Sampling ist wahrscheinlich eins der vielseitigsten Sound-Design-Konzepte. Egal ob als erkennbares Zitat, gepitcht, gechoppt oder anderweitig entfremdet – mittlerweile haben Samples in fast jeder Musikrichtung Einzug gefunden. Umso spannender ist die Frage, welche Hardware für den jeweiligen Anwendungsbereich am besten geeignet ist: Soll der Sampler möglichst kompakt sein, vielleicht mit integriertem Mikrofon, um die Klänge der Welt unterwegs einzufangen? Sind hochwertige Timestretch- und Pitching-Algorithmen vonnöten? Diese und weitere Fragen werden in folgendem Artikel unter die Lupe genommen.
Quick Facts
- Sound Aufnahme via Mikrofon, Line-In, USB oder SD-Karte
- Gute Klangqualität und ausreichend Speicherplatz bilden die Grundlage
- Beim Samples-Schneiden kommt es auf den Workflow an
- Chormatisches Spielen beliebiger Sounds dank diversen Pitching-Möglichkeiten
- Portable Sampler machen die Welt zum Oszillator
Teenage Engineering OP-1 Field
Wer Sampling nicht nur als Feature, sondern als kreatives Werkzeug sucht, ist beim OP-1 Field der schwedischen Firma Teenage Engineering an der richtigen Adresse. Verschiedene Sampler-Engines, wie Drum Sampler, Synth Sampler oder Tape machen OP-1 Field zusammen mit dem intuitiven und schnellen Workflow zu einem inspirierenden und vielseitigen Instrument. Im direkten Vergleich zu AKAIs MPCs oder Elektron Gear sind die Editierfunktionen des OP-1 Field zwar nicht ganz so tiefgreifend, in Sachen Spielfreude und Effizienz ist der schlanke Sampler aus Schweden aber nicht zu toppen. Besonders Cool ist, dass OP-1 Field, wie der Name schon sagt, auch bestens für unterwegs geeignet ist: Geringe Größe und Gewicht gepaart mit stolzen 24 Stunden Akkulaufzeit, eingebautem Mikrofon, Lautsprecher und integrierter Radio Antenne sorgen für All-Inclusive-Reisespaß.
Der hochwertige Klang des OP-1 Field wird durch die erstklassigen 32-bit AD/DA-Wandler gewährleistet. Gleichzeitig lässt sich der Sound durch Filter, Effekte und jede Menge Lofi-Tools gezielt verfremden. Zum Beispiel gibt es beim Tape Sampler vier verschiedene Sub-Typen mit unterschiedlichen Lofi-Artefakten. Hinzu kommen sieben verschiedene Synth Engines die mit Ambient Wolken über klassisch digitale, virtuell analoge und Wavetable-Varianten bis hin zu organischen Glitch Sounds das Sample-Material unterstützen. Im Zentrum des Workflows steht das ultra crispe 320 x 160 px OLED Display in tandem mit den vier bunten Drehreglern. Die Nachteile des OP-1 Field sind neben dem stolzen Preis von 1890 Euro fehlende Velocity-Empfindlichkeit bei den Keys.
Elektron Tonverk
Elektrons Tonverk ist nicht nur das neueste Instrument auf dieser Liste, sondern auch der einzige Multisampler. Multisampling bedeutet, nuancierte Timbre-Veränderungen der Sound-Quelle bei verschiedenen Tonhöhen und Velocity-Abstufungen separat zu recorden. Beispielsweise verfügt ein Klavier in tieferen Lagen über eine andere Klangcharakteristik als in den oberen Oktaven oder hat bei seichterem Spiel weniger Attack. Bei herkömmlichen Samplern fehlen diese Details, wenn aufgenommene Klangschnipsel im nachhinein gepitcht oder in ihrere Lautstärke variiert werden.
Für die weitere Bearbeitung der aufgenommenen Samples stehen beim Tonverk nicht nur die üppige Auswahl aus Hüllkurven, Filtern und LFOs zur Verfügung, wie wir sie von den Digitakt Samplern kennen. Elektrons neuer Multisampler besticht mit einer riesigen FX-Sektion bestehend aus 17 Effekten, von denen drei als Send, einer als Master und pro Audiotrack zwei Insert Effekte zugewiesen werden können. Hinzu kommen vier Bus-Tracks, die ebenfalls über zwei Insert Points verfügen und sich über die umfangreichen, internen Routing-Optionen des Tonverk als Group Tracks oder Punch-In-FX verwenden lassen.
Was fehlt, sind Timestretch-, Pitch- und Slicing-Algorithmen beim Sampling. Wer Elektron kennt, darf hier aber auf das ein oder andere Firmware Update hoffen. Weitere Specs sind acht Audiospuren in Stereo mit achtstimmiger Polyphonie pro Track, 5 GB interner Speicher plus 64 GB SD-Karte (im Lieferumfang enthalten), sechs physische Audioausgänge und zwei Eingänge sowie Audio und MIDI via USB-C-Slot. Dank integriertem Autosampler könnt ihr übrigens eigene Multisamples recorden und müsst nur den Tonumfang und die Anzahl an Velocity-Abstufungen angeben – den Rest erledigt Tonverk selbst. Neben den umfangreichen Sounddesign Optionen punktet Elektrons Multisampler zusätzlich mit einem absoluten Sequenzer-Powerhouse, wie wir es von den Schweden gewohnt sind.
Polyend Tracker +
Polyend Tracker + vereint den unkonventionellen Tracker Workflow mit moderner Hardware. Das vertikale Pattern Grid ermöglicht mit seiner detailreichen Step-Eingabe präzises Sequencing und sorgt für angenehme Abwechslung im Vergleich zur gewöhnlichen Sampler- oder Groovebox-Funktionsweise: Die Steps verlaufen wie Zeilen von Oben nach Unten, wobei die Spalten verschiedene Parameter wie Notenwert, Instrument oder FX beinhalten. Egal ob Ambient, Techno, IDM oder Breakcore – Polyend Tracker + eignet sich hervorragend für experimentelle und abstrakte Musikrichtungen mit komplexen Rhythmen. Das große 7-Zoll-Display steht dabei im Mittelpunkt und sorgt für den nötigen Überblick. Polyend verzichten auf flashy Animationen und setzen stattdessen auf Coding Vibes.
Die 16 Spuren des Trackers teilen sich in acht MIDI-Spuren und acht Universalspuren auf. Während der "alte” Polyend Tracker komplett Sample-basiert funktioniert, lassen sich bei der + Version pro Projekt drei Synth-Engines zuweisen. Insgesamt gibt es sogar fünf, die von virtuell analog über FM bis hin Wavetable und Granular eine solide Auswahl bieten. Der integrierte Stereo Sampler kann Samples direkt aufnehmen, schneiden und timestretchen – egal ob Oneshots, Loops, Slices oder Resamples. Eine weitere Neuerung im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Multisampler. Der nimmt zwar nicht wie Tonverks Autosampler automatisch auf, funktioniert dank des flexiblen Keyboardmappings aber schnell genug, um den Workflow nicht zu bremsen.
Roland AIRA Compact P-6
Mit der AIRA-Compact-Reihe versorgen Roland den Markt seit 2022 mit absolut erschwinglichen und angenehm tragbaren Geräten. Neben Drummachines und Synthesizern ist seit kurzem auch der P-6 Sampler erhältlich. Genau wie die anderen AIRAs kostet der P-6 unter 200 Euro, wiegt schlappe 300 Gramm und ist mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der bis zu 3 Stunden Betrieb zulässt. Um Samples nicht nur unterwegs spielen, sondern auch überall aufnehmen zu können, haben Roland außerdem ein Mikrofon implementiert. Das Mikro kann zwar nicht mit Highend-Sound bestechen, ist aber durchaus praktisch. Auf einen Lautsprecher wurde beim P-6 übrigens verzichtet. Wie von den anderen AIRAs bekannt, wird auch P-6 mit mega kleinen Stiftpotis aus Hartplastik und relativ weichen, aber ebenso kleinen Gummipads gespielt.
Apropos Spielen: P-6 verfügt über 16-stimmige Polyphonie, einen Sequenzer mit bis zu 64 Steps inklusive Quantisierung und aufnehmbaren Automationen, Speicherplätze für 64 Pattern und 48 Samples sowie über 20 Performance Effekte. Letztere bilden in Kombination mit dem internen Resampling einen gewaltigen Quell an kreativen Möglichkeiten. Die maximale Sample-Länge beträgt bei Mono-Aufnahmen mit bis zu 44.1 kHz 5,9 Sekunden. Bei geringerer Auflösung (11,025 kHz) gehen sogar 23,7 Sekunden. Das Zuschneiden der getätigten Aufnahme geschieht beim P-6 quasi blind über die Start- und End-Regler – für eine visuelle Darstellung fehlt den AIRAs leider der Platz. Außerdem sind die sechs großen Sample Pads nicht velocity-empfindlich, sodass Variationen in der Lautstärke nicht live spielbar sind und über den Sequenzer nachgereicht werden müssen.
Roland SP-404 MKII
Wer etwas mehr Geld, aber kein Vermögen investieren will, findet für weniger als 450 Euro vermutlich keinen besseren Sampler als den SP-404 MKII. Ebenfalls von Roland bietet das Ende 2021 erschienene Instrument im übergroßen Taschenrechnerformat eine Wellenformanzeige mittels OLED-Display, 37 Effekte, diverse Sequenzer- und Recording-Optionen sowie jede Menge Hands-On-Kontrolle. Strom gibt es entweder über sechs AA-Batterien, mitgeliefertem DC-Adapter oder via USB-C, weshalb auch der SP-404 MK2 ein idealer Reisebegleiter ist. Roland haben zwar kein Mikrofon eingebaut, aber einen 6,35 mm Klinkenanschluss mit zugehörigem Gain-Poti implementiert. XLR wäre zwar schöner gewesen, aber im anbetracht der geringen Größe des Samplers ist Klinke voll ok. Unter der Haube arbeitet SP-404 MK2 mit einer Klangqualität von 16 bit bei 48 kHz, unterstützt die Formate WAV, AIFF und MP3 und verfügt über 16 GB Speicher, der sich per SD-Karte auf 32 GB erweitern lässt.
Auch wenn SP-404 MK2 einen Sequenzer mit bis zu 2560 speicherbaren Patterns aufweist, ist zu bedenken, dass die Eingabe ausschließlich über Live-Recording erfolgt. Es gibt zwar Quantisierungs- und Groove-Features, aber eben keine klassische Lauflichtprogrammierung, Mute- oder Mixing-Optionen. Passend zum Taschenrechner-Look solltet ihr außerdem mit der mathematischen Formel vertraut sein, um eure Loops von BPM und Subdivisions auf die Länge in Samples umzurechnen. Die Hardware des Samplers ist absolut top verarbeitet und geschieht sowohl über das Grid aus 16 velocity-empfindlichen Pads als auch über die vier Drehregler oberhalb des Displays.
Der Workflow des SP-404 MK2 besticht insbesondere durch Echtzeit-Editing mittels Hüllkurven, diverse Loop-Features, hochwertige Pitch- und Speed-Manipulatoren und/oder die zahlreichen Effekte. Letztere sind aufgeteilt in zwei Master Effekte und zwei unabhängige Sends, die sich pro Pad justieren lassen. Wieder erweist sich internes Resampling als kreative Goldgrube und macht bei entsprechender Vorarbeit die Begrenzung der Effektanzahl überflüssig. Weitere Key-Features des SP-404 MK2 sind Skip-Back-Sampling, mit dem sich die letzten 40 Performance-Sekunden als Audio File abrufen lassen, auch wenn keine Aufnahme getätigt wurde und der DJ-Mode. Letzterer macht den Sampler zum zweikanaligen DJ-Mixer inklusive Auto-Sync via Timestretching und Cue-Funktion aka Prelistening.
Alternativen
Fazit und Honorable Mentions
Dass es die MPC One+ nur in die Honorable Mentions geschafft hat, war die so ziemlich schwerste Entscheidung beim Erstellen dieser Liste. Letztendlich ging der Midrange Slot an Polyend und den einzigartigen Tracker Workflow. Wer gerne live spielt und externes Gear connecten will, ist mit MPC One + aber deutlich besser beraten, weil die Pads Performance-freundlicher sind und es mehr physische Anschlussmöglichkeiten gibt. Weitere Pluspunkte gibt es für den Touchscreen, die vielseitige Effekt-Library und den größeren Speicher der MPC.
Für den Low Budget Bereich galten KORGs Volcas lange als Nobrainer. Volca Sample hat zwar 200 Sample Slots und bis zu 130 Sekunden Sample-Dauer, wird aber von den internen Effekten, umfassenderer Sample-Bearbeitung und der besseren Soundqualität von Rolands P-6 übertrumpft. Wer mit weniger Tracks und Polyphonie auskommt, sollte auch Teenage Engineerings EP-133 K.O. II auschecken. Für ca. 300 liefert der portable Sampler jede Menge Spielspaß und wirkt gerade wegen seiner Einschränkungen äußerst inspirierend.


0 Kommentare zu "Sampler im Vergleich: Diese fünf Modelle überzeugen"