Test: Pioneer DJ DJM-S11 / Digitaler Battlemixer

Test: Pioneer DJ DJM-S11 / Digitaler Battlemixer

Tests.21. März 2021

Pioneer DJ stellt den neuen, zweikanaligen Battlemixer DJM-S11 vor, der als Hybridgerät mit Mixer- und Controller-Funktionen ausgestattet ist und sich zur Kombination mit Serato DJ Pro und Rekordbox eignet. Das Gerät richtet sich an Performance DJs und ist mit einem Touchdisplay, das besondere Software-Steuerungen erlaubt, sowie mit einer potenten Effektsektion ausgestattet. Ein Volltreffer?

Digitaler Battlemixer

Hersteller Pioneer DJ hat dem Neuzugang DJM-11 ein robustes Gehäuse spendiert, dessen Abmessungen 267 x 452 x 108 Millimeter betragen. Wer den Mixer auf Battle-Events mitnehmen möchte, sollte für das 5,2 Kilogramm wiegende Gerät noch eine Transportlösung anschaffen, damit der Bolide unversehrt bleibt. Der sehr gut verarbeitete DJM-S11 kann in Verbindung mit Mediaplayern oder Plattenspielern zum Einsatz kommen, empfiehlt sich aber aufgrund seiner Ausführung als Hybridgerät als zentrale Anlaufstelle eines digitalen DJ-Setups.

Das Pioneer-DJ-Gerät lässt sich hierzu ohne zusätzliche Kosten mit Serato DJ Pro (inklusive DVS- und Pitch-'n'-Time-Erweiterungen) und Rekordbox (Free-Version inklusive DVS) nutzen. Timecode-Vinyls sind im Gerätepreis von 1999 Euro (UVP) allerdings nicht enthalten. Im Praxisteil habe ich mir die Kombination mit Serato DJ Pro näher angeschaut, da diese den größten Funktionsumfang bietet.

Kanäle

Die zwei Kanäle des DJM-S11 bieten Quellenwahlregler für Line-, Phono- und Computerzuspielungen und farblich abgesetzte, gut erreichbare Trim-Potis inklusive ampelfarbiger LED-Ketten zur optischen Pegelkontrolle. Anpassbare Dreiband-Equalizer und Dualmode-Filter erlauben den Eingriff in das Frequenzspektrum per griffiger Drehregler.

Leicht gleitende Kanalfader und ein Magvel Pro Crossfader stehen für Mixaufgaben parat, deren Einstellungen direkt auf dem Frontpanel anpassbar sind. Drehregler und Schiebeschalter dienen hier zur Modifikation von Faderkurven sowie Reverse-Schaltungen und zur Kontrolle des Crossfader-Regelwiderstands.

Anschlüsse des DJM-S11 von Pioneer DJ 2.
Die Vorderseite ist mit Bedienelementen versehen, die zur Konfiguration der Fader und Steuerung der Mikrofonsignale dienen.

Performancepads

Oberhalb der Kanalfader befinden sich pro Kanal acht illuminiert Performancepads und vier Pad-Modus-Taster. Die Pads lassen sich sehr schnell triggern und mit unterschiedlichen Funktionen belegen.

In Verbindung mit Serato DJ Pro sind zwölf verschiedene Funktionen ab Werk steuerbar und vier weitere können frei zugewiesen werden. Führt man dem Mixer Line- und Phono-Signalen zu, dienen die Pads zur Aktivierung von Effekten und Selektion verschiedener Effektparameter.

Effekte

Der DJM-S11 hat eine umfassend ausgestattete Effektsektion. 22 interne Effekte wie Echo, Spiral, Helix, Delay, Flanger etc. mit anpassbaren Parametern lassen sich mit Software-Effekten kombinieren. Wer möchte, kann hier bis zu sieben Effekte parallel verwenden und hierbei einen Hardware-Effekt mit sechs Software-Effekten gleichzeitig nutzen. Die Selektion erfolgt über illuminierte Taster und die Aktivierung über große Wippen oder als Touch FX. Vier Bänke bieten Speicherslots für die präferierten Effekte.

Display

Im oberen Bereich des DJM-S11 ist ein gestochen scharfes 4,3-Zoll-Touchdisplay untergebracht, das Wellenformen, Effekt- und Songparameter einblendet und zur Auswahl von umfangreichen Geräteeinstellungen dient. Die Helligkeit des Displays ist anpassbar und auch ein Tageslichtmodus mit weißem Hintergrund ist selektierbar.

Anschlüsse

Der Pioneer DJ DJM-S11 bietet für beide Kanäle analoge Cinch-Phono- und Line-Eingänge. Zudem gibt es einen Cinch-Aux-Eingang für Erweiterungen und eine Combo-Buchse für Mikrofone. Das Masterausgangssignal wird über symmetrische XLR- und Cinch-Buchsen ausgegeben und ein Klinkenpaar dient zur Verkabelung von Monitorboxen.

Zur digitalen Kommunikation mit zwei Rechnern gibt es zwei USB-B-Ports, sodass ein DJ-Wechsel einfach möglich ist und zwei USB-A-Buchsen erlauben den einfachen Anschluss von Controllern.

Anschlüsse des DJM-S11 von Pioneer DJ.
Der DJM-S11 ist mit analogen Ein- und Ausgängen ausgestattet und erlaubt den Anschluss von Computern und Controllern.

Praxis

Der DJM-S11 von Pioneer DJ kann auf verschiedene Weise genutzt werden und als Battlemixer analoge und digitale Signale verarbeiten. Für meinen Test habe ich das Gerät in Verbindung mit Serato DJ Pro 2.4.4 auf meinem Mac genutzt und zuvor ein Firmware-Update (auf 1.03) vorgenommen, was ein wenig Zeit benötigte, aber ohne Probleme durchgelaufen ist.

Serato DJ Pro weißt beim Erstkontakt noch darauf hin, dass ein Treiber installiert werden muss, ist dieser Vorgang abgeschlossen, kann das digitale System genutzt werden. Parallel dazu erfolgt die Installation eines Konfigurationsprogramms, das die Überprüfung und Einrichtung von Audioroutings, Effektzusammenstellungen inklusive Parameterwahl sowie Pad- und Loop-Einstellungen komfortabel ermöglichen.

Der DJM-S11 ist in beiden Kanalzügen mit Encodern und Tastern ausgestattet, die die Navigation in der Songsammlung erlauben. Unterstützt wird dieser Vorgang von Einblendungen auf dem Display, hier sind verschiedene Sortierkriterien (BPM, Key, Song etc.) wählbar.

Während des Mixvorgangs werden Wellenformen und andere selektierbare Infos wie Sync-Status, Autoloop-Länge etc. im Display eingeblendet, sodass man den Computerbildschirm oft außer Acht lassen kann. Die Formung der Songs mit den Dreiband-Equalizern und Filtern kann gezielt vorgenommen werden. Fader und  Crossfader arbeiten leichtgängig und exakt, professionelle Anwender werden hier vor allem die direkte Editierbarkeit der Fadereinstellungen auf der Vorderseite des Mixers begrüßen und auch das Ausgangssignal genügt dank ordentlichem Druck höchsten Ansprüchen.

Für kreative DJ-Sets steht eine große Anzahl an sehr gut klingenden und praxisgerechten Mixer- und Software-Effekten zur Verfügung. Die gewünschten Effekte lassen sich nach Belieben individuell zusammenstellen, sodass man einen schnellen Zugriff auf Einzeleffekte aber auch auf Effektketten hat. Dieser Konfigurationsvorgang ist zwar etwas zeitintensiv, wird aber mit einem passgenauen Effektarsenal belohnt.

Die Aktivierung mittels der großen Wippen weiß zu gefallen, aber auch die Touchscreen-Kontrolle funktioniert sehr gut und erlaubt interessante Parameterfahrten. Speziell für das Aus- und Überblenden per Fader, Crossfader etc. gibt es den Effekt "Smooth Echo", der sich über einen illuminierten Taster in Aktion versetzen lässt und ebenfalls anpassbar ist.

Die Performancepads sind ab Werk dreifach mit Funktionen belegt und reagieren sehr direkt auf Anwendereingaben. Neben HotCues lassen sich sich Roll, Slicer, Pitch Play, Flip und Loop-Funktionen passgenau kontrollieren. Anwender*innen, die besondere Steuerungen wünschen, können hier eine vierte Ebene selbst konfigurieren. Die Performancepads steuern zudem den Sampler, der mit einem eigenen Lautstärkeregler ausgestattet ist und die Scratch-Bänke.

Die Scratch-Bänke sind ein recht neues Feature in Serato DJ Pro, das ich im Rane-Seventy-Two-MK2-Test bereits erwähnt hatte und stellt vier Bänke mit vier Slots parat, um den Zugriff auf Songs und Samples für Scratch-Einlagen zu erleichtern. Gut gefallen hat mir der "Kombinierte Pad-Modus", der aktiviert wird, wenn man zwei Pad-Modus-Taster gleichzeitig drückt. Hierdurch lassen sich zwei Funktionen aus der ersten Ebene (HotCue, Roll, Saved Loop, Sampler) gemeinsam steuern, wobei eine Aufteilung auf die erste und zweite Padreihe erfolgt.

Vierdeckmodus

Der DJM-S11 bietet eine besondere Bedienung und erlaubt die Steuerung von zwei zusätzlichen Decks. Um diesen Vierdeckmodus nutzen zu können, gibt es die Funktion "Deck Move", die durch Tippen auf die Wellenform in einem Deck aktivierbar ist.

Tippt man auf die Wellenform in Deck 1, wird der Song in das Deck 4 verschoben, tippt man auf Deck 2, landet der Song in Deck 3. Erfolgt dieser Vorgang während der Wiedergabe, werden die Songs im neu zugewiesenen Deck weiter abgespielt und können mit virtuellen Bedienelementen auf dem Display des DJM S-11 kontrolliert werden. Zur Steuerung stehen die vier Modi Simple, Mash up, Hot Cue und Mixer zur Auswahl, die verschiede Funktionen beinhalten und das Starten und Stoppen, automatische Tempoanpassungen und Lautstärkesteuerungen umfassen.

Aktiviert man "Dual Deck", so werden die EQs, Filter, Effekte etc. der Deckpaare 1 & 4 sowie 2 & 3 gemeinsam mit den Bedienelementen in den Kanalzügen kontrolliert, eine entsprechende Einblendung in der Software erfolgt ebenfalls.

Diese Steuerung erfordert etwas Übung, offeriert aber viele kreative Möglichkeiten und ist aktuell einzigartig.

Touch MIDI

Mit Touch MIDI lassen sich die Decks 1 und 2 per Bildschirmeingaben steuern. Funktionen wie Play, Sync, Key Sync etc. stehen hier zur Verfügung und können so im Falle eines Controller- oder Timecode-Zuspielerausfalls die Kontrolle übernehmen.

Der DJM-S11 von Pioneer DJ von oben.
Das Display des Mixers kann zur Steuerung der Decks genutzt werden.

Mikrofon

Für Durchsagen oder Gesangsbeiträge lässt sich ein Mikrofon auf der Rückseite des DJM-S11 anschließen. Die Signalsteuerung findet auf der Frontseite des Mixers statt, hier gibt es einen Kippschalter mit LEDs zur Aktivierung, einen Pegelregler und Zweiband-EQ. Die eingehenden Signale lassen sich zudem mit einem Echo-Effekt bearbeiten und etwas versteckt in Bildschirmmenüs befinden sich Effektparameter, eine optional nutzbare Talkover-Funktion sowie Routingoptionen und Limiter-Einstellungen. Somit bleiben hier keine Wünsche offen.

Fazit

Der Pioneer DJ DJM-S11 überzeugt als digitaler Battlemixer und kann in einem professionellen Rahmen zum Einsatz kommen. Der hervorragend verarbeitete Zweikanalmixer genügt höchsten Ansprüchen und bietet zahlreiche Funktionen, die vor allem in Kombination mit der Software Serato DJ Pro und Rekordbox nutzbar sind. Neben einer umfassenden Ausstattung mit 22 internen Effekten stehen mehrfach belegte Performancepads für kreative Mixsessions parat. Die exakt dosierbaren Kanalfader und der Crossfader können in Echtzeit schnell angepasst werden. Insgesamt bietet der DJM-S11 vielfältige Individualisierungen, die sich per Eingaben auf dem Touchscreen oder mit einer Software auf dem Computer vornehmen lassen. Der Workflow ist durchdacht, sodass man den Mixer schnell und unkompliziert für den ersten Mix verwenden kann, ein Studium des Handbuchs empfiehlt sich aber trotzdem, um Effektkonfigurationen oder eine Vierdecksteuerung gezielt nutzen zu können. Professionellen Performance-DJs kann ich den Pioneer DJ DJM-S11 bedenkenlos empfehlen.

Pro

Sehr gut verarbeitet
Faderkonfiguration auf Vorderseite
Sehr viele Effekte kombinierbar
Effektsteuerungen per Wippen oder Touchscreen
Umfassend konfigurierbar
Doppelter USB-Computeranschluss
Vierdeckmodus

Kontra

Timecode-Vinyls nicht enthalten

Preis:

1999 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit battlemixer, DJM-S11, Mixer, Pioneer DJ

Geschrieben von:
Boris Alexander