Test: PWM Malevolent / semimodularer Analogsynthesizer

Test: PWM Malevolent / semimodularer Analogsynthesizer

Tests.7. September 2022

Mit dem Synthesizer-Debüt Malevolent will der englische Hersteller PWM eine ganz bestimmte Nische besetzen. Dank semimodularer Funktionsweise, geringem Formfaktor und fairem Preis soll sich das Instrument gegen die monophonen Analogsynths der Konkurrenz durchsetzen. In Zusammenarbeit mit der ebenfalls britischen Firma Future Sound Systems entstanden, basiert der Malevolent auf dem eigenständigen Konzept von Paul Whittington und verspricht ebenso eigenständige Sounds.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Mit Abmaßen von 490 x 250 x 80 mm und einem Gewicht von 2,61 kg erinnert der PWM Malevolent ein wenig an Korgs Microkorg, was wahrscheinlich auch an den 32 Minitasten liegt. Diese sind zwar immerhin anschlagsdynamisch und haben einen wertigeren Druckwiderstand, messen aber lediglich 1,6 cm in der Breite. Wer größere Hände oder Schwierigkeiten mit der Spielgenauigkeit hat, sollte das Instrument nach Möglichkeit also vorm Kauf anspielen. Das Gehäuse des Malevolent ist zwar aus Kunststoff, wirkt aber überaus stabil und scheint solide verarbeitet zu sein.

Die Frontplatte besteht sogar aus Metall, was den haptischen Eindruck aufwertet. Insgesamt erinnert das Design an Digitalsynthesizer aus den 80ern, doch PWMs Gerät arbeitet voll analog. Die dunkle Farbe passt gut zum Namen und - wie sich später zeigen wird - zum Sound. Insgesamt sieht der Malevolent einfach schick aus. Die Potis sind leider etwas wackelig und ziemlich empfindlich, es ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Überraschenderweise ist der Joystick unten links am Instrument smoother in der Handhabung. Ansonsten gibt es am Malevolent noch ein paar Funktionstaster im filzig-grauen Gummi-Look und einen 2-Way-Kippschalter.

PWM Malevolent Anschlüsse.

Die zahlreichen Patchverbindungen auf der Oberfläche des PWM Malevolent sind im 3,5mm-Miniklinkenformat gehalten und im Gegensatz zu den Potis sehr gut verarbeitet, sodass sorgenfrei gepatcht werden kann. Auch wenn PWM für einen semimodularen Synthesizer relativ viele Patch Points spendiert haben, wären Multiples und mehr Optionen für den LFO wünschenswert gewesen, doch dazu später mehr. Die übrigen Anschlüsse befinden sich an der Rückseite des Malevolent und überzeugen mit ebenfalls guter Verarbeitung: MIDI-In und -Out nach fünfpoliger DIN-Norm, Clock In und -Out als Miniklinkenbuchsen, sowie Phones und Line Out als 6,35mm-Klinke.

Eine Kensington Diebstahlsicherung sowie der DC-In samt Power-Schalter dürfen natürlich nicht fehlen und ein USB-C-Anschluss dient als alternative Stromquelle oder ebenfalls zur MIDI-Übertragung. Im Lieferumfang des Malevolent befinden sich außerdem das passende Netzteil, fünf Patchkabel in verschiedenen Farben sowie ausreichender Länge, eine Schnellstartanleitung und die magnetischen Seitenteile des Synths. Diese sind beim Unboxing noch nicht angebaut, lassen sich aber leicht anbringen - irgendwie random, aber hey, auch das ist modular!

Die VCOs

Die beiden Oszillatoren des Malevolent sind identisch aufgebaut und kennen die Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck und Rechteck. Ähnlich wie bei Moog oder dem SE-3X von Studio Electronics können pro Oszillator mehrere Wellenformen gleichzeitig klingen, doch der Clou von PWMs Synth liegt in den modulierbaren Shape-Parametern. Während die meisten Synthesizer lediglich für Pulsbreitenmodulation gewappnet sind, können beim Malevolent auch die Dreieck- und Sägezahnwellenformen geshapet werden. Das sorgt für spannende Sounds von der Wellenform an und fächert die klanglichen Möglichkeiten des Synthesizers immens auf.

"Trockene" Sounds klingen dank der Shape-Regler nie langweilig, bei Modulation durch LFO und Co. wird's bei Bedarf aber auch wild. Das Tuning der VCOs passiert mittels Coarse- und Fine-Potis, allerdings scheinen die beiden Oszillatoren nicht synchronisiert zu sein, sodass sich die Stellung der Tuning-Regler deutlich unterscheidet, auch wenn beide Klangerzeuger unisono klingen. Mit anderen Worten: Trust your ears! Zusammen mit dem etwas wackeligen Handling der Regler erfordert das Tuning des Synths jedoch unnötig viel Fingerspitzengefühl.

Filter und LFO

Das verbaute 12 dB Sullen Key Multimodefilter ist als Lowpass-Variante vorverdrahtet, mittels Patch-Verbindung sind aber auch Highpass- und Bandpassfilter verfügbar. Die Resonanz lässt den PWM Malevolent in extremeren Settings zwar angenehm zwitschern, richtig oszillieren kann das Filter des Synths jedoch nicht. Dafür hält sich die Ausdünnung des Bassbereichs in Grenzen und kann leicht durch einen der vielen Lautstärke-Regler ausgeglichen werden, denn beim Malevolent gibt es jede Menge Gain on Tap! Insgesamt macht das Filter zwar, was es soll, auch wenn es nicht unbedingt eine klangliche Offenbarung bietet.

Der LFO des Malevolent fällt da negativer auf, weil die ungenauen Potis auch bei der LFO-Frequenz das detaillierte Arbeiten erschweren. Generell ist der LFO des Malevolent ziemlich simpel gestrickt und kann nur als Dreieck- oder Rechteckwelle arbeiten. Auch die Frequenz des LFO reicht nur minimal bis in den hörbaren Bereich, sodass für manche Klänge auf die Oszillatorwellenformen zugegriffen werden muss. Außerdem gibt es beim Malevolent keinerlei Multiplier, früher oder später müssen also Adapterkabel her.

ADSR und Co.

Die Hüllkurven von PWMs Malevolent Synth machen wiederum eine bessere Figur. Egal ob kurz und snappy oder lang und flächig, die ADSR-Potis arbeiten überraschend präzise und führen schnell zum gewünschten Ergebnis. Die erste der beiden Hüllkurven moduliert die Cutoff-Frequenz des Filters oder die Frequenz der VCOs, während die zweite das An- und Abklingverhalten des Sounds an sich steuert. Via Patchbay gibt es natürlich noch mehr Möglichkeiten. Zudem befinden sich im Repertoire des Malevolent noch ein Noise-Generator und ein Overdrive für musikalischen Schmutz.

Ein Arpeggiator mit sechs Abspielmodi und automatischer Synchronisation zur analogen Clock, MIDI oder USB-MIDI sowie ein Multifunktions-Joystick stehen als Performancetools zur Verfügung. Letzterer ersetzt beim Malevolent die Mod- und Bendwheels und kann wahlweise als Pitchbend oder Vibrato funktionieren. Das funktioniert soweit auch ganz gut, lediglich die Hold-Funktion des Arpeggiators, welche auf 6-Uhr-Stellung des Joysticks aktiviert wird, wirkt hier irgendwie unpassend. Ein Glide-Feature gibt es beim Malevolent übrigens nicht.

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Fazit

Wie eingangs erwähnt ist die Konkurrenz an monophonen Analogsynths groß, doch der Malevolent von PWM kann sich dank seines charakterstarken Sounds durchaus behaupten. Der Name deutet es an und tatsächlich klingt der Malevolent herrlich düster und zerstörerisch. Die Shape-Regler der Oszillatorwellenformen sind vermutlich die größte Stärke des ansonsten eher simpel gestrickten Instruments und erweitern die Klangpalette enorm. Egal ob beim Finetuning oder als Modulationsziel, Waveshaping macht Spaß und bietet inspirierende Möglichkeiten, die es bei analogem Gear eher selten gibt. Als Mittelklasse-Synth für 569 Euro hätte die Verarbeitung der Potis jedoch solider ausfallen können – zusammen mit den nicht synchronisierten Tuningranges der Oszillatoren erweist sich das Justieren der Drehregler immer wieder als fummelig. Auch der dürftige LFO fällt früher oder später negativ auf, Patch Points für die Rate, LFO-Reset oder eine größere Frequenzspannweite wären hier schön gewesen. Dafür macht das Multimode-Filter einen soliden Job und die Hüllkurven sind sogar sehr gut. Alles in allem eignet sich der Synth durch seine monophone Funktionsweise besonders für Bässe, Leads und SFX. Trotzdem ist der Malevolent nicht gerade ein Schnapper. Am Ende entscheidet wahrscheinlich der Sound. Wer es düster und melodisch mag, sollte den Malevolent auf jeden Fall auschecken.

Pro

Satter Analog-Sound mit eigenständigem Charakter
Shape-Regler für jede Wellenform

Kontra

LFO zu rudimentär
Keine Multiplier in der Patchbay

Preis:

499,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von PWM.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog, Malevolent, monophon, PWM, semimodular, Synthesizer, Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski