Nachdem ein Song arrangiert und abgemischt wurde, folgt das Mastering. Dabei handelt es sich um eine Optimierung des Sounds, die idealerweise angepasst an das Medium der geplanten Veröffentlichung (z.B. Vinyl oder MP3) ist. Zudem wird durch Mastering erreicht, dass verschiedene Tracks eines Albums einheitlich und ausgewogen klingen. In der Regel werden zwar einzelne Tracks bearbeitet, es ist aber mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich auch DJ-Mixe zu mastern.

Hochbezahlte Spezialisten wie Howie Weinberg betreiben eigene Masteringstudios. Diese oft eigens für diesen Zweck gebauten Räume mit perfektionierter Akustik sind mit feinster Hardware (Kompressoren, Equalizer, Mixer, hochwertige Wandler oder Verstärker und Lautsprecher) ausgestattet, sodass auch die Preise für den Mastering-Service entsprechend hoch sind. Dazu hat ein solcher Mastering-Engineer langjährige Erfahrung. Doch gibt es neben dem klassisch analogen Weg auch Alternativen zum oftmals teueren Gang ins Studio? Und wie schlagen sie sich im Vergleich? Wir stellen vier Möglichkeiten vor, die oftmals nur ein Bruchteil kosten und leicht zugänglich sind:

1. Automatisiertes Online-Mastering

Die Zahl der Dienste für Online-Mastering ist groß. Zu den bekanntesten zählt mit Abstand LANDR, dann folgen eMastered, MasteringBOX und CloudBounce. Das Handling ist bei allen ähnlich simpel. Man lädt einen Track auf den Server des Anbieters, danach können über eine begrenzte Anzahl von Buttons Einstellungen getroffen werden.

Der eigentliche Masteringprozess geschieht vollautomatisch und auf Grundlage einer automatisierten Analyse des Tracks. Das Ergebnis der Analyse wird mit einer Datenbank abgeglichen, anschließend werden dann als passend erkannte Effekte (Equalizer, Kompressoren, Stereo-Imaging) auf den Track angewendet.

Zum Finale lassen sich einige Parameter für den Feinschliff anpassen, wobei sich die vom Original abweichenden Klangunterschiede in Echtzeit überprüfen lassen. Letztlich steht der Track zum Download bereit. Je nach gewählter Audioqualität unterscheidet sich der Preis, oft wird ein monatliches Abo für wenige Dollars angeboten. Die meisten Dienste bieten ein Test-Mastering an, eine gute Gelegenheit sich einen subjektiven Eindruck zu verschaffen.

LANDR
Mastering mit LANDR

-       Online und App
-       Monatlicher Preis ab 4 EUR
-       All Inclusive 25 EUR / Monat
-       Mastering für zwei Tracks im Monat kostenlos (komprimiert)
-       Integrierte Distribution bei iTunes, Spotify etc.
-       Mastering für DJ-Mixe (Partnerschaft mit Serato)
-       Mastering für Stems (Native Instruments)

LANDR

 

Mastering mit eMastered

-       Monatlicher Preis ab 6 USD
-       All Inclusive 15 USD / Monat
-       "Von Grammy-gekrönten Ingenieuren entwickelt"

eMastered

 

Mastering mit MasteringBOX

-       Monatlicher Preis ab 4 EUR
-       All Inclusive 14 EUR bzw. 29 EUR / Monat (je nach gewünschtem Format der Masterdatei)
-       Nach Registrierung ein kostenloses Mastering pro Tag (komprimiert)

MasteringBox

 

Mastering mit CloudBounce

-       Einzeltrack (24 bit WAV / 320 kbps MP3) 4,90 USD
-       All Inclusive 19,90 USD / Monat
-       "Von Musikern, für Musiker"

CloudBounce

 

Einschätzung:

Einfache Handhabung, preislich absolut moderat. Vorwissen ist nicht nötig. Eigentlich muss man nur mit den überschaubaren Settings spielen, bis einem das Ergebnis zusagt. Und es sagt erstaunlich oft zu. Es handelt sich um Presets von Mastering-Effekten, die auf den Song angewendet werden, sozusagen Vollautomatik. Im Gegensatz zum Mastering beim Profi hört sich während des Mastering-Prozesses keine reale Person den zu masternden Song an. Diese Art des Masterings lohnt sich besonders, um beispielsweise seine eigenen Tracks im Club testen zu können, ohne dafür im Voraus viel Geld ausgeben zu müssen.

2. Mastering mit Plugins

Mit Programmen wie iZotope Ozone oder Lurssen Mastering Console sind auch preiswertere Mastering-Lösungen für den eigenen Rechner erhältlich. Der Kaufpreis liegt zwar erst einmal etwas höher, allerdings kann man damit eine unbegrenzte Anzahl von Tracks bearbeiten. Die Software selbst bietet jede Menge Presets als Ausgangspunkt eigener Mastering-Versuche. Die Möglichkeiten der Klangbearbeitung sind wesentlich umfangreicher als bei den Online-Diensten, mehr Möglichkeiten erfordern aber immer auch mehr Wissen.

iZotope Ozone 8

Lurssen Mastering Console

-       179 EUR
-       Win / Mac
-       Stand Alone / Plug In / App für iPad
-       25 Presets (Rock, Hip Hop, EDM, etc.)
-       Emulation der Mastering-Kette von Gavin Lurssen

Lurssen Mastering

 

iZotope Ozone 8

-       249 EUR
-       Win / Mac
-       Stand Alone / Plugin
-       Preset Manager mit vielen Voreinstellungen
-       Integrierter A/B-Vergleich für Referenztracks

iZotope Ozone

 

Einschätzung:

Vorteilhaft, wenn man häufig Tracks mastern möchte und sich mit schnellen Lösungen zufrieden gibt. Um jenseits der Presets zu arbeiten, ist eine Beschäftigung mit der Wirkungsweise von Kompressoren oder EQs und ähnlichen Tools notwendig, hier gibt es mit der Zeit die man ins Lernen investieren kann nach oben hin keine Begrenzung. Mit der Kombination aus Presets und eigenem Know-How können die Ergebnisse hier auch schon an professionelle Arbeiten herankommen.

3. Mastering via Online-Dienstleister

Wer nicht selbst ran will, der lässt schaffen. Bei Fiverr, einer Online-Plattform für Freelancer, werden unter anderem auch Mastering-Dienste angeboten. Der Preis richtet sich nach den Fähigkeiten des Anbieters, beginnend bei fünf Dollar. Dafür darf man allerdings nicht zu viel erwarten. Der eingesendete Song wird wahrscheinlich durch das Preset einer Software bearbeitet - fertig. Je nach Preis ist der gebotene Leistungsumfang unterschiedlich. Jemand der von der Materie Ahnung hat und Zeit investiert, wird z.B.  auch selbst in Indien um die 20 Dollar pro Track nehmen. Ein vorliegendes Bewertungssystem hilft bei der Auswahl. Man sollte darauf achten, dass ein Referenz-Track mitgeschickt wird, der das klangtechnische Ziel klarmacht. Mit etwas Glück legt nun der Fiverr-Mastering-Freelancer Ohr an. Oft hat man auch die Option einer Nachbearbeitung, falls das erste Ergebnis nicht gefällt.

Fiverr
Einschätzung:

Moralisch etwas fraglich, Stichwort: fairer Lohn. Auch bei der Auswahl des Anbieters ist Sorgfalt gefragt. Kommunikation ist wichtig für das Ergebnis. Und unbedingt an den Referenztrack denken, der dem Anbieter Anhaltspunkte liefern soll, welcher Sound für das Master gewünscht ist. Generell ist hier aber nicht zu erwarten, dass das Ergebnis eine wirkliche Alternative zum professionellen Studio darstellt.

4. Mastering mit einer DAW

Im Prinzip bringt eine DAW wie Ableton an Bordmitteln alles mit, was man fürs Mastering benötigt. Den Rest liefert YouTube mit diversen Tutorials. Dabei kann man sein Wissen langsam aufbauen und erkennen, dass ein schnöder 8-Band-EQ ein mächtiges Werkzeug sein kann. Außerdem kommt man so der Musik auf spezielle Art näher, nämlich über Frequenzen. Mastering zu erlernen ist kein Zauberwerk, aber es ist zeitintensiv. Routine ist möglich, Perfektion kaum. Das Thema ist ein Fass ohne Boden, wer meisterhaft mastern will, der dürfte kaum noch Zeit für die eigentliche Produktion haben. Und wenn man einmal die Wirkungsweise eines Kompressors erfasst hat, überlegt man, ob man das digitale Plug-in durch seine analoge Entsprechung ersetzt, womit der teuere Spaß erst richtig losgeht.

Ableton 10
Einschätzung:

Sich mal mit den Grundlagen des Masterings zu befassen, ist sinnvoll. Entweder man kommt zu zufriedenstellenden Ergebnissen oder nicht. Falls nicht, weiß man zumindest in etwa worum es geht und kann die Angebote des professionellen Mastering-Studios besser einschätzen und nutzen.

Fazit

Mastering ist und bleibt essentiell für eine professionelle Musikproduktion. Zwar gibt es im Netz allerhand Alternativen, die ein schnelles und kostengünstiges Ergebnis bieten, dennoch reichen diese natürlich nicht an die Arbeit erfahrener und optimal ausgerüsteter Tontechniker heran. Es kommt wie immer darauf an, was man möchte: Soll der Sound des eigenen Werkes bis in das Maximum optimiert und für eine professionelle Verwendung in der Musikindustrie präpariert werden, bleibt der Gang zu den Profis unvermeidlich. Sucht man allerdings viel mehr nach einer Art Vorstufe eines Masters, beispielsweise um die eigenen Tracks im Club zu testen, gibt es durchaus Alternativen.

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