Test: Phonon SMB-02 Studiokopfhörer

Test: Phonon SMB-02 Studiokopfhörer

Tests 24. August 2019

Es gibt ja immer wieder Equipment, das auf den ersten Blick für einen Wow-Effekt und für ein spontanes und gleichzeitig rapides Ansteigen des GAS-Levels sorgt. Equipment, das man einfach besitzen muss, ohne es überhaupt getestet zu haben. Und dann gibt es die Underdogs und Wölfe im Schafspelz, auf die man sich erst einmal einlassen muss, um ihre Stärken zu verstehen. So viel sei an dieser Stelle gespoilert: Der SMB-02 von Phonon gehört zu letzterer Kategorie.

Phonon SMB-02

Auf den ersten Blick ist der SMB-02 ein äußerst unscheinbarer Vertreter seiner Art. Das Design bewegt sich irgendwo zwischen schon tausendfach gesehenem OEM-Look und einem handgefertigtem Kopfhörer aus einer Zeit vor der industriellen Fließbandfertigung. Die 40 Millimeter großen, ohrumschließenden Muscheln in geschlossener Bauweise erinnern an die Art günstiger HiFi-Kopfhörer für unterwegs, bei denen die Höhen aus Prinzip kratzen und die Bässe generell nicht stattfinden. Allerdings ist da auf den zweiten Blick mehr. Der SMB-02 ist nicht Fleisch, nicht Fisch, aber trotzdem irgendwie unaufdringlich angenehm. Weil er eben nicht zu schreien scheint: "Ich bin ein Studiokopfhörer für Profis!"

Ausprobiert

Der Kopfhörer fühlt sich gut an, wenngleich der lockere Sitz und der geringe Anpressdruck mich anfangs etwas irritieren. Einfach, da ich kaum merke, dass ich einen Kopfhörer trage. Denn an überflüssigem Material wurde bei diesem Modell definitiv und in positiver Hinsicht gespart. Nicht gespart hingegen wurde beim 3 Meter langen Anschlusskabel mit großem, griffigem 3,5mm-Klinkenstecker samt dazugehörigem 6,3mm-Adapter. Leider lässt sich das Kabel nicht abnehmen, was heutzutage eigentlich zum Standard gehört.

Angehört

Oh verdammt. Der SMB-02 ist in akustischer Hinsicht definitiv mehr Wolf als Schaf und alles andere als eine OEM-Schleuder. Der Kopfhörer klingt richtig gut: Die Bässe sind satt und gehen tief runter, kommen dabei aber nicht überbetont. Mitten und Höhen sind auf musikalische Art und Weise present,also eher angenehm zu hören als analytisch. Das Stereobild passt sich diesem Eindruck an: Es ist klar vorhanden, erzeugt aber - wie die meisten Kopfhörer - keine wirkliche Räumlichkeit mit greifbarer Phantommitte.

Das klingt erstmal nicht sonderlich euphorisch, weist aber auf die tatsächlichen Stärken des SMB-02 hin. Dieser Kopfhörer ist kein Analyse-Tool zur Detailkontrolle im Mix. Vielmehr ist er ein kompaktes Modell, das sich ideal für den Einsatz unterwegs eignet. Er ist leicht, bequem zu tragen und nimmt kaum Platz in der Tasche weg. Nicht zuletzt ist er klanglich weitaus näher an dem dran, was am Ende im Studio aus den Monitoren kommt, als der DJ-Kopfhörer, über den man sonst im Zug oder Hotel seine musikalischen Ideen in die DAW dängelt. Dank der durchaus adäquaten Abschirmung stört man dabei weder Sitznachbarn noch sind bei akustischen Aufnahmen im Studio Übersprechungen zu befürchten. Und auch reines Musikhören macht mit dem Phonon-Kopfhörer durchaus Spaß.

Spezifikationen

Da ja ein Review ohne die obligatorischen Spezifikationen kein vollständiges Review ist, hier noch ein paar der wichtigsten Eckdaten des SMB-02: Der geschlossene Kopfhörer kommt mit einem 40mm-Treiber und einem Schalldruck von 100 dB. Der Frequenzbereich liegt bei 20 bis 20.000 Hz und die Impedanz bei 40 Ohm. Die angegebenen 300 Gramm Gewicht (inklusive Kabel und Stecker) scheinen mir etwas zu hoch angegeben, denn der SMB-02 wiegt (gefühlt) nichts.

Fazit

Der SMB-02 von Phonon ist keine unmittelbare Schönheit und macht sich denkbar schlecht als poppiger Lifestyle-Kopfhörer für die Generation Beats by Dr Dre. Er punktet viel mehr durch ein gekonntes Understatement. Insbesondere für den mobilen Producer-Einsatz ist der SMB-02 ein kleines Schmuckstück. Der Tragekomfort mehr als angenehm, der Klang weitestgehend neutral, dabei aber mehr musikalischer als analytischer Natur. Für mich persönlich stellt das Modell des japanischen Herstellers Phonon einen idealen Referenz-Kopfhörer dar, der klanglich gerade so weit ins Detail geht, dass der kreative Teil des Produzierens immer noch Spaß macht. Und das, ohne im Studio noch einmal grundsätzlich alles komplett neu abmischen zu müssen.

 

Pro

Tragekomfort
Gewicht
Klang

Kontra

Kabel nicht abnehmbar

 

Preis: 356 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Phonon.

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