Ruhige, fast schüchterne Zurückhaltung zerfließt in verspielten und träumerischen Flächen. Der rauen Atmosphäre der Tanzfläche folgen kleine, reduzierte Momente der Melancholie. Die Musik von Julian Stetter trägt eine klare Handschrift, mit der er sich in seiner noch jungen Karriere bereits in die Tracklists vieler großer DJs eingetragen hat. Oder in unsere zehn liebsten Tracks aus 2018, 'Chorus' hat uns, obwohl bereits im Januar veröffentlicht, den Rest des Jahres einfach nicht losgelassen. Wir sprachen mit dem Kölner DJ und Produzenten in unserem neusten Up And Coming über Clubkultur, musikalische Einflüsse und seine Pläne für die Zukunft.

 

Du hast mit deinen bisherigen Veröffentlichungen bereits eine relativ große Bandbreite an verschiedenen Stilen gezeigt. Wie würdest du deine eigene Musik beschreiben und was sind deine größten Einflüsse?

Ich versuche mitunter radikal beim Produzieren zu sein, auch wenn meine Musik immer diesen poppigen oder auch schwermütigen Touch hat. Seit einigen Jahren dreht sich für mich alles um Clubmusik und Clubkultur. Dem geht allerdings eine lange Zeit voraus, in der ich mich viel mit Popmusik beschäftigt habe, unterschiedliche Bands hatte etc. Das spielt für meine musikalische Sozialisation alles eine Rolle - bewusst oder unbewusst. Beim Jonglieren mit Genre-Begriffen fällt mir vor allem auf, dass meine Musik zwar immer cluborientierter wird, ich im Hinblick auf meine Arbeitsweise aber noch nie so indie war, wie ich es heute bin. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich einfach Musik-Fan bin.

© Frederike Wetzels

Du bist mit deiner zweiten EP schon bei Jennifer Cardinis Label Correspondent erschienen und hast bei der letzten Permanent Vacation Compilation mitgewirkt. Wie kam es zu diesen Kontakten und bei welchen Labels siehst du dich in der Zukunft?

Die Verbindung zu beiden Labels ist ungefähr die gleiche. Sowohl Jennifer als auch Benjamin Fröhlich, der zusammen mit Tom Bioly Permanent Vacation macht, haben meine erste Solo-Veröffentlichung, den Track 'Wall' auf Ancient Future Now, viel gespielt. Durch gemeinsame Auftritte und Überschneidungen im Bekanntenkreis kamen wir dann persönlich in Kontakt und das Eine führte zum Anderen. Jennifer und Correspondant unterstützen mich sehr, übernehmen mitunter schon eine managementartige Rolle. Dass jemand mit einer solchen Reputation an mich glaubt, ist wirklich schmeichelhaft. Zumal ich mit Sicherheit sagen kann, dass meine Sozialisation mit Clubmusik integral von Correspondant und auch Permanent Vacation geprägt wurde. Ich bin nun in der komfortablen Situation von einigen tollen Labels wahrgenommen zu werden. Die Voraussetzung für weitere Kooperationen sind aber natürlich tolle neue Tracks und auch das bedeutet noch lange nicht, dass die besagten Labels wieder an Bord sind. Es gibt immer unheimlich viele Faktoren, die ungewiss sind und genau deshalb versuche ich nicht zu viel darüber nachzudenken und in erster Linie einfach neue Musik zu schaffen.

 

Bevor du deine ersten Schritte als Produzent in der House/Techno Szene gemacht hast, warst du (und bist es noch immer) Teil des Electropop-Duos Vimes. Inwieweit hast du als Band auf der Bühne und im Studio andere Erfahrungen gemacht als jetzt als DJ? Helfen dir die unterschiedlichen Erfahrungen bei deiner Arbeit als Band respektive DJ?

Ich habe durch vorige Projekte Einblicke in das Funktionieren der Musikindustrie bekommen, konnte bezüglich der Abläufe selbst Erfahrungen sammeln und habe vor allem auf künstlerischer Ebene sehr viel von unterschiedlichen Partnern gelernt. Die Art, wie ich die verschiedenen Arbeitsprozesse durchlaufe, hängt definitiv mit den Erfahrungen in vorigen Projekten zusammen. Die Kultur, in der ich mich jetzt bewege, ist aber doch eine ganz andere. Generell ist mir wichtig, dass mein Leben mehrere (musikalische) Facetten hat. Auf künstlerischer Ebene befruchten sich diese unterschiedlichen Erfahrungen sehr stark. Ich wäre kein glücklicher Mensch, hätte ich mein Leben lang nur eine Sache verfolgt.

 

Kommen wir zu einer technischen Frage. Wie sieht bei dir der Arbeitsprozess aus, welches Equipment nutzt du und wie gehst du im Allgemeinen an einen neuen Track ran?

Ich habe ein kleines, aber für meine Anwendung sehr gut ausgestattetes Studio, in dem ich - wenn ich nicht unterwegs bin - jeden Tag an Musik arbeite. Ich will nicht detailliert auf das Equipment eingehen, weil das in meiner Wahrnehmung immer etwas sehr Kapitalistisches hat. Audio Engineering spielt bei meiner Arbeitsweise eine große Rolle und ich mische mitunter sehr lange an meinen Tracks. Gerade deshalb muss ich aber während des Produzierens ständig prüfen, ob ich unabhängig vom Sound einzelner Elemente noch alles so anfühlt, wie es sich anfühlen soll. Es besteht immer die Gefahr, Stücke kaputtzuarbeiten und das, was den Vibe einmal ausgemacht hat, zu verlieren. Die Auseinandersetzung mit Musik anderer KünstlerInnen ist für mich als Produzent sehr wichtig. Ich habe erst durch das DJing ein musikalisches Feingefühl entwickelt, das grundlegend für meine Studioarbeit ist.

© Frederike Wetzels

Ein paar Jahre in die Zukunft geblickt - wo siehst du dich als Musiker? Gibt es schon Planungen bezüglich größerer oder auch kleinerer Projekte und weiteren EPs?

Ich arbeite an diversen Veröffentlichungen und hoffe auf mehr tolle Bookings etc. Spruchreif ist bisher eine EP, auf dem von mir sehr geliebten Hamburger Label Mireia Records und eine weitere enge Zusammenarbeit mit Correspondant. Alle anderen Pläne sind noch vage. In erster Linie will ich einfach weiterhin meine Musik machen können. Im Moment bin ich sehr frei in meinem Schaffen. Allen Arbeitspartnern gefällt, was ich mache, alle unterstützen mich, wo sie können. Das ist eine Situation, die ich sehr zu schätzen weiß. Ansonsten will ich versuchen, mich nicht zu sehr auf einzelne Karriereschritte zu versteifen - sonst ist die Enttäuschung zu groß, falls es doch nicht klappt.

 

Wie würdest du ein perfektes DJ-Set beschreiben?

Die Kunst des DJings besteht für mich darin, alles miteinander verschmelzen zu lassen. Als DJ bist du dann im Idealfall immer ein paar Schritte voraus, nimmst die Stimmung im Raum wahr und hast eine Idee, wohin du sie lenken willst. Im besten Fall weiß man, was man in 30 Minuten spielen will und welche Tracks diesen Moment am besten aufbauen. Dann geht es nicht mehr um einzelne Lieder, sondern nur noch um das Gefühl und die Energie. Für mich sind solche Erlebnisse das Beste am Musikmachen.

 

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