Test: Rane Seventy A-Trak / Battlemixer in Sonderauflage

Test: Rane Seventy A-Trak / Battlemixer in Sonderauflage

Tests4. Dezember 2021

DJ-Spezialist Rane präsentiert mit der A-Trak Signature Edition eine Sonderauflage des Battlemixers Seventy. A-Trak ist mehrfacher DMC-Champion und hat dem zweikanaligen Serato-DJ-Mixer ein auffälliges Design und zusätzliche Special-Features spendiert. Lohnt sich der Aufpreis zum Standard-Modell?

A-Trak Signature Edition

Geräte in Sonderauflagen haben oft einen eigenen Reiz, da sie sich optisch oder auch funktional von der Standardausführung unterscheiden. Rane hat hierzu den Serato-DJ-Mixer Seventy in Kooperation mit dem kanadischen Performance-DJ Alain Mackiovitch aka A-Trak modifiziert. A-Trak zählt zu den jüngsten DMC World Champions und kann auf gemeinsame Arbeiten mit DJ-Größen wie Qbert, Arman Van Helden und Künstlern wie Kanye West zurückblicken.

 Rane Seventy A-Trak Draufsicht.
Die A-Trak Signature Edition des Seventy ist optisch gelungen und wirkt sehr edel.

Hardware

Der Rane Seventy in der A-Trak Signature Edition ist ein echter Hingucker. Während das Original nüchtern schwarz lackiert ist, beeindruckt die Special-Edition durch ein schickes mattes Silber, aber klar ist dies eine rein subjektive Bewertung meinerseits. Gemeinsam mit den griffigen, schwarz-silbernen Potis erinnert das Design an Rotary-Mixer oder analoges Studiogear. Die Gehäusedimensionen erstrecken sich wie beim Seventy unverändert über 285 x 445 x 105 Millimeter und das Gewicht liegt bei 5,6 Kilogramm.

Der Mixer wirkt sehr robust, trotzdem sollte man sich ein passendes Case zulegen, wenn man einen harten Festival- oder Club-Einsatz plant, damit keine Potis abbrechen etc. Rane verlangt für die Seventy A-Trak Signature Edition einen UVP von 2219 Euro. Im Preis enthalten sind neben dem Mixer die (kostenlose) Nutzung von Serato DJ Pro, zwei USB-Kabel, zwei durchsichtige 10-Inch Timecode-Vinyls und Timecode-CDs sowie die Pitch-n-Time-Erweiterung.

Performance-Mixer

Der Rane Seventy A-Trak Signature Edition ist eine zweikanalige Mixer-/Controller-Kombination und bietet einen parallelen Zugriff auf Hardware- und Software-Funktionen. Das Layout des Originals wurde bis auf Kleinigkeiten beibehalten und ist zum bequemen Abfeuern von Routines in verschiedene Bereiche unterteilt.

Im oberen Teil residieren Quellenwahl-Regler sowie (Kill-) EQs und kräftig zupackende Dualmode-Filter. Letztere werden mit großen Potis kontrolliert, die im Mixeinsatz einfach identifizierbar sind. Der Pegelhub der Eingangssignale ist modifizierbar und kann durch LED-Ketten kontrolliert werden. Die Illuminierungen haben mir in Kombination mit der silberfarbenen Faceplate optisch sehr gut gefallen. Des Weiteren gibt es hier Master- und Booth-Regler und ein 1,6-Zoll-OLED-Display dient zur Parameterüberwachung.

Loop-Taster und Effektwippen zur Kontrolle der Onboard- und Softwareeffekte beschließen diese Sektion. Die Onboard-Effekte setzen sich aus Echo, Reverb, Brake, Flanger und Phaser zusammen, das Delay wurde durch Fader FX ersetzt. Die Fader FX sind mit einer besonderen Steuerung versehen und umfassen Filter, Roll, Pitch, Ring und die Wellenformen Sine, Sawtooth, Square und Triangle. Mehr dazu im Praxisteil.

Unterhalb dieser Sektion befinden sich pro Deck acht Akai-Performance Pads, die mit kreativen Funktionen belegt sind, wenn der Mixer mit Serato DJ Pro kombiniert wird, sowie Mag-Four-Kanalfader und ein Mag-Four-Crossfader.

 Rane Seventy A-Trak Schrägansicht.
Neue Fader-Effekte sorgen für zusätzlichen kreativen Schwung.

Anschlüsse

Im Bereich der Anschlüsse hat Hersteller Rane den kompletten Umfang des Seventy übernommen. Damit ihr nicht zum Seventy-Test navigieren müsst, hier noch einmal zusammengefasst die recht üppige Ausstattung.

Zur Ausgabe der Mastersignale gibt es symmetrische XLR-Buchsen und für die Booth-Signale symmetrische Klinkenbuchsen. Beide Kanäle verfügen über je zwei Cinch-Buchsen-Pärchen und ermöglichen die Zuspielung von Line- oder Plattenspielersignalen. Zwei Mikrofone sind per Combo-Buchsen integrierbar und der Session I/O erlaubt Setup-Erweiterungen. Im digitalen Bereich umfasst die Ausstattungsliste des Seventy A-Trak Signature Edition zwei USB-Eingänge zum Anschluss von Rane Twelve-Playern oder MIDI-Controllern und zwei USB-Computeranschlüsse, damit eine Teamnutzung oder einer einfacher DJ-Wechsel erfolgen können.

 Rane Seventy A-Trak Rückansicht.
Die Anschlusssektion wurde vom Seventy übernommen und bietet viele Optionen.

DJing

Den Praxistest habe ich in Kombination mit Serato DJ Pro durchgeführt, die neuseeländische Software kooperiert ab der Version 2.5.6 mit dem neuen Rane Boliden und installiert beim ersten Starten auf einem Mac einen Treiber und ein "Device Settings"- Tool, das die Einstellung der Filter-Resonanz in den Decks, die Aktivierung des User Modes für die Peformance-Pads etc. erlaubt und gemeinsam mit dem geräteeigenen Einstellungsmenü viele individuelle Konfigurationsmöglichkeiten bietet. Nach der schnell erfolgten Timecode-Kalibrierung steht einem Premieren-Mix nichts mehr im Wege.

Das Laden der Tracks erfolgt durch Bedienschritte am Mixer und zum anschließenden Formen stehen gut klingende EQs und Filter parat. Das Ausgangssignal des Rane Seventy konnte bereits überzeugen und wurde für diese Spezialausfertigung des Mixers mit noch mehr Punch im unteren Frequenzbereich versehen. Zugegebenermaßen konnte ich hier keine direkte Gegenüberstellung beider Geräte mit einer geeigneten PA vornehmen, sodass ich dieses klangliche "Extra" nicht objektiv bewerten kann. Der Gesamtklang ist aber insgesamt unverändert amtlich.

Das Mixing macht mit den exakt arbeitenden Mag-Four-Kanalfadern und dem Crossfader großen Spaß, Mixtricks, sofern man sie beherrscht, gelingen treffsicher. Praktisch ist zudem, dass sich die Faderparameter inklusive des Crossfader-Widerstands schnell und einfach auf der Vorderseite anpassen lassen.

Die zentral platzierte Effektsektion mit den großen Effektwippen habe ich bereits in vergangenen Rane-Tests für gut und praxisgerecht befunden. Rane hat für die A-Trak Signature Edition den rechts außen platzierten Onboard-Effekt-Slot mit Fadereffekten bestückt. Wird der Fader-FX-Taster gedrückt, kann die Lautstärkesteuerung der Decks nur noch per Crossfader erfolgen. Mit den Kanalfadern sind in diesem Modus ausschließlich die Effekte modifizierbar.

Die Effekte Filter, Roll, Pitch und Ring bieten verschiedene Parameter zur Anpassung und lassen sich per Kanalfader sehr gut für Übergänge, aber auch punktuelle Highlights in einem DJ-Set nutzen. Mit den Wellenformen können tonale Inhalte für DJ Routines kreiert werden, Tonart und Oktavlage lassen sich wählen und bei Bedarf kann eine Dur- oder Moll-Skalierung erfolgen. Die Steuerung der Tonhöhe mit dem Fader ist recht speziell, erlaubt aber interessante Soundergänzungen.

Bezüglich der Performance-Pads gibt es keine Neuerungen zu vermelden. Die Pads reagieren super schnell und kontrollieren Hot-Cue-Punkte, Pitch-Play, Loops, Rolls, Flip (bei vorhandener Expansion), Samples sowie das Scratch-Bank-Feature. Darüber hinaus lassen sich Songs im Pad-Modus "Transport" starten, eine, wie ich finde, sinnvolle Notfallabsicherung. Wie schon beim Seventy-Test angemerkt, hätte ich mir für die Pad-Modi eine etwas umfassendere Beschriftung auf dem Gerät gewünscht, damit man Zweitbelegungen nicht auswendig lernen muss. Die ab Werk vorgegebenen Belegungen der Pads können bei der A-Trak Signature Edition ebenfalls per MIDI-Learn individualisiert werden.

Erweiterungen

Zusätzliche Geräte wie Tablets oder Smartphones können für musikalische Ergänzungen an den Session-Eingang angeschlossen werden, zudem zwei Mikrofone für MC-Performances. Die Signalsteuerungen erfolgen bequem auf der Ober- und Vorderseite des Mixers. Für einen der beiden Mikrofoneingänge bietet das Mischpult zudem einen Echo-Effekt und eine im Mixer-Einstellungsmenü aktivierbare Ducking-Funktion.

Fazit

Der Rane Seventy A-Trak Signature Edition überzeugt in Praxis, was aufgrund der technischen Nähe zum Original nicht weiter verwundern sollte. Der solide, zweikanalige Serato-DJ-Battlemixer bietet kreativ arbeitenden Digital-DJs eine große Spielwiese und zahlreiche Anpassungsoptionen. Die ergänzten Fader-Effekte haben mir gut gefallen und eröffnen neue kreative Möglichkeiten für Performer. Der Rane Seventy A-Trak Signature Edition ist für all diejenigen interessant, die bereit sind, für eine, wie ich finde, tolle Optik, Fader-Effekte inklusive der Fader-steuerbaren Wellenformen und einen leicht modifizierten Gesamtklang etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen.

Pro

Robustes, stylisches Gehäuse
Aufgebohrter Klang
Leicht gleitende Mag-Four-Fader
Zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten
Onboard-Effekte erweitert um Fader-Effekte
Schaltet Serato DJ Pro frei

Kontra

Pad-Modi nicht vollständig aufgedruckt

Preis:

1548,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Rane.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit A-Trak, battlemixer, rane, Serato DJ Pro, Seventy, Signature Edition

Geschrieben von:
Boris Alexander

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