Test: Traktor Kontrol S4 MK3

Test: Traktor Kontrol S4 MK3

Tests 6. Januar 2019

Native Instruments stellte die erste Generation des Traktor Kontrol S4 vor circa sieben Jahren vor, die perfekt auf die Software Traktor Pro abgestimmt war und das Mixen mit vier Decks sowie die Steuerung von Effekten erlaubte. Etwa zwei Jahre später veröffentlichten die Berliner den leicht modifizierten Traktor Kontrol S4 MK2, der einen zusätzlichen Ausgang für Monitorsignale sowie Bedienelemente zur Aktivierung des Flux-Modes besaß und zur Kontrolle der App Traktor DJ genutzt werden konnte. Der jetzt veröffentlichte Traktor Kontrol S4 MK3 unterscheidet sich deutlicher von seinen Vorgängern: Neben einem neuen Layout und qualitativ hochwertigeren Bedienelementen gibt es jetzt auch motorisierte Haptic Drive  Jogwheels. Was kann der neue Controller und wie schlägt er sich im Praxiseinsatz?

Überblick

Passend zum großen Traktor Pro 3 Update, das wir ebenfalls hier auf DJ LAB getestet haben, hat Native Instruments die beiden Controller Traktor Kontrol S4 und S2 überarbeitet und funktional angepasst. Die Geräte werden für 899 Euro (S4) und 299 Euro (S2) jeweils inklusive der Vollversion von Traktor Pro 3 angeboten.

Traktor Kontrol S4 MK3

Die Neuauflage des Traktor Kontrol S4 misst 54,2 x 33,9 x 6,5 cm und wiegt 4,3 kg. Der Controller ist also etwas gewachsen, eignet sich aber immer noch gut zum Transport im mobilen Einsatz. Ein passendes Case kann für 189 Euro erworben werden. Beim ersten Kontakt fällt das aufgeräumte Oberflächendesign auf und die neuen, fast schon elegant wirkenden Bedienelemente.

Controller Draufsicht.
Die Neuauflage des Traktor Kontrol S4 bietet hochwertige Bedienelemente und Jogwheels mit Haptic Drive.

Decks

Der Traktor Kontrol S4 MK3 bietet zwei Decks mit einer symmetrischen Ausrichtung, die zur Kontrolle von vier Softwaredecks nutzbar sind. Große beleuchtete Taster dienen zum Starten und Stoppen von Tracks und Pitchfader mit einem Regelweg von acht Zentimetern erlauben eine gezielte Modifikation der Wiedergabegeschwindigkeiten. Die leicht überarbeiteten Effektsektionen ermöglichen die Aktivierung und Veränderung von Effekten, leider aber nicht mehr ihre Auswahl. Komplett neu sind die kleinen, aber sehr gut ablesbaren Farbdisplays, die Songtitel, Wellenformen und andere mixrelevante Informationen darstellen, wodurch Kontrollblicke auf den Computermonitor seltener nötig sind. Eine weitere Neuerung sind die motorisierten Jogwheels, die eine noch nie dagewesene Kontrollmöglichkeit für digitale Tracks bieten; Details hierzu gibt es im Praxisteil. Im unteren Teil der Decks befinden sich je acht Pads, deren Druckpunkt deutlich spürbar ist und die zur Steuerung von HotCue-Punkten, Samples und Stems genutzt werden können.

Display.
Die Decks des Controllers sind mit kleinen Displays ausgestattet, die mixrelevante Infos einblenden.

Mixer

Neben den neugestalteten Decks hat Native Instruments auch den Mixerbereich des Controllers überarbeitet. Die vier Kanalzüge beherbergen griffige, gummierte Drehregler zur Steuerung von Dreiband-EQs sowie leicht gleitende Kanalfader. Zum Überblenden oder für schnelle Cuts steht ein Crossfader parat, dessen Kanalzuweisungen und Faderkurvenverlauf auf der Vorderseite des S4 einstellbar sind. Im oberen Bereich der Kanalzüge kann zwischen verschiedenen externen Signalen (Line, Phono, Mikro) umgeschaltet werden und die Aktivierung der Effektroutings für die Effektbusse erfolgen. In der Mitte sind große Drehregler positioniert, mit denen die Dualmode-Filter und die neuen Mixer FX kontrollierbar sind. Auf der rechten Seite des Mixers befindet sich ein neu geschaffener Bereich, in dem die Master-, Booth- und Cue-Signale kontrolliert sowie die Mixer FX und Filter selektiert werden können.

Mixer.
Im Mixerbereich lassen sich die Mixer FX aktivieren, die individuell pro Kanal wählbar sind.

Anschlüsse

Der Traktor Kontrol S4 MK3 ist mit XLR- und Cinch-Buchsen ausgestattet, die das Mastersignal ausgeben und den direkten Anschluss des Controllers an eine PA erlauben. Ein Booth-Ausgang, ausgeführt als Klinkenbuchsen, dient zur Verkabelung eines Monitorsystems. Für die vier Kanalzüge stehen vier Line- und zwei kombinierte Phono-/Line-Eingänge zur Verfügung. An diese lassen sich zahlreiche Zuspieler zur Setup-Erweiterung oder als Timecode-Lieferanten anschließen. Wer für Durchsagen oder MC-Einlagen Mikrofone verwenden möchte, findet zwei Anschlussmöglichkeiten vor. Die Kommunikation mit einem Rechner gelingt über einen USB-Port und ein USB-Hub erleichtert die Ergänzung weiterer USB-MIDI-Controller. Gestrichen wurden die beiden MIDI-Buchsen, sodass man zur Synchronisation externer Drum-Machines per MIDI Clock auf eine alternative Lösung ausweichen muss. Die interne Soundkarte arbeitet mit 24 Bit, 96 Kilohertz und hat acht Eingänge und vier Ausgänge.

Controller Rückseite.
Auf der Rückseite des Controllers gibt es eine Vielzahl an analogen Eingängen, die den Anschluss von Zuspielern und eine Timecode-Steuerung erlauben.
Controller Vorderseite.
Die Vorderseite des Traktor Kontrol S4 MK3 bietet Kopfhörer- und Mikrofonanschlüsse.

Praxischeck

Der Traktor Kontrol S4 MK3 lässt sich mit wenig Aufwand in Betrieb nehmen, da die Verkabelung keine großen Fragen aufwirft und die zum Lieferumfang gehörende Software Traktor Pro 3 den Controller automatisch erkennt. Anwender, die bereits Controller-Erfahrungen haben, finden sich schnell mit dem Gerät zurecht und können die ersten Mixe problemlos bewältigen. Mit Encodern in den Decks kann in der Songsammlung navigiert werden, hier finde ich das Blättern in der Ordnerstruktur allerdings etwas unglücklich gelöst, weil man dazu die Shift-Taste drücken muss und man für diesen Vorgang beide Hände benötigt. An dieser Stelle kann ich aber gleich Entwarnung geben, denn ab Traktor Pro 3.0.2 kann das MIDI-Mapping des Traktor Kontrol S4 MK3 nach eigenen Wünschen modifiziert werden. Es ist somit neben vielen weiteren Optionen möglich, die Navigation in der Ordnerliste anders zu steuern als ursprünglich vorgegeben.

Zum Mixen der Songs lassen sich die neuen Jogwheels nutzen, die verschiedene Betriebsmodi besitzen. Im Jog-Mode agieren die Drehräder wie bei einem CD-Player und erlauben das Anschieben und Abbremsen der Songs sowie das Scratchen. Drückt man ein zweites Mal auf die Jog-Mode-Taste, wird die Touch- und somit auch Scratch-Funktion deaktiviert, sodass diese nicht versehentlich zum Einsatz kommt und das DJ-Set unterbricht. Schaltet man den TT-Mode ein, beginnen sich die Jogwheels zu drehen und erlauben eine beeindruckend exakte Kontrolle der digitalen Tracks, ganz gleich, ob man Scratch-Manöver oder Backspins ausführt oder den Plattenteller am Rand mit dem Finger abbremst, um ein manuelles Beatmatching vorzunehmen.

Der Drehwiderstand der Wheels kann per Controller oder im Einstellungsmenü der Software angepasst werden. Zusätzlich ist die Drehgeschwindigkeit (33 oder 45 rpm) und der Haptic Modus für Cue-Punkte und Loops wählbar. Der Haptic Modus ist ein Alleinstellungsmerkmal des Traktor Kontrol S4 MK3 und beinhaltet "fühlbare" Songmarkierungen, mit denen Mixtricks einfacher gelingen. Diese Funktion ist etwas schwer mit Worten zu beschreiben, hier kann ich nur dringend zu einem Test bei einem Händler raten. Aktiviert man den Grid-Modus für die Jogwheels, hört man im Kopfhörer ein Metronom ticken und kann die Beatgrids der Songs sehr einfach anpassen.

Die Jogwheels des Controller sind mit Haptic Drive ausgestattet.

Jogwheels

Wenn die Decks im Remix-Deck-Modus betrieben werden, lassen sich diese mit Samples füllen. Die Steuerungen für den Loop Recorder zum Mitschneiden von Samples aus laufenden Decks besitzt der neue S4 nicht mehr, sodass man am einfachsten auf Samples aus dem Bestand zurückgreift. Native Instruments bietet fertige Remix-Sets zum Starten kostenlos auf der Webseite an. Mit den Pads lassen sich vier dieser zusätzlichen Inhalte starten und stoppen und mit den darüber platzierten Drehreglern sind die Lautstärke und Filter für jedes Sample separat steuerbar. Wer Samples nicht nur einwerfen, sondern als Phrase mit bis zu 16 Steps wiedergeben möchte, kann diese mit dem Pattern Recorder aufnehmen und zu einem Deck synchronisiert spielen. Dank einer quantisierten Aufnahmefunktion gelingt es sehr einfach, passgenaue Pattern in Echtzeit aufzunehmen und Songs kreativ zu untermalen. Dauerhaft speichern lassen sich diese Pattern aber nicht. Wer Remix-Decks komplett mit allen Features bequem steuern und nutzen möchte, kommt um einen Zusatz-Controller wie den Traktor Kontrol F1 nicht herum, denn der S4 bietet hierzu nicht die entsprechende Ausstattung an Bedienelementen.

Eine andere Möglichkeit, das Song-Mixing kreativ zu gestalten, gelingt durch die Nutzung von Stems. Auch solche kann man zum Testen von der NI-Webseite herunterladen oder mit dem kostenlosen Stem Creator Tool selbst erstellen, wenn man eigene Songs produziert. Alternativ lassen sich diese vierspurigen Songdateien auch in Download-Shops wie Beatport oder junodownload käuflich erwerben. Im Stem-Modus können vier Spuren mit den Pads kontrolliert und individuell mit Filtern bearbeitet werden. Die Steuerung ist intuitiv und die Kombination mit Songs gelingt ohne größeren Aufwand.

Zum Aufpeppen von Mixen erlaubt der Controller zudem die Aktivierung der Rückwärtswiedergabe per Knopfdruck. Dieses erfolgt in Kombination mit dem Flux-Modus, damit ein stimmiger Einsatz dieser Funktion möglich ist und synchrone Mixe nicht auseinanderlaufen. Zudem bietet der Traktor Kontrol S4 MK3 auch einen direkten Zugriff auf die neuen Mixer FX. Mit vier Tastern im Mixerbereich erfolgt die Effektselektion, wobei hier der gleiche Effekt für alle vier Decks wählbar ist oder eine individuelle Auswahl für jedes Deck erfolgen kann. Gut gelöst ist, dass die Aktivierungsschalter der Effekte farblich mit den gewählten Effekten korrespondieren, sodass hier der Überblick gewahrt bleibt. Die Qualität der insgesamt acht neuen Effekte hatte ich bereits im Traktor Pro 3 Test für gut befunden und halte sie für eine sinnvolle Ergänzung.

Die Mixer FX sind mit einem Dualmode-Filter gekoppelt und bestehen aus:

Time Gater
Dotted Delay
Flanger
Crush
Reverb
Dual Delay
Noise
Barber Pole

Die Erweiterung eines Setups ist mit Line-Pegel-Geräten oder Plattenspielern möglich. Aktiviert man die externen Eingangssignale in den Mixerkanälen, werden diese durch die Software geschliffen und lassen sich mit den EQs und Effekten bearbeiten. Wer Traktor Pro Timecode Medien besitzt, kann diese mittels der angeschlossenen Zuspieler zur Kontrolle der Software verwenden und beispielsweise eine "echte" Vierdeck-Steuerung nutzen. Die Timecode-Steuerung lässt sich sehr schnell einrichten und funktionierte in meinem Test zuverlässig und störungsfrei. Da die automatische Synchronisation steuerungsübergreifend nutzbar ist, können Einsteiger, aber auch fortgeschrittene Anwender problemlos mit vier Decks auflegen.

Der Klang des neuen Traktor-Controllers konnte im Test ebenfalls überzeugen, wobei hier zu beachten ist, dass auch die neue Traktor Pro Software einen Anteil dazu beiträgt. Das Signal klingt aufgeräumt und hat dabei ordentlich Druck im Bassbereich. Auch der bei den Vorgängern als zu leise bemängelte Kopfhörerausgang hat eine Überarbeitung erfahren und bietet jetzt einen ausreichend hohen Ausgangspegel.

Fazit

Die Neuauflage des Traktor Kontrol S4 MK3 weiß zu gefallen, da der Controller qualitativ hochwertiger ausgeführt ist als seine beiden Vorgänger und funktional zugelegt hat. Die aufgeräumte Bedienoberfläche erlaubt einen einfachen Einstieg und die praktischen Displays unterstützen den Auflegevorgang. Als bahnbrechendes Alleinstellungsmerkmal verfügt der Controller über magnetisch angetriebene Haptic Drive Jogwheels, die den Mixvorgang und das Ausführen von Mixtricks erleichtern und das Auflegen nun spürbar gestalten. Das Gerät richtet sich an eine recht breite Nutzergruppe, denn sowohl Einsteiger als auch professionelle Anwender finden hiermit ein passendes Werkzeug vor, das ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, da auch die Vollversion der Software enthalten ist. Wer mit Traktor Pro 3 auflegen möchte, sollte sich den Traktor Kontrol S4 MK3 auf jeden Fall einmal anschauen und auch Anwendern der älteren S4-Geräte kann ich ein Upgrade empfehlen.

 

Pro

Ansprechende Haptik
Übersichtliches Layout
Motorangetriebene Haptic Drives
Displays
Direkter Zugriff auf Mixer FX

Kontra

Keine MIDI-Buchsen
Keine Effektauswahl für Effektbusse

 

Preis: 899 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Native Instruments.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit DJ-Controller , Native Instruments , Traktor Kontrol S4 MK3

Geschrieben von:
Boris Alexander

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