NI TRAKTOR KONTROL X1 – Test

NI TRAKTOR KONTROL X1 – Test

Archiv 18. Februar 2010

NI TKX1„Yet another controller“, würden viele sagen… Doch dem ist nicht so. Denn es ist nicht einfach nur ein weiterer Controller, sondern die erste auf Traktor zugeschnittene Bedieneinheit aus eigenem Hause: NI’s Traktor Kontrol X1



Der X1 richtet sich primär wirklich an Traktor-User, und das nicht unbedingt wegen der Namensgebung und der gemeinsamen Produktionsstätte, sondern vielmehr wegen des nativen Übertragungsprotokolls und vor allem auch wegen der reibungslos funktionierenden Plug&Play-Abilität: Anstecken, bestätigen und loslegen. Noch nie war Traktorfahren so einfach, egal ob im timecodierten Zweirad- oder im vollsynchronen Allradbetrieb. Aber auch als ordinärer MIDI-Controller macht der X1 eine gute Furche in den Acker und stellt somit seine Dienste auch Usern anderer Tools (z.B. Serato oder Ableton Live) zur Verfügung.

Die Fakten
Wie bereits von Audio 2/4/8 DJ, Maschine & Co. gewohnt, wirkt der neueste Hardware-Sprössling aus dem Hause NI ebenfalls sehr qualitativ verarbeitet und scheint somit für die harte Feldarbeit resp. Clubeinsatz bestens gerüstet. Rein optisch ist vor allem die Verwandtschaft zur Maschine auszumachen, womit spätestens hier alle Frage eines Unwissenden bezüglich Herkunft geklärt sein dürften. Allerdings scheint die Zahl der Unwissenden sowieso grenzwertig gering bis nicht vorhanden zu sein, denn kaum ein anderes DJ-Produkt hat im Vorfeld für so massiv Furore, Nachfrage und Spekulation gesorgt, wie der X1. Und das mehr oder minder gänzlich ohne Zutun seitens NI – willkommen im Web 2.0, willkommen beim viralen Marketing.
Um der Überschrift dieses Absatzes aber weiterhin gerecht zu werden: der Controller bietet 28 illuminierte Buttons, 8 Drehregler, 4 Endlos-Pushencoder und 2 intern agierende Shift- bzw. Hotcue-Taster. Die Encoder und Potis sind geriffelt und gummiert, ausreichend dick und hoch und bieten durch ausreichend Abstand zueinander genug Bewegungsfreiheit. Bei den Buttons hat man nicht nur haptisches Feedback durch einen prägnanten Druckpunkt, sondern man wird auch akustisch über einen markanten Klick informiert – zumindest im leisen Wohnzimmerbetrieb. Der Anschluß am Rechner erfolgt über USB, wodurch der X1 auch seine nötige Energie bezieht. Anschlüsse für ein externes Netzteil oder etwaige MIDI-Buchsen sind nicht zu finden. Für die optimale Straßen- und Geländelage hat NI auf der Unterseite vier große Gummipads installiert und, als absolutes Novum im Controller-Sektor, eine Aussparung für die Plattenspieler-Nabe, mit der sich der X1 wie eine etwas zu dick und eckig geratene Vinyl direkt auf den Teller platzieren läßt. Dies erscheint zwar auf den ersten Blick als eine wirklich tolle und innovative Idee, läßt sich in der Praxis aber nur bedingt realisieren, da sich dabei der Controller samt Plattenteller munter hin und her dreht, ohne Möglichkeit das Gespann irgendwie zu fixieren. Die Variante, den Plattenspieler dabei einfach laufen zu lassen, damit der X1 am Strobelicht anliegt und somit durch diesen Fixpunkt und permanenter Drehbewegung des Tellers einigermaßen (!!) stabilisiert wird, ist wohl eher als netter Gag anzusehen und stellt keine wirklich befriedigende Lösung dar, zumal dies auch wirklich nur mit dem MK2 funktioniert, da der MK5 ein niedrigeres Strobelight besitzt. Hier wurde wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Schade eigentlich, denn die Idee an sich ist richtig gut und würde so manches Controller-Platzproblem in den DJ-Kanzeln amortisieren.

NI TKX1 USB

Auspacken, anstöpseln, losfahren
Ja, so einfach kann es sein! Als Traktor-User (Traktor steht im weiteren Verlauf stellvertretend für TP, TSP, TD und TSD) genießt man mit dem X1 den großen Vorteil des gemeinsamen Ursprungs von Hard- und Software. Kaum hat man den Controller per USB an den Rechner angekuppelt, wird man in Traktor auch schon mit einem freundlichen Popup empfangen, das einem die Ankunft der neuen Maschine anzeigt. Nun nur noch kurz die Potis kalibrieren und schon gehts los mit der wilden Knöpfchendrückerei. Alle Funktionen agieren so, wie auf dem X1 aufgedruckt und das optische Feedback über die LEDs paßt auch zu jeder Zeit in jeder erdenklichen Lage. Das gefällt! Für alle, die sich mit dem vorgegebenen Standard-Mapping „zufrieden“ geben, ist der X1 eine astreine Out-of-the-Box Steuerzentrale und bietet einfachen und zuverlässigen Zugriff auf nahezu alle Funktionen.

Google- X1-Map
Wir wären nicht salection, wenn wir uns ausschließlich mit irgendwelchen Standard-Lösungen ruhigstellen lassen würden. Somit ging’s dann nach der kurzen Eingewöhnungsphase auch gleich ans individuelle Belegen der Knöppe. Hier verhält sich ähnlich wie bei anderen Controllern, nur daß man nicht mehr CCs oder Noten zuweist, sondern direkt den Namen der Hauptfunktion des gewünschten Elements vom X1, z.B. „LEFT-PLAY“, was dem Button links unten entspricht. Selbes gilt für das Ansteuern der LEDs. Sieht man nun von der fraglichen Effizienz des Controller-Managers in Traktor mal ab, gibt es beim Mappen keine Probleme oder Komplikationen und der X1 läßt sich sehr gut auf die individuellen Wünsche anpassen.

NI TKX1 USB

MeinIndividuellesDraufrumdrückInstrument oder kurz MIDI
Hat man am X1 den MIDI-Gang eingelegt (über gleichzeitiges Drücken von Shift und Hotcue), was durch den grünleuchtenden Hotcue-Button auch optisch angezeigt wird, läßt sich mit ihm jede MIDI-fähige Software bedienen. Hier stellt vor allem der Controller-Editor von Native Instruments eine oft gewünschte und leider auch oft vermisste Zusatzleistung dar. Mit dem Editor lassen sich die Befehle sämtlicher Elemente des Geräts ganz nach eigenen Wünschen und Anforderungen bearbeiten und per Upload im Controller speichern oder als Preset auf dem Rechner archivieren. Als weiteres Schmankerl kann man auf der virtuellen Geräteoberfläche im Editor alle Knöpfe und Regler individuell beschriften und so die jeweilige Belegung sehr einfach nachvollziehen und dadurch auch problemlos ändern, ohne dass es zu ungewünschtem Löschen oder Editieren von Mappings kommt.

X1 vs. 1D
Auch, wenn der X1 global gesehen ein vielfältiger und multifunktionaler (DJ-)Controller ist, der sich wirklich prima in nahezu jedes Setup und jede Software integrieren läßt, ist ein direkter Vergleich mit A&H’s Xone:1D mit Sicherheit einer der interessantesten Aspekte. Denn neben der ähnlichen Bauform (schmal & hochkant) zielt auch das Layout sehr auf vollsynchrone Mehrdeckperformer, vor allem im Dualbetrieb zweier solcher Geräte.
Gleich auf den ersten Blick fallen einem die „fehlenden“ Linefader und Jogwheels auf. Dieses vermeintliche Manko macht der X1 mit einer Plusdifferenz von 12 Buttons und der tadellos funktionierenden LED-Ansteuerung mehr als wett. Bei den Potis geht das Rennen unentschieden aus, und den einen weniger vorhandenen Push-Encoder kann man verschmerzen, vor allem auch wegen der integirerten Shift- und Hotcue-Option, die eine Mehrfachbelegung aller Elemente (im Falle von Shift) bzw. der Hotcue-Buttons erlauben. Wenn man dies in die Gesamtwertung mit einfließen läßt, stehen beim X1 ganze 72 illuminierte Buttons, 16 Potis und 8 Endless-Pushencoder zur Auswahl. Von dieser Seite also klarer Punkt für den X1. Man könnte dem Ganzen auch noch die Krone aufsetzen, indem man beim X1 beide Protokolle (also nativ & MIDI) summiert, was die genannte Summe an Elementen mal eben verdoppeln würde.
Speziell im Fall von Traktor steht dem X1-User neben dem etwas angestaubten MIDI-Protokoll auch noch die native Einbindung über ein hausinternes Protokoll zur Wahl, das sich vor allem durch eine höhere Auflösung der Kommandos auszeichnet. Aber auch in Sachen MIDI hat der X1 die Nase vorn, denn NI bietet im Gegensatz zu A&H einen Controller-Editor zum Anpassen der MIDI-Commands. Dieses Manko kann der 1D mit seinen DIN-MIDI-Buchsen auch nicht mehr ausgleichen, die ja wie bereits erwähnt am X1 fehlen.
Müsste ich nun als hohes Schiedsgericht fungieren und ein finales Urteil über diesen Zweikampf fällen, so ginge der X1 als eindeutiger Sieger hervor, und das nicht nur (aber vor allem!) auf die Verwendung mit Traktor bezogen. Die sauber überlieferten und per Editor anpassbaren MIDI-Befehle und das astrein funktionierende Ansteuern der LEDs sind nämlich exakt die gravierendsten Schwachstellen vom Xone, die ein zuverlässiges Arbeiten erschweren oder gar verhindern. Einzig über die Anordnung der Bedienelemente wäre der X1 anfechtbar, was jedoch genauso für den 1D gelten kann. Hier entscheidet nämlich ausschließlich der Gusto des Benutzers über Pro und Contra.

Erntezeit
Man muß NI wirklich ein Lob aussprechen für ihren Traktor Kontrol X1. Gute Verarbeitung trifft auf perfekte Umsetzung in der Software und läßt zudem auch genügend Spielraum für andere Tools oder Anwendungsgebiete. Dies zeigt sich schon beim Auspacken, wenn einem das mitgelieferte Overlay zum ersten Mal in die Hände fällt. Denn dies läßt sich auf der einen Seite ganz individuell beschriften und bringt auf der anderen Seite sogar ein vorgefertigtes Mapping für den neuseeländischen Mitbewerber Serato mit, für den man den X1 ebenso optional nutzen kann. Die erforderliche „xml“ für SSL ist auch gleich mit an Bord.
Einzig die vermeintlich nicht zu Ende gedachte Turntable-Andock-Stelle und die senkrecht angeordneten Effekt-Steuerungs-Elemente geben mir Anlass zur Kritik. Aber das ist verglichen mit allen positiven Aspekten durchaus zu vernachlässigen.

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