Test: Rane MP2015

Test: Rane MP2015

Tests 21. Juli 2015

Mit dem Rane MP2015 gesellt sich heute ein ganz besonderer Gast in unser Studio. Es handelt sich um einen Rotary-Mixer, der ein „Saturday Night Fever"-Design mit mordernster Ausstattung vereint. Wenn der Begriff Rotary-Mixer fällt, dreht sich vor meinem geistigen Auge immer gleich eine Disco-Kugel und John Travolta legt in seinem weißen Anzug eine heiße Sohle aufs Parkett. Dieser Umstand liegt vor allem darin begründet, dass die ersten Rotary Mixer in den 70er Jahren auf den Markt gekommen sind und schon immer eine Sonderstellung innehatten. Der Rane MP2015 möchte jetzt in die Fußstapfen seiner legendären Vorfahren wie dem Bozak CMA-10-2DL oder dem von Richard Long eingesetzten Urei 1620 antreten. Ob das gelungen ist und was der Mixer sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in diesem Test.

Features

Der Rane MP2015 ist ein Vierkanalmixer, dessen Metallgehäuse eine Breite von 33 cm und eine Tiefe von 36 cm aufweist. Sein Gewicht liegt bei circa sechs Kilo und mit seinen Seitenteilen aus Holz wirkt er sehr elegant. Als Besonderheit sind die vier Kanäle mit großen Drehreglern zum Mixen ausgestattet und auch einen Crossfader sucht man vergeblich.

In das Klangbild kann mit Dreiband-EQs, die eine per Software anpassbare Crossover-Frequenz haben, und mit einem 12-dB-Resonanzfilter eigegriffen werden. Das Filter wird per Schalter als reines Tief- oder Hochpass-Filter und alternativ als kombiniertes Tief-/Hochpassfilter genutzt. Oberhalb der Kanalzüge ist der Mixer mit einem Dreiband-Isolator ausgestattet, der zur Bearbeitung des Masterausgangssignals genutzt werden kann. Die Crossover-Frequenzen zwischen den Bändern könnt ihr hier stufenlos direkt an dem Gerät anpassen.

Für den Anschluss eines fünften Zuspielers oder für das Zusammenfassen mehrerer Kanäle bietet der MP2015 einen Submixkanal. Dieser ist mit einem EQ und Filter ausgestattet, ein eher untypisches Ausstattungsmerkmal für einen DJ-Mixer. Zur Integration von Effektgeräten gibt es eine Effektschleife, wobei diese Signalschaltung nur in Kombination mit dem Submixkanal oder dem Masterausgangssignal nutzbar ist. Eigene Effekte hat der Mixer nicht. Ein zusätzlicher Session Ein- und Ausgang kann für das Hintereinanderschalten von Mischpulten für einen umfangreichen Gerätepark genutzt werden. Wenn ihr als Digital-DJs unterwegs seid, stehen euch zwei separat nutzbare USB-Anschlüsse zur Verfügung und ihr könnt den Mixer als Controller zur Softwaresteuerung verwenden.

Auf der Rückseite des MP2015 finden sich eine große Auswahl an Anschlüssen. Die vier Kanäle des Mixers lassen sich mit analogen Line- und Plattenspielersignalen speisen, aber auch mit digitalen via S/PDIF. Wenn ihr die größeren CDJ-Player von Pioneer verwendet, könnt ihr diese digital verkabeln und umgeht die mehrmalige digital-/analog-Wandlung des Audiosignals. Die Effektschleife bietet eine umschaltbare Eingangspegelanpassung und ist mit Cinch-Buchsen ausgestattet. Bei Bedarf lässt sich zudem ein Mikrofon an den Mixer anschließen, für das eine optionale Phantomspeisung aktivierbar ist. Zum Anschluss des Rane-Geräts an eine Verstärkeranlage und Monitorboxen gibt es symmetrische XLR- und Klinkenbuchsen.

Der Rane MP2015 ist ein waschechter Installationsmixer, der auf professionellen Veranstaltungen oder in Clubs betrieben werden kann. Sein Einsatzgebiet reicht von klassischen Mixaufgaben und der Verwendung von CD-Playern und Plattenspielern bis hin zum digitalem DJing und natürlich auch jeglicher Kombination aus verschiedenen Techniken. Durch die beiden Soundkarten mit jeweils 10 Ausgängen und 14 Eingängen bieten sich sehr viele Möglichkeiten, den Mixer für das digitale Auflegen zu nutzen. Ihr könnt damit zum Beispiel vier Decks aus Traktor oder einer anderen DJ-Software mit den Kanalzügen mixen und den Session-Eingang für ein zusätzliches Signal aus dem gleichen Computer nutzen.

Dass  der Mixer über zwei USB-Ports verfügt, ist besonders positiv hervorzuheben, da sich hierdurch zwei Computer parallel anschließen lassen. Wenn ihr als DJ-Team unterwegs seid, habt die Möglichkeit die Kanäle bequem untereinander aufzuteilen. Die Zuweisung erfolgt über die Quellenwahlschalter in den Kanalzügen, so dass auch ein kompletter DJ-Wechsel keine größeren Probleme aufwirft. Am Ende der Übergabe kann der erste DJ einfach die USB-Verbindung zum Mixer trennen und seinen Computer abbauen.

Praxis

Das Mixen mit dem MP2015 fühlt sich sehr hochwertig an, da das Gerät einen tollen Sound bietet und durch die großen Bedienelemente eine souveräne Steuerung gelingt. Insbesondere bei elektronischer Musik mit ihren meist sanfteren Überblendungen spielen die Drehknöpfe ihre volle Stärke aus. Interessant sind zudem auch die Routingmöglichkeiten, die der Submixkanal bietet. In diesem könnt ihr beispielsweise zwei Kanäle aus eurer DJ-Software parallel mit einem EQ und Filter bearbeiten und mit einem weiteren mixen. Die Signalumwandlung von analog zu digital und umgekehrt findet mit bis zu 24 Bit bei 96 kHz statt. Wie bereits erwähnt, führt das zu einem wirklich beeindruckenden Klangbild ganz gleich mit welchen Quellen der Mixer gespeist wird.

Der Rane MP2015 ist zertifiziert für Traktor Scratch. Hierdurch könnt ihr ein digitales DVS-System mit wenigen Geräten aufbauen. Der Mixer übernimmt in dieser Kombination die Aufgabe eines Audiointerfaces und sendet die Timecode-Daten von Zuspielern (Plattenspieler oder CD-Player) an Traktor. In der Software werden die Wiedergabegeschwindigkeiten und die Drehrichtungen der Timecode-Tonträger auf die digitalen Songs übertragen. Die Ausgabe der Songs erfolgt über den Mixer. Im Gegensatz zu anderen zertifizierten Mixern, ist der MP2015 allerdings nicht „Traktor Pro Ready", das bedeutet, dass es keine fertigen MIDI-Belegungen gibt, die automatisch geladen werden. Wenn ihr diese nutzen möchtet, müsst ihr selbst aktiv werden und die entsprechenden Programmierungen in Traktor vornehmen. Das „Traktor Scratch Pro 2 Software und Timecode Kit" gehört nicht zum Lieferumfang der Mixers und kostet 99 Euro.

Fazit

Meiner Meinung nach hat Rane mit dem MP2015 ein richtiges Pfund rausgehauen. Der Mixer sieht beeindruckend aus, ist vorbildlich verarbeitet, klingt super und bietet viele Anschlussmöglichkeiten. Sicherlich ist er kein Mixer, der alle glücklich machen wird, da viele ein Fadermixing bevorzugen oder dieses für ihre Mixtechniken auch zwingend benötigen. Für House und Techno ist er jedoch prädestiniert. Der einzige Haken ist der Preis des Mixers: Da Rane neben den haptisch sehr ansprechenden Bedienelementen auch bei den Wandlern und sonstigen im Inneren verbauten Komponenten auf Qualität gesetzt hat, kommt in der Summe zwar ein gerechtfertigter Ladenpreis zustande, bezahlen werden diesen aber nur weniger wollen. Der Rane MP2015 wird also eher in Clubs und auf Festivals zu sehen sein, für ein Home-Setup ist er schlicht zu teuer.

 

Preis: 3399 EUR
Mehr Informationen auf der Rane-Website.

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