Test: Teenage Engineering OP-Z – Digital Workstation

Test: Teenage Engineering OP-Z – Digital Workstation

Tests. 10. August 2019 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Niko Giortsios

Hardware Workstations sind mittlerweile wieder absolut in Mode, und das aus gutem Grund: Drehregler und Knöpfe bieten in der Regel ein wesentlich organischeres Feedback als das ewige Mausgeschubse am Computer, außerdem hat jeder Hersteller so seine Eigenheiten, die den Workflow bestimmen und für Kreativität sorgen können. Als Musterbeispiel hierfür gelten Teenage Engineering, deren OP-1 sich auch nach 8 Jahren noch ungebremster Beliebtheit erfreut. Nun bieten die Schweden mit dem OP-Z einen Allround-Synthesizer und Sequenzer für den etwas kleineren Geldbeutel an. Hat man an den richtigen Ecken gespart, oder ist auch ein Teil der intuitiven Handhabung dem Rotstift zum Opfer gefallen? Zeit, das herauszufinden.

Technische Daten und Anschlüsse

Beim Anblick der Verpackung kommt erst einmal Verwunderung auf. Passt da wirklich eine komplette Workstation rein? Doch dann die Entwarnung: Alles drin, was drin sein muss. Mit 212,5 x 57,5 x 10 mm wirkt der OP-Z von der Größe her eher wie eine Fernbedienung als ein Musikinstrument. Eine vollwertige Bedienungsanleitung ist nicht im Lieferumfang enthalten, die gibt es wie mittlerweile üblich in digitaler Form als Download. Dafür findet man aber einen Quickguide sowie mehrere farbige Overlays, die jeweils nur einen Teil der verwendeten Tasten freigeben, je nachdem, in welchem Modus man den OP-Z betreiben möchte. Ein vernünftiger Kompromiss, denn durch bloßes Anschauen des Layouts lassen sich die diversen Mehrfachbelegungen und Shift-Funktionen beim besten Willen nicht herausfinden. So kann man dann doch recht schnell in die grundlegenden Funktionen eintauchen und erste Sequenzen basteln. Um ein aufmerksames Studium der Gebrauchsanweisung kommt man dennoch nicht herum, wenn das volle Potenzial des Gerätes genutzt werden soll.

Mit anderen Klangerzeugern und PCs kommuniziert der OP-Z mittels USB-C, das entsprechende Kabel dafür liegt dem Synth bei. Des Weiteren bietet Teenage Engineering eine kostenlose App an, die für das fehlende Display kompensieren und den Workflow besser veranschaulichen soll, allerdings nur für iOS-Geräte erhältlich ist. Das ist ziemlich ärgerlich, beeinträchtigt aber die (Audio-) Fähigkeiten in keiner Weise. Ansonsten kommt die Anschluss-Sektion eher minimalistisch daher. Die „altmodischen“ MIDI-Buchsen sucht man bei der Größe natürlich vergebens und auch für große Klinken ist die Flunder deutlich zu flach geraten, hier muss ein einzelner 3,5-mm-Stereo-Ausgang reichen.

Zur Haptik: Auch hier machen sich natürlich die kompakten Ausmaße bemerkbar. Die kleinen Druckknöpfe verrichten jedoch einwandfrei ihren Dienst und es kommt zu keiner Zeit Gefühl auf, dass man etwas kaputt machen könnte. Die vier Endlos-Drehregler sind gewöhnungsbedürftig, durch ihre flache Bauweise aber auch ziemlich unempfindlich. Wo nichts ist, kann schließlich auch nichts abbrechen. Wer mit der Handhabung partout nicht klarkommt, kann entweder kostenpflichtiges Zubehör kaufen oder aber mal in der Legokiste vom Nachwuchs stöbern. Die schwarzen Technics-Stangen, wie man sie vielleicht noch von früher kennt, passen nämlich perfekt in die x-förmigen Löcher auf den Encodern. Ein witziges sowie praktisches Gimmick, das es auch schon beim OP-1 gab und mit dem man sein persönliches Gerät ein wenig individualisieren kann.

Der OP-Z von Teenage Engineering.

Klangerzeugung: Drums

Der OP-Z besitzt 16 Spuren, denen jeweils eine Funktion fest zugewiesen ist. Das Ganze lässt sich grob in drei Kategorien unterteilen: Drums, Synths und Control Tracks. Die ersten vier Tracks bilden die Drum Group und sind eingeteilt in Kick, Snare, Perc(ussion) und Sample. Kick und Snare sind selbsterklärend, Percussion beinhaltet zum Beispiel Hi-Hats oder Shaker und unter Sample findet sich ein bunter Mix aus verschiedenen One-Shots, darunter elektronische Klicks, Vocal-Snippets und Synth-Chords. Für jede Spur gibt es vier Soundsets oder „Kits“, die aus jeweils 24 Samples bestehen. Hat man sich für eines dieser Kits entschieden, werden die Samples auf die Klaviatur verteilt.

Somit ist man zum Beispiel nicht auf einen einzigen Snare-Sound beschränkt und kann bereits ziemlich komplexe Beats erzeugen. Mithilfe der mehrfach belegten Drehregler lassen sich insgesamt 16 verschiedene Parameter anpassen, zum Beispiel die Tonhöhe, ein Multimode-Filter sowie eine simple Lautstärken-Hüllkurve. Die mitgelieferten Klänge sind allesamt von hoher Qualität und eignen sich bestens für moderne Produktionen, können aber auch nach Wunsch am PC ersetzt werden.

Klangerzeugung: Synths

Für Melodiöses aller Art befinden sich auf den Spuren fünf bis acht die Synthesizer-Parts des OP-Z. Diese verhalten sich alle etwas anders und sind nach Einsatzbereichen geordnet. So ist zum Beispiel Bass nur monofon spielbar, während Arp anstelle des LFOs einen eigenen Arpeggiator besitzt. Das grundlegende Prinzip ist aber bei allen Tracks gleich: Zur Auswahl stehen insgesamt neun verschiedene Synth-Engines, welche unter anderem Sägezahnwellen und PCM-Samples benutzen, um unterschiedliche Timbres zu erzeugen. Die Anleitung setzt hier weniger auf technische Details als auf Symbole und Assoziationen wie „Bow“ (ein Sound, der Streicher simuliert) und „Shade“ (ein weicher, pianoartiger Klang). Das ist Geschmackssache, durch ein bisschen Herumprobieren findet man sich aber schnell zurecht. Es lässt sich eh nicht besonders viel falsch machen, da die Einstellmöglichkeiten doch begrenzt sind. Die Sounds erfüllen zwar alle ihren Zweck und klingen auch keinesfalls schlecht, Hardcore-Klangtüftler und experimentelle Gemüter dürften damit aber eher nicht glücklich werden.

Control Tracks

Die restlichen acht Spuren sind im Gegensatz zu den vorherigen keine Klangerzeuger. Sie dienen stattdessen dazu, dem Mix durch verschiedene Möglichkeiten die nötige Würze zu verleihen und beherbergen darüber hinaus die Videofunktionen des OP-Z. Da wären zunächst zwei FX-Kanäle, denen sich jeweils wahlweise ein Bit-Crusher, digitales Delay, Verzerrung oder ein Hall zuordnen und den einzelnen Spuren beimischen lässt. Die Effekte klingen durch die Bank hochwertig und decken alle grundlegenden Bedürfnisse ab. Für extremere Klangverfremdungen gibt es außerdem noch die sogenannten Punch-in-Effekte. Für jeden der acht Klangerzeuger (sowie wahlweise für die gesamte Drum- oder Synth-Group) steht eine Vielzahl von Spielereien zur Verfügung, darunter Filtersweeps, verschiedene Pitch-Shifter und ein Stereo-Effekt.

Diese können in Echtzeit per Keyboard eingespielt und in Verbindung mit dem Performance-Track aufgenommen werden. Das Ganze geht sehr intuitiv von der Hand, was besonders in Live-Situationen zur Geltung kommt und spannende Darbietungen ermöglicht. Wer sich wiederum für Glitches und Stutter-Effekte interessiert, wird am „Tape“-Track seine wahre Freude haben: Hier lassen sich beliebig lange Ausschnitte aus dem Audio-Buffer des OP-Z loopen und bei Bedarf rauf und runter pitchen. Das eignet sich hervorragend zum Beispiel für intensive Buildups und Breaks – vorausgesetzt, die Finger sind flink genug.

Anschließend geht es zur Master-Sektion mit globalem Chorus, Drive und Filter. Diese lassen sich gleichzeitig verwenden, wobei gerade der Drive-Regler gut geeignet ist, den Output etwas dreckiger und fetter klingen zu lassen. Außerdem lässt sich hier das gesamte Pattern harmonisch transponieren. Der OP-Z analysiert dafür die Noten der Synth-Spuren. Ohne lästiges Kopieren und Verschieben der Noten entstehen so schnell interessante Akkordfolgen. Ein unglaublich nützliches Feature, mit dem man statischen Patterns leicht Leben einhauchen kann.

Den Abschluss bilden die Module-Spur sowie die Videofunktionen des OP-Z. Module dient der Verknüpfung mit externen Geräten. Dafür bietet Teenage Engineering ein Hardware Add-on an, welches nachträglich erworben werden muss, den OP-Z um vier Buchsen erweitert und die Synchronisation mit einem Pocket Operator oder auch CV-fähigen Synthesizern ermöglicht. Grundlegende MIDI-Funktionen stehen allerdings auch ohne zusätzliche Module über die eingangs erwähnte USB-Schnittstelle zur Verfügung, um zum Beispiel ein externes Keyboard anzuschließen.

Da für die Videobearbeitung und die integrierte Lichtsteuerung ebenfalls spezialisierte Geräte sowie die iOS-exklusive App vonnöten sind, konnten diese im Test leider nicht berücksichtigt werden. Ohnehin dürfte dieses Feature für die meisten Interessenten eher zweitrangig sein und allenfalls als nettes Schmankerl gesehen werden, sollte aber dennoch löblich erwähnt werden. Schließlich ist der OP-Z dadurch theoretisch in der Lage, eine komplette audio-visuelle Performance auf die Beine zu stellen.

Sequenzer

Um die ganzen verschiedenen Sounds und Effekte vernünftig zu arrangieren, hat der OP-Z natürlich auch einen Sequenzer spendiert bekommen. Für jede Spur stehen eine herkömmliche Step-Eingabe, Echtzeitaufnahme oder ein Step-Record Modus zur Verfügung. Bei Letzterem springt der Sequenzer bei Eingabe eines Notenwertes automatisch einen Schritt weiter, auch Rests sind möglich. Die Länge des gespielten Patterns lässt sich für jede Spur einzeln verkürzen, so entstehen schnell polyrhythmische Muster, die sich ständig verändern. Grundsätzlich besteht jedes Pattern aus höchstens 16 Schritten, diese können aber quasi auseinander gestreckt werden, um dann per Echtzeiteingabe längere Parts einzuspielen. Sehr praktisch, zum Beispiel für mehrtaktige Melodieführungen.

Wie bereits erwähnt sind diese Funktionen auf jede der 16 Spuren anwendbar, also zum Beispiel auch auf die Effekt-Kanäle. In Verbindung mit Parameter-Locks (so ziemlich jeder Parameter jedes Tracks kann pro Step verändert werden) und Motion-Sequencing wird deutlich, wie vielseitig der Sequenzer des OP-Z nutzbar ist. Sollten die 16 Steps dann mal doch zu wenig sein, lassen sich mehrere Patterns zu einer Kette zusammenfügen und abspeichern. Das kommt zwar nicht ganz an einen eingefleischten Song-Modus heran, reicht in den meisten Fällen aber vollkommen aus.

Der OP-Z von Teenage Engineering.

Fazit

Wer beim Aussehen erst mal nur an dänische Klemmbausteine denkt, liegt weit daneben: Bei dem OP-Z handelt es sich um eine mächtige Workstation, die vor allem als portables Sketchbook für neue Ideen sowie in Live-Situationen überzeugt. Doch es gibt auch Schattenseiten: Der große Funktionsumfang in Verbindung mit dem kleinen Gehäuse zieht eine etwas fummelige Handhabung mit sich, und in Anbetracht dessen fällt auch das fehlende Display negativ auf. Letzteres wird zwar (wie auch die Videofunktionen) durch eine hauseigene App ersetzt, diese unterstützt allerdings nur Apple-Geräte, wodurch andere Nutzer leider in die Röhre schauen (oder eben nicht). Fuchst man sich jedoch erst mal in den etwas eigenwilligen Workflow der Maschine ein, wird man mit einer beeindruckenden Allround-Lösung belohnt, die obendrein das Reisegepäck entlastet und auch unterwegs zu kreativen Ergüssen inspiriert.

Pro

Kompakte Workstation, mit der sich ganze Tracks realisieren lassen
Studiotauglicher Klang
Leistungsstarker Sequenzer

Kontra

Teilweise frickelige Handhabung
Begrenzte Einstellmöglichkeiten bei den Synthesizern

Preis:

489,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Teenage Engineering.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit OP-Z , Sampler , sequencer , Synthesizer , Teenage Engineering , Test

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