Test: Roland D-05 Boutique

Test: Roland D-05 Boutique

Tests 25. August 2018

Auch der legendäre „Roland D-50“ wurde innerhalb der Boutique Serie des japanischen Herstellers neu aufgelegt. Der sogenannte „Roland D-05“ ist die Miniaturausgabe des einst innovativen Gerätes aus den späten Achtzigern. 

Hintergrund

Der „Roland D-50“ erschien erstmals 1987 und verfolgt wie die Nachbildung dem Konzept der LA-Synthese (linear-arithmetische Synthese). Hierbei werden kurze Samples für die Einschwingphase und eine digital synthetische Klangerzeugung für den Ausklang eines Sounds genutzt. Diese damals neuartige, digitale Soundgestaltung, inklusive der Verwendung von internen Effekten (Hall, Chorus und EQ), offenbarte so einzigartige Klangmöglichkeiten. Dieses Konzept war auch den Umständen geschuldet, dass RAM-Speicher damals sehr kostspielig war und man dieses „Problem“ mithilfe der neuen Synthese-Form umschiffen konnte. Mit der von Roland eigens entwickelten „Digital Circut Behavior-Technologie“ werden die originalen Verschaltungen des digitalen Klassikers nun nachempfunden. Bei der kompakten Mini-Version des Klassikers, handelt es sich wie beim Vorbild um einen 16-stimmingen, polyphonen Synthesizer.

Workflow

Durch ein nicht leicht zugängliches Bedienkonzept wurden vor allem die Presets verwenden, die wesentliche Bestandteil von einigen damaligen Pop- und New Wave Stücken waren. Auch der Nachbau lädt leider nicht zum intuitiven Arbeiten ein. Die Emulation ist in ihrer Optik stark an das Original angelehnt, das Bedienkonzept aber leider auch. Wer bereits mit dem Vorbild vertraut ist, wird sich natürlich dementsprechend schnell zurechtfinden. Interessant hätte ich es aber gefunden, den ursprünglichen Workflow neu zu interpretieren, um dem Instrument mehr als Preset-Schleuder gerecht zu werden; ähnlich wie es Roland bereits damals mit dem Zusatzgerät zum D-50 und D-550, dem Programmer PG-1000, versuchte. Heutzuage wäre zu erwarten, dass Hersteller diese Möglichkeit mit ins Konzept einbinden. Die Auswahl der Werksounds und die Basics des Sequenzers sind jedoch schnell erlernt. Der Klangerzeuger kommt mit den 384 Presets inklusive der originalen Patches daher. Des Weiteren können eigene Klänge konserviert werden. Ein weiteres praktisches Feature ist der Austausch von Sounds zwischen Original und Emulation über die SysEx-Schnittstelle.

Spielhilfen

Erfreulicherweise gibt es ein paar nützliche Spielhilfen. Mithilfe des Joysticks können die unterschiedlichen Bestandteile (Upper- und Lower-Tones) eines Sounds zusammen gemixt und variiert werden. Modulationseffekte lassen sich mit dem Pitch- und Modwheel, bestehend aus zwei berührungsempfindlichen Touch-Controllern steuern. Hervorzuheben ist der neu implementierte polyphone Schrittmacher mit Shuffle-Funktion sowie der Arpeggiator. Leider sind Parameter-Looks innerhalb der 64 möglichen Steps des Sequenzers nicht vorgesehen.

Anschlüsse und Einbindung

Folgende Anschlüsse, Regler und Schalter sind auf der Rückseite angesiedelt:

  • Volume-Regler
  • Phones
  • Mirco-USB (Audio, MIDI, Stromversorgung)
  • Output
  • Mix-In
  • MIDI-In/Out
  • Power-Schalter

Die Audiobuchsen inklusive eines Kopfhörerausgangs kommen als 3,5-mm-Stereo-Miniklinke daher und machen einen anständig verarbeiteten Eindruck. Mit dem eingebauten USB-Audio-Interface lässt sich das Gerät komfortabel und ohne Verwendung einer externen Soundkarte in die DAW integrieren. Auch die Stromversorgung erfolgt über die USB-Schnittstelle, außerdem lässt sich das Gerät per MIDI zusätzlich ansteuern und verfügt auch über einen klassischen MIDI-In/Out-Anschluss.

Zusammen mit der K-25 Tastatur bildet er eine praktische Einheit. Darüber hinaus lässt sich das Rack in zwei Stufen anwinkeln. Dank des auf der Gerätunterseite eingebauten Lautsprechers lässt sich der Roland D-05 auch unterwegs nutzen, wenngleich der Klang des Mini-Aktivlautsprechers etwas „cheap“ daherkommt.

 

Klang und Soundbeispiele

Der D-05 steht auch 30 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung für einen Sound, der die Achtziger grundlegend beeinflusst hat. Neben modernen Klängen besitzt auch der Nachbau die authentischen und legendären Presets und bewegt sich damit auch klanglich sehr nah an der großen Ikone. Seine Stärke sind vor allem eigenständige flächenartige Sounds wie Streicher, Flöten und Blasinstrumente. Des Weiteren sind metallische und glockenartige Klänge sowie perkussive E-Pianos und gitarrenartige Sounds das Klanggebiet des D-05.

Verarbeitung

Die Verarbeitung wirkt für ein Gerät in diesem Preissegment insgesamt zufriedenstellend, auch die vielen Taster wirken stabil und sind trotz des geringen Formfaktors ausreichend anwählbar. Die Bedienoberfläche ist aus einem Leichtmetall gefertigt, die Unterseite aus einem robusten Kunststoff. Insgesamt bringt das kompakte Instrument 900 g auf die Waage, was auf der einen Seite ein Verrutschen während des Bedienens verhindert und auf der anderen Seite ein moderates Gewicht für den Transport darstellt.

Fazit

Der Roland D-05 ist für alle diejenigen interessant, die nach digitalen Klängen aus den Achtzigern Ausschau halten und Spaß an einer exotischen Klangsynthese haben. Das Boutique-Gerät wurde authentisch reproduziert, beinhaltet leider aber auch das ursprüngliche Bedienkonzept, welches bei dem einen oder anderen User vermutlich zu einer langsamen Lernkurve führen wird. Mit einem kompakten Erscheinungsbild, einer guten Verarbeitung und nützlichen Features, wie dem internen Sequenzer und dem Onboard-Audio-Interface, bekommt man für einen Preis von rund 380 Euro eine sehr erschwingliche und gut klingende Klangquelle mit dem gewissen Etwas.

 

Pro

Klang
Gute Presets
16 Voices
Hochwertiger Sequenzer & Arpeggiator
Internes Audiointerface
Kompakte Bauweise
Verarbeitung
Preis-Leistung

Kontra

Schwieriges Bedienkonzept

Preis: 382 EUR (Stand: Juli 2018)
Mehr Informationen auf der Website von Roland.

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