Berlin: Verantwortliche von Pallas-Party im E-Werk reagieren auf heftige Vorwürfe
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Berlin: Verantwortliche von Pallas-Party im E-Werk reagieren auf heftige Vorwürfe

News.12. April 2022

Statt der Wiederbelebung des legendären E-Werks führte die Veranstaltungsreihe 'Pallas Temporary Clubs' zu einem einzigen Chaos. Mittlerweile haben sich die Verantwortlichen zu den gravierenden Vorfällen geäußert.

Das E-Werk war in den 90ern einer der prägenden Orte für die Berliner Techno-Szene. Mit dem Pallas Temporary Clubs-Festival (wir berichteten) wollten die Veranstalter:innen um die Ceres Innovation Berlin GmbH an legendäre Nächte von früher erinnern. Die Partyreihe endete allerdings stattdessen im Chaos. Eine Vielzahl an Besucher:innen beschwerte sich über untragbare Zustände. Die Vorwürfe wurden von mehreren Gästen gesammelt und in einem offenen Brief zusammengefasst. Auf 24 Seiten sind die Erfahrungsberichte von verärgerten Besucher:innen dokumentiert. Die größten Kritikpunkte sind dabei:

  • Eine bis zu sechs Stunden lange Schlange, trotz Tickets
  • Menschenmassen in der Schlange, bei der es zu Gedränge und Panikattacken gekommen sein soll
  • Überforderte Securities, die teilweise laut Aussagen einiger Gäste keinen Impfnachweis kontrollierten und Sicherheit gewährleisten konnten
  • Partyfotografen fotografierten wohl ohne Nachfrage Menschen von vorne
  • Überforderte Garderobe mit langen Wartezeiten. Am Ende sollten Gäste ihre Sachen selber suchen, dabei seien Sachen gestohlen
  • Bezahlung über eine externe Bezahl-App, bei der es wenig Transparenz bzgl. Abbuchungen gab
  • Weitere Schlange vor Mainstage, die zum Teil über eine Stunde lang gewesen sein soll sowie Einlassstop (dadurch haben viele Gäste Mainacts verpasst)
  • Umgang mit Kritik bzw. Löschung von kritischen Kommentaren auf Social Media

Das sagt das Pallas-Team zu den Vorwürfen

Nach einem gelöschten Statement auf Instagram meldete sich der Geschäftsführer der Ceres Innovation Berlin GmbH persönlich zu Wort. Im Einleitungs-Statement wird betont, dass "drei gravierende Fehler" begangen worden sind und sich das Team hinter Pallas dessen bewusst ist. Das Team möchte mit den Vorwürfen transparent umgehen und Gäste mit "Entschädigungsanspruch entschädigen". Die drei gravierenden Fehler waren laut der Analyse des Teams folgende:

  • Einlass: Das Team hat nicht mit so einem großen Ansturm so kurz vor Beginn des Events gerechnet. Daher kam es zu großen Wartezeiten ab Mitternacht bis ca. 4 Uhr morgens. Ein früherer Einlass wäre hier notwendig gewesen. Außerdem hätte es ein besseres Leitsystem für die Schlange geben müssen.
  • Garderobe: Aufgrund von Corona-Ausfällen im Garderoben-Team musste auf ein externes Team zurückgegriffen werden. Das neue Team wurde allerdings nicht richtig eingewiesen und führte ein unvorteilhaftes System durch, wodurch es zu großen Wartezeiten kam. Das Problem konnte während der Veranstaltung nicht gelöst werden, weshalb zu der unprofessionellen Maßnahme gegriffen wurde, dass die Gäste ihre Sachen selber suchen müssen.
  • Halle F: Vor der Mainstage kam es zu Wartezeiten von ein bis zwei Stunden, wodurch viele Besucher:innen ihre Lieblings-Acts verpasst haben. Die andere gleich große Halle war hingegen spärlich gefüllt. Laut den Verantwortlichen hätte man Headliner:innen auf die zwei Floors verteilen sollen, damit nicht alle zur selben Zeit auf die Mainstage wollen.

Rechtfertigung zu weiteren Vorfällen

Danach geht es in dem 9-seitigen Statement um weitere Vorwürfe, denen zum Teil deutlich widersprochen wird. Dabei wird unter anderem beschrieben, dass es mehr als ausreichend Personal (Security, Garderobe) gegeben haben soll und die Probleme eher an der mangelhaften Ausführung lagen. Bei der Garderobe war demnach das System des externen Teams Schuld an den chaotischen Zuständen. Die Vorwürfe zu gestohlenen Gegenstände aus der Garderobe und den zu hohen Abbuchungen über die App wollen die Veranstalter:innen nachgehen. Bisher gebe es allerdings nur drei bestätigte Fälle dazu. Auch zu den Partyfotografen, Versäumnissen der Securities und Problemen mit der Grid-App gab es Antworten. Zu den gelöschten Postings auf Social Media steht in dem Statement, dass diese Postings oft von "Fake-Profilen" gekommen seien und man "Beleidigungen und üble Nachrede" aus "Selbstschutz" gelöscht habe. 

Das vollständige Statement gibt es hier.

Die Promoter von 'Voxnox' bedankten sich in einem Statement für die ausführlichen Beschreibungen der Gäste. Sie werden in Zukunft ihre Partner genauer durchleuchten und eine "bessere Auswahl" an Kooperationspartnern treffen. Die Schuld an der missglückten Organisation habe allerdings das Organisationsteam.

Die Berliner Clubcommission hat sich zu den Vorfällen bisher nicht geäußert.

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Geschrieben von:
Redaktion