Test: NI Traktor Kontrol S3 / DJ-Controller

Test: NI Traktor Kontrol S3 / DJ-Controller

Tests 7. April 2021

Mit dem Traktor Kontrol S3 schließt der Berliner DJ-Ausrüster Native Instruments die Lücke zwischen dem Profi-Device Traktor Kontrol S4 MK 3, das mit Haptic-Drives ausgestattet ist und dem zweikanaligen Einsteigergerät Traktor Kontrol S2 MK3. Der neue Vierkanal-Bolide bietet zwei Decks mit "gewöhnlichen" Jog-Wheels, lässt sich mit der hauseigenen Software Traktor Pro 3 sowie Traktor DJ 2 (Computer-Software und iOS-App) kombinieren und wird für einen UVP von 599 Euro angeboten. Was sagt der Praxiseinsatz?

Traktor Kontrol S3

Der neue Traktor Kontrol S3 passt nicht nur wegen der Modellbezeichnung, sondern auch durch seine Abmessungen ziemlich genau zwischen die beiden Geschwistermodelle S4 und S2. Sein ordentlich verarbeitetes Gehäuse misst 54,4 x 31,6 x 6,13 Zentimeter und wiegt 3,23 Kilogramm. Wer den Controller oft "on Tour" mitnehmen möchte, erwirbt am besten das optionale Flight Case von Native Instruments für 199 Euro, damit keine Transportschäden auftreten.

Traktor Kontrol S3 Draufsicht.
Der neue Vierkanal-Controller Traktor Kontrol S3 von Native Instruments bietet eine aufgeräumte Arbeitsoberfläche.

Decks

Die aufgeräumte Oberfläche des Traktor Kontrol S3 ist mit zwei Decks ausgestattet, die bis zu vier Softwaredecks steuern und viel Platz zum Arbeiten bieten. Zur Steuerung von Songs gibt es berührungsempfindliche Jogwheels mit einem praxisgerechten Durchmesser von 14 Zentimetern. Beleuchtete Start- und Cue-Taster mit einem definierten Druckpunkt dienen zur Aktivierung der Wiedergabe und Pitchfader mit einem Regelweg von sechs Zentimetern erlauben manuelle Tempoänderungen. Per Keylock-Taster lässt sich die Tonartkorrektur ein- und ausschalten und zur bequemen automatischen Angleichung gibt es Sync-Buttons. Wer kreativ auflegen möchte, kann mit den Loop- und Move-Encodern Schleifen passgenau setzen und modifizieren sowie Songteile überspringen. Unterhalb der Encoder sind pro Deck acht gummierte Pads platziert, die zur Steuerung von HotCue-Punkten oder Samples in einem Remix-Deck vorgesehen sind.

Mixer

Die vierkanalige Mixersektion ist ebenfalls großzügig bemessen und erlaubt eine zielsichere Parametermodifikation. Die Kanalzüge sind mit Dreiband-EQ-, Gain- und Effektreglern versehen und Fader sowie ein Crossfader erlauben das Mixen. Die verbauten Potis und Fader sind aus Kunststoff und lassen sich gut bedienen, reichen aber qualitativ nicht ganz an die des Traktor Kontrol S4 MK3 heran. Zur Ergänzung von Zuspielern oder Mikrofonen befindet sich im Kanal D ein Taster zur Aktivierung der externen Signale. Alle Kanalzüge sind mit illuminierten Aktivierungsschaltern für Mixereffekte ausgestattet. Die Selektion der Effekte findet bequem im rechten Bereich des Mixers statt. Lange LED-Ketten in den Kanalzügen und dem Masterbereich vereinfachen die Aussteuerung der Pegel.

Traktor Kontrol S3 Draufsicht.
Die Mixersektion des Controllers erlaubt den Zugriff auf die Mixer-Effekte und bietet einen Aktivierungsschalter für externe Signale.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Controllers sind symmetrische XLR- und unsymmetrische Cinch-Buchsen verbaut, die das Masterausgangssignal ausgeben und einen unkomplizierten Anschluss des Controllers an Verstärkersysteme erlauben. Zusätzliche Klinkenbuchsen dienen zur Ausgabe des Montorsignals, das separat regelbar ist. Für externe Signalzuspielungen ist der Traktor Kontrol S3 mit einem Line-Eingang und einem Mikrofon-Eingang ausgestattet. Eine USB-Buchse dient zum Datenaustausch mit einem Mac oder Windows-Rechner und eine weitere zum Anschluss eines iOS-Geräts. Der Controller wird über ein Netzteil mit Spannung versorgt, auf das man im Computerbetrieb verzichten kann. Nutzt man kein Netzteil, muss man mit niedrigeren Ausgangspegeln und einer reduzierten Beleuchtung vorlieb nehmen. Ich würde auf das Netzteil daher nur während einer Zugfahrt oder bei der Vorbereitung von DJ-Sets verzichten.

Controller Vorderseite.
Im Bereich der Anschlüsse gibt solide Koste, praktisch ist die iOS-USB-Buchse, die zudem iPads lädt.
Traktor Kontrol S3 Controller Rückseite.
Auf der Vorderseite lassen sich Mikrofone und Kopfhörer bequem anschließen.

Traktor Pro 3

Native Instruments bundelt den Controller mit der DJ-Software Traktor Pro 3. Das Programm erkennt die Hardware automatisch und nimmt die Konfiguration selbständig vor. Erfahrene Anwender sollten den Controller weitestgehend ohne Handbuchstudium nutzen können, denn nur wenige "versteckte" Doppelbelegungen (Ordnernavigation, Mikrofon-/Line-Umschaltung) erschließen sich nicht direkt.

Zur Navigation in der Songsammlung und zum Laden der Songs in die Decks ist der Controller mit dedizierten Bedienelementen ausgestattet. Sollte bei der anschließenden Songanalyse durch die Software das Beatgrid nicht richtig gesetzt worden sein, kann man dieses recht einfach mit dem Controller korrigieren.

Mit den Pitchfadern oder der Sync-Funktion lassen sich die Geschwindigkeiten der Songs gezielt anpassen, sodass das Beatmatching und Mixe mit bis zu vier Decks auch mit unterschiedlichen Deck-Arten (Remix-Decks, Stem-Decks, Track-Decks) gelingen.

Zum kreativen Aufpeppen eines Mixes lassen sich die sehr gut dosierbaren Jogwheels nutzen und Scratchmanöver passgenau ausführen. Mit den Pads können HotCue-Punkte treffsicher gesetzt und getriggert werden und per Rev-Taster erfolgt eine Rückwärtswiedergabe. Ein Zugriff auf die Effektbusse in der Global Section von Traktor Pro 3 ist leider nicht möglich, hier fehlen die entsprechenden Bedienelemente auf dem Controller.

Zum Mixen der Songs dienen die gut bedienbaren Kanalfader und der Crossfader, Veränderungen an den Kanalzuweisungen oder der Crossfaderkurve lassen sich aber nicht an der Hardware vornehmen, hierzu müssen Bedienschritte im Programm erfolgen. Zur Verfeinerung der Mixe lassen sich die Mixer-Effekte nutzen, Traktor Pro bietet die Effekte Reverb, Dual Delay, Noise, Time Gater, Flanger, Barber Pole, Dotted Delay, Crush und Filter zur Auswahl an, die klanglich alle überzeugen und praxisgerecht sind. Die Steuerung erfolgt durch große Potis in den Kanalzügen und zusätzliche Aktivierungstaster, sodass ein passgenaues Ein- und Ausschalten der Effekte für Mixtricks erfolgen kann.

Zur Setup-Erweiterung bietet der Traktor Kontrol S3 einen externen Eingang, hierzu muss man zwar auf ein viertes Traktor-Deck verzichten, kann aber die eingehenden Signale mit dem EQ und Mixer-Effekten der Software bearbeiten.

Insgesamt funktioniert die Steuerung von Traktor Pro 3 mit dem Traktor Kontrol S3 sehr direkt und auch an der Klangqualität der Soundkarte gibt es nichts auszusetzen, das Masterausgangssignal ist druckvoll und transparent.

Alternative Nutzung

Der Traktor Kontrol S3 lässt sich alternativ zur Kontrolle von Traktor DJ 2 nutzen, einer einfach gehaltenen, dafür aber kostenlosen Software, die Native Instruments für Computer und iPads anbietet.

Für die Kombination mit einem iPad bietet der Controller einen eigenen Kommunikationsport, der das Apple-Gerät mit Strom versorgt. Nach dem Starten der App sind keine weitere Konfigurationsschritte nötig, der Controller wird automatisch erkannt. Im Gegensatz zu Traktor Pro 3 stehen in Traktor DJ 2 nur zwei Decks zur Verfügung, Ergänzungen durch Line-Zuspieler oder Mikrofone sind aber ebenfalls möglich.

Für Einsteiger oder zur Vorbereitung von DJ Sets finde ich die App sehr gelungen und auch die Programmbedienung mit dem Controller gefällt mir gut. Das Laden der Songs sowie das komplette Mixing inklusive der Nutzung der Mixereffekte kann ohne Bedienschritte auf dem Touchscreen erfolgen, sodass man mit einem sehr kompakten Setup arbeiten kann, ohne auf Bedienkomfort verzichten zu müssen. Die Steuerungen werden verzögerungsfrei ausgeführt und Mixtricks per Jogwheel und Triggerpads gelingen ebenfalls.

Ausstattungsunterschiede zum S4 MK3 und S2

Da der Traktor Kontrol S3 mit einem UVP von 599 Euro preislich zwischen den beiden Controllern Traktor Kontrol S4 MK3 (UVP 899 Euro) und S2 MK3 (UVP 299 Euro) angesiedelt ist, ist es sinnvoll, sich mit den unterschiedlichen Features der Geräte zu beschäftigen. Eine detaillierte Funktionsauflistung gibt es auf dieser Webseite. Schaut man sich diese Tabelle an, so fällt auf, dass der S2 MK3 und der S3 die meisten Überschneidungen aufweisen. Beide Geräte weisen zudem auch die gleiche Produktqualität auf.

Fazit

Der Neuzugang Traktor Kontrol S3 reiht sich preislich und funktional passgenau zwischen den bereits erhältlichen Geschwistermodellen Traktor Kontrol S4 MK3 und S2 MK3 ein. Der Controller bietet eine aufgeräumte Bedienoberfläche und lässt sich unkompliziert mit der zum Lieferumfang gehörenden Software Traktor Pro 3 und dem Einsteigerprogramm Traktor DJ 2 (Computer und iOS) kombinieren. Die Steuerung der beiden Programme erfolgt direkt und auch klanglich gibt es nichts bemängeln. Wer sich zwischen den drei Controllern entscheiden möchte, greift zum Traktor Kontrol S2 MK3, wenn mit zwei Decks gemixt werden soll, zum S3, wenn vier Decks zum Einsatz kommen sollen und sporadische Zuspielerergänzungen gewünscht sind, und zum Traktor Kontrol S4 MK3, wenn das Budget etwas üppiger ist und zusätzliche kreative Optionen, Haptic-Drives und ein Standalone-Mixer auf der Wunschliste stehen.

Pro

Praxisgerechtes Layout
Einfache Inbetriebnahme
Anschlussoption für iOS-Geräte
Direkter Zugriff auf Mixer FX

Kontra

Kein Zugriff auf Effektbusse

Preis:

399,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Native Instruments.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit

Geschrieben von:
Boris Alexander

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