Test: Pioneer DJ DJM-S7 / digitaler Battlemixer

Test: Pioneer DJ DJM-S7 / digitaler Battlemixer

Tests 24. Juli 2021

Pioneer DJ präsentiert den neuen, digitalen Battlemixer DJM-S7, der sich mit Serato DJ Pro und Rekordbox kombinieren lässt und den DJM-S11 ergänzt. Der kleinere Bruder schont den Geldbeutel und bietet einige unique Features, die ich mir im Praxisteil genauer angesehen habe.

DJM-S7

Der Pioneer DJ DJM-S7 ist als zweikanaliger Battlemixer ausgeführt, misst 267 x 108 x 397 mm (B/H/T) und wiegt 4,5 kg. Sein robustes Gehäuse, das auf der Vorderseite mit Kunststoff-Bumpern versehen ist, erlaubt einen problemlosen Einsatz in den eigenen vier Wänden, aber auch "on Stage" in einem Club oder auf einem Festival. Der DJM-S7 kann dank seines großen Arsenals an Onboard-Funktionen standalone zum Einsatz kommen und hierbei mit analogen oder digitalen Musiksignalen via Bluetooth kombiniert werden. Zudem schaltet er als Hardware-Dongle die beiden Programme Serato DJ Pro und Rekordbox kostenlos frei, wodurch sich ein großer Aktionsradius ergibt. Der UVP des solide verarbeiteten Boliden liegt bei 1499 Euro.

 Pioneer DJ DJM-S7 von oben.
Mit dem neuen Battlemixer DJM-S7 von Pioneer DJ lassen sich klassische analoge und digitale DJ-Sets bestreiten.

Kanalzüge

Die beiden Kanalzüge des Mixers sind mit Schiebeschaltern zur Selektion der Zuspielersignale sowie Dreiband-EQs ausgestattet. Seitlich neben den EQ-Potis befinden sich Trim- und Filterdrehregler, wobei letztere alternativ auch Color FX kontrollieren können. Ampelfarbige LED-Ketten erlauben die parallele Überwachung der Kanal- und Masterpegel und leicht gleitende Kanalfader dienen zum Mixen. Für Mixtricks steht ein Magvel Pro Crossfader zur Verfügung, der professionellen Ansprüchen genügt und über zahlreiche Anpassungsoptionen verfügt. Ein Tastentrio steht zur Aktivierung und Modifikation von Loops in beiden Kanälen zur Verfügung.

Effekte

Die interne Effektausstattung des DJM-S7 umfasst 22 praxisgerechte Beat FX. Hier gibt es Standards wie Echo, Delay, Reverb, Flanger und Phaser, aber auch Besonderheiten wie One-Shot Spin, Spiral, Helix und sogar per Fader und Pad steuerbare Oszillatorwellenformen zur Soundgenerierung. Die Effektkontrolle gelingt mittels großer Wippen, die einrasten oder zur temporären Aktivierung nutzbar sind, sowie zusätzlicher Parametertaster. Die internen Effekte sind mit Serato-DJ-Pro- oder Rekordbox-Effekten kombinierbar, hier lassen sich bis zu fünf Software-Effekte mit einem Hardware-Effekt parallel nutzen.

Performancepads

Zwischen den Effektsteuerungen und den Kanalfadern befinden sich 16 gummierte, gut erreichbare Performancepads, die mehrfach belegt sind und einen Zugriff auf unterschiedliche kreative Funktionen erlauben. Im Standalone-Modus sind die Performancepads zudem auch zur Kontrolle der Beat FX nutzbar.

Vorderseite

Die Vorderseite des DJM-S7 ist mit Bedienelementen zur Kontrolle von Mikrofon- und AUX-Signalen versehen. Ein Pairing-Taster dient zum Koppeln von Bluetooth-Zuspielern und ein Drehregler reguliert die Lautstärke der digitalen Eingangssignale. Weitere Regler und Schiebeschalter erlauben die Konfiguration der Fader und des Crossfaders in Echtzeit und sind für Performance-DJs ein gewichtiger Punkt auf der Ausstattungsliste.

 Pioneer DJ DJM-S7 von vorne.

Anschlüsse

Der Pioneer-DJ-Mixer bietet pro Kanal einen Phono- und einen Line-Eingang zum Anschluss von analogen Zuspielern. Ein weiterer AUX-Line-Eingang sowie eine Combo-Buchse für Mikrofone erlauben bequeme Setup-Erweiterungen. Zum Anschluss an eine professionelle Beschallungsanlage stehen die gewohnten Master- XLR- und Klinken-Booth-Ausgänge parat. Ein zweiter Masterausgang, ausgeführt als Cinch-Buchsen, kann für Aufzeichnungen oder ein zweites Beschallungssystem genutzt werden. Zur digitalen Kommunikation mit Computern gibt es zwei USB-B-Ports, wodurch ein DJ-Wechsel vereinfacht wird; zwei USB-A-Buchsen ermöglichen den Anschluss von Controllern oder CDJ-Playern.

 Pioneer DJ DJM-S7 von hinten.
Rückseitig stehen zahlreiche analoge und digitale Anschlüsse parat, die einen flexiblen Einsatz des Mixers ermöglichen.

Digitales Auflegen

Der Pioneer DJM-S7 ist zur Kombination mit Serato DJ Pro ausgelegt und lässt sich nach erfolgter Treiberinstallation schnell und einfach in Betrieb nehmen. Die Steuerung der Tracks kann mittels Zuspieler und DVS-Medien erfolgen. Der hierzu benötigte, digitale Timecode zum Brennen auf CDs oder zur Nutzung per USB-Stick ist kostenlos verfügbar, Timecode-Vinyls müssen hingegen erworben werden.

Mein Praxistest mit Serato DJ Pro 2.5.5 und einem MacBook Pro erfolgte ohne technische Auffälligkeiten. Der DJM-S7 erlaubt die Navigation in der Songsammlung und das Laden der gewünschten Titel. Das Mixen der Songs gelingt mit den kräftig zupackenden Dreiband-EQs, die bei Linksdrehung das komplette Musiksignal auslöschen, und den leicht gleitenden Fadern sowie dem Magvel-Pro-Crossfader sehr gut. Zur Feinabstimmung und für Mixtricks lassen sich die Faderkurven, Regelwege und der Widerstand des Crossfaders sehr einfach auf der Vorderseite des Mixers anpassen. Das Masterausgangssignal klingt aufgeräumt und druckvoll.

Zum Ausschmücken von Musikdarbietungen sind die praxisgerechten Onboard- und Software-Effekte nutzbar. Wer möchte, kann beide Effektgruppen kombiniert einsetzen und mit den Wippen beeindruckende Special-FX-Ketten dynamisch kontrollieren. Die Wippensteuerungen findet man mittlerweile bei recht vielen Mixern, mir gefällt diese Art der Steuerung sehr gut, da sie kreative Spielereien erlauben. Die Effektparameter beider Effektgruppen sind mit dem Mixer modifizierbar, ihre optische Überwachung gelingt über ein recht kleines, aber gestochen scharfes Display. Neben der Effektkontrolle erlaubt die Effektsektion auch die Nutzung der neuen Funktion Loop MIDI, die für zusätzlichen kreativen Schwung sorgt. Loop MIDI schickt Steuerbefehle an Serato DJ Pro und triggert dort mit wählbarer Geschwindigkeit Samples wie zum Beispiel Drums oder Vocals und HotCue-Punkte. Zudem kann damit die Tonart der Songs verändert, die Rückwärtswiedergabe aktiviert oder das Deck stumm geschaltet werden.

Mit den Performancepads lassen sich in Serato DJ Pro zwölf vorbelegte und vier selbst zugewiesene Funktionen steuern. Neben Standards wie HotCue, Loop und Sampler gibt es auch besondere Belegungen wie Gate Cue und Scratch Bank. Die vier User-Modi stehen für individuelle Belegungen parat und der kombinierte Pad-Modus ermöglicht einen parallelen Zugriff auf zwei Funktionen, sodass professionelle Ansprüche auch in diesem Bereich abgedeckt werden.

Alternativ lässt sich der Pioneer-DJ-Mixer auch mit Rekordbox nutzen, hier funktionierte in meinem Kurzcheck alles wie erwartet, Unterschiede im Vergleich zu Serato DJ Pro findet man hauptsächlich im Bereich der Performancepad-Belegungen.

Konfigurationstool

Die Treiberinstallation beinhaltet ein Konfigurationstool, das den Zugriff auf verschiedene Mixereinstellungen von einem Computer aus erlaubt. Unter anderem lassen sich hier zwei BeatFX-Effektbänke mit je sechs Effekten per Mausklick zusammenstellen und die gewünschten Effektparameter wählen. Für einige Effekte steht die Option "Smoothing" zur Verfügung, sodass diese bei Deaktivierung ausfaden und nicht abrupt verstummen. Das Konfigurationstool ermöglicht zudem die Wahl der Filterresonanz für die Kanalfilter oder Selektion eines alternativen Color-Effekts. Zur Auswahl stehen Noise, Pitch, Dub Echo und Wide Filter. Leider kann die Auswahl der Effekte nur auf diese Weise und nicht am Mixer selbst erfolgen.

Bluetooth

Der DJM-S7 ist mit Bluetooth 5.0 und den Codecs SBC, AAC, Qualcomm aptX sowie Qualcomm aptX Low Latency ausgestattet und kann sehr einfach drahtlos mit einem Zuspieler kommunizieren. Die Audioqualität der Funkverbindung konnte in der Praxis überzeugen, wobei diese natürlich auch von der Qualität der Musikdateien abhängt. Nutzt man beispielsweise Songs von Spotify, Amazon Music, Tidal etc., ist es ratsam, Streams in CD-Qualität zu wählen. Die Funkverbindung ist sehr stabil, zu beachten ist allerdings die systemimmanente Latenz, die bei dieser Art der Zuspielung auftritt und das Mixen erschwert. Im Einstellungsmenü des Mixers lässt sich der BT-Verbindungston deaktivieren und das Signal zum Master oder in eines der beiden Decks routen, sodass die Effekte, EQ etc. nutzbar sind.

Fazit

Der Pioneer DJ DJM-S7 ist ein solider digitaler Battlemixer, der als Standalone-Gerät und Controller für Serato DJ Pro sowie Rekordbox nutzbar ist. Der Mixer bietet gut klingende EQs, anpassbare Fader und viele Konfigurationsmöglichkeiten. Seine robuste Konstruktion und zahlreichen Anschlüsse erlauben einen flexiblen Einsatz. Analoge Player lassen sich an den DJM-S7 anschließen, aber auch Signale drahtlos per Bluetooth zuspielen. Zwei USB-Anschlüsse sorgen zudem dafür, dass ein DJ-Wechsel einfach gelingt, wenn ein digitales Auflegen gewünscht wird. Kreativ arbeitende DJs werden an den vielen Funktionen, die mit den Performancepads steuerbar sind, Gefallen finden und können zudem auf eine Vielzahl praxisgerechter Effekte zugreifen. Mir hat der DJM-S7 großen Mixspaß bereitet und sich als (etwas) kostengünstigere Alternative zum größeren Bruder DJM-S11 empfehlen können, der ein etwas abweichendes Layout und einen Touchscreen besitzt.

Pro

Solide Verarbeitung
Viele und gut Onboard-Effekte
Magvel Pro Crossfader
Schaltet Serato DJ Pro und Rekordbox frei
Zwei USB-Computeranschlüsse
Bluetooth

Kontra

Timecode-Vinyls nicht im Lieferumfang
Color FX nur per Konfigurationstool selektierbar

Preis:

1499 Euro

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit battlemixer , DJM-S7 , Pioneer DJ , Rekordbox , Serato DJ Pro , Test

Geschrieben von:
Boris Alexander

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