Test: PLAYdifferently Model 1.4 / Vierkanal-Mixer von Richie Hawtin

Test: PLAYdifferently Model 1.4 / Vierkanal-Mixer von Richie Hawtin

Tests. 8. Mai 2022 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Boris Alexander

Mitte der 10er-Jahre veröffentlichten Techno-Pioneer Richie Hawtin und der ehemalige Allen&Heath Chefdesigner Andy Rigby-Jones unter der neu gegründeten Marke PLAYdifferently den recht außergewöhnlichen Sechskanalmixer Model 1. Der Mixer überzeugte durch zahlreiche Innovationen und Eigenheiten, war aber auch genau deswegen kein Mixer für alle Use Cases. Das jetzt ergänzte Schwestermodell Model 1.4 greift das besondere Konzept auf, verschlankt dieses und bietet sich als kostengünstigere Alternative an.

Laufsteg frei für Model 1.4

Der Neuzuwachs im Hause PLAYdifferently kommt als robustes Metallgerät, misst erstaunlich kompakte 368 x 248 x 111 mm und wiegt fünf Kilogramm. Model 1.4 ist ein komplett analog aufgebautes, vierkanaliges Mischpult, dessen Fertigung im Hause Allen&Heath erfolgt. Die Grundkonzeption des großen Bruders Model 1 wurde übernommen und somit ist der Neuzugang ebenfalls kein gewöhnlicher Club- oder Battlemixer, denn typische Ausstattungsmerkmale wie einen Crossfader und Mikrofoneingänge bietet dieser nicht. Model 1.4 wird für 2298 Euro angeboten und ist somit 900 Euro günstiger als sein Schwestermodell.

 Model 1.4 Schräg von vorne.
Der vierkanalige Model 1.4 bietet eine besondere Kanalausstattung zum mehrspurigen Mixen.

Kanalzüge

Die vier Kanalzüge des Mixers können mit verschiedenen analogen Klangquellen kombiniert werden. Trim-Potis dienen zur Steuerung der Eingangspegel und bieten eine ergänzende Drive-Option für gezielte, klangfärbende Übersteuerungen. Anstelle klassischer Dreiband-EQs sind alle Kanäle mit Hoch- und Tiefpassfiltern ohne Resonanzkopplung ausgestattet, die zur Absenkung von Frequenzen nutzbar sind.

Zusätzliche, semiparametrische Glockenfilter arbeiten im Bereich von 70 Hz bis 7 kHz und erlauben eine Anhebung um bis zu acht dB und eine Absenkung um 20 dB. Alle Kanalzüge lassen sich in das Masterfilter einspeisen und sind zudem mit zwei AUX-Wegen ausgestattet, die das Einschleifen von Effekten erlauben. Zehnstellige LED-Ketten dienen der Pegelüberwachung und leicht gleitende Kanalfader mit einem Regelweg von sechs Zentimetern steuern das Mixing.

Return-Kanäle

Zur Rückführung der AUX-Signale bietet der Model 1.4 zwei Return-Kanäle, deren Bedienelemente in der linken oberen Ecke angeordnet sind. Trim-Potis übernehmen die Pegelanpassungen und auch hier lassen sich die Signale – wenn erwünscht – gezielt übersteuern. Vierstellige LED-Ketten dienen zur Pegelüberwachung und Level-Regler kontrollieren die Signaleinspeisung in den Main Mix. Für beide Kanäle ist eine Low-Cut-Schaltung aktivierbar, die bei 320 Hz einsetzt, und ein Routing in das Masterfilter.

 Model 1.4 Draufsicht.
Der Neuzugang ist recht kompakt, der Bedienkomfort wird dadurch aber nicht eingeschränkt.

Masterfilter

Mit dem Masterfilter lassen sich die optional eingespeisten Kanal- und Return-Signale formen. Das Masterfilter besteht aus einem Hochpassfilter mit steuerbarer Resonanz und einem Tiefpassfilter mit festem Resonanzwert. Für Mixtricks bietet das Filter einen Aktivierungstaster.

Master & Booth

Auf der rechten Mixerseite befindet sich die Mastersektion, die mit einem Pegelregler und einer dreifarbigen LED-Kette zur Überwachung versehen ist. Zur gemeinsamen Anpassung der Master-, Record- und Booth-Signale gibt es einen gut erreichbaren Dreiband-EQ. Die Booth-Signale lassen sich separat kontrollieren und mittels Zweiband-EQ bearbeiten.

Cue

Bei den meisten Mixern ist die Cue-Sektion nur eine Randnotiz wert, da man hier nichts Besonderes antrifft. Beim Model 1.4 ist das allerdings etwas anders, da es hier zwei unabhängige Cue-Wege (A & B) gibt. Beide Cue-Wege sind baulich voneinander getrennt und erlauben zwei Akteuren ein bequemes, individuelles Cueing. Jede Sektion ist mit zwei Kopfhöreranschlüssen (Klinken- und Miniklinkenbuchsen) und Pegelreglern ausgestattet.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des PLAYdifferently-Mixers befinden sich Line-Eingänge für die Kanäle 1 und 4 sowie umschaltbare Line-/Phono-Eingänge für die Kanäle 2 und 3, sodass ein bunter Mix aus Mediaplayern und Plattenspielern angeschlossen werden kann. Ein zusätzlicher DSUB-In (Tascam DB25) erlaubt die Verkabelung einer professionellen Soundkarte und die Zuspielung von bis zu vier Stereokanälen durch eine einzige Kabelverbindung. Alternativ können hierüber auch Zuspieler mittels Multicore-Kabel angeschlossen werden. Ein DSUB-Out dient zur Ausgabe der Master-AUX, und Cue-B-Signale.

Zur Einbindung von externen Effektgeräten sind AUX-Send- und AUX-Return-Anschlüsse als Klinkenbuchsen verbaut. Das Mastersignal verlässt den Mixer über XLR-Buchsen und für die Monitorsignale gibt es ein Klinkenpaar. Gut gefallen hat uns die Platzierung des Recording-Ausgangs, dieser ist einfach erreichbar als Miniklinkenbuchse auf der Oberseite ausgeführt.

Für größere Setups mit mehreren Model-Mixern ist das Gerät mit neunpoligen Link-Buchsen ausgestattet. Die miteinander verbundenen Mixer nutzen einen gemeinsamen Master/Booth-Bus, sodass nur ein Mixer mit der Anlage verkabelt werden muss, und auch das Cueing funktioniert mixerübergreifend.

 Model 1.4 Anschlüsse.
Auf der Rückseite befinden sich mehrkanalige DSUB-Anschlüsse und klassische Phono-/Line-Eingänge.

Praxis

Da der Model 1.4 ein nicht alltägliches Mixerkonzept bietet, sollte man sich mit diesem eingehend beschäftigen, damit man checken kann, ob der Workflow der eigenen Arbeitsweise entspricht. Anschließend lassen sich die Zuspieler und Soundkarten über die verbauten Cinch- oder DSBUB-Eingänge verkabeln und der Mixer problemlos an eine PA anschließen.

Model 1.4 ist kein Mixer, bei dem das Mixen von Songs im Vordergrund steht, wobei das mit Einschränkungen natürlich auch möglich ist. Vielmehr ist er kreatives Werkzeug für ein mehrkanaliges Mixing von Tracks und Loops. Zum gezielten Extrahieren von Parts und Frequenzen dienen die beiden Filter und das parametrische Mittenband. So lassen sich beispielsweise Drums, Bass- und Synthielines aus verschiedenen Quellen stapeln, um etwas Neues zu schaffen.

Wer zusätzlich etwas klangliche „Würze“ ins Spiel bringen möchte, dreht den für meinen Geschmack etwas klein geratenen Drive-Regler im Kanalzug auf. Die hierdurch erzeugten Übersteuerungen rauen das Ausgangsmaterial auf, ohne den Sound komplett ins klangliche Nirwana zu schicken. Per Knopfdruck landen die Kanalsignale im optional nutzbaren Masterfilter, das als Zusatzkomponente für weitere sanfte Formungen bereitsteht und durch sein resonanz-gekoppeltes Hochpassfilter auch klangliche Ergänzungen zulässt.

Der Model 1.4 hat keine eigenen Effekte, bietet aber durch die zwei AUX-Wege ausreichend Möglichkeiten, externe Geräte anzuschließen. Bei Bedarf kann man sogar den Cue-B-Weg durch eine Verkabelung mit dem DSUB-Out als dritten Effektweg nutzen, muss dann aber einen Kanalzug zur Wiedereinspeisung „opfern“.

Das komplette Ausgangssignal lässt sich mit dem Master-Dreiband-Equalizer abschließend formen, der hier verbaute Einschalttaster ermöglicht es, den EQ auch für punktuelle Mixtricks einzusetzen. Die EQ-Schaltung ist, wie alle übrigen Filter im Model 1.4 so ausgeführt, dass bei ihrer Aktivierung kein Einschaltknacksen zu hören ist. Aufgrund der durchgängigen analogen Signalverarbeitung glänzt der Model 1.4 mit einem beeindruckend fetten und aufgeräumten Klang.

Unterschiede zum Model 1

Die beiden Playdifferently-Geräte unterscheiden sich technisch nur in wenigen Details, die hier in Kurzform aufgelistet sind. In Klammern die Werte des großen Bruders.

• Kleinere Gehäusegröße
• Vier Kanäle (sechs)
• Zwei Phono-Eingänge (drei)
• Ein Netzteilanschluss (zwei, Ausfallbackup)
• Ein DSBUB-In (zwei, für sechs Soundkartenkanäle)
• Niedrigerer Preis

Fazit

Der neue vierkanalige DJ-Mixer Model 1.4 ist eine gelungene Portfolio-Erweiterung für Richie Hawtins PLAYdifferently Company. Das erstaunlich kompakte Mischpult bietet eine hervorragende Qualität und einen ebenso überragenden Klang. Technisch wurden alle Bauteile aus dem großen Bruder Model 1 übernommen, auch dessen besondere Ausstattung. Der Neuzugang ist somit ebenfalls kein gewöhnlicher Mixer, den wir jedem:jeder DJ empfehlen können, da er weder über Dreiband-Equalizer in den Kanalzügen, Mikrofoneingänge noch einen Crossfader verfügt. Model 1.4 ist ein Auflegetool, mit dem sich mehrkanalige Musikkreationen durch das Schichten von Track-Parts und Loops präsentieren lassen. Um diese zu perfektionieren, stehen Anwender:innen zahlreiche Filterwege, parametrische EQ-Bänder und Drive-Optionen zur Verfügung. Externe Effekte lassen sich bequem ergänzen und auch der Anschluss von mehrkanaligen Soundkarten ist dank eines DSUB-Eingangs recht einfach möglich. Wer schon mit dem Model 1 geliebäugelt hat, findet mit dem Model 1.4 eine etwas kostengünstigere Alternative und kann hier bedenkenlos zugreifen, wenn das dahinterstehende Konzept gewünscht wird.

Pro

Solides Metallgehäuse
Hervorragender analoger Klang
Sehr gute Verarbeitung
Filter und EQ „knacksfrei“ aktivierbar
Doppelte Cue-Sektion
Drive-Option
Mixer-Link-Möglichkeit

Kontra

Recht spezieller Nutzer:innenkreis

Preis:

2599,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von PLAYdifferently.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit dj mixer , Mixer , MODEL 1.4 , Playdifferently , Richie Hawtin , Vierkanal-Mixer

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