"Zukunft Feiern!" – So klappt Nachhaltigkeit auch im Nachtleben

"Zukunft Feiern!" – So klappt Nachhaltigkeit auch im Nachtleben

Features. 7. Januar 2024 | 4,8 / 5,0

Geschrieben von:
Nikta Vahid-Moghtada

Mit dem von Clubtopia entwickelten Code of Conduct, einer freiwilligen Selbstverpflichtung zum nachhaltigen Handeln, verpflichten sich Clubs und Festivals, das Party- und Nachtleben umweltfreundlicher zu gestalten.

Wenn von Nachhaltigkeit die Rede ist, dann geht es oft um ganz Alltägliches: um den Einsatz von Energiesparlampen, wassersparende Duschköpfe oder einen möglichst plastikfreien Wocheneinkauf. Die Initiative Clubtopia zeigt, dass Nachhaltigkeit aber nicht mit dem Bio-Hartweizen im Unverpacktladen enden muss, sondern auch im Nachtleben auf der Tagesordnung stehen kann.

Seit 2019 dient der von Clubtopia initiierte Runde Tisch für grüne Clubkultur als Ort des Austauschs und der Vernetzung für Akteur:innen aus der Berliner Clubszene. Gemeinsam wurde ein Code of Conduct, eine freiwillige Selbstverpflichtung zum nachhaltigen Handeln im Clubbetrieb, erarbeitet und 2021 veröffentlicht. Clubbetreibende und Veranstaltende, die den Code of Conduct "Zukunft Feiern!" unterzeichnen, verpflichten sich dazu, konkrete Maßnahmen umzusetzen: etwa den Einsatz energieeffizienter Glühbirnen oder Elektrogeräte, Wassersparmaßnahmen, Mülltrennung oder auch Awareness-Konzepte.

Als Unterstützung erhalten sie eine Liste an klimaschützenden Maßnahmen, die sich flexibel an die unterschiedlichen Bedingungen ihrer Veranstaltungen anpassen lassen. Erst kürzlich hat etwa der Berliner Tresor den Code of Conduct unterzeichnet.

Clubtopia und Zukunft Feiern setzen sich für nachhaltige Clubkultur ein.
© Marcus Bläsing

Nachhaltige Clubkultur auch über Berlin hinaus

Der Code of Conduct hat inzwischen auch über die Berliner Stadtgrenzen hinaus Wellen geschlagen und kann mittlerweile in weiteren Städten unterzeichnet werden. Im bundesweiten Netzwerk "Zukunft Feiern!" connecten sich teilnehmende Clubs und Festivals, tauschen Erfahrungen aus und profitieren von den Good Practices der anderen. Dabei werden sie vom Clubtopia-Team unterstützt und professionell beraten. 

Wer den Code of Conduct unterzeichnet, verpflichtet sich, aktiv zu werden – erhält im Gegenzug aber auch Hilfestellung und Beratung, die sich andere teuer bezahlen lassen.

Clubtopia ist eine Kooperation des BUND Berlin e.V., des clubliebe e.V., wird unterstützt von der Clubcommission Berlin und der LiveKomm und gefördert von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Die Initiative kennt die Tücken und Alltagsprobleme der Branche und hat den Maßnahmenkatalog an die Realität der Clubszene angepasst: "Wir wissen, dass die Clubszene mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat, seien es finanzielle Unsicherheiten oder bauliche Vorgaben", sagt Ina Friebe. "Wir wollen, dass der Code of Conduct gezielt CO2-Einsparungen bewirkt, aber der Weg dahin ist den Teilnehmenden freigestellt." Dabei richtet sich das Projekt nicht nur an Clubbetreibende, sondern auch an Veranstalter:innen von Festivals. Wer allein die typischen Bilder von den Müllbergen nach Festivals vor Augen hat, weiß: Es gibt ganz offensichtliche Probleme, die angegangen werden können. Und dafür braucht es nicht mal einen besonders ausgeprägten Aktivismussinn. 

"Wir glauben daran, dass Kultur und speziell die Clubszene ein entscheidender Motor für den nachhaltigen Wandel in Berlin ist. Als kreative Vorreiterin sollte und kann sie sich selbst umwelt- und klimafreundlicher entwickeln und darüber hinaus Impulse für ein Umdenken in anderen Bereichen setzen. Aus diesem Grund haben wir Clubtopia ins Leben gerufen."

Darüber hinaus gibt es auch Angebote, an denen Club-Gäste teilnehmen können: zum Beispiel das Future Party Lab, ein Innovationslabor für nachhaltige und klimafreundliche Clubkultur, das Clubbesitzer:innen, Clubmitarbeitenden und Clubgänger:innen zeigt, wie sie nachhaltig durch die Nacht kommen.

"Wir sehen die Clubszene ganz klar als wichtigen Teil der Kulturszene. Und wir brauchen die Clubkultur unbedingt für den nachhaltigen Wandel der Gesellschaft", sagt Ina Friebe. Clubs seien Multiplikatoren und Inspiration für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Und wie eng Klimaschutz und Feiern vernetzt sind, zeige sich schon am enormen Energiebedarf: Ein kleiner Club verbrauche an einem Wochenende etwa so viel Strom wie ein sparsamer Single-Haushalt im Jahr. 

Auch Festivals gehören zu den Unterzeichnenden, wie bspw. das Feel Festival / © Tina Eichner

Ressourcen sparen im Nachtleben – Beispiel SchwuZ

Der Berliner Club SchwuZ ist einer von nunmehr 14 in der Hauptstadt, der mit gutem Beispiel vorangeht und einer der ersten Clubs, der den Code of Conduct unterzeichnet hat (DJ LAB berichtete). Dort wird zum Beispiel auf Ökostrom gesetzt, was durch die hohen CO2-Einsparpotenziale der größte Hebel für Klimaschutz im Club ist. Die Urinale laufen wasserlos. An der Bar werden ausschließlich Mehrweggläser anstelle von Plastikbechern ausgegeben, Trinkhalme werden nur in besonderen Fällen ausgegeben – etwa, wenn sie unbedingt zum Trinken benötigt werden – und sind plastikfrei.

Tickets für Veranstaltungen gibt’s nur noch digital und auch das Marketing findet ausschließlich digital und nicht mehr im Print statt. Bei der Reinigung wird auf umweltschonende Putzmittel gesetzt, Müll auf ein Minimum reduziert.

Zukunft feiern – dazu gehört nicht nur ein schonender Umgang mit Ressourcen, sondern auch ein gesellschaftlicher Wandel. Veranstaltende, die den Code of Conduct unterzeichnen, sichern auch die Umsetzung eines Awareness-Konzepts zu. Die Crews und Kollektive zum Beispiel, die Partys im Berliner Club Fitzroy veranstalten, müssen ein klares Bekenntnis zu Diversität, Inklusion und Awareness abgeben. Das jeweilige Line-up sollte auf eine ausgeglichene Repräsentation von Männern, Frauen* und nicht-binären Geschlechtern abzielen, mit einem Fokus auf BIPOC & LGBTQIA+ Künstler*innen. Der Club hat sich, wie viele andere, klar gegen Rassismus, Sexismus, Ausländerfeindlichkeit und aggressives Verhalten positioniert.

Wie ein Festival das Catering nachhaltig gestalten kann, zeigt die Breminale. Neben Mehrweggeschirr stehen auf der Agenda: ein Abfallkonzept mit Bereichsteams, vegetarisches Catering, Second-hand-Crewshirts oder Wasser-Refill-Stationen. Außerdem wird für ein BUND-Moorprojekt gespendet, ein gedrucktes Programm oder Flyer gibt es nicht mehr.

Ähnlich handhabt es das Orange Blossom Special Festival für den Bereich Naturschutz. Die Organisator:innen bieten zum Beispiel geführte Vogelbeobachtungstouren an, bauen Vogelnistkästen, leisten generelle Aufklärungsarbeit und Umweltbildung für Kinder. Sie versichern außerdem, keinen Müll zu hinterlassen und verteilen Taschenaschenbecher, um das Wegwerfen von Zigarettenkippen zu verhindern.

Darüber hinaus setzt das Festival noch weitere Maßnahmen um: Diensträder sollen zum Beispiel vermeiden, dass die Crew unnötig Autos benutzt. Auch den Besucher:innen wird die Anreise mit der Bahn nahegelegt. Das Festival wird mit Ökostrom betrieben und Lebensmittelverschwendung so weit wie möglich vermieden – nur einige Beispiele von vielen Hebeln, die das Festival in Bewegung setzt.

Nachhaltigkeit ist selten perfekt und immer ein Weg, erinnert Ina Friebe. "Viele haben Angst davor, den ersten Schritt zu gehen, weil sie denken: Wir können sowieso nicht alles umsetzen. Aber darum geht’s ja nicht. Das Wichtigste ist das Engagement und die Motivation, etwas zu verändern."

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Veröffentlicht in Features und getaggt mit Awareness , Berliner Clubszene , Breminale , BUND Berlin e.V. , Clubcommission Berlin , Clubkultur , clubliebe e.V. , Clubtopia , Code of Conduct , Dimitri Hegemann , Festivals , Future Party Lab , Grüne Clubkultur , Klimaschutz , LiveKomm , Nachhaltigkeit , Orange Blossom Special Festival , Runder Tisch , SchwuZ , Senatsverwaltung für Mobilität , Tresor , Zukunft Feiern

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