Up And Coming: Jennifer Touch
© Nora Heinisch

Up And Coming: Jennifer Touch

Features 28. April 2019

Jennifer Touch, ein für die 80er-Jahre typischer Name einer fiktiven Filmfigur, den ihr einst ein Freund verlieh. Heute tritt sie unter diesem Pseudonym mit Live- und DJ-Sets auf Bühnen und in Clubs auf. Neben Kollaborationen mit Keinemusiks Adam Port machte Jennifer Touch Anfang März mit ihrer auf Riotvan erschienen EP Chemistry auf sich aufmerksam. Bei allem, was sie macht, steht immer ihr Trademark-Sound im Vordergrund: New-Wave und 80er-Jahre-Synthies transportiert Jennifer Touch ins Hier und Jetzt, vermischt klassisches Songwriting mit Clubtracks und sticht mit ihren schlichten, teilweise rotzigen Soundstrukturen hervor. Für unser Up And Coming sprachen wir mit Jennifer Touch über Musik als Beruf, der Suche nach Einfachheit in den Klängen, und zukünftigen Plänen:

 

Dein Sound ist stark beeinflusst von den 80er Jahren. Was fasziniert dich so sehr an diesem Sound?

Als Kind haben mich diese Sounds musikalisch geprägt. Ich bin in den 80er Jahren aufgewachsen und all meine Sehnsüchte, Illusionen und Vorstellungen davon, was möglich ist, waren mit diesen strangen, neu aufkommenden Synth-Sounds wie mit einem Soundtrack hinterlegt. In den frühen 80ern kamen all die Synthesizer auf, mit denen die Musiker ein neues Universum erkundet haben und mit dem sie auch irgendwie naiv umgegangen sind. Das war noch nicht so durchgestylt wie heute. Das Unverbrauchte, Rohe, Spielerische und träumerisch Dunkle fasziniert mich als Musikerin.

 

© Nora Heinisch

 

Vor Kurzem hast du darüber geschrieben, dass du deinen Job aufgegeben hast, um dich nun Vollzeit der Musik zu widmen. Ein Thema, das öffentlich nur selten diskutiert wird. Wie hat sich der Schritt auf dich und deine Musik ausgewirkt? Verspürst du jetzt eine neue Form von Druck oder hat der Entschluss eine neue Inspiration freigesetzt?

Das war die bisher beste und beängstigendste Entscheidung meines Lebens. Natürlich spüre ich einen Existenzdruck, weil einfach kein geregeltes Einkommen da ist und ich nicht wissen kann, was mit meiner Musik passiert. Das ist Kunst, kein Businessplan der Welt kann so etwas greifbar oder abschätzbar machen. Aber der Druck vorher, das Gefühl, meine Zeit mit Dingen zu verschwenden, die mir eigentlich nichts bedeuten, der Drang schöpferisch zu sein und keine Zeit dafür zu haben - das war die Hölle! Ich hatte einen lukrativen Job als Motion Designerin, aus dem ich ausgestiegen bin, um mich vollends auf das zu konzentrieren, was mein Leben sinnvoll macht: Musikmachen. Das kostet mich all meine Zeit, ich kann das einfach nicht so nebenbei machen. Ich habe nächtelang geheult und diesen Drang nach der eigenen Kunst verflucht, weil dadurch vieles so kompliziert erscheint. Wobei es eigentlich ganz simpel ist: Ich will einfach nur Musik machen. Ich werde vielleicht eine Weile wenig Geld haben, aber darauf kommt es am Ende nicht an. Geld ist wichtig, beruhigenderweise aber auch eben nur ein Zahlungsmittel. Wenn ich noch nicht genug durch Gigs verdiene, unterstützt mich meine Familie. Ohne die würde ich das gerade nicht so machen können.

 

In einem Interview vor zwei Jahren wurde dein Workflow thematisiert. Du sprachst von der Abneigung gegen das Überproduzieren und über die Kanten und Ecken in deinem Sound. Haben sich deine Ansichten und deine Art zu produzieren dahingehend in den letzten zwei Jahren geändert oder haben sich bestimmte Aspekte sogar verstärkt?

Momentan arbeite ich gerade an einem Album und somit auch stark am Songwriting und Sound. Das heißt, ich versuche herauszufinden, was genau meine Musik ausmacht und was sie stärker machen kann. Ich habe entdeckt, dass ich an einer smarten Einfachheit, einer Schlichtheit feilen will, zu der auch ein klarer, aber nicht billig gemachter Sound gehört. Ecken und Kanten finde ich nach wie vor gut, das heißt, nicht überall muss ein Compressor drauf und nicht jede Frequenz muss aalglatt ins Ohr kriechen. Aber ich möchte nun mehr an einem modernen, offenen Sound arbeiten, der trotzdem nicht modisch ist. Dennoch: Ein bisschen Dreck schadet nicht!

 

Vergleicht man deine Debüt EP mit der zuletzt veröffentlichten Seven EP, ist der neue Sound deutlich industrieller und weniger gradlinig. Ist das eine allgemeine Entwicklung in deiner Musik oder betrachtest du jede Veröffentlichung als eine andere Facette von dir?

Da habe ich keine Ahnung, alles ist möglich. Das Album, an dem ich arbeite, wird auch wieder anders klingen, eigen, wobei immer ich als Künstlerin der rote Faden bin und ich natürlich meine grundlegenden Affinitäten einfließen lasse. Das alles kann man eh nicht beschreiben. Wenn ich wüsste, warum ich was wie mache, würde ich es sein lassen.

 

© Nora Heinisch

 

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus, gibt es weitere Veröffentlichungen, an denen du arbeitest oder eine Veränderungen deiner Live-Auftritte?

Im nächsten Jahr soll ein Album kommen und daraufhin viele Live-Gigs und DJ-Shows, je nachdem wie sich alles entwickelt. Ich will unbedingt eine Tour machen zum Album.

 

Zu guter Letzt: Wie sieht für dich ein perfektes DJ-Set oder der perfekte Live-Auftritt aus?

Backstage gibt’s gutes Essen, ich habe live oder als DJ keine Scheisse gebaut, alle freuen sich und vielleicht heult auch jemand vor Rührung.

 

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