Test: Behringer Model D

Test: Behringer Model D

Tests 19. April 2019

Kaum ein Synthesizer der letzten Zeit hat so stark polarisiert wie der Model D von Behringer. Schon bei der Ankündigung des Minimoog-Klons entstanden in den einschlägigen Foren regelrechte Glaubenskämpfe zwischen begeisterten Fans und Puristen, die Behringers Marketingstrategie als unethisch und den "Boog" als billiges Imitat betrachten. Ungeachtet dessen gibt es aber eigentlich nur eine wirklich relevante Frage: Ist der Model D ein inspirierendes, gut klingendes Musikinstrument? Dies lässt sich nur durch den Test am Gerät selbst entscheiden.

Technische Daten und Anschlüsse

Beim Auspacken des Model D wird man erst einmal unweigerlich an das Vorbild erinnert. Potis, Schalter sowie das gesamte Layout der einzelnen Synth-Bausteine sind dem Minimoog nachempfunden, fallen dabei jedoch wesentlich kompakter aus. Das Gehäuse ist mit 90 x 374 x 136 mm äußerst platzsparend und kommt darüber hinaus noch mit 13 Patch-Punkten im Miniklinkenformat daher, die man beim Moog vergeblich sucht. Wer hierbei an Eurorack denkt, liegt gar nicht mal so falsch: Die Rückseite des Moduls lässt sich nämlich abschrauben, wodurch der Model D bequem im Rack Platz findet und sich als vollwertige Synthesizer-Stimme im System verwenden lässt. Hierfür hat man dem Synth sogar ein spezielles Eurorack-Netzteilkabel beigelegt. Natürlich lässt sich der Behringer auch ganz normal als Desktop Modul mit einem ebenfalls enthaltenen herkömmlichen Netzteil betreiben. Der Lieferumfang wird durch zwei Patchkabel (3,5 mm) sowie eine umfangreiche Bedienungsanleitung komplettiert.

Anschlussseitig finden sich beim Model D ein USB-Anschluss, eine MIDI In sowie MIDI Through Buchse sowie insgesamt vier Audio-Ausgänge, davon zwei als große Klinke auf der Rückseite (Low und High Output) sowie zwei kleine auf der rechten Seite des Frontpanels (Main Out und Phones). Der MIDI-Kanal, auf dem das Gerät Informationen empfängt, wird ebenfalls auf der Rückseite mithilfe von vier DIP-Schaltern eingestellt. Das wirkt vielleicht etwas archaisch, funktioniert aber einwandfrei. Leider lässt sich nur noch schwer an die Schalter herankommen, wenn der Behringer im Eurorack eingebaut ist.

Wie bereits erwähnt orientiert sich das Layout des Model D stark am Minimoog und ist damit an Übersichtlichkeit kaum zu überbieten. Von links nach rechts finden sich hier fein säuberlich und gut nachvollziehbar die einzelnen Bausteine einer Synthesizer-Stimme. Das macht es auch für Anfänger einfach, erste Klänge zu basteln. Generell macht das Schrauben am Behringer einfach richtig Spaß. Die Drehregler fühlen sich äußerst wertig an und die Größe des Gerätes ist genau richtig gewählt, sodass man keine Angst haben muss, benachbarte Potis unbeabsichtigt zu bewegen. Absolute Grobmotoriker müssen sich vielleicht erst ein wenig an die Haptik gewöhnen, im Vergleich zu anderen Desktop-Modulen gibt es hier aber wirklich nichts zu beanstanden.

Oszillatoren

Die Oszillator-Sektion des Model D ist mit drei vollwertigen Klangerzeugern ziemlich umfangreich. Zur Verfügung stehen pro Oszillator die Wellenformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck/Puls (in drei verschiedenen Pulsweiten) sowie eine Mischung aus Dreieck und Sägezahn. Letztere wird bei Oszillator 3 durch eine umgekehrte Sägezahnwelle ergänzt. Der Frequenzumfang ist mit 32' bis 2' ungewöhnlich groß, so lässt sich bereits erahnen, welches Klangpotenzial hier schon schlummert, bevor überhaupt Filter oder Modulationen ins Spiel kommen. Von wahnsinnig tiefen Bässen bis hin zu kreischenden Lead-Lines reicht das Spektrum, mithilfe der Tune-Regler von Oszillator 2 und 3 lassen sich sogar Dreiklänge erzeugen. Perfekt zum Beispiel für Dub Techno-Stabs. Leider fehlen sowohl Pulsweiten-Modulation als auch Oszillator-Sync, hier macht sich die 70er-Jahre Herkunft der Schaltung eher negativ bemerkbar. Dafür hebt sich der Behringer mit Patch-Eingängen für Pitch CV, LFO-Rate und einer externen Mod-Source angenehm vom Moog ab und sorgt für mehr Klangvariationen im Verbund mit anderem Equipment.

Mixer

Die einzelnen Klangerzeuger werden in einer übersichtlichen Mixer-Sektion zusammengeführt und bei Bedarf mit wahlweise weißem oder rosa Rauschen angereichert, hier befindet sich auch ein externer Audio-Input. Steckt kein Kabel in der Eingangsbuchse, wird der Output des Model D wieder zurück in den Mixer geschickt. Damit lassen sich leichte bis absolut kranke Verzerrungen erzielen, die dem Klang eine gehörige Portion Schmutz verleihen. Beim Moog musste man dies noch selbst verkabeln, im Behringer ist diese Verbindung praktischerweise schon vorverdrahtet.

Filter

Wer vom legendären Moog-Sound redet, meint nicht zuletzt das berühmte Moog-Filter. Die 24 dB/Oct Ladder-Schaltung gilt als eine der klanglich wärmsten überhaupt und trägt einen großen Anteil am Klangcharakter des Minimoogs. Kein Wunder also, dass hier die Messlatte besonders hoch liegt. Ohne den direkten Vergleich zu haben, lässt sich das Low Pass Filter des Model D einfach nur als unglaublich fett beschreiben. Vor allem in Verbindung mit drei tiefen Rechteck-Wellen lassen sich hervorragend Mauern einreißen. Dabei ist die Bedienung wieder einmal kinderleicht. Cutoff-Frequenz, Resonanz, Envelope-Amount, fertig. Dann noch mit den darunterliegenden drei Reglern die Hüllkurve einstellen und schon ist man bei perkussiven Bässen und Kicks, Bläsern, oder auch atmosphärischen Klängen mit langsamen Filterfahrten angelangt.

Als weitere Einstellmöglichkeiten gibt es links noch einige Kippschalter in Blau und Weiß. Neben üblichen Verdächtigen wie Filter-Modulation und -Tracking findet sich hier die wohl auffälligste Neuerung gegenüber des originalen Minimoogs. Das Filter des Model D lässt sich nämlich wahlweise in einem High-Pass-ähnlichen Modus betreiben. Eine willkommene Abwechslung, auch weil das Ganze gerade bei höheren Resonanzwerten einen ganz eigenen Charakter hat, der nicht mehr wirklich nach Hochpass klingt. Apropos Resonanz: Diese reicht natürlich bis zur Selbstoszillation. Im Zusammenspiel mit dem Keyboard-Tracking lässt sich das Filter somit als zusätzlicher Sinusgenerator nutzen.

Contour

Für den richtigen Lautstärkeverlauf geht das Signal anschließend in die Contour-Sektion, besser bekannt als Hüllkurvengenerator. Wie auch beim Filter gibt es hier drei Potis für Attack, Decay und Sustain. Die Release-Phase ist mit dem Decay-Regler verbunden und wird mithilfe eines Kippschalters aktiviert. Hierfür wäre eine eigene Einstellmöglichkeit optimal gewesen, es lässt sich aber trotzdem gut damit arbeiten. Insgesamt haben die Hüllkurven einen schön weiten Regelbereich, von kurz und knackig bis wahnsinnig lang ist alles dabei. Allerdings ist dies der einzige Bereich, in dem die kompakte Größe der Regler störend auffällt. So erfordert das genaue Einstellen gerade bei sehr kurzen Zeiten einiges an Fingerspitzengefühl.

Controllers, Modulation und Output

Ganz links auf dem Panel befinden sich die Einstellungen für Master Tune, Glide sowie die Modulationssektion. Letztere hat es trotz der scheinbar mageren Ausstattung mit einem LFO echt in sich und dient als wahre Fundgrube für verrückte Sounds aller Art. Zunächst einmal zum regulären LFO. Dieser besitzt die Wellenformen Dreieck und Rechteck und reicht bis in den Audiobereich. Mithilfe von Kippschaltern lässt sich jeweils die Modulation der Tonhöhe und des Filter-Cutoffs aktivieren und mit dem Mod-Depth-Regler in der Intensität einstellen. Soweit eigentlich alles ganz normal. Richtig interessant wird es allerdings, wenn man sich noch einmal den dritten Oszillator anschaut. Dieser lässt sich nämlich ebenfalls als Modulationsquelle nutzen.

Mit dem Tonhöhenregler auf LO und mithilfe des OSC3 Control Schalters vom Keyboard entkoppelt, reagiert dieser wie ein normaler LFO mit sechs verschiedenen Wellenformen. Bleibt jedoch das Keyboard-Tracking aktiviert, verändert sich die Geschwindigkeit der Modulation zusammen mit den gespielten Tönen. Dies funktioniert über den gesamten Tonhöhenumfang des Oszillators, wodurch sich abgefahrene FM- sowie Glockensounds realisieren lassen, die über das gesamte Keyboard spielbar sind.

Der Mod-Mix-Regler dient dazu, stufenlos zwischen zwei Modulationsquellen zu blenden und zu kombinieren. Auf der einen Seite stehen hierfür entweder Oszillator 3 oder die Filter-Hüllkurve zur Verfügung, auf der anderen entweder Rauschen oder der herkömmliche LFO. Die Möglichkeit, komplexere Klänge mit den doch recht limitierten Mitteln zu erzeugen, inspiriert zu einer kreativen Herangehensweise und steht im kompletten Gegensatz zu den modernen, vollgestopften Alleskönnern, bei denen man vor lauter Features oft gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

Zu guter Letzt durchläuft das Signal die Output-Sektion mit den Main- und Kopfhörer-Ausgängen sowie jeweils einem Volume-Regler. Für moderne Geschmäcker etwas kurios wirkt der Kippschalter mit dem Stimmton. Dieser gibt einen 440-Hertz-Kammerton (A) aus, nach dem sich der Synthesizer mithilfe des Tune-Reglers stimmen lässt. Das liegt in der analogen Bauweise des Model D begründet. Nach dem Einschalten brauchen die Schaltkreise ein bisschen, um auf Betriebstemperatur zu kommen und stimmstabil arbeiten zu können. Das hört sich aber schlimmer an, als es ist, und gehört bei so einem Synthesizer halt dazu, spätestens nach einer halben Stunde muss nicht mehr nachgestimmt werden.

Fazit

Natürlich lässt sich der Vergleich mit dem Minimoog nicht ganz verhindern, schließlich basiert der Model D ganz offensichtlich auf dessen Design. Trotzdem täte man dem Behringer unrecht, ihn als billige Kopie abzutun. Er ist schlicht und ergreifend ein unglaublich gut klingender, wertig verarbeiteter Analog-Synthesizer mit kompakten Maßen - und das zu einem unschlagbaren Preis. Zusatzfeatures wie Eurorack-Kompatibilität, MIDI oder der zusätzliche Filter-Modus tun ihr Übriges, um dem kleinen Modul seine Daseinsberechtigung zu geben. Klar, es gibt modernere Geräte mit weitaus mehr Funktionen, aber gerade diese Simplizität sorgt dafür, dass man mit dem Model D schnell zu musikalischen Ergebnissen kommt und nicht von unzähligen Möglichkeiten erschlagen wird.

Schlussendlich haben Behringer und Moog ganz unterschiedliche Zielgruppen. Wer sich für einen original Minimoog entscheidet, kauft damit eben auch ein Stück Musikgeschichte und würde sich mit dem Model D niemals zufriedengeben. Performanceorientierte Musiker/innen mit einem Faible für alte Analog-Sounds und fette Bässe finden im Behringer allerdings ein inspirierendes Instrument, mit dem sich einwandfrei arbeiten lässt und das sich klangtechnisch nicht vor anderen Geräten verstecken muss.

 

Pro

Schöner Analogsound
Kompakt und portabel, trotzdem gute Haptik
Eurorack-kompatibel

Kontra

Klanglich relativ limitiert

 

Preis: 299 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Behringer , Minimoog , Model D , monophon , Moog , Producing , Synthesizer

Geschrieben von:
Niko Giortsios

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