Test: Ableton Push 2

Test: Ableton Push 2

Tests 2. Januar 2016

Ableton Live ist als Sequencer-Programm bei Produzenten elektronischer Tanzmusik sehr beliebt, da es eine patternbasierte Arbeitsweise erlaubt. Da die Bedienung einer Musiksoftware mit einer Computermaus aber alles andere als sexy ist, gibt es für das Berliner Recordingprogramm einen speziellen Controller, dessen zweite Auflage jetzt erschienen ist.

Push 2

Der neue Push-2-Controller ist circa 38 x 30 x 4 Zentimeter groß und wiegt etwas weniger als drei Kilogramm. Ableton hat diese Version – im Gegensatz zur Ersten, die noch mit AKAI zusammen entwickelt wurde – in Eigenregie entworfen und viele Verbesserungsvorschläge seiner User bei der Neugestaltung berücksichtig. 64 gummierte und farbig beleuchtete Pads mit Anschlagsdynamik dienen zum Einspielen oder Programmieren von Pattern und zur Anzeigen von Statusmeldungen. Seitlich angeordnet, finden sich zahlreiche gummierte Tasten, deren Funktionsbelegungen über elegant leuchtende Beschriftungen kenntlich werden. Ein 17 Zentimeter langer Touch-Strip-Sensor erlaubt das Ausführen von Pitch-Bends und das Scrollen.

Mit zehn berührungsempfindlichen Endlosdrehreglern lassen sich Parameterwerte modifizieren sowie das Tempo und das Metronom konfigurieren. Ein weiterer, etwas nach rechts abgesetzter Encoder übernimmt die Steuerung des Masterausgangspegels. Zur visuellen Überwachung von Parametern, Ladevorgängen und zur Samplebearbeitung, gibt es ein circa 23 x 4 Zentimeter großes Farbdisplay.

Die rückseitig verbauten Anschlüsse setzen sich aus einer USB-Buchse, einem Netzteilanschluss und zwei Fußtastereingängen zusammen. Grundsätzlich könnt ihr den Push 2 auch ausschließlich via USB mit Strom versorgen, allerdings werden in diesem Betriebsmodus das Display und die Tastenbeleuchtung sehr deutlich abgedunkelt.

Push it real good?

Der Push-2-Controller arbeitet mit Ableton Live ab der Version 9.5 zusammen und wird in drei unterschiedlichen Bundles angeboten. Das günstigste Paket beinhaltet den Controller und Live 9 Intro. Das mittlere enthält Live 9 Standard und das größte die Ableton Live Suite. Einen detaillierten Vergleich der drei Softwareeditionen könnt ihr euch auf dieser Webseite anschauen. Die mir zum Testen zur Verfügung gestellte Intro-Version deckt alle Grundfunktionen ab, so dass ein guter Einstieg möglich ist.

Die Installation geht mit wenigen Handgriffen und sehr einfach über die Bühne, da der Controller von der Software erkannt wird und sofort einsatzbereit ist. Mit der Browser-Funktion könnt ihr Drumkits, Instrumente und Sounds in die Spuren laden und diese dabei auch vorhören. Perkussive und instrumentale Pattern lassen sich per Lauflichtprogrammierung generieren oder frei einspielen. Bei Bedarf können Notenpositionen der bei der Aufnahme oder nachträglich quantisiert werden. Durch das Drücken der Taste Layout könnt ihr zwischen einem Pattern- oder Klaviaturmodus für die Pads umschalten. Speziell für das Einspielen von Instrumenten gibt es eine Skalenauswahl, die die Notenauswahl reduziert. Durch die Anschlagsdynamik der Pads und die Aufzeichnungsmöglichkeit für Automationsdaten lassen sich abwechslungsreiche Pattern generieren.

Was mir wirklich gut gefällt ist die Interaktion zwischen dem Controller und der Software, da auf dem Display stets die wichtigsten Informationen eingeblendet werden und so ein gezieltes Arbeiten auch ohne zwingenden Blick auf den Computermonitor möglich ist. Die Modifikation und Darstellung der Parameter mit dem Controller funktionierte in meinem Test mit den virtuellen Devices, die Ableton zur Verfügung stellt und teilweise auch mit VST-Plugins von Drittherstellern. Da letzteres aber nicht immer gegeben ist, müsst ihr hier handanlegen und die zu steuernden Parameter in der Software konfigurieren. Die fertige Belegung lässt sich in Live als Standardkonfiguration sichern, so dass dieser Vorgang nur einmal erfolgen muss. Der Controller begünstigt zudem ein schnelles Arbeiten, da sich Pattern per Tastendruck kopieren lassen und ihr so mehrere Varianten eines Grundgerüsts ausarbeiten könnt.

Sampling

Da das Arbeiten mit Samples zum grundlegenden Handwerkszeug elektronischer Musikproduktion gehört, haben sich die Berliner Entwickler auch diesem Thema explizit gewidmet. Mit dem Simpler lassen sich Loop-Samples per Slice-Funktion in Teile zerschneiden. Der Push-2-Controller unterstützt diesen Vorgang optisch, in dem er die Wellenform des Samples in seinem Display anzeigt. Ihr könnt das Sample mit Markern versehen und durch einen Tastendruck in ein Drumrack überführen. Die Slices liegen dann spielbereit auf einzelnen Pads. Befindet sich ein Sample in einer Audiospur so lässt sich dieses ebenfalls durch einen Tastendruck in einen Simpler laden und dort bearbeiten.

Mixing & Feinabstimmung

Wenn ihr eure Pattern inhaltlich zusammengestellt habt, könnt ihr durch das Drücken der Mix-Taste die Lautstärken der einzelnen Spuren anpassen. Auch dieser Vorgang wird optisch unterstützt und die Pegel aller Spuren erscheinen im Display des Controllers. Neben den Lautstärken lassen sich hier zusätzlich die Anordnungen im Panorama vornehmen und der Effektanteil regeln. Push 2 ist mit einem Setup-Menü ausgestattet, in dem ihr die Pad-Eigenschaften Sensitivity, Gain und Dynamics sowie die Helligkeit der Pads und des Displays regeln könnt.

Die Anpassung der Pad-Parameter ist besonders dann sinnvoll, wenn ihr live spielen und den Controller für Fingerdrummings einsetzen möchtet. Das Ansprechverhalten und die Triggersteuerung der 64 Pads haben mir insgesamt sehr gut gefallen und auch die Encoder reagieren sehr exakt auf Anwendereingaben. Nicht ganz so gut haben mir die allgemeinen Steuerungstasten gefallen, die zur Navigation und der Funktionsaufrufe dienen, da man diese recht fest drücken muss, bis die entsprechende Ausführung erfolgt.

Einsatz live und im Studio

Der Push 2 Controller eignet sich in erster Linie für einen Studioeinsatz, um Songideen und Pattern zu entwickeln. Instrumente und Samples lassen sich damit bequem spielen und verwalten. Alternativ kann Push 2 aber auch zur Präsentation eines Live-Sets genutzt werden, da ihr Sequenzen in Echtzeit generieren, performen und bearbeiten könnt. Das ganze lässt sich im Alleingang aber auch gesynct in einem DJ-Setup umsetzen.

Änderungen im Vergleich zu Push 1

• Gehäuse des neuen Controllers geringfügig größer
• hochwertigere Materialanmutung
• deutlich verbessertes Display inklusive einer Farbdarstellung
• verbesserter Workflow
• Navigationsbedienelemente neu angeordnet
• besser ansprechende Triggerpads mit Farbcodierung

Fazit

Der Push-2-Controller ist eine sehr gute Ergänzung für die Sequencer-Software Live und erlaubt ein musikalisches Arbeiten ohne dass ihr euren Computerbildschirm ständig im Blick haben müsst. Die Neuauflage des Controllers bietet recht viele Überarbeitungen, so dass sich ein Upgrade von Push 1 für die meisten Anwender lohnt. Ihr solltet allerdings im Hinterkopf behalten, dass ihr bei der Verwendung von Live zusätzlich noch eine Soundkarte benötigt und dass der Controller nur bedingt zum Arrangieren von Songs verwendbar ist.

Preis: Ab 699 EUR
Mehr Informationen auf der Ableton-Website.

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