Test: Reloop RP-1000 MK2

Test: Reloop RP-1000 MK2

Tests 23. März 2019

Für gewöhnlich nutzen DJs direkt angetriebene Turntables. Reloop preist mit dem RP-1000 MK2 einen DJ-Plattenspieler für Einsteiger an, der mit einem Riemen angetrieben wird - diese Art von Antrieb ist normalerweise eher im HiFi-Bereich anzutreffen. Umso neugieriger sind wir da natürlich, wie gut sich ein riemengetriebener Plattenspieler fürs DJing eignet. Nachstehend erfahrt ihr mehr über die neuen Features des RP-1000 MK2 und wie gut er sich im DJ-Alltag schlägt.

Ausgepackt

Der RP-1000 MK2 wird, wie die meisten Plattenspieler, styroporgelagert in einem Karton ausgeliefert. Der Plattenteller ist dabei separat gelagert, damit es nicht zu Transportschäden kommen kann. Im Lieferumfang enthalten ist Reloops OM Black Tonabnehmersystem, welches schon vormontiert auf einer Headshell sitzt. Eine weiche, schwarze Slipmat, das Tonarmgegengewicht, Netzkabel und eine Bedienungsanleitung sind ebenfalls sorgfältig in der Box verstaut. Eine Abdeckhaube ist nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber optional nachbestellt werden. Der Plattenspieler ist in wenigen Handgriffen einsatzfähig, neben der Anbringung von Tonabnehmer und Tonarmgegengewicht muss man nach Aufsetzen des Plattentellers noch den Riemen um die Antriebsachse spannen. Da der Plattenteller hierfür zwei Aussparungen besitzt, kann man dies relativ einfach mit einer Fingerbewegung erledigen, denn der Riemen liegt bereits am Plattenteller an.

Der DJ-Plattenspieler RP-1000 MK2 von Reloop.

Beschaffenheit

Optisch ist der RP-1000 MK2 an das Aussehen des Klassikers Technics SL-1210MK2 angelehnt. Dieser Eindruck wird einem sofort durch die Anordnung der Bedienelemente, der Form des Gehäuses und dem ganz in Schwarz gehaltenen Design vermittelt. Mit den Abmessungen von 450 x 352 x 144 mm (BxTxH) fällt er auch in das Raster der typischen Turntable-Maße. Beim Gewicht kommt der RP-1000 MK2 allerdings nur auf 5,7 kg, was ihn zu einem Leichtgewicht für einen DJ-Plattenspieler macht. Schuld daran ist das zum größten Teil aus Kunststoff gefertigte Gehäuse, welches lediglich ein Alu-Top-Panel besitzt. Des Weiteren sind die Taster in der MK2-Version nun in einem überarbeitetem metallischen Finish, außerdem wurde deren Druckpunkt verbessert. Mit der Start-Stop-Taste und den beiden Geschwindigkeiten von 33 und 45 U/min besitzt der RP-1000 MK2 insgesamt drei Tasten.

Weiterhin gibt es noch einen 11 cm langen Pitchfader mit Mittenrastung, eine ausklappbare Nadelbeleuchtung und den im 1210er Stil gehaltenen Ein- und Ausschalter, der zugleich das Kalibrierungslicht für den Plattenteller enthält. Der Tonarm mit SME-Anschluss ist aus einem Hochglanz-Aluminium und sitzt auf einer Tonarmbase mit Armlift und Antiskating. Die Tonarmbase selbst ist nicht in der Höhe verstellbar, auch wenn die Zahnradoptik hier erst einen anderen Eindruck vermittelt. Dazu kommt, dass die Tonarmlagerung ein wenig Spiel aufweist, welches sich akustisch durch ein Klackern beim Ziehen am Tonarm bemerkbar macht. Normalerweise ist das nichts Unbekanntes unter OEM-Plattenspielern, jedoch war bei meinem Testgerät eine Nachjustierung mit Feinwerkzeug erfolglos. Der RP-1000 MK2 steht auf nicht höhenverstellbaren Kunststofffüßen, die mit einer Dämpfung versehen sind, um so Vibrationen auffangen zu können.

Dank der Gummibeschichtung an den Füßen steht der Plattenspieler auch auf glatten Oberflächen sehr fest und bewegt bei seitlichem Druck eher das worauf er steht, statt sich selbst. Neben dem Netzkabel gibt es am Reloop RP-1000 MK2 anschlussseitig nur ein Cinchkabel mit Erdung, das das Phonosignal weiterleitet. Das Kabel ist dabei fest am Gehäuse installiert. Cinchbuchsen am Gehäuse wären hier bei eventuellen Kabelbrüchen von Vorteil gewesen, weil man auf diese Weise dann einfach nur das Kabel tauschen muss.

Der DJ-Plattenspieler RP-1000 MK2 von Reloop.

In the Mix

Reloops RP-1000 MK2 spielt normale Vinyls auf 33 und 44 U/min problemlos ab und zeigt sich bei der Gleichlaufschwankung auf dem Niveau eines Technics SL-1210MK2. Dementsprechend präzise lassen sich Tracks synchron halten ohne ständig zu korrigieren. Der Pitchfader mit seiner festen Pitchrange von +/-10 % arbeitet zufriedenstellend. Der Schiebewiderstand ist angenehm, nicht zu leicht und nicht zu störrisch. Auffällig war bei der Nutzung von Traktor Pro im DVS Mode, dass der Pitchfader bei 33 U/min erst bei -1 % den eigentlichen Nullpunkt hatte. Dies ließ sich im zweiten Schritt auch nochmal am Tellerrand anhand der Kalibrierungspunkte bestätigen. Sofern man nach Gehör beatmatcht, sollte das aber niemanden stören. Mein persönlicher Zweifel bei riemengetriebenen Plattenspielern war immer, ob die Zugkraft des Plattentellers ausreicht, um das Cueing genau hinzubekommen.

Gerade bei der Zielgruppe "Einsteiger", bei der die Handmotorik erst einmal trainiert werden muss, ist es eine unnötige weitere Hürde, wenn der Plattenteller trotz Slipmat aufgrund des geringen Drehmoments beim Cueing einfach stehenbleibt. Der Riemenantrieb des RP-1000 MK2 arbeitet hier aber überraschend gut. Geschätzt zieht der Teller wie ein 1,2 kg/cm Direktantrieb an, womit sich das Cueing von einer leichten bis mittelschweren Handauflage erledigen lässt. Es gibt hier durchaus direkt angetriebene DJ-Plattenspieler, die wesentlich weniger leisten und dementsprechend das Cueing zur Qual machen. Die flauschige Slimat unterstützt das Cueing natürlich ebenfalls durch weniger Reibungswiderstand.

Für das Pitchbending würde ich beim RP-1000 MK2 aber auch eher den Pitchfader nehmen, statt den Tellerrand und die Tellerachse. Hier die Finger einzusetzen wird bei BPM-Korrekturen schnell zu einem ungenauen Ergebnis führen. Fürs Scratching ist der RP-1000 MK2 eher weniger zu gebrauchen. Dafür ist der Antrieb dann doch zu schwach und das mitgelieferte Reloop OM Black liegt nicht ganz so sicher in der Rille. Für das reine Mixing zu Hause reicht diese Kombo aus Antrieb und System aber aus.

Der DJ-Plattenspieler RP-1000 MK2 von Reloop.

Fazit

Reloop hat mit dem RP-1000 MK2 einen riemenbetriebenen Plattenspieler am Markt, der sich für die ersten Mixing-Versuche und das Erlernen von manuellem Beatmatching mit Schallplatten eignet. Der Antrieb fühlt sich dabei kräftiger an, als manch anderer Direktantrieb mit 1 kg/cm Drehmoment. Die Ausstattung ist beim RP-1000 MK2 auf das Allernötigste reduziert, was in dieser Preisklasse durchaus in Ordnung ist. Der RP-1000 MK2 ist mit einer UVP von 219,99 Euro eher im Mittelfeld der Einsteiger-Plattenspieler zu sehen. Es gibt zwar Direktantriebe, die noch günstiger sind und ebenfalls ein System dabei haben, aber diese würde ich keinem Vinyl-DJ-Neuling aufgrund des zu schwachen Drehmoments empfehlen.

Optisch macht der Reloop eine gute Figur. Sobald man ihn anfasst wird aber klar, dass dieser Plattenspieler außerhalb der eigenen vier Wände eigentlich kaum einen Anwendungsbereich finden wird. Das relativ schwach gedämpfte Gehäuse (ist bei anderen Plattenspielern in dieser Preisklasse auch so) und die Tonarmaufhängung werden vermutlich Vibrationen von größeren Anlagen in den Signalweg streuen, was die Anwendung auf Events mit hoher Lautstärke problematisch macht. Aber da soll der RP-1000 MK2 ja auch nicht stehen, sondern die Begleitung bei den ersten Schritten im Vinylmixing sein.

 

Pro

Kräftig für einen Riemenantrieb
Reloop OM Black Tonabnehmer im Lieferumfang
Geringe Gleichlaufschwankung

Kontra

Pitchfader ist schlecht kalibriert

 

Preis: 219 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Reloop.

1 Kommentare zu "Test: Reloop RP-1000 MK2"

Harry X 3. Mai 2019 • 22:05 Uhr

Der sieht fast baugleich wie der von Audio-Technica LP-120 aus...

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