Test: Modal Electronics CRAFTsynth 2.0 / Wavetable-Synthesizer

Test: Modal Electronics CRAFTsynth 2.0 / Wavetable-Synthesizer

Tests 9. November 2019

Die aus Bristol stammende Synthie-Schmiede Modal Electronics entzog sich bisher der breiten Aufmerksamkeit und gilt als Geheimtipp. Das liegt nicht zuletzt an den kaum bezahlbaren Instrumenten aus der 00-Serie, die ME seit 2014 auf den Markt bringt. Mit dem Craft Selbstbau-Synth für unter 100 Euro sind die Engländer dann vor zwei Jahren auf den Budget-Geschmack gekommen, wovon Verkaufszahlen und Bekanntheitsgrad der Firma profitierten. Kein Wunder, dass Modal Electronics weiter auf der Welle der bezahlbaren Synthesizer schwimmen will und so brachte der Hersteller jüngst den CRAFTsynth 2.0 auf den Markt. Dieser ist beim Kauf bereits zusammengebaut und sieht nicht mehr so rough nach Prototyp aus. Was sich beim Upgrade noch so getan hat, zeigt dieser Test.

Die Features im Überblick

Craft 2.0 ist ein monophoner Wavetable Synthesizer. Das heißt allerdings nicht, dass immer nur eine Note auf einmal klingen kann. Mittels Spread-Funktion werden im Unison-Detune-Verfahren insgesamt acht Oszillatoren hörbar, die sogar auf verschiedene Akkorde getunt werden können. In ihrer Wellenform justierbar sind allerdings nur zwei der Oszillatoren. Neben klassischen, virtuell analogen Wellen, wie Sinus, Rechteck und Sägezahn, kann der Craft 2.0 auch herrlich unkonventionelle Zwischenformen erzeugen und beide Oszillatoren ineinander morphen.

Mit an Bord ist ein Multimode Filter, das wahlweise als Lowpass, Bandpass oder Highpass eingestellt werden kann und sogar seine eigene Hüllkurve besitzt. Für das An- und Abklingverhalten des Synths selbst gibt's natürlich auch eine, eine weitere Hüllkurve lässt sich zu Modulationszwecken nutzen. Hinzu kommen zwei LFOs, Distortion und Delay, Ringmodulation, Bitcrush und FM sowie eine acht mal acht Modulationsmatrix. Abschließend seien der Arpeggiator bzw. Sequenzer erwähnt und die kostenlose MODALapp als ergänzendes Bedien- und Feedback-Element.

Modal Electronics CRAFTsynth 2.0 von oben

Anschlüsse und technische Daten

Mit Abmaßen von 150 x 135 x 68 mm ist der Craft 2.0 portabler als die Korg Volcas, was sich auch am Bedarf von lediglich drei AA-Batterien zeigt. Rückseitig befinden sich Anschlüsse für Strom als Micro-USB, 3,5mm-Klinkenbuchsen für Headphones und Line Out sowie Sync In und Out. Trotz der portablen Größe des Craft hat Modal Electronics MIDI Ins und Outs in vollwertiger DIN-Ausführung verbaut. MIDI-Befehle und Stromversorgung sind auch über das beigefügte USB-Kabel möglich. Via kostenloser MODALapp können Apple-, Android- und Windows-Nutzer den Craft 2.0 auch remote ansteuern, Presets verwalten, oder sich einfach grafisch anzeigen lassen, was gerade in der kleinen Kiste vor sich geht. Im Lieferumfang enthalten sind abgesehen vom USB-Kabel ein Cheat Sheet für Tastenkürzel.

Modal Electronics CRAFTsynth 2.0 von hinten.

Verarbeitung und Haptik

Mit Abmaßen von 150 x 135 x 68 mm ist der Craft 2.0 portabler als die Korg Volcas, was sich auch am Bedarf von lediglich drei AA-Batterien zeigt. Rückseitig befinden sich Anschlüsse für Strom als Micro-USB, 3,5 mm Klinkenbuchsen für Headphones und Line Out sowie Sync In und Out. Trotz der portablen Größe des Craft hat Modal Electronics MIDI Ins und Outs in vollwertiger DIN-Ausführung verbaut. MIDI-Befehle und Stromversorgung sind auch über das beigefügte USB-Kabel möglich. Via kostenloser MODALapp können Apple-, Android- und Windowsnutzende den Craft 2.0 auch remote ansteuern, Presets verwalten, oder sich einfach grafisch anzeigen lassen, was gerade in der kleinen Kiste vor sich geht. Im Lieferumfang enthalten sind abgesehen vom USB-Kabel ein Cheat-Sheet für Tastenkürzel.

Sound und Workflow

Die lange Liste an Features, die Modal Electronics dem Craft 2.0 spendiert hat, macht hinsichtlich der geringen Größe des Synths den Gebrauch von Doppel- bzw. Dreifachbelegungen unumgänglich. Das Layout des Synths ist dabei vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber keineswegs unbedienbar. Irritierend ist, dass der Shift-Taster nach Betätigung im Shift-Modus bleibt, weshalb er erneut gedrückt werden muss, wenn wieder die "normalen" Funktionen gefragt sind. Die Drittfunktionen sind wiederum in gewohnter Weise zu erreichen, also in diesem Fall bei gehaltenem Preset-Knopf.

Die Oszillatoren des Craft 2.0 kennen 40 verschiedene Wellentypen von virtuell analog über Digital und Wavetable bis hin zu einer Auswahl an Sounds des Modal Electronics 002. Das gab es beim Craft 1.0 noch nicht. Die Oszillatoren nicht nur der Kern der Klangerzeugung des Craft 2.0, sondern auch seines Charmes an sich. Beim Morphen durch die Wellenformen stößt man immer wieder auf exotische und faszinierende Klänge, die einen schnell den Preis und die Größe des Synths vergessen lassen. Die beiden Oszillatoren können dann gemischt und getunt werden, richtig los geht's aber erst mit der Oszillator Modulation. Egal ob Phase- , Frequency- oder Ring Modulation, Window Sync oder Derez - Die Oszillatoren des Craft 2.0 lassen sich auf unterschiedlichste und spannendste Art miteinander modulieren.

Das ist sogar erst der Anfang, denn weiter geht's mit Filter, LFOs und Co. Das 2-pole Filter des Craft klingt leider nur in Ordnung, also weder auffallend gut noch schlecht. Es ist aber schön, sowohl Lowpass, Bandpass als auch Highpass zur Verfügung zu haben. Die beiden Audio Range LFOs sind über die Clock des Craft synchronisierbar und kennen gängige Wellenformen wie Sinus, Rechteck, Sägezahn oder Sample and Hold. Als Trigger-Modi gibt's Free, Retrigger und Single. Drückt man den Button LFO 1 bzw. 2, wird der nächste Parameter, der justiert wird, fortan vom entsprechenden LFO gesteuert. Das gleiche gilt für die Mod-Hüllkurve - sehr gelungen!

Auch das Delay kann intern synchronisiert werden und klingt erstaunlich organisch. Es eignet sich hervorragend, um die monophone Natur des Craft 2.0 ein wenig zu verschleiern. Die Distortion passt auch gut ins Arsenal der kleinen Wunderkiste und deckt ein angenehm musikalisches Spektrum ab. Der Arpeggiator ist nicht gerade flexibel, aber macht seinen Job. Als Bonus gibt es die Möglichkeit, den Craft 2.0 wie den Sequenzer einer TB-303 (LINK) zu programmieren. Zu guter Letzt sei nochmal an die MODALapp erinnert, wo beispielsweise auch Velocity oder Aftertouch über die Modulationsmatrix des Craft geroutet werden können. Auch die verschiedenen Wellenformen können hier visuell beim Morphen überwacht werden.

Fazit

Portable und bezahlbare Synths überschwemmen den Markt nun seit einiger Zeit und doch sticht der Craft 2.0 heraus. Das hängt vor Allem mit der Entscheidung zusammen, auf eine virtuell-analoge Funktionsweise zu setzen, was mehr Platz für Soundshaping-Optionen lässt. Das macht den Craft zu einem sehr flexiblen Synth für wenig Geld und sorgt für einen Sound, der ein deutlich größeres Instrument vermuten lässt. Hauptkritikpunkt ist die Verarbeitung: In Bezug auf Stabilität ist der Craft ganz okay, grundsätzlich sollte man ihn beim Transport aber zusätzlich schützen. Ähnlich wie bei der Volca-Serie wirken derart kleine Synthesizer jedoch schnell wie Spielzeug, was weniger dazu motiviert, 300 Euro auszugeben. Hinzu kommt, dass das verwendete Plastik extrem leicht verkratzt und Fettfinger annimmt - goodbye, Resellvalue. Wer sich daran nicht stört, kann beim Craft wenig falsch machen, egal ob Erst-Synth oder Ergänzung, fürs Studio oder unterwegs. Um aus dem vollen Potenzial des Craft zu schöpfen, lohnt sich ein Blick in die MODALapp, die nicht nur kostenlos ist, sondern unkompliziert auf den gängigsten Betriebssystemen läuft. Das macht den Craft noch massentauglicher und dürfte Modal Electronics zu größerer Bekanntheit verhelfen - zu Recht.

 

Pro
Geringer Preis
Viele Features
Hochwertiger Sound

Kontra
Verarbeitung könnte wertiger sein

 

Preis: 137 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Modal Electronics.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit CRAFTsynth 2.0 , Modal Electronics , Synthesizer , Test , Wavetable

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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