Test: Native Instruments Traktor Pro 3

Test: Native Instruments Traktor Pro 3

Tests 2. Januar 2019

Das digitale DJ-System Traktor von Native Instruments revolutionierte vor bald zwei Jahrzehnten als Pionier das Auflegen und veränderte dadurch die Arbeitsweise vieler DJs nachhaltig. Da die letzten größeren Funktionszuwächse wie Remix Decks oder Stem Decks, die das Produkt einzigartig machten, schon eine Weile zurückliegen, war es jetzt dringend Zeit für ein Update. Mit der Neufassung Traktor Pro 3 möchte der Hersteller nicht nur Anwender überzeugen, die bislang noch kein digitales System genutzt haben, sondern auch DJs, die die Produkte der Mitbewerber von Serato oder Pioneer DJ verwenden. Ob das gelungen ist, habe ich mir angeschaut.

Überblick

Die Software Traktor Pro 3 wird als Vollversion für 99 Euro oder Update für 49 Euro angeboten und kann direkt über die Webseite von Native Instruments bezogen werden. Berechtigt zum Update sind Nutzer, die zuvor Traktor Pro 1-2, Traktor Duo 1-2, Traktor Scratch Pro 1-2 oder Traktor Scratch Duo 1-2 verwendet haben. Wer einen Controller wie beispielsweise den neuen Traktor Kontrol S4 MK3 oder den S2 MK3 kauft, erhält die Vollversion der Software ohne Aufpreis dazu.

Neuheiten in Traktor Pro 3

Native Instruments hat Traktor Pro in verschiedenen Bereichen überarbeitet. Der Hersteller bietet jetzt nur noch eine Version seiner DJ-Software an, die per Controller und Timecode-Medien gesteuert werden kann. Hierdurch entfällt die separate, aufpreispflichtige Traktor Pro Scratch Version. Zudem verzichten die Berliner auf die Vorgabe einer bestimmten Hardware, wenn eine Timecode-Steuerung zum Einsatz kommt, sodass die Anwender ihr bevorzugtes Audiointerface oder ihren LieblingsmMixer mit integrierter Soundkarte nutzen können. Auch im Bereich der Optik hat sich etwas getan, Traktor Pro 3 hat eine neue Farbgebung erhalten, die kontrastreicher ist als zuvor, zudem wurden einige Funktionen neu angeordnet. Zur Verbesserung des Gesamtklangs tragen eine neue Audio Engine und ein weiterentwickelter Timestretch-Algorithmus bei. Neue kreative Ausdrucksmöglichkeiten bieten sich durch die Mixer FX und Reverse-Funktion. Mit der Veröffentlichung des neuesten Updates (3.0.2) lassen sich zudem individuelle Einstellungen für den internen und externen Mixer-Modus wählen.

Ausprobiert

Traktor Pro 3 kann ergänzend zu einem bereits vorhandenen Traktor-Pro-2-System installiert und genutzt werden. Das bietet den Vorteil, dass man sich mit der neuen Version vertraut machen und gegebenenfalls im Live-Betrieb zunächst das alte System weiter nutzen kann, falls es zu Unstimmigkeiten kommen sollte. Traktor Pro 3 importiert auf Wunsch die komplette Songbibliothek inklusive aller Analyse- und kreativen Daten wie Wellenformen, HotCue-Punkte, gespeicherte Loops etc., sodass ein schneller Umstieg möglich ist. Da auch die Einstellungen der zuvor genutzten Controller übernommen werden, lassen sich die ersten Mixversuche mit der neuen Version ohne großen Aufwand vollziehen.

Dabei sei aber angemerkt, dass sich die neuen Mixer FX und die Reverse-Funktion voll umfänglich nur mit den aktualisierten Controllern Traktor Kontrol S4 MK3 und S2 MK3 steuern lassen, die wir in separaten Tests unter die Lupe nehmen. Native Instruments hat die Grundstruktur von Traktor Pro nicht angetastet. Zur Wiedergabe von Songs, Samples, Mehrspur-Dateien (Stems) und externen Inhalten gibt es die gewohnten Deck-Arten:

Track-Decks,
Remix-Decks,
Stem-Decks und
Live-Input-Decks.

Auch die Track Collection wurde nicht maßgeblich überarbeitet, was allerdings etwas schade ist, denn intelligente Playlisten, die Einbindung von Streaming-Diensten oder Songvorschläge findet man leider in der aktuellen Traktor Version nicht.

Das neu gestaltete GUI weiß hingegen zu gefallen, denn es bietet einen höheren Kontrast als vorher und sorgt dafür, dass Pegelanzeigen, aktivierte Funktionen und Taster besser erkennbar sind. Zusätzlich zu den Kontraständerungen wurden auch Elemente in der Global Section modifiziert, die direkt oberhalb der Decks angeordnet ist. In der Mitte der Global Section befindet sich das Master Control Panel, das eine bequeme Kontrolle der Ausgangslautstärke, die Aktivierung des Limiters sowie die Steuerung der Synchronisation via MIDI-Clock/Ableton Link erlaubt. Es enthält somit Funktionen, die zuvor im Metronom Panel untergebracht waren, welches es nun nicht mehr gibt. Der neue Loop Recorder ist mit Funktionen ausgestattet, die vorher im Master Control Panel zu finden waren und nimmt die Position des Metronom Panels ein. Mit dem Loop Recorder lassen sich quantisierte Samples auf Knopfdruck passgenau aufnehmen und für Mixtricks in Remix Decks übertragen. Da der Loop Recorder ein recht spezielles Werkzeug ist, finde ich die neue Anordnung begrüßenswert.

Neben diesen neuen Funktionsanordnungen erlaubt Traktor Pro 3 auch die individuelle Wahl von Funktionen für den internen und externen Mixer Modus. Die Selektion der gewünschten Features findet im Einstellungsfenster statt und umfasst Einstellungen für den Limiter sowie für die automatischen Pegelanhebungen. Zudem können zahlreiche Funktionen wie Master Volume, EQ, Gain und die Mixer FX für den externen Mixer Modus ein- oder ausgeschaltet werden, was ich für sehr sinnvoll erachte, da die meisten Mischpulte mit diesen Features ausgestattet sind und man so eine gezielte Konfiguration vornehmen kann.

Für die internen und externen Mixer Modi stehen verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten zur Auswahl.

Auswahl Mixer Modi

Zum Formen von Mixen gab es in Traktor Pro 2 sechs verschiedene Equalizer- und drei Filter-Arten sowie 43 Effekte. Diese Werkzeuge wurden um die neuen Mixer FX erweitert, die im Bereich der Filterdrehregler selektierbar sind. Das Ausklappmenü enthält vier Effekte - insgesamt stehen acht im Einstellungsfenster zur Auswahl. Alle Effekte sind mit einem Dualmode-Filter gekoppelt und lassen sich sehr gut in der Mixpraxis nutzen. Besonders gefallen haben mir:

Time Gater,
Dotted Delay,
Flanger und
Crush

…aber auch die restlichen vier Reverb, Dual Delay, Noise und Barber Pole eignen sich gut, um Mixe spannender zu gestalten. Für jedes Deck kann ein eigener Mixer FX ausgewählt werden und die Steuerung erfolgt über die Filterdrehregler.

Acht neue Mixer FX unterstützen das kreative Auflegen.

Auswahl Mixer FX

Für nette Spielereien in einem DJ-Set kann die neue Reverse-Funktion genutzt werden. Diese ist in den Decks untergebracht und wird in der Regel gemeinsam mit der Flux-Funktion kombiniert, damit synchronisierte Mixe durch den temporären Rückwärtslauf nicht unschön auseinanderlaufen. Um die Reverse-Funktion ohne Flux nutzen zu können, muss diese einem MIDI-Controller zugewiesen werden.

Traktor Pro 3 kann mit Timecode-Medien kontrolliert werden und die Zuspieler (CD-Player oder Plattenspieler) lassen sich hierzu an ein beliebiges Audiointerface anschließen. In meinem Praxistest habe ich diese neue Wahlfreiheit erfolgreich ausprobiert von der vor allem Ein- oder Umsteiger profitieren, da sie ihr gegebenenfalls bereits vorhandenes Equipment weiterverwenden können. Wichtig ist allerdings, dass es für die eingesetzte Soundkarte Niedriglatenz-Treiber gibt, damit eine verzögerungsfreie Kontrolle möglich ist. Um diese Art der Steuerung nutzen zu können, müssen lediglich Timecode-Medien erworben werden. Native Instruments bietet Control-CDs für 9 Euro und Control-Vinyls für 19 Euro an.

Die Timecode-Steuerung steht jetzt allen Traktor-Usern ohne Aufpreis zur Verfügung.

Auswahl Mixer FX

Zum Abschluss meines Praxistests habe ich Traktor Pro 3 einem intensiven Hörtest unterzogen, um die neue Audio Engine und den neuen Timestretch-Algorithmus bewerten zu können. Bei der Gegenüberstellung von Traktor Pro 2 und 3 bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass man die Unterschiede durchaus wahrnehmen kann, wobei sicherlich auch nicht Welten dazwischen liegen. Traktor Pro 3 bietet einen etwas aufgeräumteren Klang und vor allem der neue Elastique 3 Time Stretch Algorithmus von zplane erlaubt jetzt größere Tempoveränderungen, ohne dass der Klang zu stark leidet. Sicherlich stößt auch dieser an Grenzen, aber eben deutlich später als es zuvor der Fall war. In der praktischen Anwendung lassen sich hierdurch musikalisch stimmige Mixe (auch harmonische Mixe genannt) durchführen, die auch bei weiter auseinanderliegenden Tempi noch ordentlich klingen.

Fazit

Native Instruments hat das digitale DJ-System Traktor Pro 3 in vielen Bereichen überarbeitet und sinnvoll ergänzt. Die neu gestaltete Bedienoberfläche wirkt sehr elegant und durch den erhöhten Kontrast lassen sich viele Parameter besser erkennen. Die Mixer FX und die Reverse-Funktion erweitern die kreativen Mixmöglichkeiten und die verbesserte Audio Engine inklusive des neuen Timestretch-Algorithmus werten das Programm klanglich auf. Zu begrüßen ist zudem die enthaltene Timecode-Steuerung, die Einsteigern oder Umsteigern das Testen dieser Steuerungsart vereinfacht.

Leider bleiben aktuell aber auch noch ein paar Wünsche unerfüllt, wie die Unterstützung von Streamingdiensten, flexible Beatgrids für Songs mit unstetem Tempo, Auswahlmöglichkeiten für alternative Wellenformdarstellungen etc. Wie auf Nachfrage zu erfahren war, arbeitet Native Instruments aber bereits an weiteren Funktionsergänzungen, was genau hier erwartet werden kann, verraten die Berliner allerdings nicht. Da der Update-Preis mit 49 Euro aber auch recht moderat ausfällt, kann ich jedem Traktor-Nutzer den Versionssprung empfehlen.

 

Pro

Timecode-Steuerung enthalten
Praxisgerechte Mixer FX
Rückwärtswiedergabe
Überarbeitetes GUI
Verbesserter Klang

Kontra

Streamingdienste fehlen noch
Alternative Wellenformdarstellung wird nicht angeboten

 

Preis: Update 49 EUR, Vollversion 99 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von NI.

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