VESTAX PAD-ONE - Review

VESTAX PAD-ONE - Review

Archiv 24. Juni 2011

Würden wir Autos testen und vergleichen, so wäre dieser Beitrag in der Kategorie "Geländewagen" zu finden! Denn das PAD-One von Vestax ist wirklich ein massives Stück Controller.

 

Mit 2,1 kg Kampfgewicht im aus-dem-Vollen-gefrästen Alumantel macht der Controller nicht nur eine elegante Figur, sondern strahlt bereits beim ersten Augen- und Fingerkontakt seine uneingeschränkte Road-Tauglichkeit aus. Auch die gummierten Drumpads (zweifarbig beleuchtet) und das X-Y-Touchpad stehen bzgl. der Verarbeitung in nichts nach. Das Ding ist - ohne Übertreibung - wirklich ein Panzer!

Das Layout erinnert ein wenig an das Korg nanoPad, was aber auch die einzige Gemeinsamkeit darstellt. Angefangen von der bereits erwähnten Verarbeitung, über den im Gerät integrierten MIDI-Editor bis hin zu einer "echten" MIDI Buchse und weiteren netten Features wie Hold- oder Roll-Option lassen erahnen, daß der Vergleich nanoPad vs. PAD-One ziemlich einseitig ausfällt - und zwar zu Gunsten des Alu-Boliden. Der ausgewachsene USB-B Anschluß (anstelle Mini USB wie bei den Mitstreitern) sowie das optionale Netzteil tun ihr Übriges und bringen das PAD-One eine weitere Nasenlänge nach vorne.
Zur Steuerung jeder MIDI-fähigen Software stehen 12 Drumpads und ein X-Y Touchpad auf vier Bänken zur Verfügung. Jede Bank und jedes Pad können nach allen Seiten individuell eingestellt werden, d.h. Note, CC, Value, MIDI-Channel lassen sich im Gerät bestimmen. Da es keinen Software-Editor gibt, muß man diese Einstellungen auch direkt über das Scrollrad tätigen, was aber recht komfortabel und intuitiv funktioniert. Das dreistellige Display plus einigen LEDs liefern stets ausreichend Infos, was man gerade wie und wohin verstellt.

Über die Tasten "Roll", "Chromatic", "X-Y Hold", "Tap" & "Hold" und deren mögliche Kombinationen spielt das PAD-One dann seine wahren Stärken und vor allem sein Alleinstellungsmerkmal aus. Aktiviertes "Roll" wiedertholt die Pad-Kommandos mit der zuvor eingetappten Geschwindigkeit, über das X-Y Pad kann man dabei sogar die Geschwindigkeit temporär ändern. Ist währenddessen "Hold" ebenfalls aktiv, sendet das einmal gedrückte Pad dauerhaft die Intervalle, auch wenn Hold wieder deaktiviert wird. Anschließend könnte man also z.B. ein weiteres Pad eintriggern oder dieses dann ebenfalls per "Hold" dauerhaft aktivieren. Klingt im Text alles ein wenig kompliziert und wenig nachvollziehbar, macht jedoch in der Praxis tierisch Spaß und bietet ein enormes Kreativitätspotential, entweder beim Ansteuern eines Drumracks oder aber auch in Verwendung mit Traktor, indem sich Cue-Point Juggling, Effekteinblendungen oder ähnliche Spielereien automatisieren lassen.

padone_2aMit der Mini-MIDI Buchse (und beiliegendem Adapterkabel auf DIN 5-Pol) läßt sich über das PAD-One auch ein analoges MIDI Gerät ansteuern, bei Verwendung des optional erhältlichen Netzteil sogar gänzlich ohne Rechner. Hierbei zeigt sich dann auch wieder der Vorteil der integrierten Editiermöglichkeit aller Parameter, da sich der Controller somit vollkommen autark und standalone "analog" einsetzen läßt. Dies mag zwar bei den wenigsten Usern eine Verwendung finden, aber es ist dennoch schön zu wissen, daß es diese Option gibt.
Der Lieferumfang besteht aus dem Controller selbst, einem USB-Kabel, dem Mini-MIDI-to-DIN Adapterkabel und einem Manual in Englisch und Japanisch. Laut Vestax.de soll es zwar auch ein deutsches Handbuch geben, der "Link" führt bisher allerdings ins Leere. Eine CD sucht man vergeblich, doch ist eine solche auch nicht erforderlich. Das PAD-One läuft Class-Compliant (sprich: ohne zusätzliche Treiber), sowohl auf MAC als auch am PC. Für den Test mußten zwei PCs mit Windows XP SP3 bzw. Win7 32bit herhalten, und beide hatten das Gerät sofort erkannt.

Im kurzen Praxistest gab es dann jedoch zunächst ein kurioses Ereignis: obwohl das PAD-One ohne Probleme Ableton Live angesteuert und auch MIDI-Ox einwandfreie MIDI-Daten aufgezeichnet hat, verweigerte Traktor Pro (1.2.7) die Kooperation. Weder bekam ich über Learn die Note zugewiesen, noch zeigte die MIDI-Anzeige in Traktor überhaupt eine einzige Reaktion. Das Problem gab es auf zwei unterschiedlichen PCs und alle Nachforschungen darüber führten ins Leere. Eine Gegenprobe mit Traktor Pro 2 (2.0.2) allerdings war fehlerfrei, der Controller sendete, Traktor empfing und der Tester grinste. Da die "normalen" Funktionen keine besondere Herausforderung darstellen, habe ich sogleich mal die Specials getestet: Effekt-On auf ein Pad bei aktiviertem Roll & Hold und eingetapptem halben Tempo. Mit einem passenden Effekt kann das wirklich ziemlich interessant klingen. Ausbaufähig ist es allemal und vor allem macht es tierisch Laune, weil unkonventionell und dynamisch.

Kreativ und innovativ waren sie ja schon immer, die Vestaxianer, und mit dem PAD-One beweisen sie dies ein weiteres Mal. Verarbeitung TOP, Handling TOP, Features TOP. Doch kein Lob ohne Tadel: mit aktuell 179 € ist das Gerät rund dreimal so teuer wie seine Mitstreiter nanoPad & LPD8, was zwar aufgrund der zahlreichen Features und dem Alugehäuse nicht ungerechtfertigt ist, aber dennoch die Grenze des finanziell Machbaren aus Sicht des potentiellen Käufers erreicht - wenn nicht sogar übersteigt. Bleibt wenigstens zu hoffen, daß ein deutsches Manual bald nachgereicht wird, was bisher (noch) nicht zum Lieferumfang gehört und auch per Download noch nicht zur Verfügung steht. Letzter Kritikpunkt bzw. Featurewunsch von meiner Seite ist ein Software-Editor, um diverse Presets auf dem Rechner speichern zu können.

 PAD-One im Angebot des Musikhaus Thomann
 deutsche Produktseite auf Vestax.de

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