Die Marke Rane ist den meisten DJs als Premium-Mischpultmarke bekannt, welche sich vor allem in Zusammenarbeit mit Serato durch das digitale Vinylsystem Scratch Live weltweit einen Namen gemacht hat. Nach der Firmenübernahme durch die inMusic Gruppe haben sich viele Fans gefragt, was aus der Made-in-the-USA-Company werden würde. Mit dem Erscheinen des Seventy-Two Mixers war zumindest klar, dass Rane der Battle-Community treu bleiben wird. Was der neue Battlemixer mit integriertem Touchdisplay verspricht und was er letztendlich hält, haben wir im nachstehenden Test herausgefunden.

Erster Eindruck

Schon beim Auspacken des Rane Seventy-Two merkt man, dass man hier ein Battle-fähiges Gerät in der Hand hält. Das Metallgehäuse hinterlässt einen sehr robusten Eindruck, im Faderbereich ist viel Platz für Scratchmanöver und die vielen Fader-Einstellmöglichkeiten auf der Frontseite, die durch seitliche Bügel geschützt sind, zeigen klar, worauf der Fokus liegt. Ist der knapp sechs Kilo schwere Mixer erst einmal eingeschaltet, so leuchtet ein buntes Meer an Lichtern. Neben den Velocity-Pads fällt dabei als erstes das 54 x 95 mm große Multicolor Touchdisplay in der Mitte des Mixers auf. Mit verschiedenen Bildschirmebenen bildet es die Kommandozentrale für Waveformübersicht, Effekte und die Track-Sammlung.

Damit unterscheidet sich der Seventy-Two von allen aktuellen Battlemixern auf dem Markt und weckt mit seinem Touchdisplay gleichzeitig Erinnerungen an den Pioneer DJM-909. Mit seinen Außenmaßen grenzt er sich auch deutlich von herkömmlichen Mixern ab, denn mit 285 x 445 x 105 mm (BxTxH) ist der 2-Kanaler wesentlich tiefer und entspricht in etwa einem Technics 1210er MK2 im Battlemode (Hochkant aufgestellt). Sofern man begrenzte Platzverhältnisse hat, sollte hier auch der Anschluss von XLR-Kabeln mit einkalkuliert werden. In meinem Fall ragte der Rane Seventy-Two deswegen etwas über mein Expedit-Regal hinaus.

Der Rane Seventy-Two kommt mit einer Lizenz für Serato DJ Pro und der Pitch 'n Time Erweiterung. Dazu gibt es jeweils zwei Noisemap-Vinyls, CDs und eine mehrsprachige Bedienungsanleitung. Für die Installation auf einem Windows-Rechner muss ein Audio-Treiber installiert werden. Auf einem Mac entfällt dieser Schritt, sodass man relativ zügig ein betriebsbereites Setup vor sich stehen hat.

Der Seventy-Two ist bereits mit einem internen, ausschließlich Serato-fähigen 24-Bit-Audio-Interface ausgestattet, das mit einem Doppel-USB-Anschluss fließende DJ-Wechsel ermöglicht. Dementsprechend ist Serato DJ Pro nach der Installation direkt nutzbar - sowohl im externen Modus mit Turntables als auch im internen Mixer-Modus, bei dem der Seventy-Two auch als Standalone-Controller genutzt werden kann.

Kanalzug

Wie es sich für einen ordentlichen Scratch-Mixer gehört, sind die Kurven der Kanal- und des Crossfaders stufenlos einstellbar. Zusätzlich lassen sich alle Fader auch umkehren. Der Seventy-Two besitzt kontaktlose Fader, deren Schiebewiderstand manuell eingestellt werden kann (Dazu muss die Faderplatte abgenommen und eine Spannschraube eingestellt werden). Der Cut-In-Punkt wird für alle Fader softwareseitig eingestellt, was eine sehr präzise Scharfstellung bietet.

Pro Kanal besitzt der Rane Seventy-Two einen 3-Band Kill-EQ, einen Trimregler und einen bipolaren Filterregler. Letzterer ist zur optischen Unterscheidung mit einer blauen Reglerkappe ausgestattet. Zwischen EQ und Trim gibt es diese optische Hilfe nicht. Aber wer bis drei zählen kann, sollte auch in einer dunklen Umgebung nicht versehentlich an den falschen Regler kommen. Bei den Eingangsquellen kann man pro Kanal zwischen USB1, Phono, Line, AUX oder USB2 wählen. Dementsprechend ist der Seventy-Two mit diversen Eingangsquellen kombinierbar. Eine achtgliedrige LED-Kette zeigt pro Kanal den Pegel an. Für das Mix-Signal steht eine separierte Doppel-LED-Kette im rechten oberen Bereich des Mixers zur Verfügung.

Display

Wie oben schon erwähnt ist das mittige Touchdisplay die Kommandozentrale, wenn es darum geht, den Track (Waveform) im Blick zu behalten, mit Effekten zu spielen oder einfach nur den nächsten Track zu suchen, um ihn dann in eines der Software-Decks zu laden. Darüber hinaus können hier im Mixer-Menü weitere Einstellungen vorgenommen werden wie z.B. an die Panoramaregelung, der Filterresonanzanteil oder auch der Kopfhörer-EQ. Das Farbdisplay ist hell, lässt sich sehr gut ablesen und bietet genügend Informationen aus Serato DJ Pro, welche für den Mix relevant sind (z.B. Track Zeit, BPM, Key, Position der Cue-Punkte). Dies verhindert in den meisten Fällen auf den Laptop zu starren.

Die Touchfunktion des Displays reagiert sehr direkt. Diese kann auch für die Effektsteuerung über eine X-Y-Achse genutzt werden. Das Screenset ändert sich hierfür mit der Taste "Touch FX". Um das Display sind Tasten für den Trackbrowser und zur Parametersteuerung der internen und externen Effekte angesiedelt. Zum Einschalten bzw. kurzem Einstreuen der Effekte hat man sich die Kippschalter des Pioneer DJM-S9 abgeschaut, welche sich in unverkennbarer Größe unterhalb des Displays ansiedeln. Diese können dank der separierten Frontplatte auch umgedreht werden.Rane Seventy-Two Mixer von vorne.

Pads

Die acht Performance-Pads pro Deck sind, anders als die anderen Tasten auf dem Mixer, aus einem weichen Gummi und laut Herstellerangaben im MPC-Stil. Die Anschlagdynamik und der Druckpunkt eignen sich gut fürs Fingerdrumming. Durch die Multicolor-Hintergrundbeleuchtung bekommt man stets ein visuelles Feedback zum aktuellen Status. Die darüberliegenden Pad-Modus-Tasten sind ebenfalls gummiert und schalten über zwei Ebenen auf die Modi, Cue, Autoloop, Roll, Sampler, Slicer, Pitchplay, manueller Loop, PAD FX, Fader FX und Transport um. Insgesamt sind damit alle aktuellen Software-Spielereien inklusive Serato Flip abgedeckt und man bekommt darüber hinaus auch noch Controller-Elemente zur Tracksteuerung. In meinen Augen ergibt sich daraus, neben den vielen Effekten, ein gewaltiges Performancepotential. Die restlichen Tasten auf dem Mixer sind aus einem hartem Kunststoff, deren Druckweg relativ kurz und knackig ist.

Weitere Austattungsmerkmale

Der Rane Seventy-Two ist mit zwei Mikrofoneingängen ausgestattet, die jeweils einen Echo-Effekt beinhalten. Der erste Mikrofoneingang besitzt zusätzlich eine Talkover-Funktion (Duck) für Durchsagen. Damit der Seventy-Two sich auch für Team-Battles eignet, besitzt er einen Session-Eingang, über den ein externes Signal in den Mix geholt werden kann. Dieses Signal kann sowohl vorgehört als auch im Pegel angepasst werden.

Einstellmöglichkeiten des Rane Seventy-Two.
Der Seventy-Two besitzt softwareseitig noch mehr Einstellmöglichkeiten.

Seratos SP-8 Sampler hat auf der Seventy-Two Oberfläche einen eigenständigen Bereich mit Lautstärkeregler und Volume-LED-Kette. Zusätzlich kann das Samplersignal durch einen LP-HP-Filter gejagt werden und die internen Flex-Effekte sind ebenfalls darauf anwendbar.

Anschlüsse

Neben der digitalen Nutzung der beiden Kanäle bietet der Seventy-Two weitere analoge Eingänge für Plattenspieler, CD-Player und einem weiteren Line-Signal (AUX). Die beiden Mikrofoneingänge besitzen jeweils einen XLR-Klinke-Combo Steckplatz. Wahlweise können hier auch Line-Signale eingespeist werden. Wie vorher schon erwähnt, lässt sich der Seventy-Two durch einen Session-Eingang und -Ausgang (Cinch) in ein Team-Battle-Setup einbinden, sodass eine Verkettung von Battlemixern möglich ist. Das Mastersignal wird, wie in der Mixeroberliga üblich, über ein XLR-Pärchen ausgegeben. Die beiden USB-B-Anschlüsse dienen dazu, zwei Rechner anschließen zu können. Die beiden USB-A-Anschlüssen erlauben es, zwei Twelve Controller mit dem Mischpult zu verbinden. In diesem Sinne spart man sich die Belegung von weiteren USB-Anschlüssen am Rechner.Rane Seventy-Two Mixer von hinten.

Haptik

Insgesamt muss man dem Rane Seventy-Two zugestehen, dass es haptisch ein außerordentliches Vergnügen ist, sämtliche Regler, Fader oder Tasten zu bedienen. Die Zweifel einiger Usern, dass durch die Übernahme durch inMusic etwa die Qualität leiden könnte, kann ich nicht bestätigen. Bis auf die Tasten um das Display herum ist genügend Platz zwischen den Bedienelementen. Alle Drehregler haben einen angenehmen Drehwiderstand. Nichts hat in irgendeiner Weise seitliches Spiel und die Kappen sitzen fest auf den Achsen - battletauglich eben! Der Mag Three Crossfader ist definitiv scratchtauglich, besitzt aber keine Dämpfung wie der Crossfader des DJM-S9. Die Faderkappe entspricht in etwa der Größe der vom DJM-S9 und dürfte dementsprechend auch für größere Hände genug Angriffsfläche bieten.

In the mix

Mein Test-Setup bestand  aus dem Seventy-Two Mixer und einem Twelve Controller. Für die Zweidecksteuerung nutzte ich die Deckwahltasten auf dem Twelve. Zusätzlich hatte ich noch einen Technics SL-1210MK2 Plattenspieler mit normalem Vinyl angeschlossen. Auch wenn ich keine tighten Flare-Scratches beherrsche, so behaupte ich trotzdem, dass die Präzision von Cross- und Linefader unheimlich beeindruckend ist. Dank des einstellbaren Cut-In-Punktes per Software dürften die meisten Turntablists zufrieden gestellt werden. Bei meinem Seventy-Two Exemplar habe ich den Slider ein wenig nachgefettet, um den Crossfader noch leichtgängiger zu machen. Dies ist aber Geschmacksache und nicht unbedingt notwendig.

Ein absolutes Highlight während des Mixings ist das Touchdisplay auf dem Seventy-Two. Die Wellenformdarstellung bietet zwar nicht die gleiche Größe wie auf einem 13-Zoll Laptop, jedoch lässt sich damit alles Wesentliche gut überblicken und man behält die Augen auf der Arbeitsfläche. Leider ist die Darstellung mit der aktuellen Firmware noch ein wenig ruckelig, was sich aber in Zukunft mit weiteren Updates sicherlich beheben lässt.

Das eigentliche Arsenal an Möglichkeiten eröffnet sich im ersten Schritt beim Seventy-Two mit der Nutzung der Effekte. Hier werden sowohl die beiden Effektdecks aus Serato DJ Pro als auch die elf internen Flex FX Effekte auf dem Touchscreen angezeigt und können per Touch-Aktivierung und den angrenzenden Drehreglern kontrolliert werden. Im gleichen Screenset lässt sich auch die Quantisierung und das Routing der Effekte per Touch-Funktion steuern. Neben den beiden Kanälen können diese auch auf den Sampler angewandt werden. Spätestens hier machen sich dann doch die Grenzen des kleinen Displays bemerkbar, denn um diese Parameter anwählen zu können, steht nur wenig Berührungsfläche zur Verfügung. Das Ganze kann dann schon etwas fummelig werden, da Quantisierung und Effektrouting relativ nah beieinander liegen.

Etwas komplexer wird es dann, wenn man die Parameter der Flex FX Effekte ändert. Ich muss gestehen, dass ich beim ersten Anlauf durch eine Doppelberührung der Flex FX Fläche ungewollt auf diese Subebene gestoßen bin. Diese Subebene überlagert beim Anwählen im Screenset die Serato Effekte mit Parametern wie z.B. Feedback oder Cutoff. Ab hier betritt man dann schon die Nerdebene, deren Verschachtelung nicht unbedingt intuitiv ist. Wer es etwas einfacher haben möchte, aktiviert einfach die Taste "Touch FX" und bekommt dadurch auf dem Display eine X-Y-Achse angezeigt, auf der mit einer Fingergeste der Effekt gesteuert werden kann.

Rane Seventy-Two von der Seite.
Der Seventy-Two ist etwas tiefer als herkömmliche Battlemixer.

In einem weiteren Screenset lässt sich das Browsen in der Tracksammlung über das Display komfortabel erledigen, wobei die angezeigten Trackinfos kurzgehalten sind. Wer mit Tags und langen Listen arbeitet, wird nicht drum herum kommen doch auf den Laptopscreen zu schauen. Ansonsten kann man den Laptop eigentlich zugeklappt lassen, da alle wesentlichen Infos samt Einstellmöglichkeiten über das Display erreichbar sind.

Im zweiten Schritt wird mit den Performance-Modi (aus Serato DJ Pro) und den dazugehörigen Pads das volle Ausmaß der Möglichkeiten sichtbar. Neben den Seratostandards wie Cue, Loop, Roll, Sampler und Slicer ist hier besonders hervorzuheben, dass auch alle aktuellen Features aus Serato DJ Pro wie z.B. Pitch Play, Flip und Fader FX mit dem Seventy-Two kontrolliert werden können. Obendrauf macht der Transport-Modus den Seventy-Two zu einem Standalone-Controller, der auch ohne ein angeschlossenes Deck ein autarkes Auflegen möglich macht. Mit den Funktionen Pitchbend, Pitchfader, Key-Lock, Cue, Play-Pause und dem verteufelten Sync sind alle wesentlichen Track-Kontrollmöglichkeiten vorhanden. Etwas ungewohnt ist hier allerdings das Pitchen über zwei Tasten, wenn man doch sonst einen Fader gewohnt ist.

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass der Rane Seventy-Two in Sachen Sound eine absolute Bombe ist. Sowohl bei der 24 Bit/48 KHz Wandlung als auch beim Spielen von normalen Schallplatten lieferte der Mixer einen unheimlich hohen und klaren Output, der mich sehr begeistert hat. Die Flex FX Effekte klingen für einen Battlemixer ganz passabel. Eine eindeutige Pre- oder Postfaderschaltung wäre hier hilfreich gewesen.

Fazit

Technisch gesehen hat Rane mit dem Seventy-Two Battlemixer alles richtig gemacht. Man kann ihn als den verbesserten Pioneer DJM-S9 sehen, der ab sofort die neue Benchmark am Scratchmixer Markt setzt. Er ist definitiv in der Profi-Liga angesiedelt, was sich auch im Preis niederschlägt. Der Rane Seventy-Two schlägt mit ca. 1900 Euro zu Buche. Qualität hat nun mal ihren Preis. Die Zielgruppe dieses Mixers ist dabei der Scratch-DJ, der kurz vor dem Kauf eines Pioneer DJM-S9 stand oder sein Serato-Interface gerne zu Hause lassen möchte. In Kombination mit dem Twelve-Controller wäre der Seventy-Two natürlich auch eine Anschaffung, bei der man ein Setup ganz ohne Nadelsprünge bekommt und am Rechner USB-Ports einspart. Wenn ich etwas am Rane Seventy-Two verbessern könnte, dann würde ich dem Display eine Lock-Taste verpassen, damit keine unbeabsichtigten Moves im EQ-Bereich zu Tracksprüngen oder Effektaktivierungen führen. Ansonsten gibt es am Rane Seventy-Two eigentlich nur Positives, sodass ich ihn ohne Zweifel als battletauglichen 2-Kanaler empfehlen kann.

 

Pro

Sehr gute Verarbeitung
Erstklassige Fader und Einstellmöglichkeiten
Griffige Regler
Super Workflow durch das Touchdisplay
Viele Effekte
Sehr gute Performance Pads
Sehr guter Klang

 

Preis: 1900 Euro
Weitere Informationen auf der Rane-DJ-Website.
Passend dazu: Der Rane Twelve, den wir ebenfalls getestet haben.

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