Test: Rane Seventy / Battlemixer

Test: Rane Seventy / Battlemixer

Tests 18. April 2020

Der US-amerikanische Audiospezialist Rane stellt mit dem Seventy einen neuen Serato-DJ-Pro-Battlemixer vor. Der Seventy soll digitale Performance-DJs ansprechen und diese durch ein riesiges Arsenal an kreativen Funktionen und Anschlussmöglichkeiten überzeugen. Wie sich der Bolide in der Praxis schlägt, erfahrt ihr in diesem Test.

Battlemixer

Der Rane Seventy ist ein massiver Zweikanal-Mixer, der circa 5,6 Kilogramm wiegt und dessen Metallgehäuse 285 x 445 x 105 Millimeter misst. Die Verarbeitung des Mixers ist vorbildlich und die verbauten Materialien wirken allesamt robust und hochwertig. Da der Rane Seventy aktuell noch nicht auf dem Markt ist, habe ich kein speziell für diesen Mixer angefertigtes Case gefunden, was aber nicht weiter tragisch ist, denn sein Geschwistermodell Seventy Two hat die gleichen Abmessungen. Ihr könnt also hier zum Beispiel auf das Thon-Case zurückgreifen. Der Rane Seventy kostet 1599 Euro und beinhaltet Serato DJ Pro inklusive zweier Timecode-Vinyls und CDs sowie die Erweiterung Pitch 'n' Time.

Layout

Das Layout des Rane Seventy ist speziell für Performance-DJs ausgelegt und unterscheidet sich optisch von gängigen Installationsmixern. Anstelle von durchgängigen Kanalzügen trifft man beim Seventy auf zahlreiche Segmente, die einen schnellen und gezielten Zugriff auf die kreativen Funktionen des Mixers und der Software erlauben.

Im oberen Bereich des Rane-Boliden befinden sich für beide Decks Quellenwahlregler, ampelfarbene LED-Ketten zur visuellen Pegelkontrolle sowie Dreiband-EQs und Dualmode-Filter. Zwischen den Deckreglern sind die gut erreichbaren Steuerungen für die Master- und Booth-Signale platziert sowie ein kleines, gestochen scharfes 1,6 Zoll OLED-Display, das Effekt- und Mixerparameter anzeigt. Den Abschluss des oberen Drittels bilden die umfassend ausgestatteten Loop- und Effektkontrollen, die sich aus beleuchteten Tastern, Drehreglern und zwei Wippen zusammensetzen und ein treffsicheres Aktivieren der sechs Onboard- oder Serato-DJ-Effekte erlauben.

Der untere Bereich des Rane Seventy ist mit insgesamt 16 Akai Performance-Pads versehen, die zur Kontrolle verschiedener kreativer Funktionen in Serato DJ Pro ausgelegt sind. Dank farblicher Beleuchtungen lassen sich die gewählten Belegungen eindeutig erkennen.

Den Abschluss der Bedienelemente auf der Oberseite bilden die Kanalfader und der Crossfader. Rane hat hier kontaktlose Mag-Four-Fader verbaut, die super leicht laufen und deren Parameter direkt an der Vorderseite des Geräts in Echtzeit modifiziert werden können. Per Drehregler lassen sich die Faderkurvenverläufe anpassen und per Schalter umkehren. Zudem kann die Leichtgängigkeit des Crossfaders stufenlos reguliert werden.

Rane Seventy Mixer Vorderseite.
An der Mixer-Front können Fader- und Crossfader-Parameter in Echtzeit modifiziert werden.

Anschlüsse

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Mixers sind klar strukturiert und somit sehr einfach zu lokalisieren. Das Mastersignal wird per symmetrischer XLR-Buchsen ausgegeben und ebenfalls symmetrische Klinkenbuchsen transportieren die Booth-Signale. Die beiden Kanäle sind mit je zwei Cinch-Buchsenpärchen versehen, die den Anschluss von Line-Pegelquellen oder Plattenspielern erlauben. Zwei Combo-Buchsen dienen zur Ergänzung von Mikrofonen und ein Session I/O kann für Setup-Erweiterungen oder als zusätzlicher Ausgang zur Beschallung eines zweiten Raums genutzt werden. Zwei USB-Eingänge dienen zur Kommunikation mit Rane Twelve Playern oder MIDI-Controllern. Um das Auflegen als Team oder einen DJ-Wechsel zu vereinfachen, ist der Seventy mit zwei Anschlüssen für Computer ausgestattet.

Rane Seventy Mixer Anschlüsse..
Die Rückseite des Rane Seventy bietet ein aufgeräumtes Bild, sodass sich die Anschlüsse schnell identifizieren lassen.

Digitales DJing

Der Rane Seventy ist eine Mischung aus DJ-Mixer und Controller. Man kann das Gerät daher zum alleinigen Mixen analoger Zuspieler (inklusive EQs, Filter und Onboard-Effekte) oder in Kombination mit Serato DJ Pro nutzen und auch ein Mischbetrieb ist möglich. Da sich aber der größte Funktionsumfang in Verbindung mit Serato DJ Pro ergibt, habe ich meinen Testfokus auf das digitale Auflegen gelegt.

Für meinen Praxischek habe ich eine spezielle Beta-Version (2.3.4) von Serato DJ Pro verwendet, da nur diese zum Zeitpunkt des Tests den Mixer erkennt und unterstützt. Die Installation der Software und Einrichtung der Hardware erfolgt wie gewohnt schnell und zuverlässig und auch die Konfiguration der Timecode-Steuerung ist mit wenigen Handgriffen erledigt.

Mit den Bedienelementen des Mixers kann bequem in der Songsammlung navigiert werden und Songs landen per Knopfdruck in den Decks. Nach dem erfolgten Beatmatching per extern zugeführter Timecode-Signale lassen sich die Tracks mit den (Kill-) Equalizern und Filtern formen. Die Eingriffe klingen sehr harmonisch, somit lassen sich Songs sehr elegant überblenden. Insgesamt klingt das Ausgangssignal des Rane Seventy druckvoll und transparent, wie es sich für ein Profi-Device gehört.

Im Einstellungsmenü des Mixers können individuelle Anpassungen vorgenommen werden. Hier sind beispielsweise die Filter-Resonanz, die Stärke der Pad-Beleuchtung, das Cut-In für alle Fader und vieles mehr konfigurierbar, sodass auch Anwender mit sehr spezifischen Wünschen auf ihre Kosten kommen.

Der Mixvorgang lässt sich mit den sehr gut dosierbaren Mag-Four-Fadern souverän meistern. Wer Mixtricks beherrscht, wird die direkten Anpassungsmöglichkeiten der Faderparameter an der Mixerfront begrüßen. Besonders sticht hier die werkzeuglose Anpassung des Crossfader-Widerstands hervor Bei anderen Geräten muss dazu das Gehäuse geöffnet werden, was natürlich im laufenden Betrieb nicht möglich ist.

In der gut erreichbaren Effektsektion lassen sich wahlweise die Onboard- oder Software-Effekte selektieren. Die Effektsteuerungen haben mir sehr gut gefallen, da man mit den Wippen und separaten Parameterreglern sehr direkt arbeiten kann und sich die Effekte passgenau modellieren lassen. Der Mixer bietet die Effekte Echo, Reverb, Brake, Flanger, Phase und Delay, die sehr harmonisch klingen sich zum Ausschmücken von Breaks und Übergängen eignen. Während man immer nur einen Onboard-Effekt auswählen kann und dieser für beide Decks nutzbar ist, hat man bei den Software-Effekten etwas größere Freiheiten. Bis zu drei Software-Effekte pro Deck lassen sich aktivieren, die Auswahl kann für jedes Deck individuell erfolgen. Zudem ist es möglich, die Effekte mit den Bedienelementen des Mixers zu selektieren.

Ein weiteres großes Spielfeld bieten die 16 Pads des Rane Seventy. Mit diesen lassen sich HotCue-Punkte speichern und anfahren, die Pitch-Play-Funktion kontrollieren sowie Loops, Roll und Pitch Play steuern. Zudem gelingt das Abfeuern von Samples und die Kontrolle von Serato Sample (optional erhältlich). Praktischerweise sind auch die Transportfunktionen in Serato DJ Pro steuerbar, sodass man Songs auch dann noch starten und angleichen kann, wenn das Timecode-Signal ausfallen sollte. Etwas schade ist allerdings, dass nicht alle Pad-Modi auf dem Gerät abgelesen werden können und man so gezwungen ist, sich die zweite Belegungsebene zu merken.

Wer zusätzliche oder eigene Pad-Belegungen wünscht, kann zwei komplette Modi nach eigenem Gusto konfigurieren. Der Vorgang hierzu gestaltet sich denkbar einfach und ist mit wenigen Bedienschritten per MIDI-Learn erledigt.

Mikros

Für Durchsagen oder MC-Einlagen können bis zu zwei Mikrofone an den Mixer angeschlossen werden. Beide Kanäle besitzen eine Klangregelung, die effektiv in die eingehenden Signale eingreift. Für den ersten Kanal gibt es zudem einen anpassbaren Echo-Effekt und eine Ducking-Funktion, die man allerdings auch erst beim Studium des Handbuchs entdeckt - hier hätte mir eine entsprechende Beschriftung auf dem Gerät besser gefallen.

Fazit

Der Rane Seventy überzeugt als zweikanaliger Serato-DJ-Pro-Battlemixer durch seine praxisgerechte Ausstattung, eine vorbildliche Verarbeitung und einen sehr guten Sound. Performance-DJs finden eine Vielzahl an Features vor, die ein kreatives Arbeiten erlauben, und können den Mixer an die eigenen Vorlieben anpassen. Die spezielle Art der Effektaktivierung durch ein Wippen hat mir sehr gut gefallen und auch die Mag-Four-Fader inklusive der Echtzeitanpassungsoptionen erfüllen höchste Ansprüche. Vermisst habe ich die ein oder andere Beschriftung im Bereich der Pads und Mikrofone, die vor allem Nutzern entgegen kommen würde, die nicht täglich mit dem Gerät arbeiten – aber das ist auch schon Jammern auf hohem Niveau. Der Rane Seventy tritt als direkter Sparringspartner gegen den schon länger erhältlichen Seventy Two aus selbigem Hause an. Die größten Unterschiede zwischen beiden Modellen sind die verschiedenen Oberflächen-Layouts und die Touchscreens, die der Seventy Two für einen Aufpreis von circa 200 Euro bietet. Eine Empfehlung für eines der beiden Geräte auszusprechen ist recht schwierig, da beide eine sehr gute Qualität bieten. Ich denke, dass hier vor allem die individuelle Arbeitsweise ausschlaggebend ist.

Pro

Robustes Gehäuse
Praxisgerechtes Layout
Sehr guter Klang
Hochwertige Mag-Four-Fader
Umfassende Echtzeit Faderanpassungen
Gute Onboard-Effekte
Serato DJ Pro enthalten

Kontra

Zusätzliche Beschriftungen wären wünschenswert

Preis:

1559,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Rane.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit battlemixer , rane , Seventy , Test

Geschrieben von:
Boris Alexander

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