Test: Mixvibes Cross 3.0 - DJ & VJ Software

Test: Mixvibes Cross 3.0 - DJ & VJ Software

Archiv 27. Februar 2014

SC Cross komplett
Mixvibes Cross

Die aus Frankreich stammende, digitale Mixsoftware Cross gibt es ab sofort in der dritten Auflage. Ob das Programm dank seiner neuen Zuwächse zu seinen direkten Mitbewerbern aufschließen kann und ob es uns überzeugen konnte, erfahrt ihr in dem nachfolgenden Testbericht.

Im Bereich der digitalen DJ-Systeme dominieren, ähnlich wie in der Hardware-Welt, nur wenige Hersteller den Markt. Während bei DJ-CD-Playern und Mixern kaum ein Weg an dem japanischen DJ-Ausrüster Pioneer vorbeiführt, trifft man im Software-Bereich die Produkte Traktor und Scratch Live - bzw. Serato DJ sehr oft an. Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe an Programmen, die sich im Bezug auf die Funktionsausstattung mit den beiden Platzhirschen messen lassen können, doch diese Tatsache scheint nicht allen Anwendern bekannt zu sein.

Überblick
Der Hersteller Mixvibes bietet Cross in drei unterschiedlichen Varianten an. Die kostenlose Version Cross DJ Free ist am einfachsten gehalten und bietet zwei Decks, drei Effekte und einen Mixer. Optional kann die auf einem PC oder Mac ausgeführte Software per kostenpflichtiger App von einem iPad oder iPhone aus ferngesteuert werden. Die App übernimmt hierbei die klassischen Funktionen eines Hardware-Controllers und dient zum Laden und der Manipulation von Songs.

SC 1 Cross Remote
Cross Remote

Die nächst größere Version Cross DJ enthält alle Funktionen der kostenlosen Version, verfügt aber über vier Decks und bietet zusätzlich zwei Sampler, 14 Effekte und kann via MIDI-Controller gesteuert werden. Die Vollversion Cross bietet alle Funktionen von Cross DJ und kann darüber hinaus auch von Scratch-DJs und Turntable-Artists per Timecode-Steuerung genutzt werden. Zusätzlich bietet Cross eine HID-Integration für die CDJ-Player von Pioneer. Alle drei Cross-Versionen lassen sich mit einem frei wählbaren Audiointerface zur Soundausgabe kombinieren.

Zuwächse
Alle drei Ableger von Cross sind ab Version 3 mit Videofunktionen ausgestattet. Die Bildausgabe in Cross DJ Free und Cross DJ ist durch Wasserzeichen eingeschränkt, wodurch eine professionelle Verwendung nicht möglich ist. Das Topprodukt Cross bietet zwei Videodecks und zwei Sampler, in die sich die Videos laden und mit Effekten verfremden lassen. Zusätzlich gibt es eine Aufnahmefunktion, die Videos auf Wunsch mit einschließt.

Videodecks und Sampler
Videodecks und Sampler

Die Ausgabe der Videos kann mit einem extern angeschlossenen TV-Bildschirm, einem Monitor oder Beamer erfolgen. In der Liste der Funktionszuwächse finden sich darüber hinaus neue Anzeigemöglichkeiten für die Wellenformen, die die Dynamik von Tracks besser erkennbar machen und das Mixen erleichtern. Zudem gibt es eine neue Equalizer-Voreinstellung, die den Klang der DJM-Mixer von Pioneer simuliert. Lossless- und WMA-Audiodateien lassen sich jetzt ebenfalls mit Cross wiedergeben.

Farbige Wellenformen
Farbige Wellenformen

DJing & VJing in der Praxis
Wir haben uns für den Praxistest die Vollversion von Cross näher angeschaut, da nur diese einen unbeschränkten Zugriff auf alle neuen Funktionen bietet. Zudem stand das Mixen von bewegten Bildern im Fokus, da sich in diesem Bereich die meisten Neuerungen wiederfinden. Die neuen Videodecks sind oberhalb der Trackdecks platziert und lassen sich mit zahlreichen populären Videoformaten bestücken, wie zum Beispiel MOV, MP4-, MKV-, MPEG, AVI, M4V, VOB, FLV und DIVIX. Für die ersten VJ-Versuche können Videos kostenlos aus dem Mixvibes-Forum (LINK setzen) heruntergeladen werden. Die Einbindung von Videos in eine DJ-Aktivität gelingt sehr einfach, da die Videodecks mit den Trackdecks gekoppelt sind. Durch das alleinige Laden von Videos erfolgt eine synchrone Wiedergabe zu den Songs in den darunter befindlichen Trackdecks. Der Bedienfokus bleibt daher weiterhin auf dem Songmixing und die Integration der Videos kann als untergeordnete Funktion ausgeführt werden. Die Videos folgen den Songmanipulationen und lassen sich loopen und scratchen. Der Ladevorgang erfolgt per Drag-and-Drop mit der Maus oder per MIDI-Controller. Cross 3.0 bietet fertige MIDI-Controller-Mappings für mehr als 80 Geräte, die im Einstellungsmenü auswählbar sind und bei Bedarf angepasst werden können. Um die neuen Videofunktionen mit einem MIDI-Controller steuern zu können, müssen die entsprechenden Funktionen zugwiesen werden. Dieser Vorgang ist allerdings nicht sonderlich schwierig, da alle Steuerungsmöglichkeiten in einem Unterpunkt im MIDI-Menü zusammengefasst sind.

MIDI-Controller Zuweisungen
MIDI-Controller Zuweisungen

Wem das alleinige Wiedergeben von Videos nicht genügt, kann diese mit Effekten bearbeiten. Achtzehn Videoeffekte stehen zur Verfügung und lassen sich auf Wunsch auch gemeinsam mit den Audioeffekten aktivieren. Die Zusammenstellung der Audio- und Videoeffekte kann im Einstellungsmenü selbst gewählt werden. Die Effekte tragen Bezeichnungen wie COLORIZE, ZOOM, DISPLACE oder CATHODE RAY TUBE und verfremden die bewegten Bilder in unterschiedlicher Art und Weise. So werden beispielsweise Farbdarstellungen beeinflusst oder rhythmisch auf die Videos eingewirkt.

Videoeffekte
Videoeffekte

Für das Überblenden von Videos gibt es eine eigene, groß bemessene Effektauswahl. In dieser finden sich 35 Vertreter, die die Videos in allen möglichen Facetten miteinander verschmelzen lassen. Die Steuerung dieses Vorgangs erfolgt mittels eines Crossfaders. Der Anwender kann entscheiden, ob er mit einem gemeinsamen Crossfader Bild- und Ton mixen möchte oder ob zwei separate Crossfader diesen Vorgang übernehmen sollen.

Crossfadereffekte
Crossfadereffekte

Die neue Videoschnittstelle in Cross bietet darüber hinaus die Möglichkeit live-Bilder über eine Webcam einfangen und so die feiernden Gäste in die Präsentation mit einbinden zu können. Die Echtzeitaufnahmen lassen sich in die Videodecks einschleifen, mit Effekten bearbeiten und mit Videos aus anderen Decks mischen. Zudem können Textmeldungen mit einer selbst gewählten Formatierung und in Bewegung versetzt eingeblendet werden. Diese Funktion kann zur Einblendung von Künstlernamen oder Hinweisen genutzt werden. Für die Präsentation statischer Inhalte lassen sich Bilder oder Fotos laden, animierte GIF-Dateien werden leider nicht unterstützt.

Webcam
Webcam

Mixvibes Cross als DVS für Turntablists

(getestet von Mr. Krabs)

Im Gegensatz zu den beiden großen Konkurrenten Traktor und Serato ist Mixvibes nicht an spezielle Audio Hardware gebunden. Jede Soundkarte mit Asio bzw. Core-Audio Unterstützung kann zum Einsatz von Timecode-Medien verwendet werden. Die Performance und Latenz sind somit einzig von der verwendeten Hardware und der Qualität der Treiber abhängig. In meinem Test wurde eine Audio 4 DJ unter Windows 8.1 verwendet. Generell steht Mixvibes in Sachen Scratchperformance den Mitbewerbern in Nichts nach. Die Soundqualität kann sowohl bei schnellen als auch sehr langsamen Scratches überzeugen, digitale Artefakte treten nicht auf. Im Optionenmenü kann man das Eingangssignal kalibrieren und bei Bedarf Einstellungen wie Lautstärke und Threshold anpassen. Auf Wunsch wird die Signalqualität auch im Deck, anstelle des Trackcovers, eingeblendet. Für optimale Performance sollte man den Pitchmodus auf "Speed" stellen. Ein sehr nettes Feature für Turntablists ist, dass man im Relative-Mode den Pitch in der Software verändern kann. Dadurch kann man die Samples jederzeit an das Tempo des Beats anpassen, auch wenn der Plattenspieler selbst keinen Ultrapitch hat. Mit entsprechender Rechenleistung ist auch Videoscratching kein Problem. Dabei ist jedoch wichtig, dass das Videomaterial genug Keyframes hat. Mit komprimierten Videos, z.B. mp4, leidet die Performance, da die Zwischenbilder in Echtzeit errechnet werden müssen. Es empfiehlt sich also, die Videos vorher umzuwandeln.

Anmerkung: Auf großen Wunsch der Community befindet sich derzeit Cross DJ in einer Beta-Phase für Linux. Noch gibt es keine genauen Releasepläne, aber womöglich geht mit Cross 3 auch dieses Jahr die erste professionelle DJ Software für Linux an den Start.

Sampledecks für Videos
Cross bietet für den Vierdeckbetrieb verschiedene Selektionsmöglichkeiten. Es können vier Trackdecks oder zwei Trackdecks in Kombination mit bis zu zwei Sampledecks ausgewählt werden. Die Sampledecks sind mit acht Speicherplätzen ausgestattet, von denen vier mit Videos befüllbar sind. Die Videos lassen sich aus der Bibliothek in die Sampledecks laden oder per Loop-Funktion aus den Videodecks extrahieren. Die Wiedergabe kann als permanente Wiederholung mit einer wählbaren Länge erfolgen oder einmalig durchlaufen. In der Kopfzeile der Sampledecks stehen drei verschiedene Kombinationsmethoden zur Auswahl, die sich auf die gemeinsame Darstellung mit den Videos aus den Videodecks auswirken.

Video-Sampledecks
Video-Sampledecks

Systemanforderungen und Stabilität
Bei den minimalen Systemanforderungen verlangt der Hersteller Mixvibes nach einem Computer mit einer Intel Core 2 Duo CPU, die mit 2,1 GHz getaktet ist. Die Betriebssysteme Windows 7/8 oder Mac OS ab 10.7 werden unterstützt. In unserem Praxistest mit einem Mac Book Pro Baujahr 2012, in dem ein Intel Core i5 mit 2,5 GHz die Berechnungen durchführt, führte die Wiedergabe von Videos, inklusive der Nutzung der Webcam und zwei Videoeffekten zu einer CPU-Auslastung von ca. 50%. Hinsichtlich der Stabilität der Software gab es keine besonderen Auffälligkeiten zu berichten, da sich bei unserem Testlauf weder Abstürze noch Aussetzer zeigten.

Fazit
Die neuste Version von Cross hinterlässt einen guten Eindruck und konnte uns in der Anwendung überzeugen. Die zahlreichen neuen Funktionen aus dem Videobereich sind praxisgerecht umgesetzt, so dass DJs diese mit wenigen Handgriffen Videos in ihre Performance mit einbauen können und dabei nicht zu sehr von ihrer Musikpräsentation abgelenkt werden. Klar bietet Cross nicht den Funktionsumfang einer ausgewachsenen VJ-Software, aber das ist kein wirklicher Nachteil, denn eine all zu große Komplexität würde einem parallelen Einsatz von Bild und Musik wohl eher im Wege stehen. Wir können Cross allen Anwendergruppen empfehlen, da sowohl Einsteiger als auch Profis durch den gebotenen Funktionsumfang auf ihre Kosten kommen. Aktuell gibt es allerdings einen recht schwer wiegenden Mangel, da der Hersteller keinerlei aktuelle Handbücher für Cross zur Verfügung stellt und sich der Anwender die gebotenen Funktionen mühevoll selbst erschließen muss. Diese Tatsache ist eigentlich ein "no go", da viele Bediendetails nicht selbsterklärend sind und so machen Funktionen wahrscheinlich unbenutzt bleiben, da sie nicht dokumentiert sind. Wir hoffen daher, dass der Hersteller dieses Manko schnellstmöglich aus der Welt schafft.

Hersteller: Mixvibes
Web: www.mixvibes.com
Bezug: Herstellerwebseite

Preis: 110 Euro
Version: 3.0.0

Links

Cross DJ Remote App

Forum

Zubehör

PLUS
+ klar strukturiertes Interface
+ gute Parallelbedienung von DJ- und VJ-Funktionen
+ gute und praxisgerechte Videoeffekte
+ Webcam für Echtzeitaufnahmen

MINUS
- kein aktuelles Handbuch verfügbar

Alternativen

Virtual DJ Pro
299 Euro

Serato DJ, Video Plug-in
129 US-Dollar, Plug-in 149 US-Dollar

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2 Kommentare zu "Test: Mixvibes Cross 3.0 - DJ & VJ Software"

DJ Chris 4. März 2014 • 21:59 Uhr

Hey,

es gibt eine Anleitung, die allerdings noch nicht die neuesten Funktionen enthält aber die Grundlegenden Information bereitstellt. (Leider nur auf Englisch)
http://www.mixvibes.com/sites/default/files/support/files/Cross%20Products%20-%20User%20manual.pdf

Gruß
Chris

Dj Tobander 6. März 2014 • 9:22 Uhr

Ich hab bis vor kurzem noch gar nichts von Mixvibes gehört. Doch erst kürzlich machte ich eine Umfrage, welche Software DJs zum Auflegen nutzen und da tauchte mehrfach Cross 3.0 auf.

Ich habe es mir daraufhin auch einmal angeschaut und mir gefällt sehr gut die Trackverwaltung der Software und die intuitove Handhabung. Was mir ein wenig fehlt, sind die Effekte, die es bei Serato bspw. gibt.

Aber alles in allem eine echt gute Alternative.

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