User Bericht – AKAI EIE PRO

User Bericht – AKAI EIE PRO

Archiv 13. Februar 2012

Zwei neue, optisch außergewöhnliche Interfaces von AKAI sind seit kurzem im Handel zu haben. Wir haben eins davon angetestet.

Wobei WIR in diesem Fall Rainer meint, der als Schlagzeuger das AKAI EIE PRO im Verbund mit seinen E-Drums ausprobierte. Vorab aber eine kurze Einführung, worum es geht.

Die neuen ELECTROMUSIC INTERFACE EXPANDER (EIE) Interfaces von AKAI fallen durch eine stylische Retro-Optik auf. Irgendwie erinnert das an den Arbeitsplatz des Funkers auf einem U-Boot in Weltkriegszeiten. Ein Eindruck  zu dem  neben den zahlreichen Kippschaltern vor allem die beiden klassischen VU-Levelmeter beitragen. Es handelt sich allerdings nicht um Funkgeräte, sondern um kompakte Table-Top Soundkarten mit Features wie integrierten 3-fach USB-Hub, MIDI I/O, vier (zwischen Mikrofon, Line und Instrument wählbaren) XLR-Combos als Eingang (mit zuschaltbarer Phantomspeisung) und diversen Monoklinke-Ausgängen bzw. -Inserts.  Es gibt zwei Modelle, eins in roter Farbgebung und eins in silberner. Ersteres nennt sich nur EIE, arbeitet mit USB 1.1, einer Audioauflösung von 16bit und einer Samplerate von 44,1 kHz. Es verfügt über vier Inputs und vier Outputs. Dessen Preis liegt aktuell bei 169 Euro. Das andere, mit dem Zusatz PRO benannt, bringt USB 2.0, eine 24bit Auflösung und eine Samplerate von bis zu 96 kHz mit. Hier gibt es vier Inputs und vier Outputs und dafür sind 249 Euro zu berappen. Beide Interfaces laufen unter Windows und Mac OSX. Mit den Dimensionen von etwa zwei Tetrapacks (200 * 100 * 140mm) ist das Gerät weniger für den ständigen Ritt über staubige Straßen, als für den aufgeräumten Homestudioarbeitsplatz gemacht.

Nun zurück zu Rainer, der sich der EIE PRO annahm und diese (obwohl nicht ganz fair) seiner MOTU gegenüberstellte .  Sein Bericht liest sich wie folgt:

Die neue Karte von AKAI ist sehr solide gebaut: stabiles Metallgehäuse, an den Buchsen wackelt nichts und die Regler fassen sich auch gut an. Kleiner Kritikpunkt: die Kippschalter (Umschaltung des Eingangs, Aktivierung der Phantomspeisung, VU-Meter- und Headphone Select) gehen meiner Meinung nach etwas schwer, allerdings werden diese auch nicht so oft genutzt. Das notwendige Netzteil und ein USB-Kabel liegen bei, die Installation lief bei meinem Mac problemlos, wenn auch nicht wirklich als das angepriesene „plug &play“, da ein Treiber installiert werden musste. In diversen Foren liest man auch von dem ein oder anderen Problemchen bei der Installation unter Windows.

Getestet habe ich also mit einem Macbook Pro, OSX 10.6.8 und ABLETON LIVE. Als niedrigst mögliche Latenz konnte ich (in LIVE) bei 64 Samples Puffer ca. 10 ms erreichen, wobei alle Ein- und Ausgänge aktiviert waren. ABLETON LIVEs CPU/Buffer Test hat anschließend, bei simulierter 80% CPU Auslastung, keine Störgeräusche von sich gegeben. Interessant fand ich , dass die Puffergröße nicht geringer einzustellen war, mit meinen anderen Soundkarten (MOTU 828 mk2 und Emagic a 6/2m) komme ich bis auf 14 Samples bzw. ca. 4 ms runter. Faktisch waren die erreichten 10 ms allerdings ausreichend um MIDI-Drums zu spielen, wo es wirklich auf gutes Timing ankommt. Der eingebaute USB-Hub machte mir keinerlei Schwierigkeiten und ebenso funktionierte die MIDI-Schnittstelle tadellos.

Klanglich musste die EIE PRO im, zugegebenermaßen nicht ganz fairen, Wettbewerb (eigentlich hatte Flo mir den Vergleich verboten) gegen die MOTU 828 mk2 antreten, welche fast das Dreifache kostet. Entsprechend wenig überraschend klang die EIE deutlich dünner als die MOTU-Karte, was aber nur im direkten Vergleich auffiel. Beim erstmaligen Anschließen, als die MOTU noch im fernen Proberaum lag, fand ich den Klang der EIE durchaus in Ordnung. Mithalten kann die EIE auf jeden Fall beim Kopfhörersound. Bei den Preamps muss man hingegen – noch immer im Vergleich zur MOTU –  gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Die gemachten Aufnahmen (meines Schlagzeugs) klangen ein klein wenig „labberiger“ als bei der MOTU. Außerdem kommt bei der EIE ein deutlich unangenehmeres, weil höherfrequentes Rauschen hinzu, welches bei der MOTU,  „angenehm“ dumpf ist. Feststellen konnte ich das, als ich die Preamps zur Hälfte aufgedreht und in drei Meter Entfernung testweise leise gesprochen hab. Nachdem ich die aufgezeichneten Signale um 50 bis 60 db geboostet hatte, wurde das Rauschen deutlich. Merke: Für fein gehauchte Gesangsaufnahmen ist die EIE also nicht unbedingt geeignet, das ist die MOTU allerdings auch nicht und allein ein „gutes Mikro“ darf in dem Fall ja auch gerne mal das zehnfache des Anschaffungspreises einer EIE kosten. Zurück zum Thema, dem Schlagzeug im Mix. Da war der generelle Eindruck auf jeden Fall zufriedenstellend und – anders als beim „Gesangstest“ –  rauschfrei.  Für ein paar „schmutzige“ Loops oder auch sehr gute Probeaufnahmen ist die EIE in jedem Fall gut brauchbar. Unter einem Aspekt in Sachen Preamps ist die Karte von AKAI der von MOTU allerdings weit voraus, sie hat derer vier, die MOTU nur zwei.

Die lustigen Level – Anzeigen, die die EIE besonders machen, sind genau das: lustige Level – Anzeigen. Beim ersten testen hat mir gut gefallen, dass die Anzeigen ROT leuchten, wenn der Pegel über 0 db geht. Als dies das erste Mal passierte, habe ich mich direkt erschrocken. Ein optisches Warnsignal, welches ankommt.  Nicht so gut gefallen hat mir, dass die Zeiger der VU-Meter sich erst bei -20 db überhaupt anfangen zu bewegen. Bei einem zweiten Test musste ich dann feststellen, dass das rote Leuchten manchmal sogar bei -0,8 db auftritt, außerdem ging der Zeiger durchaus mal bis +3 db, obwohl der Limiter von ABLETON LIVE auf -0,2 db eingestellt war. Verwirrend.

Fazit: Alles in allem bekommt man mit der EIE PRO eine gute, kompakte und trotzdem flexible Soundkarte für einen fairen Preis. Mit vier Ausgängen, vier Mikrofoneingängen jeweils mit Inserts, 3-Fach USB-Hub und nicht zuletzt Midi I/O sollte sie für Wohnzimmerstudios auf jeden Fall in der engeren Wahl stehen. Obwohl das bei einem Audio-Interface nebensächlich sein sollte, gibt sie für die Stylefetischisten unter uns, ein optisch schönes Bild auf dem aufgeräumten Schreibtisch eines (Bedroom) Producers.

Nachtrag;  Soundvergleich mit ALESIS i/o26

Im Folgendem habe ich die Preamps der EIE PRO noch einem vergleichenden Test unterzogen, und zwar mit denen der IO/26 von Alesis. Hier kam für meine Ohren Interessantes zu Tage. Ähnlich wie im Vergleich mit der Motu 828mkII (siehe oben) haben die Vorverstärker der Akai Karte ein deutlich lauteres Rauschen produziert, als die Vorverstärker von Alesis. Das ist erst einmal nicht so schön. Dafür haben Akais Preamps deutlich mehr BUMS, d.h. man muss den Gain-Regler lange nicht so weit aufdrehen, um einen vernünftigen Pegel zu erhalten. Wirklich laut wird das Rauschen zwar erst wenn man ordentlich aufdreht, trotzdem hat die EIE PRO aber ein deutlich hörbares Grundrauschen. Für sehr leise Aufnahmen klassischer Instrumente oder von gehauchten Vocal-Passagen ist sie also wirklich nicht gut geeignet, jedoch qualifizert sie sich durchaus für mittlere bis laute Instrumentenaufnahmen, bei denen das Rauschen eh überdeckt wird. Hier macht sie auch bei niedrigen Gain-Einstellungen ordentlich Druck.

Hörbeispiele:

EIE PRO mit 50% Gain
Alesis IO|26 mit 50% Gain
EIE PRO mit 75% Gain
Alesis IO|26 mit 75% Gain

Genau andersherum verhielt es sich mit den Kopfhörerausgängen. Hier hatte die Karte von Alesis die Nase in punkto Druck vorn, rauschte aber auch etwas mehr. Es ist wohl so, dass man sich im Heimstudiobereich auf einen Kompromiss zwischen Lautstäreke und Rauschen einlassen muss. Einen dicken Pluspunkt kann die EIE PRO bei den Drehreglern (Gain, Volume) einfahren. Diese sind bei Akai viel griffiger als bei Alesis und haben auch einen angenehmeren Regelwiderstand. Im preisklassenfairen Vergleich kommt die EIE PRO also sehr gut weg und sollte in der 200 – 300 EUR Liga nicht nur optisch in der engeren Wahl liegen.

Preisupdate: EIE für 154 Euro / EIE PRO für 168 Euro (beim Musikhaus Thomann)

EIE PRO bei AKAI
 EIE bei AKAI

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