Test: Pioneer XDJ-1000

Test: Pioneer XDJ-1000

Tests 5. Februar 2015

Mit dem XDJ-1000 hebt PIONEER eine neue Serie von Geräten aus der Taufe. Es geht weg von der CD und – zumindest teilweise – auch weg vom Computer. 2015 wird vernetzt, Daten kommen vom Stick und natürlich darf ein Display nicht fehlen.

Erster Eindruck

Der XDJ-1000 ist ein Leichtgewicht. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass er 3,3kg wiegen soll. Das mag am Gehäuse aus Kunststoff oder auch an einer gewissen Zerbrechlichkeit liegen, welche das große Display vermittelt. Dieses dominiert mit seiner Diagonale von sieben Zoll ein gutes Drittel der Oberfläche des Gerätes. Der verbleibende Teil wird von einem 203mm Joghweel eingenommen, baugleich mit dem des Flaggschiffs CDJ-2000NXS. Die restlichen Bedienelemente sind in Anzahl und Anordung sehr überschaubar.

Rechterhand des Jogwheels haben wir einen 100mm Pitchfader, eine Umschaltung für die Pitchbereich (+- 6/10/16%/Wide=100%). Dazu kommt der Button zur Aktivierung eines Master-Tempos, die Einstellung der Nutzungsart (CDJ/Vinyl) und ein Regler für die kombinierte Touch/Release-Empfindlichkeit des Wheels.  Linkerseits finden sich Start/Pause/Cue sowie die Track Search-Buttons. Weiterhin, mit REV, ein Taster zur Änderung der „Abspielrichtung“ und drei Buttons die Loopfunktion betreffend.

Das wars an physischen Elementen, weitere Performancefeatures laufen über ein touchfähiges Display, welches links von einem USB-Steckplatz und rechts von einem griffigen Pushencoder gerahmt wird. Auf der Rückseite des Gerätes gibt es einen USB-Typ B Anschluss für einen Rechner, eine Netzwerkbuchse sowie Audio Out, als Cinchpaar. Die Spannungsversorgung kommt über einen Eurostecker, ein 3,5″ CONTROL-Eingang wartet auf eventuelle Verwendung mit dem Faderstart eines Mixers und ein Kensigton Lock Slot ist auch vorhanden.

Vorbereitung

Mehr denn je ist die Software Rekordbox wichtiger Bestandteil des Konzepts, was sich beim CDJ-2000 oder Aero bereits andeutete. Erhältlich für WIN, MAC, iOS und Android dient diese der Vorbereitung von Tracks, die anschließend auf kompatiblen Endgerät abgespielt werden. Im Ursprung basiert Rekordbox auf Cross von Mixvibes. Pioneer umschreibt das Programm als iTunes für DJs“, was es ganz gut trifft. Ein mächtiges Tool zum Managment und zur Vorbereitung von Musik, speziell für den DJ-Einsatz. Darüber hinaus kann Musik aus Rekordbox aber auch über USB, LAN oder WiFi auf den XDJ-1000 „gestreamt“ werden. Man könnte den XDJ-1000 daher durchaus als eine Art Netzwerkplayer sehen.

Um Rekordbox zu nutzen, ist es notwendig ein Konto einzurichten, Pioneer verbindet dieses dann auch mit seinem Netzwerk KUVO. Ist die Hürde genommen, können erste Tracks über die klar strukturierte Oberfläche von Rekordbox importiert werden. Unter den auszuwählenden Sprachversionen ist auch deutsch, was für manchen Zeitgenossen ein nicht unwesentliches Kriterium ist.

Importierte Titel werden analysiert und mit kleiner Waveform, Cover und weiteren vorhandenen Informationen in einem Browser angezeigt. Anschließend lassen sich Playlisten erstellen, Trackinfos bearbeiten oder Songs per Vergabe eines Sternsystems bewerten. Über die zoombare Waveform-Darstellung eines ausgewählten Songs kann man komfortabel Cue-Punkte und Loops setzen. Ähnlich wie Mixed In Key kann Rekordbox zudem die Tonart eines Titels analysieren. Rekordbox verfügt über eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten und Features, deren Details an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden. Um es kurz zu machen: Rekordbox ist mehr als nur eine simple Managementsoftware, es ist die Grundlage für eine optimale Performance an der Hardware.

rekordbox xdj 1000 usb sync

Praxis

Der XDJ-1000 spielt MP3, WAV, AAC und AIFF Dateien. Ich übertrage via „Sync Manager“ testweise eine kleine Auswahl von acht MP3 auf einen einfachen 32GB USB-Stick, für den ich auch eine Hintergrundfarbe wählen kann.  Ebenso ist es möglich individuelle Voreinstellungen zu exportieren, welche dann am XDJ-1000 geladen werden. In der gewählten farblichen Codierung blinkt der USB-Port des XDJ-1000, nachdem der Stick damit verbunden wurde.

Das farbige LCD Touch-Display konfrontiert den User mit einer Vielzahl von Informationen und Möglichkeiten auf kleinem Raum. Die 7″ lassen sich in etwa 15cm Breite und eine Höhe von 8,5cm übersetzen. Ein Platz, den Pioneer in Fortführung bereits existenter Modele (Display/Buttons beim CDJ-2000NXS) nutzt, um via Touch die drei Sektionen „Browse, Play, Perform“ zugänglich zu machen.

Für die Keywortsuche steht eine virtuelle QWERTY-Tastatur zur Verfügung. Es kann aber auch nach verschiedenen Kriterien (Artist, Titel, Key, etc) durch den Inhalt einer Datenquelle gebrowst werden. Dazu nutzt man den erwähnten Pushencoder rechts vom Display, denn die Touchfunktion scheint in dem Fall nicht vorgesehen. Im unteren Bereich des Display wird eine Waveform des geladenen Tracks dargestellt. Mit der Funktion „Needle Search“ läßt sich hier durch Berührung zu einer beliebigen Stelle im Track springen. Im Zentrum des Displays visualisiert ein zoombarer Ausschnitt der Waveform den Bereich um die aktuelle Position im Titel. Ganz so, wie man es von Traktor und Co. kennt. Weiterhin werden Informationen zum aktiven Track, zur Laufzeit, zum Tempo, der Tonhöhe und so weiter angezeigt. Auch die Auto Loop Funktion ist hier zu finden. Spielt man mit mehreren vernetzten XDJ-1000, wird über ein Phasemeter deren Synchronität ermittelt. Natürlich, und auch das ist von einer Software übernommen, lassen sich vernetzte Player SYNCen.

Im Perform-Modus werden Buttons zur Steuerung der neuen Funktionen „Quantize Beat Jump“ und „Loop Move“ auf dem Display eingeblendet. Über diese kann ein Beat oder ein Loop während der Wiedergabe nach vorn oder hinten verschoben werden. Auch die Cue-Punkte werden in diesem Modus angewählt, in der Praxis braucht es einige Zeit um sich einzugewöhnen. Ist das einmal geschafft, arbeitet es sich ganz annehmbar über das Display. Wer schon einmal mit DJ-Software konfrontiert wurde, wird einige Features (Slip Mode, Quantize, Loops, Cues) und die farbige Anzeige der Waveform wiedererkennen. Im Prinzip hat Pioneer genau das versucht umzusetzen: eine DJ-Software im Gehäuse eines Players.

Das große Jogwheel, mit seinem Mitteldisplay wurde vom CDJ-2000NXS übernommen. Leider bleiben die Möglichkeiten der getrennten Feinjustierung (konkret: Adjust/Touch/Release) dem 2000er vorbehalten. Trotzdem darf man von einem Standard sprechen. Das trifft auch auf den Pitchfader und die Transportsektion zu.

In Sachen Vernetzung denkt Pioneer an die Zukunft. Der XDJ-1000 kann über die Option LINK in ein Netzwerk aus passenden Geräten eingebunden werden. Das geht von der Zusammenarbeit mehrerer Player/Computer/Mobil Devices bis zur Idee auch drahtlos Musik abzugreifen. Neben Musikfiles werden auch Playlisten, Loops, Cues und individuelle Einstellungen übertragen. Das ist direkt (Stick am XDJ), über USB-Kabel (iPhone auf dem Rekordbox läuft) oder über einen Netzwerk- bzw. WLan-Router möglich. Das iPad wird seltsamerweise nicht per USB-Plug unterstützt. iPhone und iPod – laut Manual – hingegen schon. Um ein iPad einzubinden, wäre über das WiFi eines Routers zu gehen. Auch Rekordbox auf einen Rechner mit dem XDJ anzusteuern ist nur über den Umweg des Routers möglich.

Beispiel Connection

Wie im echten Leben werden beim Livebetrieb des XDJ-1000 jede Menge Daten aufgezeichnet. Diese stehen zur nachträglichen Auswertung und Verwendung bereit. Final soll damit wohl das firmeneigene DJ-Netzwerk KUVO gefüttert werden.

Über USB mit einem Rechner verbunden fungiert der XDJ-1000 als MIDI-Controller für kompatible Software. Im Fall von Serato DJ funktioniert das ab Version 1.7.3 plug`n play über HID. Beachten sollte man, dass genügend USB-Ports frei sind. Denn neben den Playern will auch das (leider parallel notwendige) SL-Interface angeschlossen sein. Darüber wird auch der Sound ausgegeben. Elementare Funktionen wie Browsing, Songs laden, Cue-Punkte und Loops setzen können über den XDJ gesteuert werden. Eine detailierte Waveform oder Trackinfos werden nicht abgebildet, die Tracklist aus Serato DJ wird hingegen auf dem Display angezeigt.

Fazit

Mit diesem Media-Player ist Pioneer auf dem richtigen Weg. Aber lange nicht am Ziel. Verzicht auf das CD-Laufwerk: Nachvollziehbar. Netzwerkeinbindung/Rekordbox: Zukunftsweisend und ausbaufähig. Besonders der Zugriff auf eine zentrale Musikbibliothek erinnert an Zeiten, als alle DJs den Plattenbestand einer Diskothek nutzten. Fragt sich, ob man damit GEMA spart. Dann wären Clubs die Zielgruppe. Was ist noch zu werten? MIDI/HID: Bonus. Touch statt Haptik: Streitfall, an dem Punkt scheiden sich die Geister. Die einen freuen sich über viele Optionen auf kleinem Raum und eine gewisse Flexibilität bei Updates, die anderen brauchen „echte Buttons“ und haptisches Feedback.

Preis: 3399 EUR
Mehr Informationen auf der Pioneer-Website.

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