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Berliner Techno-Kultur soll UNESCO Weltkulturerbe werden
© Alexander Popov

Berliner Techno-Kultur soll UNESCO Weltkulturerbe werden

News.13. Dezember 2021

Loveparade-Gründer Dr. Motte und weitere Unterstützer:innen haben einen Antrag eingereicht, durch den die Berliner Techno-Kultur von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft werden soll. Diese Einstufung würde auch Einfluss auf staatlichen Schutz und Förderungen haben. 

Große Infrastrukturprojekte, die Gentrifizierung und letztlich Corona stellen für die Clubkultur eine große Gefahr dar. Es gibt wenig Planungssicherheit für ein Bestehen in der Zukunft. Ein erster Schritt für die langfristige Erhaltung der Clubkultur war die Einstufung von Clubs als Kulturstätten. Jetzt gehen mehrere Personen aus der Szene einen Schritt weiter und wollen die Berliner Clubkultur als UNESCO Weltkulturerbe sichern lassen.

Support für diesen Schritt gibt es unter anderem von Alan Oldham, Loveparade Gründer Dr. Motte , Peter Kirn und Tresors Dimitri Hegemann. Demnach soll die Berliner Techno-Kultur im Bereich UNESCO Immaterielles Kulturerbe (ICH) aufgenommen werden. Nach der UNESCO umfasst das Kulturerbe "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten - sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume [...], die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen." Vereinfacht gesagt bedeutet Immaterielles Kulturerbe lebendige Traditionen und Ausdrucksformen, wie z. B. gemeinschaftliche Versammlungen, Musik, Glauben, kulturelle Praktiken und Handwerk. So gelten beispielsweise die Gay Pride Parade in Amsterdam, Reggae aus Jamaika und die Zürcher Technokultur bereits als kulturelles Erbe oder lebendige kulturelle Praktiken.

Alan Oldham, Techno-Producer und DJ aus Detroit, dazu: "Die Unterschutzstellung durch die UNESCO würde viel dazu beitragen, Techno- und Clubkultur als legitime gesellschaftliche Kraft mit historischem Wert zu etablieren, die staatliche Unterstützung verdient, und nicht nur hedonistische Wegwerf-Clubmusik und Drogen. In den sieben Jahren, in denen ich Vollzeit hier lebe, haben so viele Veranstaltungsorte geschlossen. In anderen Städten wäre der natürliche Clubzyklus am Werk, aber Berlin ist ein anderer Ort, wo die Club- und Kreativszene die Währung der Stadt ist. Alte Veranstaltungsorte wie der Tresor und das Berghain würden als Kulturdenkmäler geschützt werden."

Der Ablauf der Bewerbung

Auf der Homepage von Rave The Planet wird für eine Petition geworben, die die Aufnahmechancen erhöhen soll. Das Bewerbungsverfahren wird wie folgt beschrieben:

"Alle zwei Jahre kann ein Antrag auf Anerkennung als ICH bei der UNESCO eingereicht werden. Hierfür stellt die UNESCO ein standardisiertes Formular zur Verfügung, dem zusätzlich ein fachliches Anschreiben und 10 Foto-, Film- oder Tondokumente beizufügen sind, die die Kultur in ihrer Praxis und Vielfalt darstellen. Das bundesweite Register des Immateriellen Kulturerbes wird in einem mehrstufigen Verfahren von der Deutschen UNESCO-Kommission, den Bundesländern, der Kultusministerkonferenz und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erarbeitet. Die Vorschläge für die Eintragung werden von den jeweiligen Kommunen eingereicht."

Die Vorteile einer Aufnahme

Eine Anerkennung der Techno-Kultur hat große symbolische Wirkung und sorgt für internationale Aufmerksamkeit. Außerdem wird dadurch der Druck auf Behörden erhöht, dass die Techno-Kultur zu erhalten sei und einen großen kulturellen Wert habe. Rechtlich hätte es den Vorteil, dass die Anforderungen für die Eröffnung von Kulturstätten (wie Clubs) vereinfacht werden. Außerdem sind die Erfolgschancen bei behördlichen Entscheidungen bzgl. Schallschutz, Brand-, Lärm- und Denkmalschutz erhöht.

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Veröffentlicht in News und getaggt mit Berlin, Dr. Motte, Rave The Planet, UNESCO

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