Review: Wolfram - Amadeus [DFA Records/Public Possession/Live From Earth]

Review: Wolfram - Amadeus [DFA Records/Public Possession/Live From Earth]

Features 14. September 2019

Ey, wir müssen mal kurz reden. Über Geschmack und Inspiration. Über kreative Zugänge oder neudeutsch: Approach. Und auch über Humor im House. Der österreichische Produzent Wolfram Eckert ist mehr als nur ein gewöhnlicher DJ mit dem Hang zu exzentrischen Vocal-Edits. Sein vordergründiges Selbstverständnis als Entertainer inszeniert er als fleischgewordenen Viral-Hit. Auf 'Amadeus' ironisiert er den Hang zur Retro-Romantik innerhalb der elektronischen Musik, aber nur so weit, dass Kritik dabei nie wirklich zum Tragen kommt. "Memefizierung" als Tischfeuerwerk? Auf den ersten Blick triggert das immens, denn es wird nie wirklich klar, um was es ihm hier geht. Zynischen Humor? Trash? Obskurität? Oder einfach nur gute Laune?

Mit dem zweiten Studioalbum innerhalb von acht Jahren kehrt Wolfram zurück und hebt sein Gespür für überraschende Gastbeiträge auf die nächste Metaebene. Fast schon collagenartig versammelt er auf dem Album ein All-Star-Aufgebot an zumeist ehemaligen viralen Phänomenen: Von Empowerment-Ikone Peaches über Live-From-Earth-Frontrunner Yung Hurn bis hin zu Egyptian Lover sowie dem altbekannten Gesicht Haddaway. Auch Falco und Pamela Anderson werden als Teile der Gästeliste angeführt, was zur Randomness des Albums beiträgt. Schnell wird deutlich: Alles kann passieren, alles soll passieren. Klang-ästhetisch versetzt Wolfram dabei in kitschige Italo-House-Kulissen, etwas womit er zuletzt häufiger auf 12-Inches experimentieren konnte.

Dieser Kitsch, der den Tanzflächen die krampfige Ernsthaftigkeit nehmen soll, wirkt zunächst aber etwas manipulierend. Haddaway, der bereits auf dem Debütwerk 'Wolfram' auftauchte, steht grundsätzlich im geschmacklich recht fragwürdigen Zusammenhang Eurodance. Wolfram attackiert diese Erwartung und sorgt mit schweren Synthesizer-Plugins dafür, dass das 2019 wieder funktioniert. Dafür remixte Wolfram nicht bloß altes Ausgangsmaterial aus Haddaways Hochphase, sondern nahm mit ihm den Track 'My Love Is For Real' komplett neu auf. Eine zusätzliche Bonusversion des Stücks findet sich am Ende der Platte. Sakrale Orgeltöne simulieren einen Live-Mix aus einer Kirche.

© Alexander Robotnick

Auf dem Titeltrack 'Amadeus' arbeitete Wolfram mit Vocals der Wiener Kultfigur Falco. Hierfür sampelte er einige Gesangspassagen des Klassikers 'Rock Me Amadeus' und fügt sie versatzstückartig wieder zusammen. Stufenweise baut sich in dem Track ein Ambient-geartetes schwebendes Instrumental auf, das kurz nach der Hälfte mittels Drumbreak plötzlich tanzbar wird. Bei dem Stück 'What Is It Like' hingegen ist nicht ganz klar, woher die Samples von Pamela Anderson stammen oder ob diese gar eigens für das Album aufgenommen wurden.

Nicht alles auf 'Amadeus' aber ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Vier der neun beziehungsweise zehn Stücke kommen ohne Feature-Klammer aus. Hier nutzt Wolfram die Gelegenheit, um den Italo-Kontext weiter auszudifferenzieren. In diesen Momenten zeigt Eckert sich von seiner erfahrenen Seite, variiert dort Tempo und Rhythmus und erarbeitet sich nötige Pausen zwischen den Gastvorträgen. Man muss schon klar konstatieren. Wolfram ist Prominentenfreund, und das möchte er unter Beweis stellen. Besonders zu Beginn sorgt sein Zitateteppich noch für Kurzweil, doch nur solange der Überraschungseffekt nicht abnutzt. In Nuancen fühlt man sich dabei an die ernst gemeinten (!) Patchworkprojekte von Solveig, Guetta und Co. erinnert. Am Ende ist dieser Show-Off wohl von allem ein bisschen: Obskur, vielleicht ein wenig trashig, aber in jedem Fall unterhaltsam.

'Wolfram' erschien am 13. September auf DFA, Public Possession und Live From Earth.

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