Review: Benjamin Fröhlich – Amiata [Permanent Vacation]

Review: Benjamin Fröhlich – Amiata [Permanent Vacation]

Features 11. Mai 2019

Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Seit mehr als zehn Jahren zieht Benjamin Fröhlich nun schon professionell Strippen: Als einstiger Betreiber eines Plattenladens, als Veranstalter von Partys, als Kopf des Münchener Labels Permanent Vacation sowie als DJ an der Seite von Tom Bioly. Bekannt dürfte Fröhlich vor allem als Förderer von Namen wie Todd Terje, Wolfram Eckert oder John Talabot sein. 2017 feierte das Label mit einer intensiven 4LP-Compilation Jubiläum. Was mit einem blauen Plastikdelfin in der Sauna begann, ist im Laufe einer Dekade zu einer Flotte von Schlüssel-Veröffentlichungen gewachsen. Spätestens zum Meilenstein muss die Idee konkret geworden sein, selbst ein Album veröffentlichen zu wollen. Mit 'Amiata' liegt jetzt das - wenn man so will - verdiente Debütalbum vor.

Retrofuturistisch, dubbig, zeitweise Italo-zitierend changiert Fröhlich stilistisch munter zwischen den Achtzigern und Neunzigern, um daraus einen eigenen Sound zu formen. Gebündelt auf neun Songs erforscht er dabei eigene musikalische Vorlieben und reproduziert damit gleichzeitig das Klangprofil von Permanent Vacation. Rein dramaturgisch ist es auf den ersten Blick sicherlich gewollt, wohl aber unglücklich im Ergebnis: 'Saturnia', mit das stärkste Stück der Platte und folgerichtig als erste Single ausgekoppelt, wurde ans Ende des Albums verbannt. Offensichtlich inspiriert vom Intro der Serie 'Stranger Things' hievt Fröhlich darin das Konzept, tiefe Synthielinien mit angenehmer Up-tempo-Rhythmik zu paaren auf die nächste Stufe. Das klingt glücklicherweise weniger bedrohlich als das vermutliche Vorbild. Generell hält sich 'Amiata' mit Melancholie und Dancefloor-Drama zurück.

So ist es aber auch Augenwischerei, wie behäbig der Einstieg in das Album gewählt ist. Der Opener 'Forty Trees' wirkt im Vergleich zum Rest der Platte recht trüb, zäh und fehlplatziert. Müde vom Dub, fast schon schläfrig startet ein Album, das eigentlich in glühender Abendröte Tanzbeine animieren will. Wach wird Fröhlich erst auf dem zweiten Track 'Secret Alphabet'. Gleich zu Beginn findet er darin seinen ersten Ohrwurm-Loop über zwei Takte und gestaltet darauf nach Belieben die Spuren aus. Die besonders simple Grundstruktur bietet Freiraum sich im wilden Synthesizersolo auszutoben. Mit 'The Big Sun' und 'Tivoli' scheint dann zunächst die Formel gefunden: Cosmic Disco, mit offenem Hemd und Goldschmuck. Vor allem 'Tivoli' folgt einer ähnlichen Idee wie 'Secret Alphabet'. Eine einfache Song-Architektur ist dabei grundsätzlich nichts schlechtes. So sind Fröhlichs Tracks höchst eingängig und präsent.

Dem Stück 'Last Night' kommt das zugute. Hierfür sicherte sich der Münchener die Vocals des aus Washington, D.C. stammenden Crooners Dreamcast und akzentuiert diese als Hauptakteur. Üblicherweise auf Downtempo-Beats unterwegs unterlegt Fröhlich mit einem klassischen House-Instrumental die soulige Stimme des Sängers. Sicheres Ding. Das Stück 'Cicada Dub' trägt die Energie noch ein wenig weiter, deutet mit unterlegten Geräuschen einer Menschenmenge aber bereits an: Viele der Songs besitzen den Anspruch, im Hintergrund laufen zu wollen.

Das ist gleichzeitig auch die Schwachstelle des Albums. Fröhlich geht, abseits von der Lead-Single, selten Risiken ein und schafft ein Album gefälliger, sich selbst genügender Disco-House-Tracks. Verkehrt ist das alles nicht, zu oft aber eben auch schüchtern und uniform. Natürlich steckt hier die langjährige Expertise eines integren Teils der deutschen Electronic-Szene drin. Wohl aber gerade deswegen ist 'Amiata' zu brav.

'Amiata' erschien am 10. Mai auf Permanent Vacation.

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