Viele DJ-Ausrüster verkaufen ihre Controller im Paket mit Serato DJ oder Rekordbox DJ, oft sind sich dabei auch Ausstattungen und Layouts sehr ähnlich. Reloop möchte mit dem Touch eine Alternative anbieten, die einen Touchscreen und andere Besonderheiten aufweist und zudem mit der Software VirtualDJ ausgeliefert wird. Der Münsteraner Hersteller verspricht eine intuitive Bedienung und gute Übersicht. Ob sich beides im Mixalltag bestätigen lässt, habe ich mir angeschaut.

Controller

Der Reloop Touch präsentiert sich nach dem ersten Auspacken als gut verarbeiteter,  üppig ausgestatteter DJ-Controller mit vier Kanälen. Reloop verlangt einen Listenpreis von 699 Euro, der den Controller und eine Lizenz von VirtualDJ 8 (kürzlich umbenannt in VirtualDJ 2018) beinhaltet. Die physische Anmutung der Bedienelemente ist ordentlich aber nicht highend und die verbauten Anschlüsse empfehlen das Gerät für einen semiprofessionellen Einsatz. Sein Kunststoffgehäuse wiegt moderate 3,7 kg und misst 594 x 377 x 43 mm. Blickfang ist das leicht angewinkelte und nicht versenkbare Touchdisplay, das eine Höhe von 73 mm aufweist. Wer den Controller oft zu Gigs transportieren möchte, sollte sich ein Case zulegen, um das Display und andere Bedienelemente zu schützen. Von Reloop gibt es hierzu das robust wirkende Premium Touch Case, das für 219 Euro über die Ladentheke geht und auch zur Aufstellung des Controllers nutzbar ist.

Deck-Layout

Die beiden Decks des Reloop Touch sind mit sehr großzügig dimensionierten Bedienelementen ausgestattet. Beleuchtete Taster dienen zum Starten, Stoppen und Synchronisieren der Songs und Pitchfader mit einem Arbeitsweg von 6 cm ermöglichen die Tempomodifikation. Ein Encoder übernimmt die Aktivierung von Loops sowie die Veränderung der Tonart und des Beatgrids. Jogwheels mit einer Aluoberfläche und einem Durchmesser von 13 cm übernehmen die Songkontrolle und darunter angeordnete Bedienelemente die Steuerung der Effekte.

Die Effektsteuerungen setzen sich aus Fadern und Tastern zusammen - anstelle der sonst üblichen Taster-/Drehregler-Kombination. Der Reloop Touch verfügt über acht gummierte Performance Pads pro Deck, die aufgrund ihrer Größe einen bequemen Zugriff auf die kreativen Werkzeuge von VirtualDJ 2018 erlauben. Ihre Funktionsbelegung wird durch das Drücken der Pad-Mode-Taste und eines Pads ausgewählt. Leider gibt es in diesem Bereich keine Beleuchtung, weshalb man in einer dunklen Arbeitsumgebung einen Kontrollblick auf das Display werfen sollte.

Der Reloop Touch ist mit großen Bedienelementen versehen und verfügt über einen Touchscreen.

Mixer-Sektion

Die Mixer-Sektion des Reloop Touch beherbergt vier Kanalzüge, die ausschließlich zur Fernbedienung der Software ausgelegt sind. Die Kanalzüge sind mit griffigen Gain- und EQ- sowie Filterdrehreglern ausgestattet, wobei hier zwischen einem Zweiband-EQ plus Filter oder Dreiband-EQ ohne Filter selektiert werden muss, da pro Kanalzug insgesamt nur drei Drehregler zur Verfügung stehen. Für das Mixen der Songs stehen Kanalfader mit einem Regelweg von 4,5 cm und ein sehr leicht gleitender Crossfader zur Verfügung.

Bedienelemente zur Anpassung der Regelwege für die Fader gibt es nicht, hier müssen die Software-Einstellungen genutzt werden. Ein großer Encoder dient zur Navigation in der Songsammlung, Master- und Cue-Regler zur Pegelabstimmung. LED-Ketten zur optischen Pegelkontrolle sind nicht verbaut, hier kann man sich aber mit einem Blick auf das Display des Controllers behelfen, um die Kanalpegel im Auge behalten zu können.

Display

Das 7 Zoll große, gut ablesbare Display des Reloop Touch zeigt verschiedene Deck- und Songinfos und lässt sich auch zur Programmsteuerung nutzen. Je nach gewähltem Modus werden zwei oder vier Decks dargestellt, alternativ auch Video-Mixfunktionen und der Songbrowser. Im Zweideck-Modus blendet das Display eine Vielzahl an Songparametern wie die Restspielzeit, den aktuellen Pitchwert, die Tonart sowie die Geschwindigkeit ein.

Zudem lassen sich auch die Effekte und die Performance-Pad-Belegungen ablesen. Im Vierdeck-Modus können aus Platzgründen nicht die kompletten Infos angezeigt werden, hier hat Reloop aber eine sinnvolle Auswahl getroffen und zudem einen Swap-Modus integriert, der das jeweils auf dem Controller selektierte Deck detailliert darstellt.

Anschlüsse

Die Audio- und Kommunikationsanschlüsse des Reloop Touch befinden sich auf der Rückseite hinter dem Display. Das Gerät verfügt über zwei Masterausgänge, die als symmetrische Klinkenbuchsen und unsymmetrische Cinch-Buchsen ausgeführt sind sowie über eine Installationsmöglichkeit für ein Kensington-Lock. Auf einen separaten Booth-Ausgang und Line-/Phono-Eingänge hat der Hersteller verzichtet. Zur Spannungsversorgung gibt es eine Netzteilbuchse, ein USB-Anschluss dient zum Datenaustausch mit einem Computer.

Auf der Vorderseite sind zwei leicht erreichbare Kopfhöreranschlüsse als 3,5- und 6,3-mm-Buchsen und eine 6,3-mm-Mikrofonbuchse inklusive Pegelsteuerung platziert. Im Gehäuseinneren befindet sich eine Soundkarte mit vier Ausgängen, die die digitalen Signale mit 16 Bit und 48 kHz verarbeitet.

Controller Rückansicht.
Auf der Rückseite des Touch befinden sich zwei Masterausgänge und ein USB-Anschluss zum Datenaustausch mit einem Computer.
Controller Vorderansicht.
Kopfhörer und ein Mikrofon lassen sich auf der Vorderseite des Reloop-Geräts anschließen.

VirtualDJ in the Mix

Für den Praxis-Check habe ich den Reloop Touch mit meiner Test-PA verkabelt, woraufhin ein Brummgeräusch zu hören war, ganz gleich ob die symmetrischen oder unsymmetrischen Anschlüsse genutzt wurden. Dies ist zwar unschön, sollte aber im laufenden Betrieb keine große Rolle spielen, da das Musiksignal das Störgeräusch übertönt.

Als Computersystem habe ich einen Windows 10 Laptop verwendet und den Touch per USB-Kabel daran angeschlossen. Um den Controller und VirtualDJ 2018 nutzen zu können, muss ein recht umfangreicher Installationsprozess angestoßen werden, der Treiber und VirtualDJ umfasst. Dieser Vorgang gelingt durch die Ausführung einer Datei und die Eingabe von Seriennummern. Der Touch-Treiber kann dabei für zwei Computer gleichzeitig genutzt werden. Sollten alle Registrierungen aufgebraucht sein und ein neuer oder anderer Computer zum Einsatz kommen, kann eine Löschung für die Treiber- und VirtualDJ-Lizenz über diese Webseite erfolgen.

Nach der Installation lässt sich der Songbrowser in VirtualDJ 2018 vom Controller aus durchsuchen. Der Browser umfasst Mediendateien, die auf der Computerfestplatte gespeichert sind oder mit Programmen wie iTunes oder Traktor Pro verwaltet werden. Zudem gelingt auch der Zugriff auf optionale, kostenpflichtige Abodienste wie Deezer, iDJPool, VJ'Pro oder Digitrax, die Musik, Videos und Karaoke-Dateien beinhalten. Die Songauswahl kann per Touchscreen auf dem Controller erfolgen und die Tracks können mit Wischbewegungen in die Decks geschoben werden - super! Für eine gezielte und bequeme Songsuche lässt sich eine Bildschirmtastatur nutzen. Auf meinem System musste ich diese allerdings nach jedem Neustart vom Computerbildschirm auf das Controller-Display verschieben - nicht schön, aber auch nicht dramatisch.

VirtualDJ 2018 analysiert die Songs beim Laden in die Decks und überzieht diese mit einem Beatgrid. Dieser Vorgang erfolgt recht zuverlässig, sollte es hierbei dennoch zu Fehlern kommen, steht ein gut ausgestatteter Editor für Korrekturen in der Software parat. Das Mixen der Songs gelingt mit den großen Bedienelementen des Touch sehr komfortabel und aufgrund der übersichtlichen Anordnung hat man sich recht schnell einen Überblick verschafft. Die Befehle des Controllers werden von der Software unmittelbar umgesetzt, sodass man treffsicher arbeiten kann.

Gut gefallen haben mir die Jogwheels, die neben Pitchbends auch Backspins und Scratch-Tricks erlauben. Wählt man für den Crossfader in der Software den Wert "Scratch", beträgt das Cut-Lag nur circa einen Millimeter - damit lässt sich sehr gut arbeiten! Wie weiter oben erwähnt steht zum Formen der Mixe ein Zweiband-EQ inklusive Filter oder ein Dreiband-EQ ohne Filter zur Verfügung. Da man im laufenden Betrieb zwischen beiden Modi umschalten kann und zudem eine Abholfunktion greift, ist dies kein wirklicher Minuspunkt.

Um Mixe aufzupeppen, stehen in VirtualDJ 2018 viele Möglichkeiten parat. Am einfachsten gelingt dieses durch den Einsatz von Effekten, die sich mit den Fadern und Tastern des Touch gut steuern lassen. Alternativ kann hierzu auch der Touchscreen genutzt werden und eine Kontrolle per virtuellem XY-Pad erfolgen - ein wirklich cooles Feature. VirtualDJ 2018 bietet aktuell 14 gut klingende Effekte wie Delay, Echo, Flanger, Reverb, die sich bei Bedarf durch VST-Effekte erweitern lassen. Hier kann man ohne großen Aufwand seine lieblings-Studio-Effekte nachrüsten - super!

Mit den Performance Pads gelingt der Zugriff auf Hotcue-Punkte, Loops in verschiedenen Ausprägungen, Beatjump, den Sampler sowie die Transponierungsfunktion Key Cue und Slicer. Die Pads erlauben ein passgenaues Auslösen der kreativen Werkzeuge, wer möchte, aktiviert hier aber zudem die Quantisierungs-Unterstützungen in der Software, damit der Einsatz auch immer gelingt. Bemüht man auch zusätzlich noch die Slip-Funktion, die sich am Controller einschalten lässt, so bleiben synchron laufende Songs im Takt, ganz gleich mit welchen Mix- oder Scratch-Manövern sie traktiert werden.

Wer mit vier Decks auflegen möchte, aktiviert die jeweilige Decksteuerung für Deck 1 oder 3 bzw. Deck 2 oder Deck 4 direkt auf dem Controller. Damit es nicht zu Fehlbedienungen kommt, wird das ausgewählte Deck an verschiedenen Stellen in der Software aber auch in den Controller-Decks und auf dem Display hervorgehoben. Prima - bei den doppelt belegten Bedienelementen wie Effekt- und Pitchfadern verhindert auch hier eine Abholfunktion Pegelsprünge.

VirtualDJ 2018 ist ein mächtiges Auflegetool und bietet neben den musikalischen Präsentationsmöglichkeiten auch Video- und Karaoke-Funktionen. Die Video-Dateien lassen sich in die Decks laden und mit den gleichen Funktionen bearbeiten wie die Songs. Zudem können mit dem Controller auch spezielle Video- und Übergangseffekte gesteuert und auf dem Display optisch überwacht werden. Video-Effekte wie Boom, Colorize und Negative stehen zur Auswahl und Addivtive, Curve, Flip und Slide zum Ausschmücken von Übergängen. Songs, für die es keine Videos gibt, lassen sich mit den neuen Shadern kombinieren, die gut gemachte Visualisierungen beinhalten und sich kostenlos aus dem Internet herunterladen lassen. Über 20.000 Tunnelfahrten, Equalizer und andere Animationen stehen zur Auswahl.

Blick über den Tellerrand

Der Reloop Touch nutzt MIDI-Befehle, um mit einer Software zu kommunizieren. Es ist daher auch möglich, den Controller mit Programmen wie Cross oder Traktor Pro zu kombinieren. Reloop stellt eine passende Konfigurationsdatei für Traktor zum Herunterladen parat. Die hierfür gewählten Steuerungen sind praxisgerecht und haben mir recht gut gefallen. Das Display lässt sich allerdings nicht nutzen, schade.

Fazit

Der Reloop Touch bietet durch seinen Touchscreen und die Wahl der Bedienelemente ein besonderes Bedienkonzept, das auf die Steuerung der enthaltenen Software VirtualDJ 2018 zugeschnitten ist. Der Bildschirm blendet viele Mix-relevante Informationen und auch die Songsammlung ein, sodass sich viele Bedienschritte ohne Blick auf den Computer ausführen lassen. VirtualDJ 2018 ist umfangreich ausgestattet und muss sich vor den Platzhirschen Traktor Pro, Serato DJ Pro oder Rekordbox DJ nicht verstecken. Der Controller kann von Einsteigern und fortgeschrittenen Anwendern genutzt werden und bietet eine Menge Spielspaß, wenn auch die Installation etwas aufwändiger ist. Wer ein Controller/Software-Komplettpaket für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sucht und nicht zwingend mit Serato oder Rekordbox arbeiten möchte, sollte sich den Touch einmal näher anschauen.

 

Pro

Große Bedienelemente
Touchdisplay mit Funktionssteuerungen
Pads und Jogwheels reagieren sehr direkt
Gute Verarbeitung
Gutes Preis-Leistungsverhältnis

Kontra

Recht aufwändige Installation
Display nur in Verbindung mit VirtualDJ 2018 nutzbar

 

Preis: 699 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Reloop-Website.

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