Workshop: Techno produzieren mit 2pole – Teil V: Mastering

Workshop: Techno produzieren mit 2pole – Teil V: Mastering

Workshops 18. August 2019
2pole. Diesen Namen dürften Techno-Fans zuletzt immer häufiger gelesen haben, denn die beiden Musiker sorgen derzeit für mächtig Betrieb auf den Tanzflächen. Von Adam Beyer über Tale of Us bis zu Ida Engberg spielten sämtliche Größen der Szene ihre Tracks in den kleinen Clubs und auf den großen Floors der Festivals. Wir konnten Mitglied Marcus für eine Workshop-Serie gewinnen, in der er die Herangehensweise beim Produzieren vom Signature-Techno von 2pole nachvollziehbar erklärt: 

Der letzte Teil unseres Workshops, der euch den Einstieg in die Welt der Produktion eines Techno Tracks erleichtern soll, befasst sich mit dem Finalisieren eines Tracks - dem Mastering-Prozess. Wie auch in den ersten Teilen beschreibe ich meine eigene Herangehensweise, die wie immer in der Kunst sehr subjektiv ist. Man kann natürlich auf unendlich vielen Wegen zu einem ähnlichen Ziel kommen. Hier ist vor allem Erfahrung und das Kennen des eigenen Raums sehr wichtig. Wie gehe ich mit Sounds um, welche Frequenzen sind fehl am Platz, was muss ich wo komprimieren oder eben nicht verdichten, und klingt der fertige Track nun auch auf jeder Anlage gut? Was gilt es bei der Wiedergabe auf iPhone Kopfhörern oder Laptop-Speakern zu beachten? ... und das sind nur die groben Eckpunkte. Mastering geht viel weiter in die Tiefe des Audiomaterials. Also, tauchen wir ein.

2pole Studio.
Das ist ein Teil meines Studioraums, in dem alle Tracks entstehen, gemischt und oftmals gemastert werden.
2pole Studio.
Der Studiotisch wird wöchentlich umgeplant, um auch ab und zu andere Geräte im Arbeitsbereich zu haben.

Zuerst sollte sichergestellt werden, dass ein gut vorbereitetes Premaster vorliegt. Entweder nutzen wir eine erstellte Stereospur oder mastern das Arrangement, indem wir Plugins oder Hardware direkt in der Master-Kanal-Kette nutzen. Beides hat Vor- und Nachteile. Nutze ich die Stereospur, wird natürlich die CPU nicht sonderlich belastet und ich habe mehr Freiheiten Software-Effekte im High Quality Mode einzusetzen. Darüber hinaus kann ich stand-alone Mastering-Programme wie iZotope Ozone oder Steinberg WaveLab nutzen. Baue ich dagegen meine Mastering-Plugins in den Ausgang meines Arrangements, kann ich während des eigentlichen Finalisierungsprozesses die einzelnen Spuren nochmals bearbeiten und somit vielleicht genauer eingreifen.
Die Regeln des Premasterings

Bei der Erstellung eines Premasters solltet ihr euch an ein paar Regeln halten, dann wird der letzte Schritt zum fertigen Song einfacher für euch (oder die Firma, die es für euch erledigen soll). Wie das funktioniert, habe ich im letzten Teil 4 der Workshop-Reihe besprochen. Hier nochmal zusammengefasst: Mutet oder entfernt alle Kompressoren und Limiter des Master-Kanalzuges. Vermeidet starke Kompressionen in den Einzelspuren, es sei denn, es formt den Sound in die gewünschte Richtung. Das ist notwendig, da erst im letzten Schritt ein Limiter eingesetzt wird. Falls ihr lediglich starke Transienten damit glattbügeln wollt, lasst es und fahrt die Lautstärke aller Kanäle gleichzeitig soweit herunter, dass ihr jegliches Clipping im Master-Kanal vermeidet.

Der Volume Regler des Masters sollte auf jeden Fall fixiert auf "0" stehen. Das ist wichtig, da ihr so einen besseren Überblick über die Ausgangslautstärke bekommt und die Durchgangslautstärke der Plugins des Master-Kanalzuges nicht clippt. Regelt jetzt nochmal alle Kanäle soweit herunter, dass die Durchschnittslautstärke, also der Pegelausschlag (Peak), zirka -6 dB im Masterkanal erreicht. Diese "Luft" ist ausreichend für den Mastering-Prozess. Headroom ist sehr wichtig für die nachfolgenden Aufgaben, in der die Dynamik bearbeitet wird. Die Qualität der Audiodatei(en) leidet nicht bei 24 oder 32 Bit Audio.

Peaks und Cuts

Klingt der Mix schon recht ausgewogen auf verschiedenen Monitoren, vielleicht auch als Testversion im Club, muss eigentlich nicht mehr viel an dem Titel gefeilt werden. Heute bleibe ich für meinen Track "in-the-box" und nutze keine Hardware. Meine digitale Mastering-Kette besteht meistens aus einem Fabfilter Pro Q3 Equalizer zur Beschneidung der Tiefen, Höhen und zur Eliminierung störender Frequenzen (Resonanzen).

Das Mastering Plugin Ozone 8 von iZotope.
Mastern könnt ihr auch stand-alone mit Ozone 8 von iZotope.

Diese Störenfriede findet ihr ziemlich einfach, indem ihr einen grafischen Equalizer nutzt, einen EQ-Punkt mit Bell-Charakteristik erstellt, die Güte und Gain auf einen sehr hohen Wert einstellt, und damit das Frequenzspektrum scannt. Von tief nach hoch oder umgekehrt fahre ich mit diesem Punkt und höre auf unangenehme Überhöhungen von Frequenzbändern. Finde ich so eine Frequenz, ziehe ich die Gain dieses Punktes in das Negative. Jetzt sollte der ganze Titel "befreiter" und vor allem klarer klingen. Das wiederhole ich so lange, bis ich alle Fehler gefunden habe. Übertreiben sollte man es natürlich nicht, denn manche Fehler sind schließlich gewollt und gehören zum Sounddesign des Songs. Also mit Vorsicht herangehen!

Für mehr Platz sorgen auch die Cuts in den Tiefen und Höhen. Normalerweise braucht ihr die Frequenzen oberhalb von 20 Kilohertz nicht genauso wie Bässe unterhalb von 20-30 Hertz. Genau diese tiefen Frequenzen verursachen oft Probleme während des Limiter-Prozesses und hindern euch daran, den Titel optimal laut zu bekommen. Einen genauen Wert für die Beschneidung gibt es nicht, da es abhängig von Genre und Song ist. Durch Hinhören und einen A/B-Vergleich findet ihr sehr einfach den richtigen Bereich hierfür, aber es darf nicht zu viel vom eigentlichen Sound zerstören. Gerne nehme ich zusätzlich einen färbenden Equalizer dazu, wie zum Beispiel den Maag EQ von Plugin-Alliance, der Höhen (das sogenannte "Airband") sehr angenehm addiert.

Fabfilter Pro-Q 3 und Plugin-Alliance Maag EQ4.
Dynamikprozessoren machen Druck

Der nächste Effekt ist ein Multiband-Kompressor (Fabfilter Pro-MB). Hiermit bearbeite ich einzelne Frequenzbänder und lasse andere unberührt. Ein Beispiel ist die Anhebung der Lautstärke und Verdichtung des Bassbereichs für ein fetteres Fundament. Sucht euch hierfür die richtige Trennfrequenz zwischen den reinen Bass-Sounds und dem Rest des Songs. Nutzt hierfür die Solo-Taste der Bänder, mit dem ihr einzelne Bereiche vorhören könnt. Komprimiert danach Bass und Kick zusammen. Ganz wichtig ist das Spielen mit Attack und Release des Kompressors, denn ist der Attack-Wert zu niedrig, geht euch der Punch der Kick Drum verloren. Falls andere Bereiche eine Kompression vertragen, könnt ihr zusätzliche Instanzen des Multibandkompressors einfügen.

Der Multiband-Kompressor Fabfilter Pro-MB.
Fabfilter Pro-MB komprimiert Frequenzbereiche

Um die Spuren des Songs noch weiter zusammenzukleben, den sogenannten "Glue"-Effekt zu erzeugen, nutze ich jetzt einen Bus-Kompressor. Hier gibt es etliche Plugins auf dem Markt, die auf unterschiedliche Weise in das Soundmaterial eingreifen, aber Erfahrung voraussetzen, bis man diese richtig versteht und einstellen kann. Der bekannteste Glue Kompressor ist wohl der SSL G Bus, der schon unendliche Male in Hardware- und Softwareform geklont wurde. Aber ein virtueller Allround-Kompressor tut es natürlich auch (Ableton Glue oder Compressor, U-He Presswerk). Checkt die Presets, falls ihr euch unsicher seid (Mastering Presets). Die angezeigte Gain Reduktion sollte zwischen 2-4 dB liegen. Versucht nicht stärker zu komprimieren, da ihr sonst sehr viel Dynamik verliert und das Ergebnis eher "schwammig" wird. Die Attack-Zeit sollte eher langsam sein (zwischen 1-30 Millisekunden) und Release-Zeiten eher schnell oder automatisch.

Der nächste Effekt in meiner Kette ist das VMS Stereobundle von Vengeance, mit dem man die Stereobreite kontrollieren und den Mix insgesamt und final breiter klingen lassen kann. Den Bassbereich kann ich damit Mono halten, Mitten und Höhen weiter in die Breite schieben. Aber auch Stereoprobleme wie gegenphasige Frequenzen kann ich damit eliminieren und "einfangen". Kompressor und Limiter Option sollten in dem Plugin ausgeschaltet sein, da wir hier hochwertige Plugins einsetzen wollen, die diese Aufgaben übernehmen. Achtet auf die groß gestaltete Metering-Anzeige in der Mitte der grafischen Oberfläche. Der Korrelationsgrad sollte niemals für einen längeren Zeitraum in den negativen Bereich gehen. Denn Vorsicht, das erzeugt neben Phasenauslöschungen viele weitere Probleme! Auf anderen Monitorsystemen, HiFi-Anlangen oder im Club kann der Sound dadurch komplett anders klingen, teilweise sogar im Nirvana verschwinden. Vinylhersteller prüfen diese Werte akribisch, da bei diesen Problemen die Nadel des Plattenspielers sehr leicht springen kann.

Ein Glue-Kompressor.
Für mächtig Druck und den richtigen Glue sind Saturator und Buss-Kompressoren nötig

Jetzt fette ich den Sound nochmals mit einem Saturator an. Sehr gut funktioniert der Precision Maximizer von UAudio (UAD) oder der kostenlose Saturation Knob von Softube. Mit maximal 20-30 Prozent zusätzlicher Saturation komme ich meinem gewünschten Sound meistens sehr nahe. Dieser Schritt "verklebt" nochmals alle Instrumente, Effekte und die Drum-Sektion im Song. Jetzt sollte es einheitlich klingen.

Feinschleifen

Zu guter Letzt sitzt der Limiter. Der Fabfilter Pro L2 ist im Moment weltweit ein hochgelobtes Plugin in der Szene (wie eigentlich alle Effekte des Herstellers), das ich sehr gerne nutze. Sehr viele Parameter sind optional einstellbar, um tiefer in diesen Prozess einzutauchen. Darüber hinaus wird durch mehrfaches Oversampling und True Peak Limiting eine wirklich hohe Qualität erreicht. Als Ausgangspunkt könnt ihr euch eins der mitgelieferten und gut beschrifteten Presets aussuchen. Neuerdings nutze ich auch gerne den Limiter von iZotope Ozone 8. Das ganze Ozone 8 Paket ist ebenfalls als stand-alone Mastering Suite sehr gut und übersichtlich gestaltet. Die Demoversion solltet ihr aber vorher einmal antesten.

Fabfilter Pro-L 2 Limiter.
Fabfilter Pro-L 2 sorgt für den richtigen Abschluss
U-He Satin Bandmaschine.
U-He Satin - die Bandmaschinen-Emulation

Als Special FX nehme ich gerne als erste Instanz der Mastering-Kette ein Bandmaschinen-Plugin (zum Beispiel U-He Satin oder falls vorhanden eine UAD-Simulation), um einen anderen Soundcharakter zu erhalten, die scharfen Höhen "analog" zu dämpfen und den Bassbereich zu verdichten.

Fazit

Wer Outboard besitzt, sollte das natürlich einsetzen. Entweder ihr kreiert euch Plugins, um externe Hardware in eure digitale Mastering-Kette einzuschleifen (Live: externer Effekt) oder routet euren Sound direkt in die Kette und nehmt das Endresultat auf. Es gibt absolut keine Grenzen und unendlich viele Wege, um zum Ziel zu kommen. Nur testen solltet ihr euer Resultat, falls ihr noch keine Erfahrung in diesem Bereich sammeln konntet.

Immer daran denken, dass nicht unbedingt die Technik und der absolut perfekte Sound zählen - auf die Idee des Songs kommt es an. Bei Problemen ist es aber meist ratsam, die Arbeit einem Profi zu überlassen und das Geld für einen Mix und/oder Mastering zu investieren. Ist der Titel gut, wird es sich definitiv lohnen.

Mit der Produktion eines Techno Tracks wären wir nun soweit durch. Ich habe allerdings noch ein paar weitere eventuell nützliche Tipps in Sachen Controllerism und Workflow, die schauen wir uns in der nächsten Ausgabe dann an.

Für alle, die noch tiefer ins Thema "Techno produzieren" einsteigen wollen, habe ich noch eine Buchempfehlung: 

Elektronische Musik produzieren

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