Test: Denon DJ Prime 4 – Standalone Workstation

Test: Denon DJ Prime 4 – Standalone Workstation

Tests 7. September 2019

Mit der Einführung der Prime-Serie hat Denon DJ für ordentlich Wirbel in der DJ-Szene gesorgt und konnte mit den SC5000 (M) Playern und dem X1800 Mixer viele Anwender aus dem Profibereich überzeugen. Das jetzt verfügbare Prime-4-System möchte als Vierkanal-Standalone-Workstation vor allem, aber nicht nur als mobile-DJ-Device überzeugen. Was das groß dimensionierte DJ-Werkzeug zu bieten hat und wie gut das Auflegen ohne Computerunterstützung gelingt, habe ich mir angeschaut.

Denon DJ Prime 4

Der Denon DJ Prime 4 ist eine große DJ-Workstation, die 728 x 497 x 104 Millimeter misst und 9,7 Kilogramm auf die Waage bringt. Möchte man auf ein robustes Case zurückgreifen, um Transportschäden zu vermeiden, hat man hier insgesamt etwas mehr als 20 Kilogramm zu schleppen. Eine helfende Hand ist also ratsam, wenn der Denon-DJ-Bolide mit auf Reisen genommen werden soll. Was jetzt zunächst nach einer negativen Bewertung klingt, ist allerdings zu relativieren, da ein Verbund aus zwei einzelnen Playern und einem Mixer auch nicht leichtgewichtiger ist und von dem Gewicht der guten alten Plattenkisten möchte ich jetzt gar nicht erst reden. Keine Zweifel lässt der Hersteller bei der Verarbeitung und Materialwahl aufkommen, hier erwartet den Nutzer echte Profiqualität.

Denon DJ Prime 4 vorne angewinkelt.
Denon DJ Prim4 ist eine vierkanalige DJ-Workstation, die ohne Computerkontakt nutzbar ist.

Prime 4 Decks

Die Bedienelemente in den Decks des Prime 4 sind großzügig ausgeführt und so platziert, dass man sie treffsicher erreichen kann. Zur Transportsteuerung gibt es beleuchtete Taster mit einem deutlichen fühlbaren Druckpunkt, zusätzliche Buttons stehen für Beat Jumps und Track Skip parat. Das Aktivieren von Loops gelingt bequem über eine Drehregler-Taster-Kombination. Die zentral platzierten Jogwheels sind mit Displays ausgestattet und zeigen das Coverartwork sowie die virtuelle Nadelposition, um Scratch-Manöver zu erleichtern. Songs lassen sich mit den Wheels sehr genau steuern und kreativ bearbeiten. Mit separaten Tastern kann das Beatgrid modifiziert werden und Pitchfader mit einem Regelweg von zehn Zentimetern erlauben gezielte Tempoanpassungen.

Sechzehn Performance Pads dienen zum Triggern von HotCue-Punkten, Loops, Rolls und der Slicer-Funktion. Im oberen Teil der Decks befinden sich die Effektsteuerungen, hier sorgen Drehregler, Taster und Displays für eine komfortable Bedienung. Praktisch für den mobile-DJ-Einsatz ist der direkte Zugriff auf die Mikrofonsektion im linken Deck. Diese umfasst Lautstärke- und EQ-Regler sowie Effekt- und Talkover-Taster für zwei Mikrofone. Im rechten Deck des Prime 4 befinden sich Bedienelemente zur Steuerung der Master-, Booth- und Zone-Ausgangssignale. Neben der reinen Lautstärkekontrolle stehen Equalizer für Signalanpassungen parat.

Mixer

Der Mixerbereich des Denon DJ Prime 4 ist übersichtlich gestaltet und bietet vier Kanäle mit Gain-, EQ- und Filter-/Effektreglern, die ein gezieltes Arbeiten ermöglichen. Die Kanalfader sind gut dosierbar und lassen sich dem leicht gleitenden Crossfader frei zuweisen. Auf der Vorderseite der Workstation findet die Quellenauswahl für die Kanäle statt und zudem kann die Crossfaderkurve angepasst und Faderstart aktiviert werden. In der Mitte des Mixers gibt es einen großen Poti zur Navigation in der Songauswahl und Taster, die die Tracks in die Decks überführen.

Denon DJ Prime 4 Vorderseite.
Die Vorderseite des Geräts bietet Kopfhöreranschlüsse und Konfigurationsmöglichkeiten für den Crossfader.

Display

Prime 4 ist mit einem 10-Zoll-Touchdisplay ausgestattet, das verstellbar und per Gestensteuerung bedienbar ist. Das sehr gut reagierende Panel erlaubt die Konfiguration des Geräts und blendet die Songauswahl ein. Im Mixbetrieb lassen sich bis zu vier Wellenformen darstellen, hierbei kann zwischen einer vertikalen oder horizontalen Einblendung umgeschaltet werden.

Anschlüsse

Die Rückseite des Prime 4 verfügt über zwei umschaltbare Line-/Phono-Eingänge sowie über zwei Line-Eingänge, um das Setup einfach erweitern zu können. Zudem gibt es zwei XLR-/Klinken-Comboeingänge für Mikrofone und einen Ethernet-Link-Port zur Synchronisation von Video-Programmen. Zur Ausgabe von Musiksignalen bietet das Gerät professionelle XLR-Buchsen für die Master-, Booth- und Zone-Ausgänge sowie ein zusätzliches Cinch-Paar für den Masterausgang.

Zur Kommunikation mit einem Computer ist eine USB-Buchse verbaut, hierüber lassen sich Songs auf die interne (optionale) Festplatte des Prime 4 kopieren oder in naher Zukunft mit Serato DJ Pro kontrollieren. Die Zuführung von Songs gelingt über SD-Karten und USB-Datenträger. Prime 4 verfügt hierzu über einen SD-Slot und vier USB-Buchsen. Als Besonderheit kann eine der rückwärtig verbauten USB-Buchsen auch zum Laden eines mobilen Geräts genutzt werden.

Denon DJ Prime 4 Rückseite.
Die Geräterückseite bietet zahlreiche Anschlüsse für Zuspieler und Ausgänge zum Anschluss an eine professionelle PA.

Vorbereitung

Denon DJ bietet die kostenlose Software Engine Prime zur Organisation und Vorbereitung von Songs an. Musikstücke lassen sich mit dem Programm recht zuverlässig analysieren und mit HotCue-Punkten und Loops versehen. Die Denon DJ Software kann im Zweideck-Betrieb genutzt werden, sodass Testmixe simulierbar sind. Um den Überblick zu behalten, lassen sich Crates (unsortierte Listen) und Playlists (sortierte Listen) anlegen. Die Befüllung der Listen erfolgt händisch, automatische Unterstützungen durch intelligente Playlists gibt es nicht. Engine Prime kann Songsammlungen als Crates oder Playlists aus iTunes, Rekordbox, Serato DJ und Traktor importieren, was je nach Umfang durchaus etwas Zeit benötigt. Nach der Aufbereitung in Engine Prime erfolgt der manuelle Export auf einen mobilen Datenträger, eine Sync-Funktion wie in Rekordbox gibt es nicht.

Wer mit den gebotenen Funktionen in Engine Prime nicht zufrieden ist, kann entweder auf Rekordbox ausweichen oder ganz auf eine Vorbereitungssoftware verzichten. Prime 4 erlaubt die Nutzung eines Datenträgers, der mit Rekordbox gefüllt wurde, kann aber auch USB-Medien mit komplett unbearbeiteten Songs lesen. Die nicht präparierten Songs werden vom Player analysiert und lassen sich wie in der Computersoftware in Crates und Playlisten einsortieren. Die Onboard-Analyse arbeitete in meinem Test ordentlich, verschobene Grid-Startpunkte oder falsch sitzende Grids können mit den Beatgrid-Bearbeitungsfunktionen des Geräts nachträglich sehr einfach korrigiert werden.

In the Mix

Der Denon DJ Prime 4 lässt sich im stationären Club oder mobile-DJ-Einsatz aufgrund seiner umfangreichen Anschlussausstattung problemlos verkabeln. Die Bedienung ist intuitiv, sodass man nach kurzer Einarbeitungszeit mit dem Mixen beginnen kann. Das große Display erlaubt ein komfortables Durchsuchen der Songsammlung und per Wischgesten oder Tastendruck landen die Songs von den USB-Sticks, SD-Karten oder der internen Festplatte in den Decks. Die eingeblendeten Wellenformen lassen sich durch Fingerbewegungen vergrößern oder verkleinern und die Tonart für harmonische Mixe manuell bearbeiten.

Die Songsteuerung in den Decks hat mir sehr gut gefallen, da Jogwheels und Taster verzögerungsfrei arbeiten. Neben manuell ausgeführten Pitchbends gelingen Scratch-Manöver und Backspins und Loops lassen sich passgenau setzen. Wer nicht per Hand beatmatchen möchte, kann auf die Sync-Funktion zurückgreifen und auch die Tonart lässt sich automatisch anpassen. Die Tonartkorrektur hat mir klanglich sehr gut gefallen, klar darf man bei zu großen Tempoabweichungen keine Wunder erwarten. Mixe mit bis zu vier Decks gehen locker von der Hand und dank wählbarer Farbgebung für die Decks bleibt die Übersicht stets gewahrt. Die Mixersektion bietet optische Pegelanzeigen und ordentlich zupackende EQs mit anpassbaren Frequenzbereichen und optionalem Kill-Modus.

Kreativ arbeitende DJs finden eine solide Funktionsausstattung, die mit den Performance Pads steuerbar und dank optionaler Quantifizierungsfunktion auch immer treffsicher nutzbar ist. Mit den Roll- und Slicer-Funktionen lassen sich Echtzeitremixe kreieren und mit vierzehn Onboard-Effekten verfeinern. Diese sind Reverb, Echo, Delay, Hall Echo, Ping Pong, Auto Gate, Flanger, Filter LFO, Phaser, Bit Crush, Roll, Rev. Roll, Beat Break und Scratch. Die Effekte haben editierbare Parameter und klingen ordentlich. Für meinen Geschmack hätten sie aber etwas "schärfer" oder "radikaler" ausfallen dürfen. Um Mixübergänge modellieren zu können, gibt es im Mixerbereich die gut klingenden Effekte Sweep FX Filter, Echo, Noise und Wash.

Denon DJ Prime 4 Draufsicht.
Das große Touchdisplay erlaubt die Navigation in der Songsammlung und blendet viele mixrelevante Infos ein.

Zuspieler und Mikrofone

Dank der zahlreichen analogen Eingänge lassen sich Zuspieler und Mikrofone zur Setup-Erweiterung bequem anschließen. Die eingehenden Signale der CD-Player oder Plattenspieler können mit den EQs bearbeitet werden und sind mit den digitalen Tracks aus dem Prime 4 kombinierbar. Für externe Zuspielersignale steht allerdings nur das Filter als Sweep FX zur Verfügung, was sehr schade ist und verwirrend sein kann, da sich ein abweichender Effekt für die internen Tracks selektieren lässt und somit die Effektanzeige für die externen Signale nicht stimmig ist.

Die Mikrofonsignale können mit den gut erreichbaren Bedienelementen im linken Deck aktiviert und bearbeitet werden. Praktisch für Ansagen im mobile-DJ-Bereich ist die Talkover-Funktion, deren Parameter im Einstellungsmenü des Prime 4 konfigurierbar sind. Als Effekt bietet der Prime 4 hier lediglich ein Echo.

Fazit

Der Denon DJ Prime 4 ist eine autarke DJ-Workstation, die im mobile-DJ-Einsatz aber auch Club-DJ-Bereich nutzbar ist. Das Denon-DJ-Gerät ist vorbildlich verarbeitet und besitzt ein hochwertiges 10-Zoll-Touchdisplay, das die Songauswahl und Konfiguration unterstützt. Mixe mit bis zu vier Decks gelingen problemlos und lassen sich mit kreativen Funktionen wie HotCue-Punkten, Loops und Effekten ausschmücken. Dank der großzügigen Dimensionierung kann man mit dem Prime 4 sehr gut arbeiten und auch externes Equipment lässt sich ohne großen Aufwand integrieren. Vergleicht man den Prime 4 mit einem computerbasierten DJ-System, so gibt es nur wenige Ausstattungslücken, die vor allem im kreativen Bereich liegen, da es keinen Sampler, Remix-Decks oder Stems gibt.

Hier sollte man als potentieller Nutzer seine Bedürfnisse durchleuchten und entscheiden, ob Prime 4 einen ausreichenden Funktionsumfang bietet. Insgesamt hat mir der Prime 4 sehr gut gefallen, zumal auch eine Streaming-Funktion per WIFI oder Kabel demnächst ergänzt wird, die einen direkten Zugriff auf Beatport, Soundcloud, Tidal und Beatsource erlaubt. Kleinere Abzüge gibt es für die magere Effektauswahl für externe Zuspieler und die etwas unkomfortable Vorbereitungssoftware Engine Prime, die aber sicherlich in zukünftigen Updates verbessert wird.

 

Pro

Standalone DJ-Workstation mit vielen kreativen Funktionen
Hervorragende Verarbeitung
Einfache Setup-Erweiterungen möglich
Onboard Songanalysefunktion
Viele professionelle Ausgänge
Sehr guter, druckvoller Klang

Kontra

Nur Filter FX für externe Zuspieler
Engine Prime Software wenig komfortabel

 

Preis: 1799 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Denon DJ.

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