MOTU AUDIO EXPRESS im Test

MOTU AUDIO EXPRESS im Test

Archiv 16. August 2011

Das derzeit zweitkleinste Audio-Interface von MOTU hört auf den Namen „Audio Express Hybrid“. Hybrid steht hierbei für wahlweise Firewire oder USB.

 

 

Der User hat also die Wahl, wie er das Gerät mit dem Rechner verbinden will. Doch kein Vorteil ohne Nachteil: beim Betrieb über USB ist das beiliegende Netzteil zwingend erforderlich, mit Firewire hingegen reicht die Bus-Power zur Stromversorgung. Aber auch hier gibt es eine Einschränkung, denn die Audio Express kann nur an einem 6-Pin Firewire-Anschluß angedockt werden. Die vor allem bei Laptops üblichen 4-Pin Konnektoren scheiden dabei also aus.

Aber egal, ob USB oder FW, ob mit oder ohne Netzteil (entsprechend den bereits genannten Einschränkungen und Voraussetzungen), sobald die Treiber & Tools installiert sind und die Verbindung Interface<->Computer steht, kann es eigentlich auch schon losgehen. Die MOTU kommuniziert dabei über CoreAudio/ASIO oder WDM mit jeder kompatiblen Anwendung, in 44,1 / 48 oder auch 96 kHz. Insgesamt stehen dabei jeweils 6 Ein- und Ausgänge zur Verfügung, die sich entweder in der DAW bzw. DJ-Software oder mit Hilfe des installierten CueMix FX Tools konfigurieren und steuern lassen.

Der Clou dabei ist, dass sich das Interface auch quasi stand-alone benutzen lässt, also ohne PC: über die Drehregler an der Front können alle Input-Volumen sowie auch die Ausgangslautstärken individuell justiert werden. Das kleine Display liefert dazu optisch die relevanten Werte, und mit ein wenig Übung bzw. Eingewöhnung kann man die paar wenigen bunten Pünktchen und Strichlein auch richtig deuten. Die Audio Express wird durch dieses Feature zum Mini-Mixer, mit dem sich zwar nicht allzu viel anstellen lässt, aber für eine Art Notbetrieb dennoch mehr als geeigent ist.
Als Recording-Interface macht die Audio Express eine mehr als gute Figur. Die Eingangssignale können mit Zusatztools wie Oszilloskop, X-Y Plot oder Spektrogramm graphisch überwacht und per Direct Monitoring latenzfrei über Kopfhörer abgehört werden. CueMix FX bietet eine vollwertige Mixing-Konsole mit zahlreichen Einstellungs- und Routingmöglichkeiten und beim zeitgleichen Betrieb mehrerer kompatibler MOTU-Interfaces werden die Ein- und Ausgänge entsprechend kaskadiert und summiert angezeigt.
Will man die MOTU in Verbindung mit DJ-Software nutzen, hat man insgesamt 3 Ausgangspaare zur Verfügung: je 2 Stereo-Out und separat noch den Kopfhörerausgang, dessen Lautstärke sich am Interface selbst regeln läßt. Das ist zunächst nicht sehr viel, würde jedoch vor allem im internen Mixermodus absolut ausreichen. Belohnt wird der Anwender dann mit wirklich erstklassigem Sound, niedrigen Latenzen und einer Samplerate bis 96 kHz. Desweiteren ließen sich auch noch zwei Mikrofone (oder Instrumente) & zwei Mono-Linesignale einbinden, die direkt über das Interface der Mastersumme zugemischt werden können. Sofern also die genutzte Software keine Option bietet, ein oder zwei Mikrofone einzubinden, hat man mit der Audio Express einen Joker hierfür im Ärmel.
Über die Eigenschaften und Qualitäten der Inputs, deren Recordingmöglichkeiten und Kompatibilitäten zu verschiedenen Mikrofonen, Instrumenten & Linegeräten, sowie die Nutzung der MOTU in einer DAW sind bereits zahlreiche Berichte, Meinungen und Statements im Netz zu finden. Und zugegeben ist das auch nicht gerade mein Steckenpferd, weshalb mir für dieses Themengebiet ein wenig das Fachwissen fehlt, um darüber zu referieren. Daher habe ich das Gerät für diesen Test ein wenig zweckentfremdet und es als Audio-Interface für Traktor genutzt, wo sonst üblicherweise meine Audio 8 DJ werkelt. Die dadurch verloren gegangene Timecode-Funktion war zu verschmerzen und so habe ich zwei Decks im externen Modus über Kontrol X1 und Nuo4.0 gesteuert & gemischt. Und was ich dabei zu hören bekam, hat mich schockiert – und zwar im aller positivsten Sinn! Die Audio Express liefert einen absolut glasklaren, sehr dynamischen und präzisen Sound, der einfach nur begeistert. Im Direktvergleich mit der sonst verwendeten A8DJ ist das wirklich ein großer Sprung nach oben auf der Qualitätsskala, und dabei sind die NI-Interfaces klanglich ja auch nicht gerade schlecht gestellt – so dachte ich jedenfalls bis dahin! Wieviel von der Brillanz dann tatsächlich an einer PA ankommt, bleibt natürlich zu testen. Aber wenn der Unterschied schon auf einem HD25 bzw. zwei KRK RP6G2 so deutlich zu spüren ist, können mittelprächtige bis gute PAs davon wohl nur profitieren. Wer also, wie ich, die ganze Zeit dachte er/sie habe mit der Audio X DJ ein gutes Interface, dem/ihr sei gesagt: das ist auch richtig. Aaaaber: wer dann einmal den Direktvergleich mit einer MOTU startet, merkt dass nach oben hin noch einiges an Luft zu sein scheint. Kurzum: ich bin wahrlich hellauf begeistert und werde in Kürze auch mal die UltraLite MK3 von MOTU einem (ausführlicheren) Test und Direktvergleich zur A8DJ im Traktor 4Deck Betrieb unterziehen.

Die Moral von der Geschicht‘: test die MOTU, sonst glaubst du’s nicht! Für den reinen DJ-Betrieb bietet die Audio Express nicht zu wenige, aber wohl eher die falschen Features. Die Inputs blieben wohl eher die ganze Zeit unbenutzt und die Ausgänge sind wohl immer eher knapp bis nicht ausreichend. Doch dafür ist das Interface auch eigentlich nicht gedacht, und steht somit nicht in direkter Konkurrenz zu NIs TA-Serie oder den SL-Boxen von Serato (um hier nur mal die zwei wohl bekanntesten DJ-Interface Serien zu nennen). Dennoch fühlt sich das Gerät auch in diesem Arbeitsumfeld wohl und quittiert dies mit exzellentem Klang und einigen hilfreichen Features, die es bei den Kontrahenten nicht gibt. Sofern man mit der geringeren Anzahl an Ausgängen leben kann, dazu im besten Fall noch eine Verwendung für die zahlreichen Eingänge und deren Anschlußmöglichkeiten hat und vor allem Wert auf guten Klang zum erschwinglichen Budget legt, für den könnte die MOTU Audio Express Hybrid genau das Richtige sein.

 MOTU Audio Express im Angebot des Musikhaus Thomann

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