Test: Denon DJ Prime 2 / DJ-Workstation

Test: Denon DJ Prime 2 / DJ-Workstation

Tests 12. September 2020

Denon DJ erweitert die Prime-Serie um die zweikanalige Workstation Prime 2. Das Standalone-Gerät ist an DJs adressiert, die digital, aber ohne Computer auflegen möchten. Prime 2 bietet zwei Playereinheiten, zahlreiche kreative Funktionen sowie ein Touchdisplay und lässt sich mittels USB-Datenträger oder Streamingdiensten mit Songs füttern. Ich habe das Gerät mit installierter Firmware 1.5.2 ausführlich für euch getestet und berichte über die Unterschiede zum großen Bruder Prime 4.

DJ-Workstation

Denon DJ Prime 2 ist eine digitale DJ-Workstation inklusive zweier Decks und einem zweikanaligen Mixer. Das Auflegewerkzeug arbeitet mit 24 Bit und 44,1 kHz, begnügt sich mit 645 x 410 x 120 Millimetern und sammelt dank seiner soliden Konstruktion bereits beim Auspacken die ersten Pluspunkte. Wer einen Einsatz des 7,2 Kilo schweren Geräts als mobiler DJ plant, kann eines der zahlreich verfügbaren Cases optional erwerben, um es vor Schäden zu schützen.

Prime 2 Workstation Draufsicht
Prime 2 ist eine zweikanalige Standalone-DJ-Workstation.

Prime 2 Decks

Die beiden Decks des Prime 2 sind symmetrisch ausgeführt und haben ein übersichtliches Layout. Sehr gut steuerbare 6-Zoll-Jogweels mit integrierten Displays und anpassbarem Vinyl-Modus übernehmen gemeinsam mit beleuchteten Transporttastern die Songkontrolle. Zur Tempomodifikation sind Pitchfader mit einem großzügigen Regelweg von zehn Zentimetern verbaut und Sync-Taster für Beats und die Tonarten unterstützen den Mixvorgang. Kreative DJs finden zudem Bedienelemente, die das einfache Setzen und Bearbeiten von Loops erlauben sowie zur Rückwärtswiedergabe und für Beatjumps.

Pro Deck gibt es acht beleuchtete Pads, die feinfühlig auf Anwendereingaben reagieren und HotCue-Punkte, Loops, Roll und Slicer kontrollieren. Der Denon DJ Prime 2 ist mit zwei Effekteinheiten ausgestattet, die den Decks fest zugewiesen sind und die praxisgerechten Effekte Echo, Delay, Hall, Ping Pong, Auto Gate, Flanger, LFO Filter, Phaser, Crush, Roll, Rev Roll, Scratch und Reverb beinhalten. Zur Auswahl und Steuerung der Effekte findet man in beiden Decks je drei Drehregler und einen Aktivierungstaster.

Mixer

Die zweikanalige Mixersektion des Denon-DJ-Geräts bietet ausreichend Platz zum bequemen Arbeiten und umfasst Kanalzüge mit Dreiband-EQs und Gain-Reglern sowie griffige Dualbandfilter-Potis. Zehnstufige LED-Ketten unterstützen die Pegelwahl in den Decks und am Masterausgang. Die Kanalfader gleiten recht leicht und lassen sich dem Crossfader per Schiebeschalter frei zuweisen. Der Verlauf der Crossfaderkurve ist auf der Vorderseite des Prime 2 für Mixtricks stufenlos wählbar.

Prime 2 Workstation Vorderseite.
Auf der Vorderseite lässt sich der Crossfader für Mixtricks konfigurieren.

Prime 2 Display

Der Denon DJ Prime 2 verfügt über ein sehr gut ablesbares 7-Zoll-Farbdisplay, das per Touch- und Gestensteuerung bedienbar ist. Das Display ist leicht angewinkelt, aber fest verbaut und unterstützt optisch verschiedene Vorgänge wie die Selektion der Songs und die Bedienung des Utility-Menüs. Während des Mixvorgangs kann zwischen einer horizontalen und vertikalen Ausrichtung der Wellenformen gewählt werden, sodass sich die Darstellung an die präferierte Arbeitsweise anpassen lässt.

Anschlüsse

Die Workstation bietet auf der Rückseite XLR- und Cinch-Buchsen zur symmetrischen und unsymmetrischen Ausgabe des Mastersignals sowie ein zusätzliches XLR-Pärchen für das Monitorsignal. Zwei Combo-Buchsen erlauben den Anschluss von Mikrofonen und ein Cinch-Line-Eingang steht für einen Zuspieler parat.

Der Anschluss digitaler Datenträger gelingt über insgesamt drei USB-Buchsen, von denen eine auch zum Laden mobiler Devices (Handys, Tablets) nutzbar ist, und einen SD-Kartenslot.

Eine USB-B-Buchse erlaubt die Kommunikation mit einem Computer und den Austausch von MIDI-Daten, ein Ethernet-Link-Port sendet Zeit, BPM und andere Songdaten zu einer kompatiblen Videosoftware oder ermöglicht den Anschluss des Prime 2 an einen Router, für Zugriff auf Streamingdienste. Letzteres kann drahtlos auch per WIFI erfolgen.

Prime 2 Workstation Rückseite.
Auf der Rückseite befinden sich symmetrische und unsymmetrische Ausgänge sowie digitale Schnittstellen.

Songorganisation

Zur Organisation digitaler Songsammlungen und Datenträgervorbereitung bietet Denon DJ die kostenlose Software Engine Prime an. Das Programm erlaubt die Tempo- und Tonartenanalyse sowie das Setzen von HotCue-Punkten und Loops. Songs können in Crates und Playlisten einsortiert werden, intelligente (filterbasierte) Sortierhilfen gibt es aber leider nicht. Engine Prime ist in der Lage, direkt auf Playlisten anderer Programme wie iTunes, Serato DJ, Rekordbox und Traktor DJ zugreifen zu können und exportiert die gewünschten Tracks manuell oder per Sync-Manager auf externe Datenträger.

Prime 2 kann die mit Engine Prime bespielten USB-Sticks oder SD-Karten einlesen, akzeptiert aber auch Datenträger, die mit Rekordbox vorbereitet wurden oder nur Songdateien enthalten, die keinerlei Analyse durchlaufen haben. Die Workstation ist hierzu mit einer Analysefunktion ausgestattet und auch eine Einsortierung in Playlisten und Crates perDrag-and-drop ist möglich.

Standalone-Mixing

Denon DJ hat Prime 2 einen intuitiven Workflow spendiert. DJs, die bereits digital aufgelegt haben, können nach einem kurzen Check mit dem Auflegen beginnen. Die Zuführung von Songs ist auf verschiedenen Wegen möglich und kann durch Datenträger oder eine aktive Internetverbindung (per WIFI oder Ethernet) erfolgen. In meinem Praxischeck erwies sich die kabelgebundene Netzwerkkommunikation als problemlos. Nicht ganz so reibungslos verlief der Test der drahtlosen WIFI-Schnittstelle, denn eine Verbindung zu meiner Fritzbox wollte sich nicht herstellen lassen (Netzwerk nicht gefunden, Passwort wurde nicht akzeptiert), wohl aber zum Hotspot meines Handys.

An dieser Stelle hoffe ich, dass Denon DJ das ganze per Firmware-Update in den Griff bekommt. Hat Prime 2 Zugriff auf das Internet, so lassen sich die drei Dienste Tidal, Beatport LINK und Soundcloud nutzen, vorausgesetzt man hat ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen. Dank kostenloser Probeaccounts könnt ihr euch hier eingehend mit den jeweiligen Angeboten auseinandersetzen und testen, welcher Dienst die passenden Tracks zur Verfügung stellt. Einschränkend gilt allerdings anzumerken, dass ihr keinen der Dienste bei einer öffentlichen bzw. kommerziellen Veranstaltung nutzen dürft, entsprechende Hinweise findet ihr in den AGB der Anbieter.

Rein technisch gibt es an der gewählten Umsetzung nichts groß aussetzen, da der Player die Songs vor der Wiedergabe komplett herunterlädt, damit es nicht zu Aussetzern während der Wiedergabe kommt. Wer möchte, kombiniert hier auch Songs aus unterschiedlichen Quellen. Die heruntergeladenen Songs werden zuverlässig analysiert, sollte das Beatgrid doch einmal verschoben oder die Geschwindigkeit nicht richtig ermittelt worden sein, können entsprechende Korrekturen (verschieben, Tempo halbieren/verdoppeln) mit wenig Aufwand erfolgen.

Das Beatmatching gelingt manuell treffsicher mit den Pitchfadern und Jogwheels, wer eine optische Unterstützung braucht, kann zudem die zoombaren Wellenformen im Display im Auge behalten, um Beatversätze zu lokalisieren. Alternativ löst die Sync-Funktion diese Aufgabe souverän auf Knopfdruck und auch Loops lassen sich gezielt aktivieren. Die Pads reagieren ebenfalls verzögerungsfrei, sodass die kreativen Funktionen problemlos in einem Live-Set zum Einsatz kommen können, um Echtzeitremixe oder punktuelle Highlights zu generieren.

Die Effektsektion hat mir klanglich gut gefallen, wobei die Effekte eher der Kategorie "nett" entsprechen und alles andere als "brachial" sind.

Erweiterungen

Prime 2 kann mit zwei Mikrofonen kombiniert werden, die separat aktivierbar sind und mit einem gemeinsamen EQ geregelt werden. Eine praktische Talkover-Funktion sorgt für die Absenkung der Musiksignale, wodurch Durchsagen besser verständlich werden. Per Auswahl im Settings-Fenster lassen sich die Mikrofonsignale in den Booth-Ausgang einschleifen, Effekte oder eine Cue-Funktion gibt es aber nicht.

Als einzige Zuspielmöglichkeit für externe Musiksignale gibt es einen AUX-Eingang, dessen Lautstärke per Drehregler kontrolliert wird. Mediaplayer oder mobile Devices können hierüber integriert werden und auch ein Vorhören der Signale ist möglich. Effekte oder eine Klangregelung werden nicht geboten.

Controllerfunktion

Der Denon DJ Prime 2 lässt sich als Controller für VirtualDJ nutzen. Damit dieses gelingt, müsst ihr die neuste Firmware auf dem Gerät verwenden und die aktuellste Version von VirtualDJ (Pro Infinity oder Pro Abo). Prime 2 wird nach der Aktivierung des Computermodus und einer verkabelten Verbindung zum Rechner von VirtualDJ erkannt und kann direkt genutzt werden.

Die Umsetzung ist sehr schön gemacht, da auch das Display des Denon-DJ-Geräts voll genutzt wird, sodass ihr zur Auswahl der Songs, aber auch zum Mixen selbst nicht auf den Computerbildschirm schauen müsst. Die Latenz war in meinem Praxistest mit einem doch etwas in die Jahre gekommenen MacBook Pro erfreulich niedrig, sodass eine souveräne Steuerung der Software gelingt.

Ein gemischter Betrieb aus Software-Steuerung und Standalone-Betrieb ist nicht möglich und auch ein nahtloses Umschalten zwischen den Modi gelingt nicht. Grundsätzlich finde ich den Controller-Zusatznutzen begrüßenswert, wobei dieser natürlich das Konzept - digitales Auflegen ohne Rechner - auf den Kopf stellt.

Unterschiede Prime 4

Der große Bruder Prime 4, den wir bereits im letzten Spätsommer hier getestet haben, wird für knapp 300 Euro mehr angeboten. Für diesen Aufpreis erhält man eine Workstation, die das Auflegen mit vier Decks erlaubt und dazu eine Mixersektion mit vier Kanalzügen besitzt. Alle Kanalzüge sind mit analogen Eingängen ausgestattet und verfügen über zusätzliche Sweep FX. Zudem hat Prime 4 einen weiteren XLR-Ausgang und ein etwas größeres, klappbares (10-Zoll-)Display.

Die Eingangssignale der beiden Mikrofoneingänge lassen sich individuell mit EQs bearbeiten und mit einem Echo-Effekt kombinieren. Der Denon DJ Prime 4 ist zudem als Controller für Serato DJ nutzbar. Hinsichtlich Klang, Haptik und Verarbeitung unterscheiden sich beide allerdings nicht, sodass man hier nach dem Einsatzzweck entscheiden kann.

Fazit

Der Neuzugang Denon DJ Prime 2 ist eine gelungene zweikanalige DJ-Workstation. Den Einsatz des Standalone-Geräts sehe ich im mobilen Bereich, auf privaten aber durchaus auch auf größeren Veranstaltungen, jedoch weniger als Festinstallation, da ein umfassender Anschluss analoger Zuspieler nicht möglich ist. Das sehr gut verarbeitete Gerät erlaubt kreative Mixe, die mit Onboard-Effekten ausgeschmückt werden können, sowie den Anschluss zweier Mikrofone. Songs lassen sich per USB-Medien zuspielen und bei privaten Veranstaltungen man auch von Tidal, Soundcloud oder Beatport streamen. Alternativ kann Prime 2 auch als Controller für die Software VirtualDJ verwendet werden. Der aktuelle Straßenpreis liegt bei angemessenen 1429 Euro, wer vier Decks zum Mixen braucht und analoge Zuspieler einbinden möchte, findet mit dem Prime 4 vom gleichen Hersteller eine passende Lösung, die für einen Aufpreis von circa 300 Euro angeboten wird.

Pro

Kompakte Standalone DJ-Workstation
Intuitive Bedienung
Sehr gute Verarbeitung
Gut lesbares und bedienbares Display
Datenträger ohne Vorbereitung nutzbar
VirtualDJ-Steuerung optisch schön gelöst

Kontra

Keine Effekte für Mikrofone und AUX-Signale
WIFI mit Verbindungsschwächen

Preis:

1335,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Denon DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Denon DJ , DJ Workstation , DJing , Prime 2

Geschrieben von:
Boris Alexander

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