Test: Behringer Pro-1 / Analoger Synthesizer

Test: Behringer Pro-1 / Analoger Synthesizer

Tests.11. Februar 2021

Vor über 30 Jahren brachte der US-amerikanische Synthesizer-Hersteller Sequential Circuits den Pro-One auf den Markt. Dieser monophone Klangerzeuger besaß bereits einen Sequenzer und Arpeggiator und war somit das erste Modell des Herstellers, in dem beide Spielhilfen zur Verfügung standen. In den achtziger Jahren war der Synth musikalischer Bestandteil in Hits der Pet Shop Boys, Depeche Mode und einigen anderen großen Acts, sein analoger, unverwechselbarer Sound machte den Pro-One zur Legende. Das aus Deutschland stammende Unternehmen Behringer erschuf nun mit dem Pro-1 einen Klon dieses Klassikers. Mit zahlreichen Retro-Nachbauten stellte Behringer schon im Vorfeld unter Beweis, dass sie das Know-how besitzen, den ursprünglichen Analog-Sound klassischer Synthesizer in das digitale Zeitalter zu bringen. Kann der Behringer Pro-1 an die lange Erfolgsgeschichte seines Vorbildes anknüpfen?

Verarbeitung und Optik

Der semi-modulare Behringer Pro-1 kommt in einem ordentlich verarbeitenden Eurorack-Gehäuse, welches 424 x 95 x 136 Millimeter misst. Eine praktische Sache, da man ihn mit ein paar Handgriffen auch als vollständige Synthesizer-Stimme in einem Eurorack Case verwenden kann. Entsprechendes Anschlusszubehör für einen Umbau sowie zwei Patchkabel, Netzteil und Bedienungsanleitung sind dabei bereits von Hause aus im Lieferumfang enthalten.

Die Verarbeitung des Desktop-Synthesizers ist sehr solide: Außer den Drehreglern, Schiebereglern und den Holzseitenteilen ist alles aus Metall gefertigt. Die Schieberegler lassen sich sehr gut bewegen. Alle Drehregler haben einen spürbaren Widerstand, wirken gut abgestimmt und wertig. Das äußere Erscheinungsbild des Behringer Pro-1 Klons gleicht sehr stark seinem Vorbild, bei der neuen Variante sind allerdings auf der Frontseite zahlreiche CV-Eingänge und -Ausgänge sowie ein MIDI-In-Anschluß hinzugekommen. Die Anordnung der einzelnen Synthesizer-Sektionen auf der Frontplatte sind identisch mit denen des Originals, der größte Unterschied ist im Grunde genommen die nicht vorhandene Klaviatur.

Anschlüsse und Features

Auf der Rückseite des analogen Klangerzeugers gibt es drei wesentliche Anschlussbereiche: Die Power-Sektion mit dem Anschluss für das externe 12 V DC Netzteil und dem On/Off-Schalter. In der USB- /MIDI-Sektion befinden sich die MIDI-Kanal-Einstellung als "Mäuseklavier", eine MIDI-Out-/Thru-Buchse und zu guter Letzt der USB-Anschluss. Nicht zu vergessen der Audioausgang als 6,3mm-Klinkenanschluss. Da der Behringer Pro-1 als Desktop-Variante und als Synthesizer-Stimme in einem Eurorack genutzt werden kann, befinden sich die CV-Anschlüsse und MIDI-In-Buchse auf der Frontplatte. Durch die insgesamt 15 CV-Anschlüsse bieten sich unglaublich viele Möglichkeiten zur Einbindung ins Modularsystem oder zu anderen CV-fähigen Geräten. Auch können einige Funktionen über das Audiointerface (DC coupled) und eine DAW ferngesteuert werden.

So lassen sich zum Beispiel Mod-Wheel, LFO oder Filter-Cutoff über CV steuern. Über den Mixerausgang kann das Audiosignal, bevor es die Filter-Sektion durchläuft, abgegriffen werden, um es optional mit einem externen Filter zu bearbeiten. Umgekehrt ist es über den Extern-In-Anschluss möglich, Audiosignale von außerhalb durch den Pro-1-Filter zu bearbeiten. Die flexible Einbindung in das Studio-Setup und die vielen Modulationsmöglichkeiten sind klare Vorteile gegenüber dem originalen Pro-One. Und genau das macht das Gerät sehr spannend!

Die Anschlüsse des Behringer Pro-1.

Oszillatoren

Der analoge Klangerzeuger besitzt zwei Oszillatoren, die jeweils eine Bandbreite von vier Oktaven bieten. Oszillator A enthält die Schwingungsformen Sägezahn und Rechteck mit Pulsweitenmodulation, die auch dem Oszillator B zur Verfügung steht. Darüber hinaus beherrscht der Klangerzeuger auch Dreieck-Formen und lässt sich in einen Low Frequency Mode schalten. Dazu kann dieser als zusätzlicher LFO Parameter des Synthesizers modulieren. Um Oszillator B als reinen LFO einzusetzen, kann er über den entsprechenden Schieberegler vom Keyboard getrennt werden. In der im Anschluss folgenden Mixersektion können die beiden Oszillatorsignale gemischt werden. Über die Mixereinheit lassen sich zusätzlich Rauschen oder ein externes Audiosignal dazumixen.

Sequenzer

Wie der Sequential Circuits Klassiker verfügt der Behringer-Klon über einen Sequenzer und einen Arpeggiator. Beim Sequenzer sind zwei Sequenzen mit je 64 Steps möglich. Auch die gleichzeitige Aufzeichnung zweier Noten und die paraphone Wiedergabe von Patches ist mit diesem Klangerzeuger machbar. Über die Schnittstellen USB/MIDI/CV können die Noten des Sequenzers ausgegeben werden. Der Arpeggiator bietet leider lediglich zwei Einstellungsmuster: UP und UP/DOWN.

Sound

Der Behringer-Klon verfügt über ein recht breites Soundspektrum. Die Sägezähne bieten druckvolle Bässe, ohne dabei schwammig zu werden. Dies ist vor allem bei schnellen Bassläufen sehr von Vorteil. Über die Pulswelle lassen sich sehr gut druckvolle Lead Sounds programmieren. Über die Pulsweitenmodulation kann man diese entweder sehr direkt oder flächig gestalten. Knarzige Obertöne sind mit dem Pro-1 ebenfalls kein Problem. Auch die kurzen und schnellen Abfolgen über den Sequenzer klingen sehr präzise, bleiben aber dennoch kraftvoll und durchsetzungsfähig.

Fazit

Es ist ganz bestimmt keine leichte Aufgabe einen solchen Klassiker, sowohl vom Sound und der Optik als auch mit den zeitgemäßen Ansprüchen der Benutzer aufleben zu lassen. Doch genau das hat Behringer in die Tat umgesetzt: Der Behringer Pro-1 ist ein absolut ebenbürtiger Nachbau des legendären Synthesizers von Sequential Circuits. Durch seine zahlreichen Anschlussmöglichkeiten ist der Klon flexibler im heutigen Produktionsumfeld einsetzbar. Aufgrund seiner vielseitigen Konnektivität bieten sich ganz neue Möglichkeiten für Sounddesign und Effektierung, so lassen sich Ideen umsetzen, die mit dem Original wahrscheinlich nicht realisierbar gewesen wären. Ein weiterer Pluspunkt für die Behringer-Version ist in jedem Fall das Eurorack-Format. Da die Zahl der Modular-Fans stetig steigt, dürfte der Klon auf viel Zurpsuch stoßen. Auf die fehlende Klaviatur des Behringer-Klons kann in Anbetracht seiner vielen Vorzüge (und dem Preisunterschied) gut verzichtet werden. Wer den fertigen, glatten Sound auf Knopfdruck möchte, sollte sich allerdings anderweitig orientieren. Dies ist nämlich ein Synthesizer für diejenigen, die ursprünglichen und analogen Klang schätzen und gerne auch mal experimentieren wollen. Mit dem Behringer Pro-1 bekommt man einen sehr gut klingenden Analog-Synthesizer zu einem attraktiven Preis. Also hier eine deutliche Kaufempfehlung.

Pro

Kraftvoller, analoger Sound
Mehr Anschlussmöglichkeiten als sein Vorbild
Hochwertige Verarbeitung

Preis:

298,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Behringer, Pro-1, Producer, Synthesizer, Test

Geschrieben von:
Mark Ullrich