Test: DJ DEX 2 iOS

Test: DJ DEX 2 iOS

Tests 2. März 2019

Die US-amerikanische Softwareschmiede Digital 1 Audio, vielen besser bekannt als PCDJ, bietet die Mixingsoftware DEX für Mac- und Windows-Computer seit vielen Jahren an. Als Ergänzung hat der Hersteller den Programmcode auf die iOS-Plattform übertragen und die App DJ DEX kreiert, die über Apples App Store vertrieben wird. Die Version 2 möchte den Nutzer durch ein neu gestaltetes Interface und kreative Funktionen überzeugen. Na dann mal los!

Überblick

Zahlreiche DJ-Apps für iPads stehen in Apples App Store bereit, die die mobilen Tablet Computer in kompakte DJ-Systeme verwandeln sollen. Viele professionelle Nutzer greifen auf diese Lösungen zurück, um DJ-Sets unterwegs im Zug oder Flugzeug vorbereiten zu können oder um ein Backupsystem parat zu haben, falls es zu technischen Störungen am Hauptsystem kommt. Eignet sich die App DJ DEX 2 für diese Aufgaben und für wen kommt sie noch in Frage?

Decks

DJ DEX 2 wird aktuell für günstige 5,49 Euro angeboten und präsentiert sich als  aufgeräumte Zweideck-App. Die Decks bieten virtuelle Jogwheels oder große Wellenformdarstellungen zur Manipulation der Songs und blenden zudem Übersichtswellenformen ein. Die Kopfzeile informiert den Anwender über die verbleibende und verstrichene Spielzeit, sodass man den Mixvorgang gut timen kann. Im unteren Bereich der Decks gibt es große Transporttaster inklusive einer Sync-Funktion und einen gut erreichbaren Crossfader zum Überblenden. Manuelle Tempoveränderungen sind mit den Pitchfadern möglich, hier greift, wie bei der automatischen Anpassung, immer eine gut klingende Tonartkorrektur. Der Regelbereich der Pitchfader kann im Einstellungsmenü ausgewählt werden und beträgt maximal +/- 50 Prozent. Zum Anschieben und Abbremsen der Tracks für kleinere Mixkorrekturen gibt es Pitchbend-Taster.

Screenshot der Decks.
Die Decks bieten Jogwheels oder große Wellenformdarstellungen zur Steuerung der Songs.

Mixer

Die App DJ DEX 2 ist durchgängig mit großen Bedienelementen ausgestattet, die eine treffsichere Ausführung erlauben. Aus diesem Grund gibt es für viele Funktionen eigene Bildschirmseiten, die durch eine Tastenreihe in der Mitte der App jederzeit erreichbar sind. Bei diesem Umschaltvorgang bleiben die Basissteuerungen zum Mixen sowie die mixrelevanten Einblendungen erhalten – super! Für den Mixvorgang tippt man auf die Taste EQ, woraufhin Kanalfader und Dreiband-EQs inklusive Killschalter und Cue-Buttons erscheinen. Die drei EQ-Bänder werden durch Fader kontrolliert, diese Umsetzung hat uns gefallen, da man Fader auf einem Touchscreen besser bedienen kann als virtuelle Drehregler.

Screenshot des Mixer.
Im Mixerfenster gibt es 3-Band-EQs, die per Fader kontrolliert werden.

HotCue-Punkte

Der Button „Cuepoints“ öffnet die HotCue-Punkt-Sektion der App, die sechs Songmarkierungen pro Deck beinhaltet. Die HotCue-Punkte lassen sich zum Anfahren von Songstellen nutzen und für Mixtricks schnell abfeuern. Durch ein längeres Drücken der Pads lassen sich die HotCue-Punkte löschen und anschließend neu setzen. Etwas eigenwillig ist der permanente Speichervorgang für HotCue-Punkte gelöst, auf diesen kommen wir im Praxisteil näher zu sprechen.

Screenshot der Cuepoints.
Die App erlaubt das Setzen und Triggern von bis zu sechs HotCue-Punkten pro Song.

Loops

Die App DJ DEX 2 ist mit einer Loop-Funktion ausgestattet, die das Setzen von Loops mit festen aber auch frei wählbaren Größen erlaubt. Loops mit einer Länge von 32 bis ¼ Taktschlägen lassen sich hiermit zum Verlängern von Songparts oder für Spannungsbögen in Mixen nutzen. Zudem gibt es Taster, die Loops halbieren oder ihre Größe verdoppeln.

Screenshot der Loops.
Loops können frei oder mit vorgegebenen Größen gesetzt werden.

Effekte

Im Effektbereich der App stehen zehn Effekte zur Auswahl parat, die per virtuellem XY-Touchpad gesteuert werden. Durch die Fingerfahrten auf dem Touchpad werden immer zwei Effekte gleichzeitig kontrolliert. In der Auswahl finden sich Filter, Flanger, Echo, Beat Waw (ein Zerhacker), Reverb, Bit Crusher, Autopan, Robot Delay und Tremolo. Die Effekte klingen ordentlich und als Ergänzung gibt es eine Plattenspieler-Stopp-Simulation.

Screenshot der Effekte.
Zur Kontrolle der Effekte ist die App mit virtuellen XY-Pads ausgestattet.

Praxis

Die App DJ DEX 2 ist 30 MB groß und lässt sich somit recht fix herunterladen und installieren. Die Bedienung der App und die Audioausgabe können auf unterschiedliche Weise erfolgen. Im mobilen Einsatz unterwegs im Zug oder Flugzeug ist die App durch Touchgesten kontrollierbar und die Audiosignale verlassen das iPad per Kopfhörerbuchse. Möchte man hierbei Songs vorhören, schließt man einen speziellen Adapter an und aktiviert die Splitfunktion, welche die Signale aufteilt. Wer einen besseren Klang benötigt, verkabelt ein Multikanal-Audiointerface mit dem iPad und nutzt zwei separate Stereo-Ausgänge. DJs, die die App mit einem Controller bedienen möchten, können nahezu alle Geräte wählen, die von der Computer-basierten Lösung DEX 3 Pro unterstützt werden. Als Einschränkung gilt, dass nur Controller mit einem USB-Class-Complient-Modus (d. h. ohne Treiber) nutzbar sind (gleiches gilt auch für die Audiointerfaces) und diese zudem mit wenig Spannung auskommen müssen. Letzteres kann durch einen aktiven USB-Hub oder ein Controller-eigenes Netzteil aufgefangen werden. Zu den unterstützten Geräten gehören Controller von Pioneer DJ wie der DDJ-WeGo 3 und 4, der Reloop Mixon 4, das Beatpad 2 und noch mehr. Anpassungen oder Ergänzungen der Steuerungen sind leider nicht möglich und nicht unterstützte Geräte können auch nicht selbst zugewiesen werden.

DJ DEX 2 nutzt die iPad-interne Musikverwaltung und greift ausschließlich auf diesen Songspeicher zu, auf Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer etc. muss man leider verzichten, was gerade für Privatanwender etwas schade ist. DJ DEX 2 bietet zudem keine Möglichkeiten Playlisten anzulegen, hier muss auf die iOS-System-App „Musik“ ausgewichen werden. Ausnahme: Für die Autoplay-Funktion lässt sich eine temporäre Playliste erzeugen, die sich allerdings selbstständig leert, nachdem ein Song wiedergegeben wurde. Die App analysiert Songs beim ersten Laden und überzieht diese mit einem Beatgrid. Die Trefferquote des Analysevorgangs war in unserem Test ganz ordentlich, treten allerdings Fehler auf, so hat man keine Möglichkeit, diese zu korrigieren. Die falsch analysierten Songs müssen manuell mit Pitchfadern und Pitchbend-Tastern angeglichen werden.

Mit ein bisschen Übung gelingt dieser Vorgang recht gut, trotzdem steht eine Bearbeitungsfunktion für das Beatgrid ganz oben auf unserer Wunschliste. Wichtig ist an dieser Stelle auch noch zu erwähnen, dass die Speicherung der Beatgrids und der HotCue-Punkte erst am Ende einer Session erfolgt, wenn die App explizit beendet wird. Diese Lösung ist etwas eigenwillig und nicht sonderlich glücklich, da Songs, die ein zweites Mal während einer Mixsession zum Einsatz kommen, erneut einem Analysevorgang unterzogen werden und die gesetzten HotCue-Punkte dabei verschwinden. Nach Rückfrage beim Hersteller teilte man uns mit, dass dieser Vorgang in naher Zukunft überarbeitet werden soll.

Screenshot der Streaming-Dienste.
DJ DEX 2 nutzt den internen Songspeicher des iPads – Streaming-Dienste können leider nicht genutzt werden.

Screenshot-Songspeicher

Zum Mixen der Songs lassen sich EQs nutzen, die dezent in das Klangbild eingreifen; wer kreativ arbeiten möchte, nutzt die gut klingenden Effekte, deren Steuerung durch die virtuellen XY-Pads recht ordentlich gelingt sowie die Loop-Funktion, mit der sich DJ-Sets auflockern lassen. Die integrierte Aufnahmefunktion schneidet DJ-Sets als unkomprimierte AIFF-Dateien in 16 Bit und 44,1 kHz mit. Zur Bearbeitung und Weiterverteilung müssen die Mixe auf einen Computer übertragen werden. Eigene Bordmittel stellt die App hierzu nicht zur Verfügung.

Screenshot des Einrichtungsmenüs.
Im Einrichtungsfenster lassen sich Audiointerfaces und Parameter wählen.

Fazit

Die App DJ DEX 2 ist mit einer ansprechenden Bedienoberfläche ausgestattet und erlaubt das Mixen mit zwei Decks. Die kreativen Zusatzfunktionen sind gut erreichbar und umfassen ordentlich klingende Effekte, eine Loop-Funktion und HotCue-Punkte. Die App eignet sich zum Vorbereiten von DJ-Sets und per angeschlossenem Audiointerface oder Controller auch für eine private Beschallung. Ganz perfekt ist die App aber leider nicht, denn ein bearbeitbares Beatgrid und eine Speicherung der HotCue-Punkte während einer aktiven Session stehen ganz oben auf unserer Wunschliste.

 

Pro

Aufgeräumtes Interface
Ordentliche Effekte
Controller-Steuerung möglich
Audiointerfaces nutzbar
Günstig

Kontra

Beatgrid kann nicht bearbeitet werden
Eigenwillige Speicherung von Beatgrids und HotCue-Punkten

 

Preis: 5,49 EUR
Weitere Informationen auf der Webseite.

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