Test: Native Instruments Maschine+ / Standalone-Maschine

Test: Native Instruments Maschine+ / Standalone-Maschine

Tests 9. Januar 2021

Der Wunsch nach einer vollwertigen Maschine im Standalone-Format kursiert in der Community schon länger. Mit der neuen Maschine+ will Native Instruments nun endlich den altbekannten Workflow und die viel gelobten Sounds rund um Reaktor, Kontakt und Co. von ihrer Abhängigkeit zum Computer befreit haben. Wie gut das ambitionierte Konzept letztendlich aufgeht und ob Maschine+ mit der Konkurrenz wie den neuen MPCs mithalten kann, zeigt dieser Test.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Hinsichtlich der Abmaße von 322 x 51 x 301 x mm und 2,5 kg Gewicht unterscheidet sich die Maschine+ kaum von ihrem Controller-Äquivalent Maschine Mk3. Auch die Menge, Art und Anordnung der Bedienelemente wurden praktisch 1:1 übernommen - den einzig auffallenden Unterschied macht das Aluminiumgehäuse. Dadurch wirkt die Maschine+ nicht nur wertiger, sondern auch deutlich stabiler. Die acht stufenlosen Endlos-Encoder sind jetzt ebenfalls aus Metall, was spielerisch zwar wenig Einfluss zu haben scheint, aber erneut die Road-Tauglichkeit fördert.

In Sachen Bedienbarkeit profitiert die Maschine+ von den markterprobten Pads, Buttons und Knobs der Maschine-Reihe. Hier wurde wenig verändert, weil nichts verbessert werden musste. Die Pads sind in ihrer Größe und Spielbarkeit perfekt, die Potis zwar schwergängig, aber durch ihre Berührungsempfindlichkeit nicht träge.

Dazu die vielen Funktionstaster und übersichtlich gehaltenen Shiftfunktionen, die super scharfen und angenehm hellen Displays sowie RGB-Beleuchtung wie sie im Buche steht und auch Maschine Neulinge finden sich schnell zurecht. Insgesamt ist am Design und der Verarbeitung der Maschine+ nichts auszusetzen, im Gegenteil: So sollte ein Instrument der Oberklasse aussehen.

Auf der Rückseite befinden sich ein Kopfhörerausgang, zwei Line Outs, ein Mikrofoneingang, zwei Line Ins und eine Pedalbuchse, allesamt in 6,35mm-Klinkenausführung. Kopfhörer und Line Out verfügen über eigene Lautstärkeregler, Mikrofon und Line In teilen sich den Gain-Poti. Hinzu kommen MIDI In und Out nach DIN-Norm, auf eine THRU-Buchse wurde leider verzichtet. Was noch fehlt, sind der USB-C-Anschluss, DC-In und zwei USB-A-Stecker für externe Devices.

Hier können Audiointerfaces, MIDI-Controller oder Speichergeräte angeschlossen werden, vorausgesetzt sie benötigen keine Treiberinstallation. Apropos Audiointerface: Die Maschine+ kann genau wie die Mk3 via USB-B als Controller und maximal 96 kHz Interface mit zwei Eingängen und vier Ausgängen fungieren, ist kompatibel zu Ableton Link und hat sogar WLAN, um Softwareupdates und Expansionpacks installieren zu können.

Auch die Registrierung der Maschine Software kann so direkt über die Hardware realisiert werden - Standalone konsequent gedacht. Ganz ohne Computer geht es dann aber doch nicht, weshalb Native Instruments eine Quadcore CPU mit 4 GB Arbeitsspeicher und 32 GB Flashdrive installiert hat.

Der Workflow

Wie die massive Ähnlichkeit der Bedienelemente der Maschine+ im Vergleich zur Mk3 vermuten lässt, gibt es zum Workflow nicht viel Neues zu sagen: Über den Browse Button, den Data Encoder und die Potis rechts außen lässt sich nach Samples und Instrumenten suchen, welche dann auf die verschiedenen Gruppen verteilt werden können. Die so ausgewählten Sounds werden über die verschiedenen Eingabemodi der Maschine zu Patterns verwurstet, wobei die alten Bekannten Pad Mode, Keyboard, Chords und Step zur Verfügung stehen. Im Pad Mode kann jedem der 16 Triggerpads ein Klang zugewiesen und in Fingerdrumming-Manier live recorded werden. Über den Keyboard-Taster wird die Pad-Matrix zur Klaviatur, Chords generiert aus einzelnen Tönen ganze Akkorde und im Step-Modus lassen sich Klänge sequenzieren - so weit, so Schnee von gestern.

Neu ist das Clip Feature, welches erstmals gestattet, die starre Struktur von Patterns und Scenes aufzulockern. In einem Clip lassen sich seit Software Version 2.1 Änderungen an Patterns vornehmen, ohne dass diese direkt auf alle verwandten Patterns überschrieben werden, was besonders für Live Performances praktisch ist. Die beiden Displays sind ebenfalls identisch zur Mk3-Version und genau so crisp, wer häufiger mit AKAIs jüngsten MPCs gearbeitet hat, wird aber immer wieder versucht sein, auf die Bildschirme zu patschen, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass es immer noch keine Touchscreens sind. Gerade der Touchscreen hat aber beispielsweise bei MPC ONE den Workflow aufs nächste Level gebracht und sorgte für administrative Inputmöglichkeiten, von denen man mit Tastatur und Maus nur träumen kann.

Die Sounds

Hier liegt die wahre Stärke der Standalone Maschine. Hinter Native Instruments Maschine+ Selection verbergen sich die Softsynths Monark, Massive, Prism und FM8 sowie die Effekt-Plugins Raum und Phasis. Während die Plugins der Konkurrenz eher als geschenkter Gaul daherkommen, kann bei den Implikationen der Maschine+ bedenkenlos von DAW-Qualität gesprochen werden. Hinzu kommen die Reaktor und Kontakt Factory Selection mit massig Samples und es bleiben keine Sound-Wünsche mehr offen - falls doch, stehen zusätzlich sechs Expansions zum Download bereit, allerdings nur gegen Aufpreis. So hochwertig und vielseitig die spendierten Sounds auch sind, lassen sich die Synths im Vergleich zu ihren Maschine Software Implikationen jedoch nur in abgespeckter Form bedienen.

Trotz der vorprogrammierten Macros und der Möglichkeit, eigene Reglerzuweisungen vorzunehmen, ist die Maschine+ unterm Strich ein Preset Player mit relativ wenig Zugriff auf die Klanggestaltung. Klar können eigene Effektketten gebastelt und so durch Rekombination der eigene Individualismus ausgelebt werden, im Vergleich zur Maschine Software wird aber immer wieder deutlich, dass im Standalone-Betrieb einfach weniger geht. Auch die eigentlich überzeugenden Displays geraten hier immer wieder an ihre Grenzen, weil sie die facettenreichen Synths und Effekte zwangsläufig kleiner und entsprechend unübersichtlicher darstellen, als es am ausgewachsenen Computerbildschirm der Fall ist. Im Ernstfall kann die Maschine+ aber jederzeit wieder als Controller funktionieren und Produzierende die Vorzüge der Software-Version genießen. Trotz aller Kritik sei aber erneut betont, wie gut die Plugins der Maschine klingen, gerade im Vergleich zur Konkurrenz à la MPC.

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Fazit

Eigentlich kommt die Maschine+ dem Konzept der DAW in a Box schon ziemlich nahe. Die bisher aufgeführten Kritikpunkte hinsichtlich der abgespeckten Klangfärbungsoptionen im Vergleich zur Software/Controller-Variante fallen erst im Hinblick auf den Preis so richtig negativ auf. Für knapp 1300 € in einen Preset Player zu investieren, sollte also trotz der möglichen Workarounds wie Resampling und hin und her bouncen zwischen Software- und Standalone-Betrieb gründlich überlegt werden. Gerade wer gerne mit langen Effektketten arbeitet, wird früher oder später die CPU der Maschine+ ans Limit fahren, bei „normalem“ Betrieb reicht die implementierte Rechenleistung aber völlig aus. Der Workflow ist schlichtweg Geschmackssache, wieder lässt erst der hohe Preis das ein oder andere innovative Feature vermissen. Alle, die die Arbeit mit den alten Maschine Controllern ins Herz geschlossen haben, kommen hier aber voll auf ihre Kosten und können sich endlich vom Computer und der Idee des festen Arbeitsplatzes lösen – vorausgesetzt es ist eine Steckdose vorhanden. Aller Kritik zum Trotz sind Haptik und Sound der Maschine+ absolute Oberklasse und man darf sich hoffentlich auf viele Erweiterungen der schon jetzt breiten Palette an Plugins freuen.

Pro

Maschine Workflow unabhängig vom Computer
Einzelausgänge und Mini-patchbay sorgen für Flexibilität
Erstklassige Verarbeitung

Kontra

Reduzierter Zugriff auf die Klangfärbungsoptionen
Kein Touchscreen/veralteter Workflow
Keine Anschlussmöglichkeiten für CV und Co.

Preis:

1095,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Native Instruments.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit groovebox , Maschine , Native Instruments , Sampler , Standalone

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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