind dazu eingeladen mitzumachen, wenn sie Interesse haben", erklärt Ceai de Lalele, die Teil der Podval-Crew ist. Jede der Frauen, die an den Workshops teilnehme, habe eine andere Motivation. Für einige habe das Mixing eine Art therapeutische Wirkung, andere haben schon erste Erfahrungen mit dem Auflegen und sind daran interessiert ihre Kenntnisse zu vertiefen und aufzutreten.

Am wichtigsten sei der Spaß an der Sache und dass Menschen, die aus ihrer Heimat entwurzelt wurden und ihr altes Leben hinter sich lassen mussten, zusammenkommen und neue Beziehungen aufbauen. Letztes Jahr im Sommer fand der erste Workshop statt. Diesen März gab es eine Neuauflage und in den nächsten Monaten sollen weitere Ausgaben folgen. Einige der Teilnehmerinnen konnten bereits kurze Sets auf Podval-Partys spielen. Zwei von ihnen wurden sogar ins moldauische Fernsehen eingeladen, um dort über ihre Erfahrungen zu sprechen und ihre Mixing-Skills zu präsentieren.

Die Veranstaltungen laufen unter dem Slogan "MakeBorș Not War", der von DJ Borș stammt und die Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck bringt. Sie ist in Moldau geboren, hat aber die letzten 13 Jahre im Ausland gelebt, unter anderem in Nord - und Südamerika. Als der Krieg in der Ukraine begann, war sie gerade in Brasilien und beschloss spontan, in das Land ihrer Kindheit zurückzukehren. "Ich bin zurückgekommen, weil das hier gerade ein Schlüsselmoment in unserer Geschichte ist und ich das Gefühl hatte, dass es vielleicht die letzte Möglichkeit war, Moldau zu sehen. Alles war so ungewiss. Als ich hier ankam, war ich voller Angst und Paranoia, dass der Krieg zu uns überschwappt, aber der Sommer war ganz anders als das, was ich aus den Nachrichten kannte. Es gab viele Partys. Wir mussten mehr feiern, vielleicht auch als Reaktion auf den permanenten Druck, der auf uns lastet", erzählt sie.

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DJ Borș ist eine von hunderttausenden Moldauer:innen aus der Diaspora. Aus keinem anderen Land Europas wandern so viele Menschen ab wie aus Moldau. Gerade die jungen Menschen verlassen ihr Heimatland, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Als DJ Borș im Sommer letzten Jahres nach Chișinău zurückkam, wollte sie nur kurze Zeit bleiben. Über sechs Monate später ist sie immer noch da: "Ich habe das Gefühl, im Schwebezustand zu sein, weil es so viel Ungewissheit gibt, aber gleichzeitig ist die Szene hier so kreativ und vielfältig. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen auf diese Weise dem, was passiert, einen Sinn geben, durch Musik, die wir teilen, die Gemeinschaften, die wir bilden. Wir halten uns gegenseitig an den Händen. Einfach nur hier zu sein, ist das, was mich so lange hiergehalten hat."

Am Morgen nach der Party im Pro Sănătate hetzt DJ Borș mit einem Freund durch das Zentrum von Chișinău, um letzte Besorgungen für eine Party zu erledigen, die sie tagsüber veranstaltet. Die ersten schüchternen Sonnenstrahlen des Frühlings zeigen sich. Auf den Straßen sind die Menschen größtenteils immer noch in dick wattierten Winterjacken unterwegs, als ob sie den verheißungsvollen Vorboten der neu anbrechenden Jahreszeit noch nicht über den Weg trauen würden. Auf ihrem Weg durch die Innenstadt passiert DJ Borș das moldauische Parlament, das von Tausenden von Demonstrierenden belagert wird. Die Menge macht die pro-europäische Regierung für den steilen Anstieg der Lebenshaltungskosten verantwortlich und fordert den Rücktritt von Präsidentin Maia Sandu. Moldau hat schwer mit den wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekrieges zu kämpfen.

Seit Russland seine Gaslieferungen gedrosselt hat, sind die Energiekosten fast um das Sechsfache gestiegen und die Inflation explodiert. Viele der Demonstrant:innen sind im Rentenalter. Einige Meter abseits der Kundgebung lassen ein paar Frauen um die 60 in traditionellen Kopftüchern ein Gruppenfoto von sich schießen als Erinnerung an den Ausflug in die Hauptstadt. "Die meisten Leute hier kommen vom Land und werden extra für die Proteste von einer ganzen Flotte von Reisebussen in die Hauptstadt gefahren", erklärt DJ Borș, während sie die Menge von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtet. Umgerechnet zwanzig bis dreißig Euro sollen die Protestierenden für ihr Engagement bekommen. Aber nicht nur Rentner:innen, auch Gruppen von jungen, gewaltbereiten Männern mischen sich unter die Masse.

Immer wieder gibt es zudem Berichte davon, wie die Sicherheitsbehörden mutmaßlich bezahlte Provokateure an der Grenze an der Einreise hindern. Darunter befanden sich in den letzten Monaten neben serbischen Fußballhooligans auch Mitglieder der russischen Söldnertruppe Wagner. Organisiert und finanziert werden die Proteste von der Partei des flüchtigen pro-russischen Oligarchen Ilan Shor. Die moldauische Regierung sieht sie als Beweis für eine vom Kreml koordinierte Kampagne zur Destabilisierung des Landes. Shor selbst hat sich ins Ausland abgesetzt, nachdem er über 900 Millionen Euro von moldauischen Banken entwendet haben soll. Anfang April wurde der Oligarch in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Russlands Einfluss und Macht in der ehemaligen Sowjetrepublik ist auch 32 Jahre nach Ende der Sowjetunion allgegenwärtig. Erst im März tauchte ein Strategiepapier auf, das aus dem Kreml stammen soll und in dem akribisch beschrieben wird, wie das Putin-Regime Moldau enger an sich binden und eine Westannäherung des Landes um jeden Preis verhindern will. Und im Osten der Republik sind in Transnistrien, einem abtrünnigen, von Moskau unterstützten De-facto-Staat, immer noch an die 1500 russischen Truppen stationiert. Trotz allem orientiert sich Moldau seit einigen Jahren langsam aber stetig immer mehr in Richtung Westen.

2014 wurde ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterschrieben und seit 2022 ist das Land sogar offizieller Beitrittskandidat. Vor allem die junge Generation, urbane Moldauer:innen wie DJ Borș, sieht ihre Zukunft in Europa, möglichst weit weg von der russischen Einflusssphäre. Die Pläne Moskaus bereiten ihnen daher Sorgen. "Wir haben diese indirekten Drohungen vonseiten der russischen Regierung. Es ist, als ob wir unter einer Dunstglocke wären, voller Anspannung und mit der Erwartung, dass etwas passieren könnte", fasst DJ Borș die Stimmung der letzten Monate zusammen.

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Ein paar Häuserblocks von der Demo entfernt steht die Casa de Creatie, ein zweistöckiges, gedrungenes Gebäude aus roten Backsteinen, in dem sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Privatwohnung und Modeatelier befindet. In einem der Räume bespricht DJ Borș gerade die letzten Details mit einem Kumpel, der die Anlage bereitgestellt hat. Aici Chișinău heißt die Partyreihe, die sie hier ins Leben gerufen hat. Das Konzept dahinter: Tagespartys mit einem entspannten Vibe und einem eher gedämpfteren Sound. Midtempo-House, Folklore-Rhythmen, aber auch moldauische Discomusik aus den 1980ern stehen auf dem Programm, quasi das akustische Gegenstück zu den aufgekratzten Sets des Podval-Kollektivs.

Die Musik bei Aici Chișinău ist wichtig, steht aber nur an zweiter Stelle. Es geht in erster Linie um das Zusammenkommen von Menschen. Die Atmosphäre ist familiär, in der Küche kocht jemand Crêpes. Bevor die ersten DJs auflegen, findet ein Mixing-Workshop für neugierige Partygäste statt. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich einzubringen. "Wir wollen einen Raum schaffen und zeigen, dass es bei Techno um Gemeinschaft geht, darum, einfach zusammen abzuhängen und sich zu unterstützen", erklärt DJ Borș.

Ein paar Stunden später ist die Party im vollen Gange. Während die Sonne über Chișinău langsam zu den Klängen von ‘Nude Photo’ von Derrick May untergeht, tanzt die Crowd entspannt in den Sonntagabend. Einige übermüdete Partygänger, die letzte Nacht im Pro Sănătate durchgefeiert haben, schaukeln nur noch im Takt der Bassdrum. Moldaus junge Techno-Community feiert trotz oder gerade wegen der russischen Bedrohung und der instabilen Lage im Land das Leben. Nicht Hals über Kopf, so als ob morgen die Welt untergehen würde, sondern mit viel innerer Ruhe und dem Vertrauen darauf, dass alles schon irgendwie gut gehen wird.

DJ Borș bringt es nochmal auf den Punkt: "Mich inspiriert es wahnsinnig, hier zu sein und die positive Energie, Solidarität und Initiative der Undergroundszene mitzuerleben, in einer Zeit, in der wir diesen Zusammenhalt wirklich gut gebrauchen können. Denn natürlich kriegen wir die Nachrichten mit. Wenn du mitbekommst, dass irgendwo in Moldau eine russische Rakete runterfällt, kommt automatisch Panik hoch. Aber am nächsten Tag hat sich die Lage wieder normalisiert. Alles kommt in Wellen. Ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft sehr resilient ist. Klar passiert gerade viel Scheiße, aber wir sind darauf vorbereitet."

Veröffentlicht in Features und getaggt mit Aici Chișinău , Ceai de Lalele , Chișinău , DJ Borș , Doesnthaveanameyet , Florin , Lerica , Moldau , Moldova for Peace , Octavian , Podval , Pro Sănătate , Ukraine

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