Test: Modal Electronics Cobalt8 / virtuell-analoger Synthesizer

Test: Modal Electronics Cobalt8 / virtuell-analoger Synthesizer

Tests 10. Oktober 2021

Der britische Hersteller Modal Electronics erweiterte Ende 2020 sein Portfolio um den virtuell analogen Cobalt8 Synthesizer. Modal bietet drei verschiedene Bauformen beim Cobalt8, die beiden Keyboard-Versionen mit 37 oder 61 Tasten sowie ein tastaturloses Desktop-Modul. Neben den Wellenformen analoger Synthesizer, die die Basis bilden, verfügt der neue Modal Klangerzeuger über 34 Algorithmen, was ein weites Klangspektrum ermöglicht. Wie der Produktname schon vermuten lässt, handelt es sich beim Cobalt8 um einen achtstimmigen, polyphonen Synthesizer. Zusätzlich zur neuen Oszillator-Engine besitzt der Cobalt8 über ein neues morphbares 4-Pole Ladder-Filter mit vier unterschiedlichen Modi. In unserem Test schauen wir uns diese sowie weitere interessante Features einmal genauer an.

Verarbeitung, Optik und Anschlüsse

Der Cobalt8 verfügt über ein sehr solides Stahl- und Aluminiumgehäuse, das bei den Maßen 10x30x55 cm (H x B x L) auf beträchtliche 5,6 kg Gewicht kommt. Das moderne, edle Design des Cobalt8 ist dem Hersteller wirklich sehr gut gelungen. Die zu erwartende kobaltblaue Bedienoberfläche ist übersichtlich angelegt und wirkt sehr ansprechend.

In der Mitte der Bedienoberfläche befindet sich ein 1,54 Zoll großes OLED-Display für Wellenformanzeige und Menü-Einstellungen. Des Weiteren befinden sich auf der Bedienoberfläche 24 Taster und 29 Endlos-Encoder, die sich wertig anfühlen, aber sehr leichtläufig sind. Wer einen leichten Widerstand an den Drehreglern bevorzugt, könnte das einen Minuspunkt ansehen. Ein klarer Pluspunkt ist das sehr solide 37 Tasten Keyboard des Modal Synthesizers, das aftertouch- sowie velocity-fähig ist und MPE unterstützt.

Ein weiteres Bedienelement ist der vierachsige Joystick, der zur Steuerung von Parametern frei belegt werden kann. Auf der Rückseite des Klangerzeugers befinden sich zwei Ausgänge (L/Mono und R), zwei Anschlüsse für Expression- und Sustainpedal sowie ein Kopfhörerausgang, allesamt im 6,35mm-Klinkenformat.

Außerdem gibt es einen Audio-In als 3,5mm-Klinke und zwei CV Anschlüsse Sync-In und Sync-Out im selbigen Format. Daneben befinden sich die MIDI In/Out sowie ein MIDI-fähiger USB-B-Anschluss. Zu guter Letzt folgen der Netzanschluss und der Powerschalter. Ein weiterer Punkt in Sachen Konnektivität ist die vom Hersteller kostenlos angebotene ModalApp.

Ob als Standalone-Variante für MacOS oder Windows, iOS, iPadOS oder als Plugin-Format (VST3, AU), in der DAW haben User*innen hier die Möglichkeit, tief in die Performance-Parameter einzutauchen, Sounds zu designen, verwalten und diese auch zu speichern. Zu den 300 Herstellerpresets stehen User*innen weitere 200 freie Speicherplätze zur Verfügung, um die eigenen Sound-Kreationen zu sichern.
Oszillatoren

Zwei unabhängige und in sich geschlossene Oszillatorgruppen mit Sinus-, Puls-, Dreieck- und Sägezahn-Wellenformen bilden das Herzstück des Cobalt8 Synthesizers. Bei einer achtstimmigen Polyphonie spielen bis zu acht Oszillatoren pro Stimme. Insgesamt sind das 64 hochauflösende, virtuell-analoge Oszillatoren. Über den Mix-Regler lässt sich das Lautstärkeverhältnis der beiden Oszillatorgruppen anpassen. Eine weitere Funktion ist der Oszillator-Drift, mit dem das Drift-Verhalten analoger Oszillatoren simuliert werden kann, um dem Sound einen wärmeren, analogen Charakter zu geben.

Der Cobalt 8 besitzt 34 einzigartige komplexe Algorithmen wie Sync, Ringmodulation, Wellenform-Morphing und viele mehr, um die kreativen Möglichkeiten von Synthesizer-Sounds der neuen Generation zu erweitern. Jeder Algorithmus verfügt über ein einfach zu bedienendes Paar von Reglern, deren Funktion je nach Wellenform variiert.

LFOs und Hüllkurven

Cobalt8 verfügt über drei LFOs (zwei davon arbeiten polyphon), die
mithilfe der Modulationsmatrix und der Synchronisation auf internes oder externes Tempo an eine Vielzahl von Zielen geroutet werden können. Die drei dedizierten Hüllkurven für Amp, Filter und Modulation erlauben eine umfangreiche Kontrolle über Dynamik und Expression. Durch umschaltbare Hüllkurventypen ergeben sich mehr Möglichkeiten, um die Hüllkurven für bestimmte klangliche Ergebnisse anzupassen. Ab Werk sind bereits vier typische Modulationsroutings voreingestellt. Es stehen acht sogenannte Mod Slots zur Verfügung, in denen acht Modulationsquellen und 55 Ziele ausgewählt werden können. Als Modulationsquelle kann z. B. der eingebaute XY-Joystick genutzt werden.

Modal Cobalt 8 RÜckansicht.

Filter, Effekte und Co.

Der Cobalt8 bietet zusätzlich zur neuen und innovativen Oszillator-Engine ein neues morphbares 4-Pole Ladder-Filter. Mit vier verschiedenen Filter-Typen (Balanced Low Pass, Balanced High Pass, Balanced Phase, Resonant Low Pass) lassen sich mittels Morph-Poti die unterschiedlichsten Variationen herausholen.

Der Modal Klangerzeuger beherbergt drei unglaublich leistungsstarke, unabhängige und vom Anwender konfigurierbare Stereo-FX-Engines für Chorus, Phaser, Tremolo, Flanger (Pos), Flanger (Neg), LoFi, Rotary, Ping-Pong Delay, Stereo Delay, X-Over Delay und Reverb, die in beliebiger Reihenfolge eingesetzt werden können und sich mit bis zu sechs Parametern bearbeiten lassen.

Absolute Sound-Nerds haben die Möglichkeit, die Effekte in der Modulationsmatrix von den Modulationsquellen in allen Parametern zu modulieren. Über den integrierten, vierspurigen Sequenzer lassen sich in Echtzeit oder schrittweise Noten programmieren. Des Weiteren kann man Parameter steuern, um somit auch komplexere melodische Patterns zu programmieren.

Auch für den integrierten Arpeggiator gibt es verschiedene Trigger Modi. Trotz der sehr vielen Möglichkeiten, Sound zu effektieren besitzt der Klangerzeuger leider keine Distortion/Overdrive-Einheit wie viele seiner Konkurrenten am Markt.

Fazit

Modal Electronics hat mit dem neuen Cobalt8 einen bemerkenswert vielseitigen Synthesizer erschaffen, der die Möglichkeiten der virtuell-analogen Synthese voll ausschöpft. Auch dank seiner sehr leistungsstarken Effekt-Einheit und den zahlreichen Routingmöglichkeiten lassen sich viele Soundideen mit diesem Synthesizer umsetzen. Sowohl warme, klassische Analog-Sounds als auch komplexere moderne Klänge sind für den Cobalt8 kein Problem. Teilweise lässt sich das Abtauchen in Sub-Menüs nicht vermeiden, um das gewünschte Soundergebnis zu erreichen, was den Workflow am Anfang ein wenig verlangsamt. Nach einer kurzen Einarbeitung belohnt der virtuell analoge Synthesizer jedoch mit tollen Klangerlebnissen. Der Preis des Cobalt8 ist aufgrund seiner absolut hochwertigen Verarbeitung und seiner Klangvielfalt gerechtfertigt. Wer also auf der Suche nach einem soundtechnischen Alleskönner ist, sollte diesen Synthesizer auf jeden Fall testen.

Pro

Viele Möglichkeiten für Sounddesign
Leistungsstarke Effekt-Sektion
Sehr gute Verarbeitung
Edles Design

Kontra

Kein Distortion-Effekt

Preis:

649,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Modal.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog , Cobalt8 , Modal Electronics , Synthesizer , Test , Virtuell

Geschrieben von:
Mark Ullrich

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