Wenn es um Electronic Music Gear geht, sind Neuauflagen bekannter Produktlinien heutzutage Gang und Gäbe. Was AKAI Professional mit ihrer neuen MPC Live III gemacht haben, übertrifft das gewohnte Maß an Upgrades jedoch völlig: überarbeitete Pads mit MPE-Funktion, 16-Step-Sequencer mit dedizierten Step Buttons, ein integriertes Mikrofon sowie Clip Launcher und stark verbesserte CPU. Wie sich die bis dato beste Standalone-MPC in der Praxis schlägt, zeigt dieser Test.
Quick Facts
- 8-Core-Prozessor und 8 GB Ram für vierfache Leistung im Vergleich zu MPC Live II
- 16 RGB-Pads mit verbesserter Anschlagsdynamik und neuer 3D-Sensortechnologie
- Integrierter Lautsprecher, Mikrofon und Akku für den Einsatz unterwegs
- WLAN- und Bluetooth-Konnektivität inklusive Ableton Link
- Zwei XLR/TRS Kombibuchsen und acht CV-/Gate-Ausgänge
Verarbeitung und Haptik
Mit Maßen von 436 × 256 × 67 mm und 3,9 kg Gewicht ist MPC Live III etwas größer als ihr Vorgänger und ein ordentlicher Klopper. Zusammen mit der absolut erstklassigen Verarbeitung des robusten Gehäuses und der diversen Bedienelemente entsteht so ein überaus hochwertiger Gesamteindruck, allerdings schmälert der massive Formfaktor den Portability-Aspekt: Auch wenn Features wie integrierter Akku, Mikrofon und Lautsprecher zum Mitnehmen einladen, passt MPC Live III nicht in jeden Rucksack.
Qualität und Haptik des Lautstärkereglers, Date-Encoders und der Velocity-empfindlichen Q-Link-Knobs sind identisch zu bisherigen MPCs. Das heißt, sie sind zwar nicht besonders schön, aber absolut hervorragend in ihrem Job und zählen zu den stabilsten Reglern auf dem Markt. Besonders nützlich ist die Rasterung des extra großen Data-Encoders, wodurch sich dieser ideal für kleine/präzise Parameteränderungen eignet, während die stufenlosen Endlos-Encoder perfekt für smoothe Filterfahrten und Co. sind.
Mittlerweile MPC-Standard, bildet auch bei Live 3 ein 7 inch Touchscreen das Zentrum des Workflows. Während Funktionsumfang und Bildqualität wie gewohnt erstklassig sind, ist der Bildschirm ziemlich anfällig für Kratzer und Fingerabdrücke. Der Rest der MPC Live III ist zwar wie ein Panzer gebaut, bei häufigem Transport sollte jedoch unbedingt in ein passendes Case investiert werden, damit die Funktionalität des Screens gewährleistet bleibt.
Während MPC Live 2 als die MPC mit der geringsten Anzahl an Funktionstasten kritisiert wurde, besetzt MPC Live III mit 60 hintergrundbeleuchteten Extra-Buttons das andere Ende des Spektrums. Der Großteil dieser Taster ist zwar für den neuen Step Sequencer vorgesehen, aber auch die Transport-Sektion wurde erweitert. Rein haptisch sind die Buttons mit spürbarem Klick und angerauter Gummioberfläche unverändert zu anderen MPCs, lediglich die Beleuchtung ist jetzt etwas schicker.
Ein weiteres Novum bildet der zuweisbare Touchstrip. Weil sich von Lautstärke über Modulation bis hin zu Note Repeat alle möglichen Parameter steuern lassen, ist er überaus praktisch, bietet jedoch wenig taktiles Feedback. Immerhin ist neben dem Streichelstreifen ein rudimentäres Display für die jeweilige Parameterdarstellung platziert. Für die Zuweisung der Touchstrip-Funktion hat AKAI einen dedizierten Taster spendiert, sodass sich auch spontan und unkompliziert wechseln lässt. Außerdem speichert MPC Live III die jeweilige Strip-Belegung pro Track – sehr cool!

Hardware: Lautsprecher, Mikrofon und Akku
Die eingebauten Stereo-Speaker liefern eine überraschend gute Klangqualität. Sie können logischerweise nicht mit Studiomonitoren oder High-End-Kopfhörern mithalten, sind im Vergleich zu anderen Geräten mit eigenen Lautsprechern aber deutlich brauchbarer. Das liegt vor allem an ihrer soliden Basswiedergabe, die an Bluetooth-Speaker der oberen Mittelklasse erinnert.
Das integrierte Kondensatormikrofon ist auch nicht von schlechten Eltern und eine ideale Ergänzung, wenn man spontan Samplen möchte und kein externes Mikro parat hat. Zu guter Letzt versprechen AKAI bis zu drei Stunden Akku-Laufzeit der wiederaufladbaren Lithium Ionen Batterie, was angesichts der Rechenleistung von MPC Live III ziemlich beeindruckend ist.
Die inneren Werte: CPU, Speicher und Factory Content
Wie eingangs erwähnt, hat sich die Rechenleistung der neuen MPC Live III im Vergleich zu Live 2 vervierfacht. Dafür sind die 8 GB RAM und der 8-Core-Prozessor der 2. Generation verantwortlich. Auch wenn Live 3 für den Boot Up fast eine Minute benötigt und dabei erstaunlich laute Lüftergeräusche von sich gibt, ist der weitere Betrieb des Instruments frei von Nebengeräuschen – selbst bei komplexen Projekten mit vielen Plugins.
Apropos Plugins: bisher konnten pro Projekt nur acht Plugin-Tracks geladen werden, ab jetzt sind bis zu 32 möglich. Die Anzahl der verfügbaren Audio-Tracks hat sich von acht auf 16 erweitert. Das Beste an der verbesserten Rechenleistung sind die unfassbar kurzen Ladezeiten beim Öffnen der Plugins: Als würde man durch Samples browsen, könnt ihr von Preset zu Preset springen und direkt hören, wie sich der Sound der virtuellen Instrumente verändert.
Der interne Speicher ist von 16 GB auf 128 gewachsen und lässt sich nach wie vor via SATA-Slot, SD-Karte oder USB-Stick erweitern. Nach der Installation der 30 GB Sound Content und 24 Synth Engines, die im Lieferumfang der MPC Live III enthalten sind, bleiben aber auch ohne Erweiterung des internen Speichers noch über 70 GB Platz.
Was geht? Anschlüsse und Lieferumfang
Was die Anschlüsse der MPC Live III betrifft, sind vor Allem die beiden Audio Ins in Form von XLR/TRS Kombibuchsen zu erwähnen. Zusammen mit den Dual Mic Preamps samt Phantom Power könnt ihr also alle möglichen Mikrofone anschließen und direkt in die MPC Live III recorden. Über USB-C lässt sich MPC Live III auch als Audio Interface mit 24-bit bei bis zu 48 kHz verwenden, über die beiden USB-A-Slots lassen sich aber auch externe Interfaces anschließen. Wie so oft kommuniziert auch der neue USB-C-Slot der MPC Live III nur mit USB-Host-Devices. Das heißt, er eignet sich primär, um Audio vom Smartphone oder Computer zu samplen, oder eben um 24 Audio- und 32 MIDI-Spuren auszugeben.
Auf den Ethernet-Anschluss haben AKAI Pro bei der neuen MPC verzichtet, was dank integrierten WLANs und Bluetooth aber durchaus verkraftbar ist. Bluetooth ist vor allem für MIDI gedacht, während sich Wifi um Ableton Link, Firmware Updates oder Content-Downloads kümmert – Sample Streaming per WLAN geht leider nicht. Die sechs Audioausgänge und der Kopfhöreranschluss im 6,35 mm Klinkenformat, RCA-Phono-Ausgänge, jeweils zwei 5-Pin MIDI-Ins und -Outs, vier 3,5 mm CV-/Gate-Buchsen und die beiden USB-A-Slots kennen wir schon von MPC Live 2. Allerdings gibt es bei MPC Live III verbesserte CV-Tracks mit mehr Features für die CV-Buchsen, die sich via Y-Kabel übrigens effektiv auf acht Anschlüsse erweitern lassen.
Die neuen MPCe-Pads der MPC Live III
Nach den ersten Design Leaks der neuen MPC Live III gab es reichlich Kritik an der Optik. Viele Nutzende empfanden das Layout mit den vielen neuen Buttons als vollgestopft und die bunte Beleuchtung unseriös. Besonders die deutlich sichtbare Rahmung der 4x4 RGB Pads wirkt auf den ersten Blick weniger hochwertig als bei den Vorgängern. Allerdings haben sich AKAI Pro was beim neuen Look gedacht: So sind die Pads mittels 3D-Sensortechnologie in verschiedene Zonen aufgeteilt und erkennen im X/Y-Controller-Stil Bewegungen auf der Pad-Oberfläche. Über die gut sichtbare Beleuchtung der Ecken sorgt Live 3 für optisches Feedback, welche Zone gerade aktiv ist.
Der Nutzen von AKAIs neuen MPCe-Pads bezieht sich vor allem auf Drum- und Keygroup-Tracks. Dort lassen sich beispielsweise die acht Sample Layers auf die verschiedenen Pad-Ecken verteilen und je nach X/Y-Position gezielt abspielen. Das Routing geschieht über eine Mod Matrix im Track-Edit-Bereich, wo sich auch Crossfades über die Pad-Zones legen lassen und so ziemlich alle erdenklichen Parameter der Tracks über Velocity, Aftertouch und MPE modulieren lassen – Wow! Hinzu kommen Pad Articulations, die je nach Pad-Zone verschiedene Note Repeats erzeugen oder Pitch- und Dynamik-Modulationen umsetzen können.
Bei den Plugin-Tracks ist leider keine dedizierte Routing Page via Track-Edit erreichbar und auch die zahlreichen Instrument Presets lassen MPE-Steuerung vermissen. Selbst Aftertouch ist nicht ohne weiteres routbar, lediglich Velocity taucht in den diversen Edit-Fenstern als zuweisbare Mod-Source auf. Wer einen Workaround sucht, könnte den MIDI-Control-Mode bemühen, muss dann aber immer in ebendiesen switchen, wenn MPE- und Aftertouch-Modulation passieren sollen. Mal von den ganzen Bells and Whistles abgesehen, haben AKAI ihre neuen Pads aber auch in Sachen Ansprache und Spielgefühl verbessert, sodass unerwünschte Doppeltrigger endlich vom Tisch sind.
Verliebt in die Clip Matrix
Mein absolutes Lieblings-Feature der MPC Live III ist der neue Clip Launcher. Den erreicht ihr über Shift und Arrange bzw. Matrix, wodurch auf dem Touchscreen eine acht mal acht Clip-Matrix angezeigt wird. Die verschiedenen Spalten repräsentieren eure Project Tracks und die Zeilen die Songstruktur. Die Anzahl an Tracks und Clip Rows darf zwar durchaus höher sein als acht, dann muss aber über die Event-Pfeil-Taster oder die Touch-Felder am unteren Bildschirmrand durch die Ansicht navigiert werden, weil eben immer nur acht mal acht Felder auf den Bildschirm passen.
Das coole am Clip Launcher ist, dass bei laufendem Playback samt Overdub direkt neue Patterns recordet werden können, wenn auf ein freies Clip Feld getippt wird. Ist auf diese Weise ein Audiotrack ausgewählt, wird MPC Live III kurzerhand zum Live Looper und recordet automatisch die Signalquelle, die im Track Setting als Input ausgewählt ist (zum Beispiel das integrierte Mikrofon). Die standardmäßig generierte Clip-Länge beträgt zwei Takte, lässt sich aber im Handumdrehen variieren, wobei auch krumme Längen mit beliebiger Kombination aus Bars, Beats und Ticks möglich sind.
Mittels Long Tap auf ein freies Feld könnt ihr auch leere Clips erzeugen, die sich dann in Ruhe auf die gewünschte Länge einstellen lassen, während der Rest der Tracks munter weiterspielt. Außerdem fungiert das Tappen eines Clip-losen Feldes als quasi getimter Mute und dank diverser Abspielmodi wird die Clip Matrix zum interaktiven Songmode. Hinzu kommen praktische Optionen wie Duplicate Length with Events, wodurch ihr die Länge bestehender Clips samt deren Inhalt verdoppelt – ideal für Overdubs und längere Variationen. Egal ob spontan oder mit etwas mehr Vorbereitung, die Clip Matrix ist ein wahrer Workflow-Segen und bietet deutlich mehr als bloße Playback Synchro von Row zu Row.
Der neue Step Sequencer, Step forward?
Der neue Step Sequencer hat sich im Vergleich zur Clip Matrix deutlich weniger in meinen Workflow integriert. Auch wenn es ein wahrer Segen ist, MPC-Style-Gear nicht mehr über die Pad-Matrix zu sequenzieren, laden die expressiven Bedienelemente von Live 3 einfach zu sehr zum Echtzeitspiel ein. Cool ist, dass zum Blättern durch längere Sequenzen zwei Funktionstaster vorhanden sind und die MPC mittels Long Press der Buttons direkt zum ersten bzw. letzten Takt der Sequenz springt. Das ist super für Fills und Patterns, die eher am Ende der Sequenz passieren und zu Beginn ein paar Takte Stille haben.
Für die Noteneingabe gibt es verschiedene Optionen: Drum Seq kümmert sich um klassische Lauflichtprogrammierung, wobei das aktive Pad auf die Step Taster verteilt wird. Note Seq ist eher für melodisches und Material gedacht und springt im 303-Stil automatisch zum nächsten Step, nachdem Noten auf einen Step gelegt wurden. Step Mode ist eher für Drum Patterns gedacht und steuert verschiedene Modifier wie Velocity, Tuning und Ratchet pro Step. Note Length und Last Step sind relativ überschaubar und selbsterklärend. Automation hingegen ist AKAIs verhältnismäßig aufwändiger Versuch, Elektron-ähnliche Parameterlocks zu realisieren.
Die neuen Step Taster sind dank ihrer Doppelbelegungen aber auch jenseits der Lauflichtprogrammierung hilfreich. Beispielsweise können verschiedene Modi, wie Track Select, Track Arm, Track Mute oder Pad Mute aktiviert werden, die unabhängig von der aktuellen Bedienoberfläche aktiv bleiben. So könnt ihr zum Beispiel direkt über die Step Taster zwischen den Project Tracks switchen und umgeht so das auf Dauer nervige gedrückt halten des Main-Tasters. Außerdem gibt es noch die Edit-Action-Funktion, mit der die Step-Taster frei belegbar als Macro Buttons verwendet werden können.
Alternativen
Fazit
Wer ohne DAW arbeiten will, aber einen vergleichbaren Funktionsumfang sucht, findet mit MPC Live III eine durchaus überzeugende Alternative. Dank der stark verbesserten Rechenleistung muss man endlich nicht mehr abwägen, ob man sich einen weiteren Plugin Track im Projekt leisten kann und die deutlich verkürzten Ladezeiten halten den kreativen Fokus aufrecht. Hinzu kommen die vielen verschiedenen Workflow-Möglichkeiten von Step Sequencing und Song Mode über Live Recording bis hin zum neuen Clip Launcher.
Abgesehen vom stolzen, aber angesichts der Vielseitigkeit angemessenen Preis, erfordert es jedoch eine gewisse Einarbeitungszeit, bis MPC Live III souverän ausgeschöpft werden kann: Die vielen Funktionen sind nicht immer gleich zugänglich und man verliert sich schnell in den unterschiedlichen Menüs oder den je nach Track- und Plugin-Typ abweichenden Settings.
Die neuen Pads sind in Sachen Anschlagdynamik und Spielgefühl ein klares Update, allerdings ist die MPE-Funktionalität in der Praxis nicht ganz so nützlich, wie es auf dem Papier den Eindruck macht – vor allem, weil nur Drum- und Keygrouptracks mit MPE Features bzw. Mod Matrix ausgestattet sind. Trotzdem ist Live 3 nicht nur im Vergleich zu älteren MPCs ein klares Upgrade, sondern steckt auch Standalone Grooveboxes wie Elektron Tonverk in die Tasche. Lediglich Ableton Push 3 kann mithalten, hat aber weder den MPC-exklusiven Touchscreen Workflow, noch das klassische 4×4 Pad Layout.
Wer gerne unterwegs produziert, auf Fingerdrumming steht oder nach einem neuen Tool für Live Performance sucht, sollte MPC Live III unbedingt auschecken.
Pro
Erstklassige Verarbeitung
Hochwertiges Mikrofon und Lautsprecher
Endlich XLR-Anschlüsse für externe Mikros
Unfassbar hohe Rechenleistung
Stabile Auswahl an virtuellen Instrumenten und Effekten
Absoluter High End Sound
Kontra
Inkonsequente und (zu) tiefe Menüstruktur
MPE könnte besser integriert sein
Preis:
1.579 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von AKAI Professional.

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