VESTAX TR1 – Test

VESTAX TR1 – Test

Archiv 20. Oktober 2009

Vestax TR1 Lang angekündigt, lang erwartet und kurz vorm angekündigtem Verkaufsstart bei uns im Test: der TR1, ein Hardware-Controller, optimiert für bis zu vier Decks in der (Traktor)-Software.   

 

 

The Controller formerly known as VCM-400 and now known as TR-1 or as Kaito...
Vestax Controller genießen einen guten, etablierten Ruf bei einer stetig steigenden Anhängerschaft. Und das absolut zurecht, denn eine vergleichbar gute Verarbeitung muß man gerade im DJ-Segment mitunter lange suchen. Mit dem neuesten Sprößling TR-1 knüpfen die Japaner nahtlos beim VCI-100 an, welcher inzwischen wohl eine der am verbreitetsten Steuerzentralen sein dürfte und vor allem durch  Ean Golden mehr und mehr an Popularität gewinnt. Man darf gespannt sein (bzw. kann eigentlich ziemlich fest davon ausgehen), wann sich erste TR-1 Mods und Pimps bei  djtechtools.com finden lassen... Doch soweit sind wir noch nicht. Widmen wir uns zunächst dem Original:

K wie Konstrukt
Vestax TR1
Full Metal Jacket trifft es genau, und zwar mitten ins Schwarze, respektive ins Silberne. Das gesamte Gehäuse ist rundherum metallisch, wirkt super solide und erscheint wie gemacht für die harte Club-Allnacht oder dem noch härten Afterhour-Alltag. Die knapp zweieinhalb Kilo verteilen sich auf 359 x 200 mm Grundfläche mit 55 mm Höhendifferenz. Dadurch paßt der Controller auch problemlos auf einen Technics-Deckel, falls sich mal kein anderer Platz finden sollte.
Sämtliche Knobs sind durch ihre geriffelten Kappen schön griffig, haben eine angenehme Höhe und kommen sich auch gegenseitig nicht zu nahe. Die Buttons reagieren schnell und präzise, geben durch ihren prägnanten Druckpunkt physisches Feedback und sind fast alle steuerbar illuminiert. Weiterhin finden sich je zwei straffe Line- bzw. Pitchfader (diese sind übrigens hochauflösend), die einem schon beim ersten zaghaften Anschubsen sofort ein wohliges Kribbeln in die Finger zaubern. Da wackelt wirklich rein gar nichts, wo es nicht hinwackeln soll. Und um jetzt schon mal ein kleines Highlight vorweg zu nehmen: per Drehschalter läßt sich das Regelverhalten der Linefader stufenlos von zart bis hart individuell justieren. Bleiben noch der xyz-Joystick und die Kippschalter für den Deckswitch zu erwähnen, an deren Verarbeitung es ebenfalls nix zu meckern gibt. Ein USB-Anschluß stellt die einzige Verbindung nach außen dar, über die dann auch gleichzeitig die nötige Energie zugeführt wird. Alternativ läßt sich jedoch auch ein 9V DC-Netzteil andocken und über einen Schieber zwischen USB, Netzteil oder AUS umschalten. Da es sich hier um einen reinen Controller handelt, sind keinerlei Audio-kompatible Schnittstellen vorhanden.

A wie Assignment
Für die Plug&Player steht eine 4-Deck-TSI für Traktor Pro zur Verfügung, die nach dem Import auch sofort fehlerfrei ihren Dienst verrichtet. Da der TR1 mit besonderem Augenmerk darauf entwickelt wurde, ist das Mapping analog zur Beschriftung der Bedienelemente selbsterklärend und intuitiv, alle essentiellen Funktionen stehen zur Verfügung und man findet sich schnell zurecht. Das Umschalten der Decks klappt prima und über die LEDs erhält man ausreichend Feedback. Wer also Lust auf eine schnelle Nummer hat, ist mit dem TR-1 und der zugehörigen TSI auf jeden Fall gut bedient.
Ein wenig tricky gestaltet sich jedoch ein eigenes Mapping, da man hierbei erst einmal einen kurzen Blick hinter die Kulissen wagen muss. Im Manual findet sich ein erster Hinweis, welche Elemente von Shift und Deck-Switch beeinflusst werden. Ich würde mir aber noch eine Tabelle aller gesendeten MIDI-Commands wünschen, und zusätzlich noch eine Übersicht aller internen Funktionen und deren Abhängigkeiten, wie z.B. die Shift-Buttons oder etwa den kleinen FX- oder Move Control-Buttons. So blieb mir nur der Umweg über ein MIDI-Monitoringtool, um zu verstehen, was alles intern passiert beim Umschalten oder Shiften. Evtl. kann Vestax hier bis zum deutschen Verkaufsstart noch nachlegen, wünschenswert wäre es jedenfalls.
Wer keine näheren Infos zu den spezifischen MIDI-Commands wünscht, möge bitte den nächsten Absatz überspringen. Für alle Interessierten erfolgt währenddessen ein kleiner Exkurs in die wunderbare Welt der Amelie oder auch der TR-1 MIDI-Belegung.

I wie Interludium oder Individuelle Belegung
Der Controller ist in vier bzw. fünf Bereiche aufgeteilt:
- Der FX-Bereich jeweils links und rechts oben besitzt keinerlei Abhängigkeit von Shift und/oder Deck-Select und die Elemente senden immer die gleichen Befehle. Auch ein Betätigen von Advanced/Chained hat hier keinen Einfluss auf die CCs bzw. Noten oder den Kanal.
- Der Master-Bereich bietet 3 Knobs für Master- & Monitor-Level, sowie Monitor-Mix und ist ebenfalls an keine Umschalter gebunden.
- Die Move Control-Sektion ist abhängig vom gewählten Kanal. Die CH < > Buttons senden stets das gleiche Signal, alle anderen jedoch wechseln den MIDI-Kanal je nach gewähltem Deck.
- Die Mixer-Sektion wird zu 100% durch die beiden Deck-Select Schalter geroutet. Noten und CCs sind immer gleich, werden aber je nach Deckwahl auf Kanal 1 oder für Deck A/C und auf Kanal 2 oder 4 für Deck B/D gesendet. Dies betrifft auch die x-Achse vom Joystick, also Deck-Load. Track Select Up/Down (y-Achse) sowie Preview-Player (Druck auf Joystick; z-Achse) senden global stets die gleichen Befehle. Die Mixer-Sektion gehört laut Manual zwar zu den beiden Deck-Sektionen, ist aber nicht mittels Shift-Button umschaltbar. Daher habe ich sie separat aufgeführt.
- Bei den beiden Deck-Sektionen (ohne dem Mixer-Teil) gibt es neben dem Deck-Select, der Einfluss auf alle Regler hat, auch noch die Möglichkeit, per Shift eine Zweitfunktion zu belegen. Dies trifft bis auf den Pitchfader und dem Key-Regler auf sämtliche Elemente zu. Für ein eigenes Mapping sind diese Abhängigkeiten auf jeden Fall im Auge zu behalten, da es hier unter Umständen zu notwendigen Mehrfachbelegungen von gewünschten Globalfunktionen kommen kann. Die ansteuerbaren LEDs verhalten sich analog zu den Buttons, d.h. sie wechseln ebenso den Kanal oder die Note. Wichtig wäre noch zu sagen, daß die beiden Pitchfader und die zwei Key-Knobs jeweils das Command "Pitch Bend" senden, was sich in Traktor nicht so ohne Weiteres mappen läßt und z.B. die Zweckentfremdung der Fader als Linefader für Deck C und D einem Finetuning bedarf.

T wie Tournament
Im Außendienst schlägt sich der TR-1 solide und zuverlässig. Die kompakte und robuste Bauweise ermöglichen einen zuverlässigen und angstfreien Einsatz. Hier merkt man auch schnell den Vorteil der sehr guten Verarbeitung, die einem zu jedem Zeitpunkt immer wieder das Gefühl gibt, Herr der Töne zu sein. Die dunkle Beschriftung auf dem silbernen Gehäuse bietet auch in der dunkelsten Underground-Kaschemme ausreichend Kontrast, sollte man einmal nicht mehr auswendig wissen, wo man denn nun überhaupt drücken muss. Sehr angenehm ist auch die einstellbare Helligkeit der LEDs. Das passable Gewicht bietet genug Auflagedruck auf die 4 Gummifüße, wodurch auch ein etwas härterer Linefader-Betrieb nicht gleich die ganze Kiste ungewollt vom Platz befördert. Und durch die wirklich sehr kompakte Größe, vor allem bezogen auf die Funktionsvielfalt, findet man für den TR-1 wirklich so gut wie überall ein angemessenes Plätzchen, und sei es wie bereits erwähnt auf dem Deckel eines 1210, wo der Controller nahezu passgenau aufsetzen kann. Die Größe ist auch im Hinblick auf die Mobilität ein großer Vorteil, denn in jedem erhältlichen Case, Bag oder Trolley, in dem man Vinyls oder einen 15"-Laptop unterbringt, findet auch der TR-1 ein Zuhause für Unterwegs.

O wie Obligatorisches Fazit
Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, den TR-1 zu testen. Es war der erste Kompakt-Controller dieser Art für mich und somit auch das erste Mal, daß ich Traktor im internen Modus genutz hab. Und für's erste Mal war es wirklich gut, die Umgewöhnung vom externen Pult hin zum All-In-One-Gerät stellte kein Problem dar. Vestax hat hier ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt auf die Welt gebracht, was man bei jeder Benutzung immer wieder auf's Neue merkt und einem dann sogleich ein konstantes Lächeln zwischen die Backen zaubert. Die "fehlenden" Joggs vermißt man zu keiner Zeit, hat man alternativ ja die Move Control bzw. ausreichend andere Regler zur individuellen Belegung. Wünschenswert ist aber eine detailliertere Auflistung und Info der MIDI-Commands im Manual, was bei der eigenen Belegung sehr hilfreich wäre. Hierfür wäre dann auch ein MIDI-Editor noch das Sahnehäubchen, um z.B. die Pitchfader in "normale" Fader umstellen oder um bestimmte Regler von Deck-Select bzw. Shift befreien zu können, oder aber auch globale Funktionen mit Shift zu versehen. Bestes Beispiel hierfür wären die beiden FX-Sektionen! Da Traktor (und gerade dafür ist der Controller designed und wohl am besten geeignet) seit 1.2 mit 4 FX-Units bestückt ist, stößt man dabei mit dem TR-1 an seine physikalischen Grenzen. Eine nachträgliche Shift-Option wäre hier eine schnelle und akzeptable Lösung.
Da bis zur Markteinführung aber noch ein paar Tage ins Land gehen, darf man gespannt sein, ob Vestax nicht doch noch die ein oder andere Überraschung aus dem Ärmel schüttelt und den von mir gewünschten Editor oder ein detailliertes MIDI-Assignment nachliefert.
Test & Text: Floh

Erhältlich - laut Vertrieb - ab KW45, also November
Preis 499 Euro inkl. Traktor LE Software,
für vier Decks braucht man also (einen Upgrade auf) Traktor Pro
 Im Salection Store vorbestellen / kaufen

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