Jaguar Foundation: Studie über die Gender-Repräsentation in der UK Dance Music

Jaguar Foundation: Studie über die Gender-Repräsentation in der UK Dance Music

News.5. August 2022

The Jaguar Foundation hat eine umfangreiche Studie über die Gender-Repräsentation in der britischen Elektro-Szene veröffentlicht. Es wurden Interviews mit Leuten aus verschiedenen Bereichen geführt und zusätzlich Daten unter anderem zu Charterfolgen, Sichtbarkeit in Playlist und Festivals erhoben.

Das Ergebnis der jüngst veröffentlichten Studie der Jaguar Foundation ist vermutlich keine neue Erkenntnis. Nicht-männliche Personen sind in der UK Dance Szene in nahezu allen Bereichen in der Minderheit. Gerade der sogenannte Drop-Out-Effekt, also je höher wir innerhalb einer "erfolgreichen" Karriereleiter kommen, ist nach wie vor enorm. Doch auch in Underground- und Independent-Szenen gibt es ein großes Gefälle bei der Sichtbarkeit und Teilhabe von männlichen und nicht-männlichen Artists gibt.

Die Studie "Progressing Gender Representation in the UK Dance Music" untermauert das was bereits als gefühlte Wahrheit schon wahrgenommen wird, eindrücklich mit Zahlen und Daten. In der Studie stützen sie sich sowohl auf erhobene Daten, als auch auf Interviews mit Musiker:innen und Teilen der Szene. Dabei werden mehrere Bereiche der Musikszene miteinander verknüpft und untersucht. Nicht jeder dieser Teilaspekte ist gleich gut ausgearbeitet, fügen sich aber im Gesamtbild dann zusammen. Das ist auch die große Stärke der Studie, die sehr deutlich die zahlreichen Schwellen für nicht-männliche Artists aufzeigt.

Beginnt es bei den Angestellten im Musikbereich zunächst noch mit einer 50:50 Aufteilung, verschiebt sich diese laut der Studie in höher gestellten Positionen deutlich in Richtung der Männer. Auch Ticketverkäufe zeigen ein ähnliches Bild. Männer nehmen häufiger an Events teil und sind häufiger die Mehrheit in Clubs. Geht um die Musiker:innen selbst, so wird das Bild noch viel deutlicher.

Immer häufiger sieht man in sozialen Medien Festivalflyer, auf denen alle männlichen Acts entfernt werden. Das sieht dann meistens ziemlich düster aus, und ist auch in der UK Dance Szene nicht anders. 2022 waren nur 28% des Line-Ups nicht-männliche Acts. Geht es in die großen kommerziellen Ligen, sprich den Charts, wird der Drop-Out noch gravierender. Nur 5% aller Chartlieder wurden allein von nicht-männlichen Acts gemacht, an 37% war zumindest eine nicht-männliche Person beteiligt. Dabei aber größtenteils nicht als Mainact.

Warum kommen solche Zahlen und Drop-Out-Effekte zustande? Die Studie führt dazu mehrere Punkte an und macht auf verschiedene Schwellen aufmerksam. Zunächst ist da gerade in der Dance-Szene, das Sicherheitsgefühl für nicht-männlich Personen. Clubs sind Orte an denen es häufig zu übergriffigem Verhalten kommt, Heimfahrten in der Nacht werden als bedrohlich wahrgenommen und auch für weibliche DJs gibt es nicht immer einen ausreichenden Schutzraum, wie es beispielsweise eine Bühne bietet. Das schreckt von Clubbesuchen und Teilhabe ab und führt zu weniger Repräsentation. Dazu kommt, dass in den hohen Stellen beim Booking und in den Labels überproportional Männer sitzen und nach dem Motto, man arbeitet und bucht wen man kennt handeln. Weniger Frauen in Clubs, auf Festivals und in den Charts oder Playlisten führt zu weniger Sichtbarkeit und fehlenden Vorbildern. Ein System also, dass sich auf lange Zeit selbst manifestiert hat. Die gute Nachricht der Studie lautet aber: Es wandelt sich! Immer mehr Workshops richten sich speziell an junge nicht-männliche Artists, im Booking findet ein schleichendes Umdenken statt und vermehrt nehmen weibliche oder non-binary Crews Plätze in der Clubkultur ein.

 

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Die vollständige Studie "Progressing Gender Representation in the UK Dance Music" bekommt ihr hier. Die Jaguar Foundation wurde von Jaguar gegründet, die als DJ arbeitet und Host der Radioshow 'BBC Introducing' ist.

Veröffentlicht in News und getaggt mit Gender Representation Report, House, Techno, The Jaguar Foundation, UK Dance Scene

Geschrieben von:
Redaktion