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Up and Coming – Malugi: "Mit neun Jahren habe ich gesagt: Ich will DJ werden."

Up and Coming – Malugi: "Mit neun Jahren habe ich gesagt: Ich will DJ werden."

Features. 4. Dezember 2022 | 4,9 / 5,0

Zwischen Popmelodien, Breakbeat, rosa Sonnenbrille und DJ-Pult setzt ein Kölner in Berlin neue Akzente: Malugi. Die gleichnamige „Malugi Energy“ bahnt sich bei seinen DJ-Sets regelmäßig den Weg von der Peaktime im Club in die Instafeeds all jener, die ausgelassenes Feiern lieben. Malugi ist als DJ gefragt, aber vielmehr als Producer bekannt: Songs wie ‚Sorry I can’t‘, ‚The Homies‘ oder ‚Zizou‘ (gemeinsam mit Nature PCP) dürfen auf keiner Pre- oder Afterhour fehlen. Sein musikalischer Ausdruck, ob als DJ oder Producer, lässt sich vor allem als high res und high spirit beschreiben – und bleibt dabei angenehm unironisch. Unsere Autorin traf Matteo Brossette aka Malugi zum digitalen Tête-à-Tête und hat ihn zu seiner Veranstaltungsreihe „Club Heart Broken“, seinen Idolen aus der Szene und seiner ungebrochenen Liebe zu Pop befragt.

DJ LAB: Du hast deine musikalischen Anfänge in Köln gemacht. Kannst du dazu mehr erzählen, also wie die Szene dich dort aufgenommen hat, mit welchen Strukturen du zu tun hattest?

Malugi: Das Besondere am Beginn meines DJ-Daseins ist, dass ich sehr jung war, als ich angefangen habe aufzulegen. Ich war 16 oder 17 Jahre alt und musste zu meinen Auftritten durch die Hintertür an der Security vorbeigeschleust werden, um überhaupt in die Clubs zu kommen. Ich hatte über gemeinsame Freund:innen schon früh einige Partypromoter kennengelernt und damit ging es relativ zügig, dass ich in die Szene reingewachsen bin. Das war schon eine aufregende und krasse Zeit, weil das Ausgehen an sich noch so neu war – und dann durfte ich die Nächte auch gleich als DJ kennenlernen.

Ich habe etwas von „Über-Nacht-Erfolg“ gelesen, warst du wirklich so schnell bekannt in Köln?

Malugi: Ja, das hat sich quasi über Nacht herumgesprochen, dass es einen neuen, noch super jungen DJ gibt. Ich wurde dann in kurzer Zeit ziemlich häufig in der Kölner Gegend gebucht.

Was waren das für Locations?

Malugi: Meine erste Residency hatte ich im Subway, da habe ich auch am häufigsten gespielt. Mit 18 oder 19 habe ich aber auch im Gewölbe gespielt. Damals durfte man im Club noch fotografieren – ein Bild aus dieser Zeit wird mir immer mal wieder als Erinnerung in meiner Foto-App angezeigt.

Wie bist du so früh darauf gekommen, DJ zu werden? Die meisten haben mit 16 oder 17 – wenn überhaupt – gerade erst das Feiern per se für sich entdeckt. Wie war dein Umfeld und woher hattest du dein Equipment für so einen frühen Start?

Malugi: Ich hatte die kindliche Idee, dass ich DJ-sein cool finde. Meine Eltern sind öfter nach Ibiza in Urlaub gefahren, weil meine Mutter verrückt nach der Insel war – das kam noch aus ihrer Jugend. Wir waren bei einem dieser Urlaube zusammen im Schwimmbad und die Musik aus dem Space Club wummerte zu uns rüber. Ich fand die Musik total krass – und schon mit neun Jahren habe ich zu meinen Eltern gesagt: Ich will DJ werden. Meine Eltern haben mich dann früh gefördert, wofür ich mega dankbar bin. Im Freundeskreis meiner Eltern war ein Trance DJ, Jaspa Jones, der zu dieser Zeit erfolgreich getourt ist, und auf seinem Equipment durfte ich anfangs üben. Dann habe ich ein paar Sommer durchgearbeitet und mir meine ersten eigenen Plattenspieler gekauft. Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine halbe Jugend im Plattenladen verbracht.

Klingt nach einer guten, erfüllten Zeit in Köln. Mittlerweile lebst du in Berlin. Warum hast du Köln verlassen?

Malugi: Als ich dann mit der Schule fertig war, wollte ich studieren. Das habe ich relativ uninspiriert ein Jahr lang gemacht, bevor ich dann doch einsehen musste, dass ich das Studieren mit Musik kombinieren will. Ich bin dann zum Audiodesign-Studium nach Berlin gezogen, das war 2014. Und seitdem war ich die meiste Zeit hier.

Konntest du in Berlin an deine Köln-Erfolge anknüpfen?

Malugi: Erfolge, na ja – was ich in dieser Zeit des Ankommens aber extrem toll fand, war, dass ich meine besten Freund:innen schon hier in Berlin in der Szene hatte, unter anderem meine beiden Mitbewohner. Einer davon war Marlon Hoffstadt, mit dem ich bis heute eng befreundet bin und gerne zusammenarbeite – ich wurde also von Anfang an extrem herzlich in Berlin empfangen und war für Projekte und kreativen Austausch gleich in den besten Händen.

Foto: Tessa Bozek

Wie kam es zur Residency im ://about blank? Ich hätte deinen Sound nicht unbedingt dort vermutet, aber finde es genau deshalb spannend.

Malugi: Eines dieser Projekte mit meinen Freunden Marlon Hoffstadt und Natureboy Gold war eine Donnerstags-Veranstaltung im Blank. Der Sound war damals auch noch ein anderer bei uns. Retrospektiv hatten wir aber echt ein sehr gutes Programm gebucht: Helena Hauff oder Interplanetary Criminal waren zum Beispiel bei uns zu Gast. Dieses Projekt lief ein paar Jahre und in dieser Zeit waren wir im Blank zu Hause. Mittlerweile spiele ich noch so zweimal im Jahr dort und fühle mich immer noch ziemlich wohl. Der Ort und der Club sind für mich mit vielen schönen Erinnerungen verbunden.

Du organisierst mittlerweile eine andere Veranstaltungsreihe: Club Heart Broken. Gerade seid ihr ins Watergate als eure Homebase gezogen. Was ist der Ansatz bei diesen Veranstaltungen?

Malugi: Als ich mit Club Heart Broken anfing, hatte ich eine schwere Zeit in Berlin – es war fast ausschließlich darker Techno in der Stadt und ich hatte Schwierigkeiten, mit der Szene zu connecten. Das war 2017, zu dieser Zeit war es cool – so habe ich es empfunden – sehr kühlen, introvertierten Techno zu spielen. Es war auch sehr informierter Techno, Modularsysteme und ähnlich analoges Equipment waren mega beliebt. Ich hatte zwar auch eine gewisse Begeisterung dafür, aber das war nie wirklich ich. Vom Herzen her komme ich vom Pop – und da schlägt es mich immer wieder hin zurück, wie ich später gemerkt habe. Privat habe ich dann angefangen, andere Genres zu entdecken – aber ich war irgendwie alleine auf der Suche nach diesem neuen Sound, der so Richtung UK Bass und Garage ging. Ich wollte solchen Sound auch auflegen, aber ich kannte niemanden für diese Art von Musik. Dann habe ich gedacht, bevor ich versauere, starte ich mein erstes eigenes Projekt: Club Heart Broken. Die Reihe sollte eine Plattform für diesen, für mich damals noch neuen, Sound sein. Um diese Neigung, dieses Projekt, diesen Nischen-Sound hat sich dann ein ganzes Netzwerk entwickelt. Ich konnte europaweit Leute einladen, die einen ähnlichen Sound spielten – daraus haben sich Freundschaften, Kontakte und das Residenz-Team ergeben. Galleur hat beispielsweise schon auf der allerersten Club Heart Broken vor fünf Jahren gespielt und ist seitdem Teil des Teams. Die DJs, die bei Club Heart Broken fest dabei sind, sind seit zehn Jahren Freund:innen von mir, die sich quasi früher oder später alle zusammengefunden haben, um diese Plattform mit elektronischer Musik zu füllen.

Bei Spotify ist über dich zu lesen: „New York finally helped him overcome his internalized pop-phobia“ — wie genau hat New York dir dabei geholfen?

Malugi: Das, was ich dir gerade erzählt habe, also diese Zeit, in der ich unzufrieden mit meinem Sound und meiner eigenen Arbeit war, das war unmittelbar bevor ich nach New York zum Auslandsstudium gegangen bin. New York wurde wirklich zum Dreh- und Angelpunkt, was diese Entwicklung angeht. Denn ich war dort komplett alleine. Ich war in einem neuen Umfeld, das wenig mit Techno zu tun hatte und mich gerade deshalb wahnsinnig inspiriert hat. In New York habe ich dann gemerkt, dass der Pop in mir doch lauter ist, als ich vielleicht dachte – und er wurde dort zu meiner Normalität.

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Hast du künstlerische Vorbilder oder Idole, die dich beeinflusst haben oder weiterhin inspirieren?

Malugi: In jeder Etappe gibt es Leute, die mich massiv beeinflussen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir DJ Koze. Seine Arbeit fand ich damals so abgefahren, so stilsicher und geschmackvoll. Seine Denkweise hat mich sehr inspiriert – genau wie die Denkweise meines Dekans in meinem Masterstudium, Hans Nieswandt. Woran ich mich auch konkret erinnere, was mich sehr begeistert hat, war, als ich Patrick Mason im Sommer 2021 im RSO gesehen habe. Schneller, energetischer Techno und zwischendrin Pop-Edits – das hat auf jeden Fall viel mit mir gemacht.

Du bist seit diesem Jahr Berufsmusiker, oder? Wo produzierst du, wenn du für dich oder für Aufträge produzierst: Zu Hause oder im Studio?

Malugi: Richtig, gerade mache ich nur Musik. Sonst kann ich nichts (lacht). Vorher habe ich im Impfzentrum gearbeitet und auch mal beim Radio gejobbt, aber seit Kurzem kann ich mich komplett auf die Musik konzentrieren. Und seit zwei Jahren habe ich ein Studio in Berlin. Ich bin nicht der Typ, der mit Kopfhörern am Küchentisch kreativ ist. Deshalb ist dieser Ort für mich so wichtig, das hat mich auch wirklich liberalisiert – mich entscheiden zu müssen, ins Studio zu fahren und dort den ganzen Tag zu verbringen. Das hat mich professionell auf jeden Fall weitergebracht.

Wie viel Zeit verbringst du im Durchschnitt im Studio vor deinen Geräten?

Malugi: Es gibt natürlich einen massiven Unterschied zu Corona-Zeiten, in denen ich fast nichts anderes zu tun hatte, außer zu produzieren. Damals habe ich quasi im Studio gelebt. Seitdem ich auch wieder mehr unterwegs bin und auftrete, ist es zwangsläufig weniger geworden. Aber zwei bis drei Tage pro Woche bin ich definitiv im Studio, denn das ist auch weiterhin der Schwerpunkt meiner Arbeit.

Die Liste deiner Auftritte ist trotzdem lang, du bist als DJ viel unterwegs und wirst auch international immer gefragter. Gibt es einen Ort, an dem du gerne auftreten wollen würdest, der noch auf deiner Bucket List steht? Und warum?

Malugi: Es gibt einen Traum, der sich bald erfüllt. Meine Großeltern haben, als ich noch klein war, einige Jahre in Madrid gewohnt. Deshalb hat meine Familie eine spezielle Verbindung zu dieser Stadt. Leider hat es bisher nie geklappt, dort zu spielen. Jetzt kam endlich die erste Bookinganfrage für Madrid. Das ist schon sehr besonders für mich, da ich die Stadt lange auf meiner Liste hatte – im Dezember ist es dann soweit.

Apropos nahe oder auch fernere Zukunft: Wo werden wir dich bald sehen und was werden wir noch von dir hören?

Malugi: Ich habe seit geraumer Zeit eine EP fertig. Diese EP ist meiner Meinung nach meine bisher beste Arbeit, ein paar DJs spielen die Tracks auch schon seit einem Jahr (lacht). Damit bin ich jetzt in den finalen Zügen und freue mich schon total, die Songs endlich zu veröffentlichen. Dieses Jahr habe ich noch mein Amsterdam-Debüt und ich darf mit einigen Freund:innen neue Städte mit Club Heart Broken bereisen. Das ist das Schönste für mich, mit Freund:innen auf Tour zu sein. Dazu passt, dass noch etwas, das lange überfällig ist, endlich erscheint: eine gemeinsame EP von Marlon Hoffstadt und mir. Wir kennen uns schon ewig, aber haben es nie geschafft, gemeinsam ins Studio zu gehen. Das haben wir nachgeholt und releasen jetzt zwei Tracks, die wir gerade in den Clubs testen, wenn wir zusammen Gigs spielen.

Malugi hat für uns noch einen exklusiven Mix aufgenommen. Für eine Stunde voller Energy, bitte hier entlang: 

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Veröffentlicht in Features und getaggt mit Club Heart Broken , Malugi , Marlon Hoffstadt , Subway Köln , Up And Coming

Geschrieben von:
Nastassja von der Weiden

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