Test: Pioneer DJ DDJ-200

Test: Pioneer DJ DDJ-200

Tests 28. Juli 2019

DJ-Ausrüster Pioneer DJ möchte mit dem DDJ-200 Einsteigern unter die Arme greifen und bietet einen preislich sehr attraktiven Controller an, der sich zur Steuerung von Apps auf mobilen Geräten, aber auch in Kombination mit einem Computer nutzen lässt. Damit ein unkomplizierter Start gelingt, stellt der Hersteller zahlreiche Tutorials und andere Hilfestellungen in der App, der Software und auf der Webseite zu Verfügung. Wie sich der Controller in der Praxis schlägt und wie das Zusammenspiel mit der Software gelingt, erfahrt ihr diesem Test.

DJ-Controller

Der Pioneer DJ DDJ-200 ist ein Controller ohne Soundkarte, er verfügt über zwei Mixerkanäle sowie zwei Decks und wird für 159 Euro angeboten. Das kompakte Gerät wiegt nur 1,2 Kilogramm und misst 378 x 208 x 48 Millimeter, wodurch es mit Leichtigkeit in einen Rucksack passt. Wer einen höheren Transportschutz bevorzugt, kann sich die Controllertasche DJC-200 anschauen, die der Hersteller als optionales Zubehör für 49 Euro anbietet.

Decks

Die beiden Decks des Controllers bieten ein vertrautes und übersichtliches Design und sind mit kleinen beleuchteten Tastern zur Transportsteuerung und zur Synchronisation von Songs ausgestattet. Die Haptik der verbauten Bedienelemente ist ansprechend und die Druckpunkte klar definiert, sicherlich kann und sollte man aber bezüglich der Materialqualität keine allzu professionellen Maßstäbe ansetzen. Die Geschwindigkeiten der Songs sind per Pitchfader steuerbar und für direkte Zugriffe gibt es berührungsempfindliche Jogwheels mit einem Durchmesser von etwas mehr als neun Zentimetern. Sechzehn Performance-Pads stehen für kreative Betätigungen parat.

Mixer

Die Mixersektion des DDJ-200 ist mit Dreiband-EQ-Reglern und Effekt-Potis ausgestattet. Leicht gleitende Kanalfader sowie ein Crossfader dienen zum Mixen der Tracks und ein Transition-FX-Taster erlaubt das Einschalten eines Überblendeffekts. Zentral verbaut findet man Cue-Taster und eine Aktivierungsmöglichkeit, um das Mastersignal in den Kopfhörerweg zu leiten. Die typischerweise auf DJ-Controllern verbauten Bedienelemente zur Navigation in der Songsammlung und zum Laden von Songs gibt es leider nicht.

Der DDJ-200 DJ-Controller von Pioneer DJ von oben.
Der DDJ-200 ist ein sehr kompakter Controller, der sich zur Steuerung von zwei Decks eignet.

Anschlüsse & Kommunikation

Der Pioneer DJ DDJ-200 ist wie eingangs erwähnt ein reiner Controller und besitzt daher keinerlei Audio-Ein- oder Ausgänge. Es befindet sich in allerdings ein Audiosplitterkabel im Lieferumfang, mit dem sich das (Stereo-) Ausgangssignal eines mobilen Devices oder Computers in (Mono-) Master- und Cue-Signale aufteilen lässt. Zur Spannungsversorgung dient ein USB-Anschluss, das hier eingesteckte Kabel kann mit einem Ladegerät eines Mobiltelefons, einer Powerbank oder einem aktiven USB-Hub kombiniert werden. Beim Anschluss an einen Computer übernimmt dieser die nötige Stromversorgung. Der Datenaustausch zwischen dem Controller und einem mobilen Device (Tablet oder Smartphone) erfolgt wahlweise kabelgebunden über USB oder drahtlos über Bluetooth.

Der DDJ-200 DJ-Controller von Pioneer DJ von der Rückseite.
Auf der Rückseite des Geräts befindet sich eine USB-Buchse, die zur Spannungsversorgung und dem Datenaustausch dient.

iPad Mixing

Für meinen Praxistest habe ich die Pioneer DJ App 'WeDJ for iPhone' auf einem 9,7 Zoll iPad 2018 installiert. Diese ist durch die Verbindungsaufnahme mit dem Controller als kostenlose Vollversion nutzbar. Per Zoom-Funktion lässt sich die App auf einem iPad vergrößert darstellen, was sicherlich nicht ganz ideal ist, da ein Bereich des Bildschirms ungenutzt bleibt. Ob und wann 'WeDJ for iPad' mit dem DDJ-200 steuerbar sein wird, ist zurzeit noch nicht bekannt. Alternativ lassen sich auch die Apps djay und edjing mit dem Controller steuern.

Um ein komplett mobiles Setup nutzen zu können, habe ich eine kleine Powerbank mit 5000 mAh zur Spannungsversorgung an den Controller angeschlossen, die eine lange Betriebsdauer erlaubt. Die Kommunikation zwischen dem DDJ-200 und dem iPad erfolgt drahtlos per Bluetooth, ist mit wenigen Bedienschritten eingerichtet und zudem sehr stabil. Zum Vorhören der Songs verwende ich das Audiosplitterkabel und aktiviere die entsprechenden Einstellungen in der App unter 'Audio'.

Damit die ersten Schritte mit dem DDJ-200 gelingen, hat Pioneer DJ die App 'WeDJ for iPhone' mit verständlichen Tutorials ausgestattet, die alle wichtigen Themen rund um den Bereich Trackmixing beleuchten und zudem interaktiv sind.

Da der DDJ-200 keine Encoder und Taster zum Laden von Songs besitzt, muss dieses durch Bedienschritte auf dem Touchscreen in der App erfolgen. Im Songbrowser kann auf lokal gespeicherte Tracks und die Streamingdienste Beatport und SoundCloud zugegriffen werden. Letztere funktionieren aber nur bei einer aktiven Internetverbindung und setzen jeweils ein kostenpflichtiges Abo voraus.

WeDJ für das iPhone.
Die App WeDJ for iPhone lässt sich drahtlos mit dem DDJ-200 steuern. Sie bietet zwei Decks und zahlreiche kreative Funktionen.

Die Befehlsübertragung vom Controller zur App via Bluetooth erfolgt erfreulich direkt, sodass man keine Verzögerungen bei der Ausführung der Funktionen bemerkt. Songs lassen sich starten und automatisch synchronisieren. Die Automatikfunktion nutzt die von der App recht zuverlässig generierten Beatgrids. Alternativ kann dieser Vorgang auch manuell mit den Bedienelementen des Controllers erfolgen, hier benötigt man allerdings etwas Übung und Fingerspitzengefühl.

Die Mixerbedienelemente des DDJ-200 erlauben das passgenaue Überblenden von Songs und eine einfach Bearbeitung der Frequenzen. Zur Auswahl der Effekte, die sich im Mixerbreich kontrollieren lassen, bedarf es einer Interaktion auf dem Bildschirm. Hier lassen sich die gut klingenden Effekte Filter, Jet, Crush, Noise und Pitch wählen. Um das Überblenden mit dem Crossfader spannender gestalten zu können, gibt es zudem elf 'Transition FX', die in verschiedene Verwendungsgruppen (Build up, Cut in, Mix, Breakdown) unterteilt sind.

Mit den Pads des Controllers lassen sich Hotcue, Loops, Pad Fx und der Sampler steuern. Die Auswahl erfolgt in der App, da der DDJ-200 keine Funktionsumschalter bietet. Die Funktionskontrolle gelingt mit den Pads sehr gut, auf Wunsch lassen sich Effektparameter passen und es kann zwischen automatischen und manuellen Loops umgeschaltet werden.

Auflegen mit dem Computer

Der Pioneer DJ DDJ-200 kann per USB-Kabel an einen Computer angeschlossen werden und ist sofort einsatzbereit, da eine Treiberinstallation entfällt. Eine spontane Verwendung als Backupgerät ist somit möglich. Das Gerät ist zur Steuerung des hauseigenen digitalen DJ-Systems Rekordbox DJ nutzbar und dient in dieser Kombination als Freischalt-Dongle. Rekordbox DJ wurde im Zuge einiger Controller-Tests bereits mehrfach bei DJ LAB vorgestellt, weshalb ich mich nachfolgend auf das direkte Zusammenspiel des DDJ-200 und der Software beschränke.

Rekordbox DJ bietet ebenfalls gut gemachte Tutorials, die die ersten Konfigurationsschritte und das Songmixing behandeln. Nach dem Starten der Software wird der DDJ-200 automatisch erkannt und die entsprechenden Steuerungszuweisungen geladen, Anpassungen sind möglich. Als weitere Besonderheit erscheinen im unteren Bereich von Rekordbox DJ Bedienelemente zur Selektion der Controller Pad-Modi und eine Schaltfläche in der Kopfzeile, die die Aktivierung des Split-Modes erlaubt, wenn das Audiosplitterkabel zum Einsatz kommt.

Um Songs aus der Songsammlung der Software in die Decks laden zu können, kommt man auch in dieser Kombination nicht umhin, die Computermaus oder -tastatur zu nutzen. Die anschließende Songkontrolle mit den Bedienelementen des Controllers erfolgt verzögerungsfrei und das Beatmatching kann automatisch oder manuell erfolgen.

Pioneer DJ DDJ-200 zusammen mit Rekordbox DJ.
Die Software Rekordbox DJ kann ohne weiter Zuzahlung mit dem Pioneer DJ DDJ-200 kontrolliert werden. Der Controller fungiert als Dongle.

Um die Mixe zu verfeinern, bietet Rekordbox DJ die gut klingenden Effekte Filter, Jet, Crush, Noise, Pitch, Space, Dub Echo, Sweep, Gate Comp, die sich mit den beiden Drehreglern im Mixerbereich des Controllers gezielt einsetzten lassen. Übergangseffekte wie in WeDJ bietet die Software nicht, der entsprechende Taster auf dem Controller ist nicht belegt.

Selektiert man in Rekordbox DJ einen der verfügbaren Pad-Modi für den DDJ-200 (Hot Cue, Beat Loop, Pad FX 1), so schaltet die entsprechende Einblendung in den Decks um und visualisiert die Parameter, die mit den Pads auf der Hardware steuerbar sind. Ausgenommen hiervon ist der Sampler, dieser muss per Hand eingeblendet werden. Das Abfeuern von Samples und das Aktivieren der kreativen Funktionen mit den Pads des Controllers gelingt treffsicher, eine optionale Quantifizierungsfunktion unterstützt diese Vorgänge.

Zur Ausgabe der Musiksignale kann die interne Soundkarte des Computers genutzt und an dessen Ausgang das Audiosplitterkabel angeschlossen werden. Plant man einen Einsatz außerhalb der eigenen vier Wände, empfiehlt sich allerdings die Verwendung eines externen Audiointerfaces, das in den meisten Fällen eine bessere Audioqualität liefert und zudem über Stereoausgänge für das Master- und Cue-Signal verfügt.

Fazit

Pioneer DJ bietet mit dem DDJ-200 einen ordentlich verarbeiteten Controller an, der sich in erster Linie an Einsteiger richtet und für einen moderaten Verkaufspreis von 159 Euro im Musikfachhandel erhältlich ist. Das Gerät lässt sich zur Steuerung der App WeDJ for iPhone und der Computersoftware Rekordbox DJ nutzen, die mit Tutorials ausgestattet sind und grundlegendes DJ-Wissen vermitteln. Der Controller erlaubt das Auflegen mit zwei Decks und die Steuerung kreativer Funktionen. Pioneer DJ hat den DDJ-200 einsteigerfreundlich gestaltet, sodass man schnell damit arbeiten kann. Warum man aber auf Bedienelemente zur Navigation in der Songsammlung und Umschalter für die Performance-Pad-Belegungen verzichtet hat, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Die fehlende Soundkarte wirft sicherlich ebenfalls Fragen auf, sieht man den DDJ-200 aber als reines Übungsgerät, kann man mit der Audiosplitterkabel-Lösung sicherlich leben.

 

Pro

WeDJ for iPhone und Rekordbox DJ ohne Aufpreis nutzbar
Gute Verarbeitung
Einfache Bedienung
Hilfreiche Tutorials
Kompakte Abmessungen

Kontra

Keine Bedienelemente zur Navigation in der Songsammlung
Kein Audiointerface

 

Preis: 159 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit app , Beatport , DDJ-200 , DJ-Controller , djay , DJC-200 , edjing , iPad , iphone , Pioneer DJ , Rekordbox DJ , Soundcloud , WeDJ for iPad , WeDJ for iPhone

Geschrieben von:
Boris Alexander

0 Kommentare zu "Test: Pioneer DJ DDJ-200"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.