Test: Pioneer DDJ-RX

Test: Pioneer DDJ-RX

Tests 13. Januar 2016

Zuerst dominierte die Marke bei den Clubmixern, dann bei den CD-Playern. Später folgten Controller und nun auch eine eigene Software. Hier geht es um eine Kombination aus den beiden letzten Punkten: Ein Pioneer DDJ-RX Test.

Das System

Beim DDJ-RX handelt es sich um einen 4-Deck-Controller, welcher exklusiv auf die Software Rekordbox DJ zugeschnitten ist. In den letzten Jahren hat der japanische Hersteller eine Vielzahl von Hardware zur Steuerung von unterschiedlichen DJ-Programmen (Serato / Traktor / Rekordbox) auf den Markt gebracht. Bei all den prägnant-kurzen Produktbezeichnungen kann man schon mal den Überblick verlieren: Was war der DDJ, was ein XDJ, was ein SX oder RZ? Beginnen wir dieses Review also mit einer Einnordung des DDJ-RX. Kleine Abhandlung: Die Benennung von Pioneers DJ-Equipment besteht aus zwei Teilen, was an deutsche Autokennzeichen erinnert. Die ersten drei Buchstaben definieren die Produktgruppe: DJM sind Mixer, CDJ steht für CD-Player, HDJ fasst Kopfhörer zusammen, DDJ sind die Software-Controller und XDJ meint Mediaplayer, die von USB-Stick oder über Netzwerk arbeiten.

Im zweiten Teil steht entweder eine Zahl (z.B. CDJ-2000, DJM-600) oder eine Kombination aus Buchstaben (und Zahlen). Je höher die Zahl oder je weiter hinten im Alphabet der Buchstabe, umso professioneller (oder aktueller / meist auch teurer) das Equipment. Außerdem kann man an den Buchstaben die DJ-Software ablesen, für welche ein Controller entwickelt wurde. T = Traktor (nicht mehr aktuell), S = Serato, R = Rekordbox. Auf den Punkt gebracht ist der DDJ-RX ein eher hochpreislicher Controller für Rekordbox, vergleichbar mit dem DDJ-SX, der für Serato bestimmt ist (Vergleich folgt am Ende des Reviews) und dem DDJ-RZ/SZ, welcher die derzeitige Obergrenze des Segments Controller darstellt.

Das Konzept

„Vorsprung durch Technik“ hieß es in den 70ern bei Audi. Bei den Herstellern von DJ-Equipment wäre „Technischer Vorsprung durch Software“ ein passender Slogan, wobei die Software aus dem eigenen Haus kommen sollte. PIONEER hat eine kurze Liaison mit Traktor hinter sich, sowie eine langjährige Beziehung mit Serato. Parallel dazu wurde das einstige Vorbereitungsprogramm Rekordbox mit Rekordbox DJ 4.0 zur vollwertigen DJ-Software ausgebaut. Der DDJ-RX ist nun (neben dem DDJ-RZ) der erste Controller speziell dafür, es ist zu vermuten, dass weitere folgen werden. Der große Vorteil liegt im geschlossenen System, mittlerweile PIOsphere genannt. Einmal Tracks oder eine Playlist in Rekordbox vorbereitet, kann man sie überall nutzen: In der Software mit DDJ-Controller oder auf einem USB-Stick am CDJ oder XDJ.

Die Umsetzung

Mit 66 cm x 34 cm Oberfläche (Gewicht 5,8kg) fällt der DDJ-RX relativ groß aus. Dabei bildet er im Prinzip ein Setup aus zwei Playern und einem Mixer mit vier Kanälen nach. Obwohl vollgepackt mit Fadern, Reglern und Buttons, hat man durch das für PIONEER typische Layout schnell den Überblick über die einzelnen Funktionen. Drei verschiedene Möglichkeiten Effekte einzusetzen und die vielseitig nutzbaren Pads legen nahe, dass es sich um einen Performance-Controller handelt. Jemand der Musik kreativ neu arrangieren will wird hier eher glücklich, als der, der in die Überblendung zweier Tracks drei Minuten investiert. Wobei man das natürlich auch mit dem DDJ-RX machen kann.

Pioneer_DDJ-RX_Review_Rekordbox_Controller

Die Anschlüsse

Der DDJ-RX bringt vier Eingänge mit, von denen zwei (die beiden inneren Kanäle) über eine zuschaltbare Vorverstärkung für Plattenspieler verfügen. Damit ist er auf die demnächst zu erwartende DVS-Funktion in Rekordbox vorbereitet. Zudem arbeitet der Mixerpart Stand-Alone, d.h., dass auch ohne Computer angeschlossene Quellen gemischt werden können. Pioneer verzichtet auf einen eigenständigen Mikrofonkanal, dafür lassen sich die beiden äußeren Kanäle mit Mikrofon (XLR-Kombi, Klinke) beschicken. Man hat hier zwei komplette Kanalzüge (inkl. Talk Over) für Mikrofone, opfert im Gegenzug (in diesem Ausnahmefall) aber zwei Zuspielquellen.  Für eine angenommene klassische Nutzung – zwei Decks, ein externer Zuspieler, ein Mikrofon – ist der DDJ-RX vorzüglich gerüstet.

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_back

 

Pioneer_DDJ-RX_Review_rekordbox_Controller_Front

Das Mastersignal kann symmetrisch (XLR) oder unsymmetrisch (Klinke) ausgespielt werden. Außerdem gibt es noch einen separat regelbaren Booth-Ausgang (Klinke) und eine Ausgang für den Kopfhörer (6,3mm/3,5mm). Dieser ist an der Frontseite verbaut, was üblich ist. Auch die Reglung des Volumens erfolgt an der Vorderseite sowie das Mixing zwischen Vorhörsignal und Master. An der Frontseite finden sich zudem noch die Umschalter für die Eingangsquelle und die Einstellung der Kurve des Crossfaders. Der Vollständigkeit halber: Die Rückseite beherbergt noch den USB-Anschluß sowie Netzeingang und -schalter. Ein Netzteil ist zum Betrieb zwingend notwendig. Verbaut ist eine 24bit/44,1kHz Soundkarte. In anderer Software wird diese unter Audio als 2IN/4OUT erkannt. Alle Bedienelemente des DDJ-RX lassen sich per MIDI in entsprechender Software mappen. SERATO wird jedoch – aus naheliegenden Gründen (DDJ-SX) – NICHT unterstützt.

Der Mixer

Pioneer-typischer Aufbau. Vier Kanäle, umschaltbar zwischen PC-Nutzung und extern angeschlossenen Quellen (CD, Plattenspieler, Mikrofon). Die 50mm-Linefader, deren Charakteristik in der Software wählbar ist, verfügen über einen optionalen Faderstart und eine Zuweisung zum Crossfader. Der Crossfader selbst ist leichtgängig und bei Bedarf austauschbar.

Die Crossfaderkurve kann über denn bereits erwähnten Regler hardwareseitig eingestellt werden. Jeder Kanal verfügt über eine eigene LED-Kette zur Kontrolle des Levels, einen Button zur Auswahl fürs Vorhören (Cue) und über einen 3-Band EQ (in der Software umschaltbar zwischen EQ und Isolator/Kill).  Dazu kommt ein Gainregler (Trim) sowie ein Regler für die nur beim DDJ-RX (nicht beim DDJ-SX) zu findenden „Sound Color FX“.  Zur Auswahl stehen Noise, Crush, Pitch oder Filter. Abgeschlossen wird der Kanalzug mit den Zuweisungsbuttons für zwei weitere Effekteinheiten und einen Load-Button, der in erster Belegung einen ausgewählten Titel in das zugehörige Deck der Software lädt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich die 3-1-2-4 Reihenfolge der Kanäle.

Mittig zwischen den Line-Kanälen findet sich die Mastersektion. Ein etwas kürzerer Fader regelt das Volumen des Samplers. Darüber befinden sich die Anwahlbuttons der erwähnten „Sound Color FX“, die Regler fürs Master- und Boothlevel, zwei kurze LED-Ketten für die Anzeige des Masterlevels sowie Encoder für das Browsen in der Software, nebst zwei ergänzenden Buttons. Via Shift sind diesen (und den Load-Buttons) weitere Steuermöglichkeiten zugewiesen.

Die Decks

Im Groben kann man die Decks in drei Zonen teilen. Im Zentrum liegt dabei das 130mm große, touchsensitive Jogwheel aus Aluminium. In dessen Zentrum wiederum gibt es – wie von den großen CDJs bekannt – ein Display mit Visualisierungen zur Position und zum Wiedergabestatus.  Jedes der beiden Jogwheels bedient über Umschaltung zwei Decks (1/3 und 2/4).

Rekordbox_Einstellungen DDJ-RX

Die bei Pioneer’s Profi-CD-Player üblichen Regler für das Start- und Stopverhalten (Release / Brake) finden sich nicht an der Hardware, diese Einstellungen kann man aber in Rekordbox treffen. Jeweils rechts neben dem Jogwheel (= unsymmetrischer CDJ-Style) ist ein 100mm Pitchfader positioniert. Dieser arbeitet wahlweise mit +/- 6%, 10%, 16% und 100%. Als Gegenstück zum „Handwerkszeug Pitch“, verfügt der DDJ-RX natürlich auch über Sync-Buttons. Außerdem gibt es auch je einen Button mit dem Label „Mastertempo“. Persönlich finde ich Key-Korrektur die passendere Bezeichnung, da ein Mastertempo ja eigentlich eine global vorgegeben Geschwindigkeit meint und nicht die Beibehaltung der Tonhöhe bei Veränderung des Tempos.

Über dem Wheel dient ein Touchstripe dazu eine Position im geladenen Track anzuwählen. Nennt man wohl auch „Needle Search“, da es sich am Vorgehen orientiert mit der Nadel in der Plattenrille die Position zu wechseln. Daneben geben zwei Buttons Hilfe beim gridden, also dem Vorbereiten eines Tracks, sofern man solche Vorgänge nicht lieber „offline“  (ohne Controller) macht. Pro Deck ist eine Effekteinheit untergebracht. Drei Potis, ein Push-Encoder und fünf Buttons steuern, je nach Auswahl, jeweils drei einzelne Effekte über einen Regler oder einen Effekt im Detail. Beide Effekteinheiten können auch zusammen einem Kanal/Deck zugewiesen werden.

Im unteren Bereich des Decks laden jeweils acht anschlagdynamische und farbig hintergrundbeleuchtete Pads zur Performance ein. Diese sind mehrfach verwendbar: Hot Cue, Beat Jump. Pad Effekte, Slicer, Slicer Loop und zum Antriggern von Samples. Die Sektion fürs Loopen (Auto/Manuel) ist ausgelagert und rechts neben den Pads untergebracht. Bleibt noch Start/Pause und Cue, welches linksseitig der Pads zu finden ist.  Der DDJ-RX unterstütz einen „Slip Mode“ bei Loops oder Scratches läuft der Track (unhörbar) weiter, nach dem Ende der „Performance“ geht es automatisch an der Stelle weiter, wo der Track ohne Unterbrechung wäre. Klingt komplizierter als es ist.

Rekordbox

Rekordbox_Software_4 _Decks

Wer sich für den DDJ-RX entscheidet, entscheidet sich für Rekordbox. Diese Software ist als vollumfängliches DJ-Programm noch relativ frisch, bringt aber bereits jetzt alle essentiellen Features mit, die Mitberweber auch haben. Glaubt man diversen Foren, sind Kinderkrankheiten vorhanden. Mit jedem Update werden Bugs ausgemerzt, mit dem nächsten Majorupdate sind weitere Funktionen (DVS-Otion, mehr Effekte) zu erwarten, die dann wahrscheinlich als Add-On zu kaufen sind.

Fazit

Die Verarbeitung der Hardware ist solide, funktionell liefert der DDJ-RX in Kombination mit Rekordbox eine breite Palette an kreativen Tools. In meinem Test sind mir keine nennenswerten Sachen aufgefallen, die zu bemängeln wären. Trotz fehlender Langzeiterfahrung darf ich sagen, dass ich als eingefleischter Serato-User neidisch auf die Pad-Effekte und den Sample-Sequenzer bin. Ob und wie sich Rekordbox in Zukunft durchsetzt bleibt abzuwarten, ich traue Pioneer da inzwischen aber einiges zu. In wenigen Worten: Ich bin angetan.

Preis: 929 EUR
Mehr Informationen auf der Pioneer-Website.

 

 

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